1. #1
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    Mein bester Kamerad

    Mein bester Kamerad



    Für mich der allergrößte Segen
    Das kostbarste in meinem Leben
    Der alte Mann der Welten lenkt
    Er hat mir meinen Sohn geschenkt

    Was das für eine Freude war
    Er war so klein und unscheinbar
    Hab ihn die ganze Zeit beschützt
    Und in so mancher Not gestützt

    Viel Mühe hab ich mir gegeben
    Dass etwas wird aus seinem Leben
    Gab guten Rat in Schmerz und Leid
    Mit Ruhe und Besonnenheit

    Wenn weinend er nach Hause kam
    Und ich ihn tröstend zu mir nahm
    War er gestürzt, total zerschunden
    Hat er Geborgenheit gefunden

    Und lagen mal die Nerven blank
    So haben wir uns abgewandt
    Und haben's dann geschafft zu zweit
    Mit Ruhe und Besonnenheit

    Doch die schönen Jahre gingen hin
    Jetzt, da ich nun alt geworden bin
    Ist aus den kleinen Kindersachen
    Ein großer, starker Mann gewachsen

    In all den Stürmen dieser Welt
    Er sich jetzt schützend vor mich stellt
    Mit Ruhe und Besonnenheit
    Mein Kamerad auf Lebenszeit
    Geändert von Ronald (23.08.2018 um 10:45 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Ronald,

    Inhalt:
    Sehr rührend. Schön.

    Form:
    In Strophe 6 verlässt du kurz den gleichmäßigen Rhythmus betont/unbetont/betont und benutzt unnötig Inversionen. Deshalb mein Vorschlag für diese Strophe:


    Die schönen Jahre gingen hin.
    Jetzt, da ich alt geworden bin
    ist aus den kleinen Kindersachen
    ein ... starker Mann gewachsen (die Pünktchen müsstest du ersetzen, ich weiß ja nicht, ob er groß ist )

    Liebe Grüße
    Richmodis

  3. #3
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    Hallo Ronald,

    eine sehr harmonische und liebevolle Vater –Sohn- Beziehung beschreibst Du in Deinem Gedicht. Gefällt mir gut.

    Es liest sich bis zur 5. Strophe sehr flüssig. Ab der 6. Strophe beginnt es ein wenig zu holpern. Um im jambischen Versmaß zu bleiben, würde ich das Wort „Doch“ im 1. Vers der 6. Strophe weglassen. Der 2. Vers in Strophe 6 und 7 ist im Satzbau etwas verdreht. Vers 4 und 5 in Strophe 6 reimen sich nicht wirklich.

    Für die genannten Textstellen habe ich versucht einen Lösungsvorschlag mit gleicher Wortwahl zu finden, was ich aber leider nicht hinbekommen habe. Mit geringfügiger Änderung und bemüht, den Sinn nicht zu verlieren, möchte ich Dir gerne diese Variante vorstellen:

    Die schönen Jahre gingen hin,
    in denen ich gealtert bin.
    Mein kleiner Sohn, er wuchs heran
    zu einem großen starken Mann.

    Weil er sich schützend vor mich stellt
    in all den Stürmen dieser Welt
    mit Ruhe und Besonnenheit
    ist er auch Freund auf Lebenszeit.

    Wahrscheinlich möchtest Du das so nicht übernehmen, was ich auch nachvollziehen kann. Ich möchte Dir aber sagen, dass es mir Freude bereitete, mich mit Deinem Gedicht intensiver zu beschäftigen, weil ich es inhaltlich wirklich sehr schön finde.

    Sollte das Lyrich und Du identisch sein, wird sich Dein Sohn sehr darüber freuen.

    Liebe Grüße
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  4. #4
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    Hallo Ronald,

    bis auf die von Richmodis angekreidete Passage ist das ein ganz hervorragendes Gedicht. Es verbietet sich zu spekulieren...aber es scheint als hättest Du ab Vers 6 die Geduld verloren. Schade, denn das kostet dich das Sternchen hinter der Eins. Aber eine Eins ohne Sternchen ist ja auch nicht gerade übel.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #5
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    Hallo Ronald;

    Dein Werk ist so feinfühlig schön, und ja, sehr berührend.
    Schöne Wortwahl , schöner Lesefluss, keine übertriebenen Metaphern;
    Auch ich schließe mich Richmodis Änderungsvorschlag an und bitte,bitte
    behalte die letzten zwei Zeilen in S7, warum? Weil damit alles wieder zusammenfließt.

