1. #1
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    Strom des Lebens

    Das Leben fließt in seines Schicksals Bahnen,
    ist wie der Bach, im Anfang arglos, klein,
    doch sammelt er im Laufe Weisheit ein,
    beginnt die Wahrheit mehr und mehr zu ahnen.

    Bald ist das Rinnsal dann zum Fluss gediehen,
    die Freude, alles Leid, das er enthält
    verschmelzen mit den Wassern dieser Welt
    im Ozean, wohin die Ströme ziehen.

    Es lebt ein Liebreiz in Beginn und Ende
    ein still erfülltes Werden wohnt darin.
    Da gibt es kein Zurück, noch eine Wende.

    Doch mit der Strömung gleitet still ein Sinn,
    ich gäb mein Leben drum, wenn ich ihn fände
    um letztlich zu erfahren, was ich bin.
    Geändert von Galapapa (31.08.2018 um 16:22 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Galapapa!

    Ohhh, ist das schön!!
    Ein Sonett , wunderbar ausgedrückt, wunderbar illustriert;
    Ich schmelze dahin beim Lesen deiner Worte;

    Hier ist alles eine Einheit, Beginn und Ende, und ja, das was von uns schlußendlich übrig bleibt
    wird uns beim ersten Atemzug schon mitgegeben; wohin die Reise führt bestimmt das Leben, seine Umgebung, seine Bahnen, aber schußendlich hat alles seinen, oder besser gesagt, einen Sinn..

    In deinem Wesen möcht ich baden,
    mich leiten lassen, lernen und verstehn,
    kein Irren, nur ein süßes Ahnen,
    entschärft mein leises Abschiednehm;

    Mglg. Behutsalem
    Geändert von Behutsalem (29.08.2018 um 11:36 Uhr)
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  3. #3
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    Hallo Galapapa,

    wirklich ein schönes Gedicht, das du hier verfasst hast!
    Die stetige Entwicklung vom kleinen Bach zum Fluss bis hin zum weiten Ozean gefällt mir, genau so wie am Ende das sehnsüchtige Verlangen des lyrischen Ichs, den Sinn des Lebens zu erfahren. Der Bezug zu einem Ich in den letzten Versen lässt das Ganze noch tiefgründiger wirken und gibt eine persönlich Note, die ein Identifizieren mit dem lyrischen Ich leichter macht.

    Gern gelesen

    Liebe Grüße,
    Poeia

  4. #4
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    Hallo Galapapa,

    ein Sonett, hm. Eines, das sich mit den großen Dingen des Menschen befasst: So ist es, das Leben, ein Bach, ein Fluss, ein Ozean - eben Schicksal. Kann man nichts machen. Der Einstieg beginnt schwülstig: Leben ist Schicksal, das Schicksal fließt. Ich denke, ein bisschen tut der Mensch auch dazu, dass das Leben fließen kann. Oder auch nicht. Es gibt kein vorbestimmtes "Schicksal", der Mensch hat schließlich seinen Kopf, um in das "Fließen des Schicksals" eingreifen zu können. Alles hat einen Anfang und ein Ende, wir wissen es. Am Ende die Frage: Wer bin ich? Ich würde es dir ja sagen, wenn ich es wollte. Das ganze Gedicht ein leeres Sinnieren darüber, dass das Leben immer weitergeht. Falls nichts dazwischen kommt, würde ich einfügen. Aber das wissen wir auch schon.

    Technisch habe ich im Großen und Ganzen eigentlich nichts auszusetzen. Vielleicht noch der Hinweis, dass die beiden Quartette zwei gleiche Reime haben sollten. Dann wäre das Sonett wenigstens technisch perfekt.

    Lb. Gruß, Rumpelstilz

  5. #5
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    Liebe Behutsalem,
    danke für Dein großes Lob! Es freut mich, dass der Text Dich berühren konnte.
    Gedanken über das Leben sind etwas, das wir alle immer wieder pflegen und doch bleiben immer Fragen offen. Der Sinn bleibt ein Geheimnis.
    Streng genommen ist es kein Sonett, da die Reime in den Vierzeilern nicht gleich sind, das wird aber allgemein recht frei gehandhabt und nur stumpfsinnige Erbsenzähler stellen das vor den Inhalt.
    Danke nochmal und liebe Grüße!
    Galapapa

