1. #1
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    Traum versandt




    Ich hab das Träumen aufgegeben

    heut bei der Post,
    an mich selbst adressiert,
    und freu mich drauf,
    dass bald was im Briefkasten liegt
    neben der Werbung.



  2. #2
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    Guten Morgen Honigblume,

    das finde ich unglaublich gelungen, hatte, nachdem ich
    es gelesen, sogar den Briefträger vor Augen!
    Beste Grüße vom lautmaler

  3. #3
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    Hallo Honigblume!

    Auch ich kann nur ein dickes Lob hier lassen;
    Auch wenn die erste Zeile traurig daher kommt, denn keiner sollte jemals aufhören zu Träumen,
    so nimmst du ihr in V4 gleich wieder die Schwere.

    Toll umgesetzt das Ganze..
    gerne gelesen,
    mfg. Behutsalem
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  4. #4
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    Liebe Honigblume,

    da schließe ich mich doch gern den Vorkommentatoren an. Eine schöne Idee, die Träume bei der Post aufzugeben.
    Spontan dachte ich, dass die letzte Zeile ("neben der Werbung") die Wirkung des kleinen Gedichts ein bisschen abschwächt. Daher würde ich sie ganz weglassen.

    Lieben Gruß
    Richmodis

    Ich muss noch was hinzufügen als Nachtrag, bevor es im Kopf rumschwirrt und meinen Tagesrhythmus verschwurbelt

    Man könnte sogar noch weiter gehen und den Text nur aus 3 Zeilen bestehen lassen. Aber das ist Geschmacksache. Und sicher würde dann was fehlen, was dir selbst am Text wichtig ist:

    Ich hab das Träumen aufgegeben
    heut morgen, bei der Post,
    an mich selbst adressiert.


    Ich denke einfach, dass die Vorfreude da schon drinsteckt. Aber:
    Lass Dich nicht beirren. Ich bin ein Gedichte-Komprimierungs-Freak.
    Geändert von Richmodis (22.08.2018 um 10:15 Uhr)

  5. #5
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    Hallo Lautmaler, Behutsalem, Richmodis!

    Ganz lieben Dank an euch fürs Lesen und dass ihr zu diesem Kurzen was schreibt, zumal ich selbst zurzeit sehr schreibfaul und vor allem kommentierfaul geworden bin!

    @ Lautmaler
    Es freut mich sehr, wenn dir bei den wenigen Worten ein Bild oder ein kleiner Film in den Sinn kam! Ja, so ähnlich hatte ich mir’s auch vorgestellt, als ich die Zeilen schrieb. Vielen Dank für deine anerkennenden Worte !

    @ Behutsalem
    Wunderbar, dass du nach längerer Abwesenheit nun wieder so aktiv bist hier im Forum! Deine Gedichte und Kommentare haben hier lange gefehlt

    Ja, das Gedicht beginnt traurig und erfährt dann gleich eine Wendung durch das Spiel mit dem Verb „aufgeben“. Dennoch erscheint mir die Stimmung des LI im Gedicht insgesamt eher nachdenklich. Jemand, der seine Träume zur Post gibt und dann darauf wartet, dass sie zu ihm zurückkehren ... Sind es dieselben Träume, die dann im Briefkasten landen, oder haben die Träume sich auf ihrer kleinen Reise mit der Post einem Wandel unterzogen? Hofft das LI vielleicht darauf? Wieso behält das LI seine Träume nicht bei sich? Wieso muss es sie auf die Reise schicken? Erhält das LI sonst keine Post außer Werbung? (Ich versuche gerade, mein Gedicht „von außen“ zu betrachten).

