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  1. #1
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    Nackte Tatsachen

    Im Mantel der Verschwiegenheit
    Stehe ich vor dir
    Und schnüre meine Stiefel

    Du reichst mir den Hut
    Einen gleichgültigen Blick
    Und zum Abschied die Hand

    Noch nie habe ich mich
    So nackt gefühlt
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  2. #2
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    Hallo AndereDimension;

    Ich bin mir momentan jeglicher Kritik unsicher;
    Trotzdem möchte ich dein Werk nicht gelesen haben, ohne ein Feedback hier zu lassen;
    Was kann ich also schreiben, ohne dass es behutsalemisch klingt, na du weißt schon,
    gefällt mir gut, tolles Sprachgefühl, Vers Libre, etc. etc.

    Fakt ist das ich mir unsicher bin;
    Vielleicht fühle ich mich eben nicht anders als obiges LyI.
    Im Schutz der Diskretion besser weniger sagen als zu viel;
    Auch wenn ich mehr sagen möchte, aber es zieht sich alles in mir zusammen, eben ob der Richtigkeit, Wortwahl, Ausdrucksform etc.etc.
    Um später, verlegen und unsicher meinen Beitrag zu beenden;
    und dann auf Grund der Fakten, deinen Dank lesen werde,
    und ich mich wieder einmal ertappt fühle ob meiner ??
    Nackte Tatsachen können verdammt weh tun.

    was mir besonders gut gefällt, wenn ich denn richtig liege, ist diese Stelle..

    Stehe ich vor dir
    Und schnüre meine Stiefel
    es würde körperlich - technisch nicht gehen, stehend schnüren ;
    jedoch soll diese Metapher wohl das zusammenschüren, eingeengt fühlen, aussagen??

    und dann nichts wie weg,

    mfg. Behutsalem
    Geändert von Behutsalem (03.09.2018 um 20:31 Uhr)
    Mein NeuestesVom Himmel
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  3. #3
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    Lieber AD,

    ich sehe eine Szene des Abschieds, begleitet von einer Peinlichkeit, die versucht wird zu vertuschen. Es scheint beiderseits unangenehm. Demütigung und Verlegenheit sind gleichermaßen zu spüren (Schuhe schnüren, Hand reichen). Insgesamt hast Du damit die Gefühle gut dargestellt.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  4. #4
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    Zitat Behutsalem

    Was kann ich also schreiben, ohne dass es behutsalemisch klingt, na du weißt schon
    Hallo Behutsalem,

    wenn es behutsalemisch klingt...und das tut es...dann ist mir das eine Ehre!

    Das ist ein uralter Text - ich hatte ihn shon mal vor zehn Jahren hier eingestellt...dann wieder gelöscht.

    Hut, Stiefel usw....nicht unbedingt 1:1 übernehmen - es könnte ebenso eine Beduinentuch gewesen sein. Die Metaphern sind austuaschbar.
    Und ja, damals konnte ich mir noch im Stehen die Stiefel schnüren

    Unter meinen eigenen Texte gibt es nur sehr wenige...man kann sie an einer Hand abzählen...die mir etwas bedeuten. Andere kennen das von sich...von ihren Texten sicherlich auch. Dabei geht es nicht darum ob der Text besonders gut gelungen ist und Zuspruch findet...sondern darum...ob er ein Gefühl bewahrt. Er ist der ersten und einzigen Frau (damals fast noch ein Mädchen) gewidmet, die ich wirklich geliebt habe. Wie sehr...das konnte und durfte ich ihr nicht sagen - dürfte es, würde sie noch leben, ihr heute auch nicht sagen. Warum...das ist zu kompliziert...auch müsste ich zu weit ausholen. In Kurzform: ihr die Wahrheit zu sagen hätte andere Menschen in Gefahr gebracht. Ich verliebte mich nicht nur in sie, sondern auch in ihre Heimat...in die Stadt Damaskus...die ich ebenso vermisse wie Inaaya.

    Danke für deinen Besuch und Gruß, A.D.


    Hallo Hans,

    ja- eine Szene des Abschieds. Nicht nur...aber auch deshalb...steht der Abschied im Zentrum vieler meiner Texte.

