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Thema: Erschöpfung

  1. #1
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    Erschöpfung

    Als ich ihr schon den Himmel
    von der Erde getrennt,
    dann diesen mit Luft
    und jene mit Wasser geflutet
    und Berge aus den Tälern gezogen hatte,
    forderte sie am vierten Abend nichts weniger
    als die Sonne von mir.

    Erst dann erlaubte mir Gott,
    in sie selbst einzudringen, um mit ihr
    den ersten Menschen zu zeugen.
    Aber das war es wert.


    überarbeitet mit Claudis Hilfe

    Als ich ihr schon den Himmel
    von der Erde getrennt,
    dann diesen mit Luft
    und jene mit Wasser geflutet
    und Berge aus den Tälern gezogen hatte,
    forderte sie am vierten Tag nichts weniger
    als die Sonne von mir.

    Erst dann öffnete mir Gott
    ihren Schoß, um mit mir
    den ersten Menschen zu zeugen.
    Aber das war es wert.
    Geändert von Verbalcarpaccio (29.08.2018 um 20:54 Uhr)
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  2. #2
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    Mit viel Sinn für Kreation und Proportion
    schaffst du einen Viewpoint,
    den wir Gott sei dank
    wieder verlassen, ehe uns
    alle Konsequenzen vor Auge geführt werden.
    Die Dramaturgie stimmt.
    KP

  3. #3
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    Hallo VC, das nenne ich erotischen Forschergeist: Ganz an den Anfang zurück.

    Ja, Rippen sind anspruchsvoll und göttliche Liebe allumfassend.
    Hahaha! Am Titel würde ich noch arbeiten.


    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (27.08.2018 um 20:09 Uhr)

  4. #4
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    Moin VC,

    oh, ich liebe Schöpfungsgedichte und bin sehr angetan von Deinem göttlichen Akt hier! Den Titel finde ich perfekt. Ein, zwei Sachen würde ich ändern. Laut Bibel war die Sonne am vierten Abend schon da, deswegen würde ich entweder den dritten Abend nehmen, oder die Zahl ganz streichen. Dann wäre LI am Abend schon ziemlich kaputt, bevor es (in der Nacht?) richtig zur Sache geht.

    Was mir noch nicht ganz gefällt, obwohl ich das Problem der Verdeutlichung verstehe, ist das "selbst" in V9. Ein Rezept kann ich leider auch nicht anbieten. Ich grüble nur mal ein bisschen vor mich hin:


    Erst dann erlaubte mir Gott,
    in ihr Heiligtum einzudringen, um mit ihr


    Erst dann öffnete mir Gott
    ihren Schoß, um mit mir



    Echte Bibelsprache wäre ja das Wort "erkennen", aber ich glaube, es soll schon beim Eindringen bleiben? Beides wäre dann zu viel des Guten. Ich überlege weiter, und bestimmt fällt Dir auch noch eine andere Lösung ein.

    In freudiger Erwartung

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  5. #5
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    Moin Kaspar,
    gerade weil ich auf diesem Gebiet (sowohl inhaltlich als auch formal) sehr unsicher bin, freuen mich deine wohlwollenden Worte. Merci!

    Hallo Albaa,

    ganz an den Anfang zurück, ja. Aber eher weg von "der Rippe". Warum bringst ausgerechnet du sie wieder rein? Kannst du vielleicht noch was zum Titel sagen? Erscheint er dir zu... profan oder findest du die Doppeldeutigkeit hier fehl am Platz?

    Hi Claudi,
    bei der Nennung wenigstens einer Zahl würde ich schon gern bleiben. "Abend" habe ich gewählt, weil ich vermutete, dass diese Tageszeit eher mit einem Date in Verbindung gebracht würde. Scheint mir aber nicht notwendig zu sein. Wie wär's mit "am vierten Tag"? "Am vierten Morgen" klingt schon wieder zu sehr nach bereits gemeinsam verbrachter Nacht, oder?

    Die Sache mit dem "selbst" war tatsächlich eine schwierige Geburt. Und zufrieden bin ich nicht. Vielleicht wäre es besser was für das Arbeitszimmer gewesen.
    Bei allen Varianten (und es gab viele) ohne "selbst", fürchtete ich die Lesart, dass Gott in den Akt mit einer dritten Person einwilligt. Besteht diese Gefahr? Ich hatte auch mit "sich" experimentiert: "... erlaubte mir Gott, in sich einzudringen, um mit ihr..." Aber das erscheint mir grammatisch falsch zu sein.

    Von deinen beiden Varianten gefällt mir die erste gar nicht und die zweite sehr gut. Den Akt selbst möchte ich gern körperlich verstanden wissen, deshalb kein "erkennen". Das würde die Sache zu sehr "vergeistigen", meine ich.

    Vielen Dank für deine Anregungen.

    lg euch dreien
    VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  6. #6
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    Hallo Vc,

    Ich bin nicht sicher, ob ich dieses Verwirrspiel richtig verstehe? Gott ist gleichzeitig eine Göttin?

    "... erlaubte mir Gott, in sich einzudringen, um mit ihr...) - Soll das so eine eine Art autoerotischer Dreifaltigkeit-Akt sein: Gott=Göttin(ich=sie)/Schöpfung (das Geistige)-Erde(das Sinnliche). Daraus entsteht ein Mensch und welches Geschlecht hat der nun?

    Du wolltest von der Rippe weg? Also eine Art Feminismus-Gedicht? Ich wollte der Rippe schon vor Adams Geburt göttliches Leben einhauchen. Aber damit liege ich wohl völlig daneben.

    Das Rippenproblem ist dann trotzdem nicht gelöst. Oder entsteht bei dieser Revision der Schöpfungsgeschichte etwa ein Hermaphrodit und alle unsere zwischengeschlechtlichen Probleme wären gelöst?