    Ich habe vorletzte Nacht daran gedacht, dass ich endlich ein paar Unterrichtsbücher an meine Cousine verschicken muss, die seit Wochen bei mir zu Hause zum Versand bereit lagen. (Und ich habe die Bücher gestern zur Post gebracht, yeah ). Aber es ist ja vorletzte Nacht verdammt spät geworden, wie man an der Uhrzeit meines Postings sieht. Also war eigentlich schon Traumzeit. Die Idee zu diesem Gedicht ist sehr spontan entstanden: Ich muss endlich zur Post … ein bisschen grübeln, nachdenkeln … ich muss diese Bücher endlich zur Post bringen … Träume … nächste Woche ist mein Urlaub vorbei … ich sollte diese Bücher unbedingt morgen auf den Weg bringen … – Für mich selbst ist dieses Gedicht ein plastisches Beispiel, wie bei mir Realität und Imagination zusammenfließen

    Ich freue mich sehr, dass du dem Gedicht vor allem eine positive Aussage abgewinnen kannst

    @ Richmodis
    Auch dir herzlichen Dank für deine Gedanken! Ich mag’s auch gern kurz und knackig, sofern die Aussage mit wenigen Worten klar rüberkommt bzw. bei den Lesern/Leserinnen den Raum genügend öffnen kann für das Spinnen eigener Gedanken.

    Deine Kürzungsvorschläge gefallen mir gut – auch die auf einen Dreizeiler reduzierte Variante. (Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob die Dreizeiler-Variante bei anderen Lesern/Leserinnen ebenso die Assoziation "Vorfreude" aufkommen ließe, wenn sie nur den Dreizeiler und nicht das ursprüngliche Gedicht lesen würden.)
    Auf den Aspekt mit der Werbung würde bei deinen Varianten verzichtet werden. Werbung ist ja dafür gedacht, kleinere oder größere Träume zu wecken: In dem Kleid auf Seite 22 sehe ich bestimmt super aus … Wenn ich an XY spende, tue ich bestimmt etwas Gutes und habe ein reineres Gewissen … Ich steige jetzt um auf die Stromgesellschaft Ökoblitz …
    Die Träume des LI scheinen auf jeden Fall abseits dessen zu liegen, was gemeinhin beworben wird. Sie scheinen eher immaterieller Art.
    Auch du liest die Zeilen eher hoffnungsvoll, fröhlich. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr ganz genau erinnern, was mir vor zwei Nächten in dem Moment durch den Kopf schwirrte, als ich die Zeilen schrieb. Bestimmt war viel Emotionalität dabei, auch wenn die Zeilen eher kühl wirken durch die einfache, umgängliche Sprache. Fröhlich war ich allerdings nicht. Das weiß ich noch

    Vielleicht meldet sich noch jemand zu deinen Kürzungsvarianten? Das fände ich spannend.


    Euch dreien nochmals lieben Dank für eure Gedanken! Ich hatte ja gar keine Resonanz erwartet

    Deshalb

    ganz herzlich
    Honigblume
    Geändert von Honigblume (27.08.2018 um 02:21 Uhr)

  6. #6
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    Hallo Honigblume,

    da hat dein LI aber schwere Turbulenzen. Einsamkeit und Resignation schreit aus jeder Zeile, nicht mehr träumen, mit der großen Liebe wird es nichts mehr, nur noch ein ganz kleines bisschen träumen, der Brief soll erinnern. Das Wort "aufgeben" in der Doppelbedeutung gebraucht.
    Gut gemacht. Die Werbung im Briefkasten verstärkt den Eindruck der Einsamkeit. Nicht rausnehmen!

    Lb. Gruß, Rumpelstilz

  7. #7
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    Hallo Rumpelstilz!

    Ganz herzlichen Dank fürs Lesen, deine Gedanken zu dem Gedichtlein und dein Votum, es lieber nicht zu kürzen! Interessant finde ich, dass du die Zeilen als eher traurig empfindest. Ich glaube, die Interpretation des gesamten Gedichts liegt vor allem daran, wie man die Wörter "freu mich drauf" innerhalb des gesamten Gedichts einordnet.