    Liebe Poeia,
    danke für Deinen lobenden Kommentar!
    Ich fand schon immer den Vergleich zwischen dem Kreislauf des Wassers und dem Leben irgendwie faszinierend, insbesondere das Zusammenfließen alles Wissens und aller Erfahrungen im Ozean, dieser Gedanke gefällt mir. Irgendwo steckt darin eine Antwort auf die Frage, was mit uns nach dem Tod geschieht. Gut versteckt allerdings. Wir sind Materie und letztlich Energie, so kehren wir auch in vielfältiger Weise zurück.
    Liebe Grüße!
    Galapapa

  6. #6
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    Hallo Galapapa,

    Du lieferst einen guten Text nach dem anderen ab...hast...was das Schreiben angeht...eine gewisse Routine - aber gerade die wurde dir hier zum "Verhängnis". Ich bin mir sicher...dass Du über das Handwerk nicht (mehr) groß nachdenken musst - aus-xen, Silben zählen, auf Jamben und Trochäen achten, das hast Du vermutlich alles längst hinter dir gelassen...schüttelst einen Text dieser Güte aus dem Handgelenk.

    Diese Einleitung ist notwendig...denn ich kritisiere dich auf einem Niveau...das für einen großen Teil der Forendichter unerreichbar ist. das erlaubt m.E. einen anderen Maßstab anzulegen.

    Zunächst möchte ich Rumpelstilz...was die Reimpaare angeht...widersprechen. Es muss nichts, es soll nichts, es kann...

    Ansonsten:

    Das Leben fließt auf seines Schicksals Bahnen,
    Um zu fließen benötigt es einen Bodenvertiefung...bzw. eine Randerhebung...weshalb es nicht "auf Bahnen" sondern "in Bahnen" heißt. Umgangssprachlich wäre auch "auf Bahnen" möglich...da wir auch vom fließenden Verkehr reden...doch da nicht im Sinne von "Strömen"...

    doch sammelt er im Rinnen Weisheit ein,
    beginnt die Wahrheit mehr und mehr zu ahnen.

    Bald ist das Rinnsal schon zum Fluss gediehen,
    die Freude, alles Leid, das er enthält
    Nicht wirklich ein "Fehler"...aber durch die unmittelbare Nachbarschaft beider Zeilen wenig förderlich - und vermeidbar (z.B. Reisen statt Rinnen)

    und anhängig davon erschließt sich mir diese Aussage...

    Bald ist das Rinnsal schon zum Fluss gediehen,
    die Freude, alles Leid, das er enthält
    ...nicht.

    Bald/ist/schon/gediehen

    Du bist der Schriftgelehrte...ich in dieser Hinsicht nur Laie...aber ist das tatsächlich so ok?!?

    Gesagt werdern will: Bald schon wir das Rinnsal zu einem Fluss gediehen/sein

    Ersatzen wir mal gedeihen durch wachsen

    Bald ist das Rinnsal schon zu einem Fluss (an) gewachsen,

    "Bald" leitet hier keine Prognose ein...sondern eine Bestandsaufnahme...deshalb ersetze ich es mal durch "schnell"...um es zu verdeutlichen. "Schnell ist das Rinnsal schon zu einem Fluss gediehen"

    Ok, Du hast Recht...passt!

    Ich lasse meinen (falschen) Gedankengang dennoch mal hier stehen - am Ende führte er ja dann doch (zu deiner Entlastung) ans Ziel.


    Es lebt ein Liebreiz in Beginn und Ende
    ein still erfülltes Werden ist darin
    Obwohl insgesamt sehr poetisch...stört mich das "ist"...da sehe ich eher ein "wohnt" oder ein "liegt".

    und nie
    ist
    ein Zurück, noch eine Wende.
    auch hier sehe ich eher ein "niemals" als ein "nie ist"

    Doch mit der steten Strömung fließt ein Sinn
    ich gäb mein Leben drum, wenn ich ihn fände
    um letztlich zu erfahren, was ich bin.
    hm...warum nicht "wer ich bin"?...das wäre m.E. persönlicher und würde besser zu "ich gäb mein Leben passen"...denn "was" stünde/steht stellvertretend für uns alle.

    Obwohl es Kritikpunkte gibt (dir man aber auch ebenso vernachlässigen könnte)...ist da oben immer noch ein ausgezeichneter Text zu lesen. Für die einen mag das frustrierend....für die anderen Motivation sein. Ich foffe die meisten gehören zu den Anderen.

    Gruß, A.D.