    Sehr gerne gelesen,
    mfg. Behutsalem
    Geändert von Behutsalem (22.08.2018 um 22:43 Uhr)
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  6. #6
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    Hallo Ronald,
    bei all den Lobeshymnen fällt es mir schwer, dieses gutgemeinte Gedicht zu kritisieren. "Kamerad" - was ist ein Kamerad? Ich erspare mir eine aus dem Lexikon gelesene Definition. Welche Assoziationen drängen sich auf? "Ich hatt einen Kameraden", "Alte Kameraden" und andere.
    Einen Kameraden findet man, ein Kamerad ist so etwas ähnliches wie ein Freund, in bestimmten Institutionen ist man zur Kameradschaft verpflichtet.
    Das Vater-Sohn-Verhältnis ist doch etwas ganz anderes (und Du beschreibst in rosaroten Tönen ein ideales Verhältnis zwischen Vater und Sohn).
    Meine Söhne sind schlicht und ergreifend - meine Söhne und für die bin ich ihr Vater. Nein, meine Söhne sind nicht meine Kameraden oder Freunde.
    Deswegen ist der Titel und der Schluss in meinem Verständnis falsch.
    Eine Kameradschaft kann enden. Eine Vater-Sohn-Beziehung oder umgekehrt ist unauflösbar (auch wenn sie sich zerstreiten). Deshalb: Bedenke wohl die erste Zeile, denn hier ist das Thema verfehlt.
    Liebe Grüße,
    Festival

  7. #7
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    Hallo alle zusammen,

    habt vielen Dank für eure Kommentare. Ich habe die sechste Strophe noch mal geändert und ich hoffe, dass es so besser ist. Es war mir eigentlich als Gelegenheitsdichter gar nicht aufgefallen, dass diese nicht so in das Gesamtbild passt.
    Was ich mit diesem Gedicht sagen möchte ist, dass wohl jeder irgendwann in seinem Leben das zurückbekommt, was er gegeben hat. Sei es im
    positiven oder im negativen Sinne.
    Auf das Wort ,,Kamerad" möchte ich aber nicht verzichten. Dies hat seinen Grund in unserer Familiengeschichte. Ich habe das Wort ,,Kamerad" gewählt, um die Beziehung zu meinem Sohn in meinem Gedicht noch fester darzustellen. Und mein lieber Sohn, dem dieses Gedicht gewidmet ist, wird damit umgehen können. Ich hatte da auch nicht an ,,Ich hatt' einen Kameraden" gedacht, denn der Kamerad ist keine Erfindung des dritten Reiches, den hat es vorher schon gegeben und den gibt es heute noch, ob nun bei der Bundeswehr, bei der Feuerwehr, selbst von osteuropäischen Mitarbeitern in unserer Firma, mit denen man sich gut versteht, wird man zuweilen noch mit Kamerad angesprochen. Natürlich kann dieses Wort auch missbraucht werden wie so viele Wörter in unserer schönen deutschen Sprache, aber das war hier nicht meine Absicht gewesen. Mit der deutschen Sprache ist es wie mit allem anderen in unserer Gesellschaft, sie ist nun mal da, man muss nur damit umgehen können.

    Liebe Grüße an alle von Ronald
    Geändert von Ronald (23.08.2018 um 12:08 Uhr)

  8. #8
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    Lieber Ronald,
    das Lied vom guten Kameraden ist mitnichten ein Lied der Nationalsozialisten. Meine Kritik der Verwendung der Bezeichnung "Kamerad" für den Sohn
    soll nicht diesen Zungenschlag haben. Das Lied stammt aus dem Jahr 1809, also entstand gut 100 Jahre vor dem Nationalsozialismus und wurde von Ludwig Uhland geschrieben. Kameradschaft definiere ich, auch wenn Du es gut gemeint hast, nicht als ein Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Die Beziehungen zwischen den beiden kann innig und liebevoll sein, schlimmstenfalls auch voll in die Hose gehen. Auflösen kann man das Beziehungsgefüge nicht, Vater bleibt Vater, Sohn bleibt Sohn. Eine Kameradschaft kann man willkürlich beginnen, man kann sogar dazu verpflichtet werden. Vater-Sohn ist man, egal, wie die Stimmung zwischen den beiden ist.
    Liebe Grüße,
    Festival
    Geändert von Festival (25.08.2018 um 23:28 Uhr)

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