    Blamiere ich mich jetzt mit meiner Begriffsstutzigkeit? Egal, ich bitte trotzdem um Hilfe beim Enträtseln.
    Das hat mich erschöpft

    Lieben Gruß
    albaa

  7. #7
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    Hi albaa,

    im Grunde ist es doch egal, was und wen wir uns im Schöpfungsakt vorstellen wollen. Wir können es einfach nicht erfassen. Es bleibt ein nach menschlichem Ermessen in Bildern und Logik unvorstellbarer Vorgang, welcher hier wunderbar erzählt wird.

    Lieber verbalcarpaccio,

    es gefällt mir gut, welche Sprache und Form du für das Unvorstellbare gefunden hast. Es passt auch, für diejenigen, die in einem Zeugungsakt eine göttliche Dimension erkennen wollen.

    chapeau, A.

  8. #8
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    Wow, cool. Gefällt mir sehr gut.

    Lg, Skirke

  9. #9
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    Hallo nochmal,

    ich habe das Gefühl, beim Erlauben fängt das Formulierungsproblem schon an, und hab mal was mit Dürfen probiert und noch einen Vers dazwischen eingebaut:


    Erst dann durfte ich Gott berühren.
    Sie spürte, dass es gut war
    und öffnete (mir) ihren Schoß

    ...

    Das kommt der Sache schon näher, oder?

    LG Claudi
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  10. #10
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    Liebe albaa,
    Gott ist gleichzeitig eine Göttin?
    Wieso Verwirrspiel? Ich denke, wenn man sich schon darauf einlässt, an Gott zu glauben, ist es dann nicht folgerichtig, in Gott gleichzeitig eine Göttin zu sehen? Mich würde eher alles andere verwirren...

    Hallo Anjulaenga,
    Es passt auch, für diejenigen, die in einem Zeugungsakt eine göttliche Dimension erkennen wollen.
    Mein LI war wohl in etwa genau so drauf. Ich gebe aber zu, dass auch andere Assoziationen möglich (und passend) sind.

    Hi Claudi,
    ja, dein Blick auf die Schwachstellen ist immer noch glasklar. "Erlauben" klingt wirklich sehr unbeholfen. Da hätte ich länger dran basteln müssen. Deine neue Version klingt geschmeidig; ist mir aber einen Tick zu "bibelsprachlich" (... dass es gut war). Also ähnlich wie beim "einander erkennen".

    Ich baue (mit deinem Einverständnis) mal deine erste Schoßversion ein. Die erscheint mir körperbetonter und kommt zudem ohne die zusätzliche Betonung durch "selbst" sehr gut aus.

    Vielen Dank euch allen (auch an Skirke) für euer Feedback und die Anregungen.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  11. #11
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    Ja, lieber VC, jetzt ist alles drin und kein Wort zu viel. Das nenne ich ein Gedicht! Es kommt in die Liste meiner absoluten Lieblinge.

    LG Claudi
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  12. #12
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    upps!?!?
    wer zeugt denn nun mit wem?
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  13. #13
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    LI mit seiner Angebeteten? Jedenfalls ist das die Lesart, die ich bevorzuge.
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  14. #14
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    Zitat Zitat von Verbalcarpaccio Beitrag anzeigen
    Liebe albaa,
    Wieso Verwirrspiel? Ich denke, wenn man sich schon darauf einlässt, an Gott zu glauben, ist es dann nicht folgerichtig, in Gott gleichzeitig eine Göttin zu sehen? Mich würde eher alles andere verwirren...
    Lieber Vc,

    Ja und warum verwendest du dann die männliche Form "Gott" (den ich mir katholisch konditioniert wie ich bin, ziemlich unerotisch, als strengen weißbärtigen Mann vorstelle muss) anstatt gleichberechtigt "Göttin" (mit welchem Begriff ich bereits auf Anhieb eine gewisse sinnliche Dimension verbinden könnte).

    Und die zweite Version geht ja noch weiter von deiner oben geäußerten Gott=Göttin-Sicht weg, indem diese Version einem männlichen Gott die Macht/Entscheidungskompetenz in die Hand gibt: Nun wird er sogar zum sexuellen Beihelfer, indem er für das LI den Schoß von welcher "ihr" auch immer öffnet. Das führt jedenfalls mE auch immer weiter vom "Rippenproblem" weg. Aber auch wenn ich das Gleichberechtigungs/Religionsproblem ausklammere: Unter dem Aspekt "Erotik" kann ich erst recht (noch weniger mit der zweiten Version) nichts damit anfangen, aber das mag an mir liegen.

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (30.08.2018 um 13:54 Uhr)

  15. #15
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    Liebe Albaa,

    wie kommst Du darauf, Gott wäre eine männliche Form? Ich nehme an, es liegt an den polytheistischen Religionen, in denen verschiedenen Göttern unterschiedliche Geschlechter zugeordnet werden. Im Monotheismus kennt man aber nur Gott. Da hat Gott weder einen Artikel, noch ein Geschlecht. Das Bild vom Vater ist nur eine Metapher, die auf patriarchische Denkweise zurückgeht. Wie kann man das im 21. Jahrhundert noch so wörtlich nehmen?

    In VCs Gedicht geht es doch um Erotik? Ich lese hier die höchste Form der Verehrung heraus, die ein Mensch für einen anderen Menschen empfinden kann. Das Li stellt sich ganz in den Dienst der/des Geliebten. Nach meiner Lesart ist es genau das, was Erotik von Sex unterscheidet. Und ich gehe davon aus, dass das LD die gleiche Situation genau andersrum beschreiben würde. Aber hier geht es ja um die Sicht des LI.

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (30.08.2018 um 14:32 Uhr)
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