    *** Nachtrag

    nach "fließt ein Sinn" ein Komma
    Geändert von AndereDimension (30.08.2018 um 12:42 Uhr)
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  7. #7
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    Lieber AndereDimension,
    herzlichen Dank für Deinen Kommentar, ebenso für Dein Lob und die Anmerkungen!
    Das nenne ich mal eine Kritik! Deine Hinweise sind konstruktiv, nützlich und bringen den Text voran. Einmal abgesehen von Destruktivem, bekomme ich meist nur Kritiken, die ich in die Schublade „Geschmacksache“ abtun muss. Wenn ich mein neues Auto vorstelle, dann sind Äußerungen wie „das Blau ist aber zu hell“ oder „das Heck ist mir zu abgehackt“ vielleicht noch interessant, aber keinesfalls nützlich. Ganz anders, wenn einer den Kofferraum öffnet und bemängelt: „Da gibt es ja gar kein Reserverad.“ Dieser Hinweis ist nützlich, da ich im Falle einer Panne den Abschleppdienst weder rufen noch bezahlen möchte. Viele Kommentarschreiber erkennen diesen Unterschied nicht.
    Herzlichen Dank auch für Deine Mühe und Zeit! Ich finde es großartig, dass Du diesen Aufwand auf Dich genommen hast!
    Wie kommst Du darauf, dass ich ein Sprachexperte wäre? Den sehe ich viel eher in Dir, ich selber bin Laie, aber sehr wohl ein Zeitgenosse, der großen Wert auf die Erhaltung unseres Kulturgutes Sprache legt. Eine, im Kreise jüngerer Generationen um sich greifende Subkultur mit ihrer Verrohung der deutschen Sprache tut mir ebenso weh, wie die immer häufigere Ver-wo-ung, im Zuge derer Nebensätze verstümmelt werden. Auch scheint z.B. kaum jemand heute noch in der Lage zu sein, „als“ und „wie „ richtig zu setzen…
    Auch deshalb finde ich Kritiken, wie Du sie kreierst, richtig und wichtig.
    Du hast Recht mit Deiner Annahme, dass ich im Schreiben von gereimten Gedichten in den acht Jahren, seit ich Verse verfasse, eine gewisse Routine erlangt habe. Einerseits empfinde ich das als sehr nützlich, weil ich mich dadurch viel mehr auf den Inhalt konzentrieren kann, andererseits hat sich bei mir dabei aber auch eine gewisse Oberflächlichkeit eingeschlichen, bei der mir manchmal zum Verhängnis wird, dass ich mit einem breiten, schwäbischen Dialekt aufgewachsen bin und erst im Gymnasium richtig Hochdeutsch gelernt habe.
    Da bin ich dann auch schon bei Deinem ersten Kritikpunkt: Das Fließen „auf“ Bahnen. Du hast natürlich vollkommen Recht, eine Flüssigkeit kann zwar auf einer planen Fläche fließen, aber nur kontrolliert in einer Bahn. Da bewundere ich Dein geschärftes Sprachempfinden!
    Auch die Doppelung „Rinnsal“ und „im Rinnen“ so dicht beieinander ist unschön und hätte mir auffallen müssen. Ich habe jetzt mal „im Laufe“ aus dem „im Rinnen“ gemacht, ganz glücklich bin ich damit aber auch nicht. „Fluten“ trifft nicht exakt genug, was gesagt werden soll.
    Gut, dass Du Deinen Gedankengang zu „bald ist… schon“ stehen gelassen hast. Ich habe überlegt, ob man das „schon“ nicht durch „dann“ ersetzen könnte.
    Auch gebe ich Dir Recht mit dem „ist“ in „…ein still erfülltes Werden ist darin“. „Wohnt darin“ ist deutlich klangvoller und passender.
    Den Vers mit dem „nie ist“ ersetze ich durch „…da gibt es kein Zurück, noch eine Wende…“; das Wort „niemals“ würde den Rhythmus sprengen.
    Anderer Meinung bin ich nur beim letzten Kritikpunkt. Da geht es um „was“ oder „wer“ ich bin. Du hast natürlich Recht damit, dass ein „wer“ persönlicher ist, aber genau das wollte ich vermeiden. Ich verstehe diese Frage viel umfassender. Anders ausgedrückt: Ich will nicht wissen, wer ich bin, also was für ein Mensch, sondern was ich überhaupt bin. Es geht mir um den Sinn des ganzen Universums und nicht um den Sinn meines Daseins.
    Abschließend nochmals ein Dankeschön für die konstruktiven Hinweise!
    Vor acht oder neun Jahren kam ich zum ersten Male in dieses Forum und fand kompetente, hilfsbereite Leute, die mich weitergebracht haben. Schön zu erfahren, dass es die immer noch hier gibt.
    Liebe Grüße!
    Galapapa

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