    Auch dir herzlichen Dank und Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #5
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    -

    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen
    Im Mantel der Verschwiegenheit
    Stehe ich vor dir
    Und schnüre meine Stiefel

    Du reichst mir den Hut
    Einen gleichgültigen Blick
    Und zum Abschied die Hand

    Noch nie habe ich mich
    So nackt gefühlt

    Hallo AndereDimension,

    lese ich dieses Stück, das SchwarzaufWeiß, fällt mir inhaltlich dazu erstmal spontan nur ein : hat LD ganz Recht, diesem schnürsenkelnden Schweigling auf Nimmermehr ein Tschö in die Hand zu drücken [ und hier das sprachliche Nimmermehr gemeint und nicht das Poe'eske literarische, klaro , ];

    dann etwas differenzierter … ist mir der Inhalt bzgl des SchwarzaufWeiß also echt zu unausgegoren zu klein,

    dann jener Fauxpas, was schon Behutsalem deutlich vortrug: im Stehen die Schnürsenkel binden ???

    und zur Umsetzung: stimmen hier mMn die meisten Umbrüche, inhaltsfunktional, doch kaumst, oder nicht?



    mal meine Inspiration, also mal lyrisch spekuliert [ als Grundlage der ur_Text ] ___________ :


    Stehe vor dir
    die Schnürsenkel hängen ungebunden von meinen Latschen

    schaust mich an, reichst mir den Hut, noch eine Hand

    von dir …

    ich geh.


    --------------------------------------------------------

    einen Gruß, Dochtel …

    -
    Geändert von Dochtel (07.12.2018 um 15:42 Uhr)
    Streichholz am Docht, Vorsicht ...

  6. #6
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    Hallo Dochtel,

    ich meine wir hatten vor Urzeiten schon mal das Vergnügen?!?

    " Im Mantel der Verschwiegenheit stehe ich vor dir und schnüre meine Stiefel"....so meine Zeile

    deine Anmerkung dazu

    Zitat
    dann jener Fauxpas, was schon Behutsalem deutlich vortrug: im Stehen die Schnürsenkel binden ???
    Das ist für diese Art Texte die falsche Herangehensweise....ohne dich damit jetzt kritisieren zu wollen. Mir ist bewusst, dass viele so denken. Wenn, lieber Dochtel, dann hättest Du bereits den Mantel der Verschwiegenheit kritisieren müssen...denn den gibt es definitiv nicht - dafür macht er aber deutlich, dass es sich hier um eine Metapher handelt. Das LY-I stand ja auch nicht im eigentlichen Sinne "nackt" vor dem Ly-D. Nach deinem Maßstab müsstest Du wenn...dann jedes Wort kritisieren. Unter der Überschrift Lyrik gibt es u.a. das Gedicht und die Poesie. Wird oft in einen Topf geworfen...aber das eine hat mit dem anderen nur bedingt etwas zu tun. Bei meinem Text handelt es sich eindeutig um Poesie - und in der Poesie können Pilze lachen, Fische tanzen, Wolken weinen...Autos sprechen....und Männer im Sitzen pinkeln. Unabhängig davon kann ich heute...und konnte es einst ohnehin...mir im Stehen die Stiefel schnüren. Oder nochmal anders: Man kann eine Dose Cola in der Hand halten und dennoch "mit leeren Händen" zu jemandem kommen. Das nennnt man eine metaphorische Sprache. Wer in dieser Sprache nicht beheimatet ist...dem wird sie immer klingonisch klingen.

    Vielen Dank für deinen Besuch...ebenso wie für deine Kritik - die ich keinenfalls vom Tisch wischen...gerne aber relativieren möchte...gar muss.

