Thema: Apokalyptisch

  1. #1
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    Apokalyptisch

    Ringsum liegt die Welt in Trümmern,
    nichts steht, wo es vorher stand.
    Seltsam – keinen scheint's zu kümmern,
    Schlamperei im Niemandsland.

    Schwelend mehrt sich banges Ahnen,
    kommt der Rettungstrupp zu spät?
    Schafft er es, den Weg zu bahnen,
    mit dem schweren Räumgerät?

    Noch beklagt man keine Toten,
    doch die erste Seuche droht.
    Das Betreten ist verboten,
    Wiederaufbau täte not.

    Chaos reicht bis zu den Rändern,
    das ist wohl der Welten Lauf.
    Letztes Bäumen, was zu ändern:
    Kevin, räum dein Zimmer auf!
    Geändert von plotzn (23.08.2018 um 10:19 Uhr)
    Komische Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  2. #2
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    Lieber Plotzn,

    nun, da hatte ich mich schon auf sowas wie eine erste Plotzn' sche Elegie eingestellt, da kommt Klein- Kevin um die Ecke gekrochen.
    Meine Fehleinschätzng basierte aber auf den Seuchen und Toten, die du ins Bild eingestreut hattest. Retroperspektiv wollen sich mir diese aber nicht mehr ganz ins Bild eines Kinderzimmers einfügen lassen. Hier wären z.B. abgerissene Arme, Köpfe, Augen oder ein demolierter Krankentransporter realistischer gewesen, die auf dem Schlachtfeld gelegen hätten.

    L.G.A.

  3. #3
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    Lieber Anjulaenga,
    Hier wären z.B. abgerissene Arme, Köpfe, Augen oder ein demolierter Krankentransporter realistischer gewesen
    Stimmt, aber ich wollte nicht gleich die Katze aus dem Sack lassen...
    Die Pandemiegefahr beruht übrigens auf wochenalten Essensresten und ungewaschenen Kleidungsstücken, in denen sich Kulturen von Kleinstlebewesen häuslich niedergelassen haben.

    Dank Dir und liebe Grüße,
    Stefan
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  4. #4
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    Lieber Stefan,

    ich hatte nach den ersten beiden Strophen das Bild einer Auslöschung allen Lebens auf der Erde nach einer Atombombenexplosion oder einem Kometeneinschlag vor Augen.
    Never-nie wäre ich auf Kevins Zimmer gekommen...

    Härrlische Pointe mal wieder.

    Richy

  5. #5
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    Lieber Stefan,

    nach dem Lesen der ersten 3 Strophen fragte ich mich, weshalb Dein Gedicht wohl in der Humorecke platziert wurde und schon folgte der Knaller in der 4. Strophe:
    Kevin, räum dein Zimmer auf!
    Herrlich!

    Hat Kevin denn nun aufgeräumt? Mein Kevin früher war weiblich.

    Super Gedicht und die Pointe sitzt.

    Gerne gelesen.

    Liebe Grüße
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  6. #6
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    Moin Plotzn,

    man weiß ja, dass bei dir die Pointe unweigerlich kommen wird. Deshalb versuche ich immer schon beim Lesen jedes einzelnen Verses zu erraten, welche Wendung der Story du für uns vorbereitet hast (und freue mich dann immer ganz kindisch, wenn ich deine Absicht mehr oder weniger früh durchschaut habe).

    Dieses Mal ist es mir nicht vor Vers 16 gelungen. Klasse!

    Vielen Dank!
    VC

    P.S.: Unbeding erwähnt werden muss, dass es dir vor allem durch die sehr bildhafte Beschreibung gelungen ist, die Endzeitstimmung aufzubauen.
    Wunderbares Beispiel: "Schwelend mehrt sich banges Ahnen" Einzig "Schlamperei" passt aufgrund des harmlos, flapsigen Klangs nicht ganz dazu, was aber wirklich erst beim kritischen Nachlesen auffällt...
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  7. #7
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    Lieber Stefan,

    obwohl ich dieses Chaos nur zu gut kenne, wäre auch ich nicht auf Kevins Zimmer gekommen. Bravo! Hab mich wieder schön beömmelt! Statt der etwas verräterischen Schlamperei käme vielleicht Barbarei infrage? Muss aber nicht unbedingt sein. Ich hatte wie gesagt auch bei der Schlamperei keine Lunte gerochen.

    Danke für das Vergnügen!

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  8. #8
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    Liebe Richy,
    dann hat die Ablenkung ja gut funktioniert. Das Bild eines Kometeneinschlags liegt gar nicht so fern - ich hätte nie gedacht, dass sich der Sinn für Unordnung in jungen Jahren so stark vererben kann...

    Liebe Dabschi,
    ich fürchte, es dauert noch ein paar Jahre, bis "Kevin" aus Eigenantrieb heraus Ordnung hält. Bei mir kam der Wendepunkt erst mit dem ehelichen Haushalt...

    Lieber VC,
    wenn selbst Du die Finte nicht frühzeitig durchschaut hast, dann muss sie gelungen sein . Statt "Schlamperei" stand vorher "Chaos herrscht" (aber das doppelte Chaos wollte mir nicht so recht gefallen) und dann "Ignoranz". Bei Schlamperei dachte ich an Katastrophen, die durch menschliche Fehler entstanden sind und es ist ein leiser Wink auf den Schlussvers, der aber hoffentlich nicht sofort durchschaut wird. Sprachlich allerdings fällt es gegenüber dem folgenden Vers deutlich ab. Ich muss noch über eine bessere Lösung nachdenken - "Konfusion" vielleicht?

    Liebe Claudi,
    obwohl ich dieses Chaos nur zu gut kenne, wäre auch ich nicht auf Kevins Zimmer gekommen
    freut mich - und lässt mich auf eine Karriere innerhalb der drei großen "T" (Tarnen, Täuschen, Tricksen) hoffen.
    Die Barbarei klingt mir im Zusammenhang mit Kevins Zimmer etwas zu martialisch. Mal schauen, ob mir noch eine Alternative einfällt.

    Besten Dank euch allen und liebe Grüße!
    Stefan
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