    Nachdem die große Sommerhitze zumindest für heute ausblieb (gerade lese ich 16 Grad auf meinem Außenthermometer, den ich vom Schreibtisch aus sehen kann) und ich bei gekipptem Fenster fast fröstele (ich wusste kaum noch, wie sich das anfühlt), scheint sich die (nicht immer unangenehme) Hitzelähmung, die mich für Wochen in Beschlag nahm, zu verziehen. Ein Heupferd (oder ein mit ihm verwandtes Insekt) hat sich in diesem Moment außen an die Fensterscheibe geheftet und bewegt sich nun in Ultrazeitlupe in Richtung Fensterrahmen. Mach ich mal lieber das Fenster zu. Ich habe heute schon eins dieser Tierchen nach draußen befördern müssen. – OK, das war jetzt wirklich off topic.

    Lieben Dank nochmals für deinen Besuch !

    Herzlich
    Honigblume

  8. #8
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    liebe honigblume,

    seit ein großteil der post auf elektronischem wege stattfindet, bleibt der briefkasten wohl bei vielen menschen leer bzw. wird eben tatsächlich hauptsächlich nur mit werbung oder anderer unerwünschter post gefüllt. das trifft ja sogar teilweise schon auf die elektronischen *briefkästen* zu, wo man sich kaum vor spam retten kann. da ist der gedanke, sich selbst etwas zu schicken, damit man sich darüber freuen kann, plausibel, aber auch ganz schön deprimierend. mir jedenfalls zieht sich das herz bei dem gedanken schmerzhaft zusammen, dass das LI keinen anderen ausweg sieht, um seine traurigkeit und einsamkeit zu kompensieren. denn natürlich lässt sich das herz nicht auf diese weise austricksen, das ist dem LI sicher bewusst, auch wenn es sich vermeintlich drauf freut. die letzte zeile sollte unbedingt dranbleiben, genau aus dem grund, den rumpelstilz schon nannte.

    ich habe dein gelungenes gedicht sehr gern gelesen.

    liebe grüße
    lilisarah

  9. #9
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    Hallo lilisarah!

    Sehr lieb von dir, dass auch du bei diesen Zeilen vorbeischaust und deine Gedanken darüber mitteilst!

    „denn natürlich lässt sich das herz nicht auf diese weise austricksen, das ist dem LI sicher bewusst“

    Das finde ich sehr gut interpretiert. Ja, dieses Bewusstsein des LI um die Wirkungslosigkeit seines Handelns kann durchaus zwischen den Zeilen hervorlugen.

    Als ich die Bücher vor ein paar Tagen an meine Cousine schickte, legte ich auch eine Postkarte bei, auf der ich – natürlich handschriftlich – ein paar Zeilen an sie schrieb. Ich selbst schreibe manchmal noch Postkarten aus dem Urlaub an meine Lieben, erhalte selbst aber fast keine mehr. Wenn ich es recht überlege, verfasse ich ansonsten auch nur noch Beileidsbekundungen handschriftlich oder hin und wieder eine Glückwunschkarte. Dabei wirkt ein handschriftlich verfasster Text doch anders auf einen Empfänger als ein getippter, digital verschickter Text, oder nicht? Handschriftlicher Text auf Papier hat nach meinem Empfinden mehr Wertigkeit als ein Text, den ich nur auf einem Bildschirm oder Handydisplay anschauen, aber nicht mehr mit Händen greifen kann. Aber vielleicht bin ich einfach nur altmodisch geworden.

    Dennoch habe ich das Gefühl, dass den Menschen durch die zunehmende Digitalisierung der schriftlichen Kommunikation an vielen Stellen ein Stück Nähe und Individualität verloren geht, obwohl die Digitalisierung dazu führt, dass heute mehr als früher miteinander kommuniziert wird. Das ist paradox.

    Lieben Dank für deine Worte !

    Herzlich
    Honigblume

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