    Gruß, A.D.
    Geändert von AndereDimension (07.12.2018 um 17:23 Uhr)
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  7. #7
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    Hi AD. , finde erstmal deine Antwort auf die Kritik zu dem stehenden Schuh-zu-schnürer super wortgewand. Liest sich geil ( ohne irgendeine Richtigkeit zu bewerten ).
    In deinen (poetischen ) Zeilen lese ich vor allem ein zurückbleibendes, unangenehmes Erlebnis das beide Protagonisten schnellstens vergessen wollen. Was wohl passiert sein kann ? das Beschäftigt mich beim lesen. (Ziel erreicht )

    Grüße Heinz
    silbern ist mein Haar nicht grau

  8. #8
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    Verbesserungsvorschlag:

    Im Mantel der Verschwiegenheit
    Knie ich vor dir
    Und schnüre meine Stiefel


    Auf diese Weise bekommt die Strophe eine sehr feine humoristische/sarkastische Note, weil der Leser nach den ersten zwei Zeilen eine starke Erwartungshaltung aufbaut, welche dann abrupt (ähnlich einer kreischenden Schallplattennadel) durch die völlige Abwesenheit von Romantik konterkariert wird.

    Einfach mal unvoreingenommen Lesen und die Wirkung untersuchen. Ohne eine solche Änderung bleibt das Gedicht leider äußerst banal und fad. Mit einer solchen Änderung wäre es im Ansatz originell.

    PS: Wie Dochtel empfinde ich die genannte Stelle pathologisch. Sie schadet dem Text weil er unfreiwillig komisch wirkt, wenn man darüber nachdenkt, wie sich das lyrische Ich mit extrem langen Armen um die Schnürsenkel bemüht. Und wenn der Leser da einmal drüber stolpert ist die komplette Wirkung für immer dahin. Allerdings fällt es sicher nicht sofort auf. Das wäre mir ev. sogar selbst passiert (wie ich mich kenne).

    Grüße,
    geo
    Geändert von GEO (20.12.2018 um 23:02 Uhr)
    ich kann mich nicht selbst terminieren, ihr müßt mich in den Stahl hinablassen. [Terminator T-800]

  9. #9
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    "wirkt unfreiwillig komisch" ist hier ein Kompliment, lieber GEO. im übrigen kenne ich mehr als einen Dichter, der seine Schnürsenkel im Steh zu binden in der Lage ist.
    KP
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  10. #10
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    @AD


    Selbst schuld, grins.

    Ich glaube, eine kleine Veränderung tut Wunder.

    Zitat:
    Im Mantel der Verschwiegenheit
    Stehe ich vor dir
    Und schnüre meine Stiefel

    Du reichst mir den Hut
    Einen gleichgültigen Blick
    Und zum Abschied die Hand

    Noch nie habe ich (so) nackt, //// das "so" könnte raus
    den Ort verlassen.

    Redewendung: ich schnüre meine Schuhe

    = Gleich: „ich packe meine sieben Sachen.“ Ist zwar auch eine Redewendung aber geläufiger.

    Tschüss.

  11. #11
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    Hallo zusammen,

    interessant, die unterschiedlichen Vorstellungen von "stehen". Ich verstehe das Wort so, dass das Körpergewicht auf den Füßen ruht, egal ob in aufrechter oder gebückter Haltung, und ich habe auch keine Schwierigkeiten, mir im Stehen die Stiefel zu binden. Im Knien hätte ich allerdings große Mühe dabei, selbst wenn die Schnürung sich hinten am Stiefel befände. Deswegen wirkt für mich das Bild vom Knien unfreiwillig komisch. Deutlicher wäre vielleicht "hocken", aber das klingt irgendwie auch doof. AD, für meinen Geschmack kannst Du da ruhig "stehen" stehen lassen.

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (21.12.2018 um 16:54 Uhr)
    com zeit - com .com

  12. #12
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    Hallo AD,
    (zunächst mal ohne bisherige Kommentare und da auch deine Erläuterungej gelesen zu haben, um noch meinen eigenen Eindruck wiederzugeben)
    nachdem ich heute klaatus surrealistischen Rausch kommentiert habe, komme ich hier zu etwas völlig anderes, und gleite quasi vom Expressionismus folgerichtig in die Neue Sachlichkeit. Schon der Titel verspricht ja anstelle fantastischer Bilder "nackte Tatsachen". Eine Situation aus dem Leben, kurz und alltäglich, möglichst nüchtern beschrieben, zwar nicht ganz ohne Empfindung und Wertung, aber das zumindest nicht in Gefühlsdüselei, Pathos, Emotionalität, sondern auch da ernüchternd, kalt und vor allem selbst, obwohl das Ich Teil der Geschichte ist, distanziert. Und daher auch so verknappt, bloß nicht zuviel Gefühl, Inneres, aber auch das Äußere ist ja kaum beschrieben. Und dort kommen wir fast zum Kahlschlagstil. Die Personen sind nicht mehr ausstaffiert als mit Ich und Du, der Erfahrung nach wahrscheinlich ein Er und eine Sie; ihre Beziehung ist nicht eindeutig explizit klar, was sie vorher gemacht haben, wieso sie sich verabschieden. Was am deutlichsten ist, obwohl es nicht da ist, das Ungesagte: dass es etwas Ungesagtes gibt. Die durch Höflichkeitskonventionen ritualisierte Form des Abschieds scheint etwas Unangenehmes überspielen zu sollen, das beide Figuren hauptsache über die Bühne bringen wollen, die Existenz eines Elefanten im Raum oder etwas, das nur im Einzelnen unausgesprochen, aber nicht zwischen beiden existieren kann. Das Geheimnis des Ich, das sich enthüllt, bloßgestellt fühlt. Mag es um Nicht-Gelingen und Zurückweisung von Avancen gehen? Oder hat das Ich es wieder nicht geschafft, sie überhaupt zu äußern? Und ohne zu wissen, was das Problem daran ist, macht ihr Verhalten es noch schlimmer und quält ihn. Soviel Wirkung liegt in einem kleinen Handschlag.

    LG BS

    Obstipui steteruntque comae et vox faucibus haesit
    Vergil: Aeneis III, 48

    Ich erstarrte, meine Haare standen zu Berge.
    Und die Stimme blieb stecken mir im Hals.

  13. #13
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    Zitat Zitat von horstgrosse2 Beitrag anzeigen
    @AD


    Selbst schuld, grins.

    Ich glaube, eine kleine Veränderung tut Wunder.

    Zitat:
    Im Mantel der Verschwiegenheit
    Stehe ich vor dir
    Und schnüre meine Stiefel

    Du reichst mir den Hut
    Einen gleichgültigen Blick
    Und zum Abschied die Hand

    Noch nie habe ich (so) nackt, //// das "so" könnte raus
    den Ort verlassen.

    Redewendung: ich schnüre meine Schuhe

    = Gleich: „ich packe meine sieben Sachen.“ Ist zwar auch eine Redewendung aber geläufiger.

    Tschüss.
    Nachtrag:

    Es arbeitet noch , dein Gedicht:

    Im Mantel der Verschwiegenheit
    und mit geschnürten Stiefeln
    stehe ich vor dir


    Du reichst mir den Hut
    Einen gleichgültigen Blick
    Und zum Abschied die Hand

    Noch nie habe ich
    so schwer tragend,
    einen Ort nackig verlassen.

  14. #14
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    Zitat Hein Geigelath
    Hi AD. , finde erstmal deine Antwort auf die Kritik zu dem stehenden Schuh-zu-schnürer super wortgewand. Liest sich geil ( ohne irgendeine Richtigkeit zu bewerten ).
    In deinen (poetischen ) Zeilen lese ich vor allem ein zurückbleibendes, unangenehmes Erlebnis das beide Protagonisten schnellstens vergessen wollen. Was wohl passiert sein kann ? das Beschäftigt mich beim lesen. (Ziel erreicht )

    Grüße Heinz

    Hallo Heinz

    diese unangenehme Erlebnis könnte Liebe gewesen sein - eine, die nicht gelebt werden kann. Wohl nicht vergessen wollen, aber vergessen müssen...bzw. so müssen, dass dann irgendwann auch ein Wille dahinter steht. Schön, dass ich dich ins Ziel bringen konnte - wärst du allerdings untergwegs ausgestiegen, dann hätte ich auch dafür Verständnis gehabt.

    Danke und Gruß, A.D.



    Zitat GEO

    Verbesserungsvorschlag:

    Im Mantel der Verschwiegenheit
    Knie ich vor dir
    Und schnüre meine Stiefel

    Auf diese Weise bekommt die Strophe eine sehr feine humoristische/sarkastische Note, weil der Leser nach den ersten zwei Zeilen eine starke Erwartungshaltung aufbaut, welche dann abrupt (ähnlich einer kreischenden Schallplattennadel) durch die völlige Abwesenheit von Romantik konterkariert wird.

    Einfach mal unvoreingenommen Lesen und die Wirkung untersuchen. Ohne eine solche Änderung bleibt das Gedicht leider äußerst banal und fad. Mit einer solchen Änderung wäre es im Ansatz originell.

    PS: Wie Dochtel empfinde ich die genannte Stelle pathologisch. Sie schadet dem Text weil er unfreiwillig komisch wirkt, wenn man darüber nachdenkt, wie sich das lyrische Ich mit extrem langen Armen um die Schnürsenkel bemüht. Und wenn der Leser da einmal drüber stolpert ist die komplette Wirkung für immer dahin. Allerdings fällt es sicher nicht sofort auf. Das wäre mir ev. sogar selbst passiert (wie ich mich kenne).
    Hallo GEO

    ich ziehe (im Stehen/verzeih) meinen Hut vor dir, schließlich scheinst Du dir sehr sicher zu sein, dass dein Vorschlag meinen Text verbessert...sonst hättest du ihn, den Vorschlag, nicht auch so angekündigt. Das öffnet mir die Augen, denn als mir vor vielen Jahren ein Mitstreiter verkündete...dass dieser Text (zusammen mit ein paar anderen...) in siebzehn Sprachen übersetzt wurde, da hielt ich das für eine gute Nachricht. Dank dir weiß ich nun, dass es vermutlich so viele Sprachen benötigte (sind bei über 200 möglichen nicht wirklich viele)...bis man letztendlich eine fand...in der der Text dann auch zu verstehen ist. Danke, dass Du mir die Augen geöffnet hast!

    Gruß, A.D.

    PS: Bin gerade am überlegen...ob ich einen Klingelton daraus mache, damit die Mühe nicht ganz umsonst war


    Zitat hortsgrosse2

    Selbst schuld, grins.

    Ich glaube, eine kleine Veränderung tut Wunder.

    Zitat:
    Im Mantel der Verschwiegenheit
    Stehe ich vor dir
    Und schnüre meine Stiefel

    Du reichst mir den Hut
    Einen gleichgültigen Blick
    Und zum Abschied die Hand

    Noch nie habe ich (so) nackt, //// das "so" könnte raus
    den Ort verlassen.

    Redewendung: ich schnüre meine Schuhe

    = Gleich: „ich packe meine sieben Sachen.“ Ist zwar auch eine Redewendung aber geläufiger.
    Hallo horstgrosse2

    ich hoffe auf deine Altersmilde...wenn ich dir nun sage, dass ich das nicht wirklich für einen guten Vorschlag halte. Du machts ansonsten viele gute Vorschläge...und über einige denke ich dann auch ernsthaft nach...aber in diesem Falle nicht eine Sekunde. Es ist nicht objektiv gesehen das perfekte Gedicht (denn wie sollte so ein Gedicht aussehen?!)...aber gemäß meiner ursprünglichen und auch jetzigen Intention nicht zu übertreffen.

    Danke und Gruß, A.D.


    Zitat Claudi


    interessant, die unterschiedlichen Vorstellungen von "stehen". Ich verstehe das Wort so, dass das Körpergewicht auf den Füßen ruht, egal ob in aufrechter oder gebückter Haltung, und ich habe auch keine Schwierigkeiten, mir im Stehen die Stiefel zu binden. Im Knien hätte ich allerdings große Mühe dabei, selbst wenn die Schnürung sich hinten am Stiefel befände. Deswegen wirkt für mich das Bild vom Knien unfreiwillig komisch. Deutlicher wäre vielleicht "hocken", aber das klingt irgendwie auch doof. AD, für meinen Geschmack kannst Du da ruhig "stehen" stehen lassen.

    Hallo Claudi
    ,

    danke, das werde ich auch

    Danke und Gruß, A.D.


    Zitat Blobstar

    (zunächst mal ohne bisherige Kommentare und da auch deine Erläuterungej gelesen zu haben, um noch meinen eigenen Eindruck wiederzugeben)
    nachdem ich heute klaatus surrealistischen Rausch kommentiert habe, komme ich hier zu etwas völlig anderes, und gleite quasi vom Expressionismus folgerichtig in die Neue Sachlichkeit. Schon der Titel verspricht ja anstelle fantastischer Bilder "nackte Tatsachen". Eine Situation aus dem Leben, kurz und alltäglich, möglichst nüchtern beschrieben, zwar nicht ganz ohne Empfindung und Wertung, aber das zumindest nicht in Gefühlsdüselei, Pathos, Emotionalität, sondern auch da ernüchternd, kalt und vor allem selbst, obwohl das Ich Teil der Geschichte ist, distanziert. Und daher auch so verknappt, bloß nicht zuviel Gefühl, Inneres, aber auch das Äußere ist ja kaum beschrieben. Und dort kommen wir fast zum Kahlschlagstil. Die Personen sind nicht mehr ausstaffiert als mit Ich und Du, der Erfahrung nach wahrscheinlich ein Er und eine Sie; ihre Beziehung ist nicht eindeutig explizit klar, was sie vorher gemacht haben, wieso sie sich verabschieden. Was am deutlichsten ist, obwohl es nicht da ist, das Ungesagte: dass es etwas Ungesagtes gibt. Die durch Höflichkeitskonventionen ritualisierte Form des Abschieds scheint etwas Unangenehmes überspielen zu sollen, das beide Figuren hauptsache über die Bühne bringen wollen, die Existenz eines Elefanten im Raum oder etwas, das nur im Einzelnen unausgesprochen, aber nicht zwischen beiden existieren kann. Das Geheimnis des Ich, das sich enthüllt, bloßgestellt fühlt. Mag es um Nicht-Gelingen und Zurückweisung von Avancen gehen? Oder hat das Ich es wieder nicht geschafft, sie überhaupt zu äußern? Und ohne zu wissen, was das Problem daran ist, macht ihr Verhalten es noch schlimmer und quält ihn. Soviel Wirkung liegt in einem kleinen Handschlag.
    Hallo Blobstar


    für mich der Kommentar des Monats - nicht weil er sich mit meinem Text befasst...ihm wohlwollend oder zumindest wertfrei begegnet...sondern weil Du eine ganz andere Perspektive eröffnest und Herangehensweise zeigst - eine, die es auf den Punkt bringt...was aber gar nicht das Entscheidende ist...sondern die Tatsache, dass Du dich auf den Text eingelassen hast. Und ja, es ist die Nüchternheit...die hier im Vordergrund steht und die eigentliche Geschichte erzählt. Und so nüchtern wie die Situation...so nüchtern auch der Text. Für mich, bei anderen mag das anders sein, die eigentliche Herausforderung bei einem Vers libre Text; ihn nach der Skizze der jeweiligen Situation zu gestalten - das kann mal nüchtern...mal blumig sein...mal schlicht...mal ausladend oder gar ausufernd. Welches Gefühl hinter einem Text steht...das kann die Leserin...das kann der Leser nicht wissen...höchstens erahnen. Deshalb bin ich auch niemandem wirklich böse wenn er mit meinen Worten nichts anfangen kann.

    Danke und Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  15. #15
    Registriert seit
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    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen



    Hallo horstgrosse2

    ich hoffe auf deine Altersmilde...wenn ich dir nun sage, dass ich das nicht wirklich für einen guten Vorschlag halte. Du machts ansonsten viele gute Vorschläge...und über einige denke ich dann auch ernsthaft nach...aber in diesem Falle nicht eine Sekunde. Es ist nicht objektiv gesehen das perfekte Gedicht (denn wie sollte so ein Gedicht aussehen?!)...aber gemäß meiner ursprünglichen und auch jetzigen Intention nicht zu übertreffen.

    Danke und Gruß, A.D.
    Manchmal sehe ich mehr als der "Schreiber." Das ist wohl meine Bestimmung, mehr zu sehen. Aber egal.

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