1. #1
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    Anmerkung zum September


    Anmerkung zum September


    Getreu dem "Stirb und Werde"
    fallen Früchte, Blätter, Samen
    hin zum Schoß der Erde.

    Schatten schwächen Sonnenuhren.
    Mildes Licht auf Landschaftsfluren.
    Nebelschwaden dringen vor.

    Gestern noch, scheint mir,
    stießen Hyazinthen und Narzissen
    mutig durch die kalte Krume,

    fühlten Knospen Frühlingswärme,
    dehnten sich, pumpten Blut
    in tausend Blatt- und Blütenformen,

    schmückten Blumen sich
    mit Geschmeiden nächtlichen Taus,
    Sonne ließ die Diamanten blitzen.

    Jetzt schon Abendkühle,
    allseits frühes Lampenlicht.
    Wieder neue Unheilnachricht.
    Bunte Kataloge für Konsum frei Haus.

    Meine Zeit, wohin bist du geflohen?
    Hätt`dich gerne festgehalten,
    Sommerwärme zu verlängern,
    weil das Leben hierzulande kälter wird.
    Geändert von Carolus (17.09.2018 um 22:03 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Carolus,

    Schöne Eindrücke hast du hier aufgelegt;
    Ein schönes Beobachten und wahrnehmen;
    Erdhaut gefällt mir pers. nicht unbedingt,
    außerdem hast du Erde schon in S1 .
    Ich hätte noch ein paar Anregungen,
    die ich dir, wenn du möchtest, gerne unterbreiten würde;

    Sehr gerne gelesen,
    mfg. Behutsalem

    edit:

    Ich bin bei Erdhaut stehen geblieben;

    Das klingt für mich wie Haut auf abgekochter Milch, die mag ich auch nicht;

    Ich finde die ersten Beiden Strophen am Besten, nicht nur weil sich V1+V2 reimen sondern weil sie im Klangbild harmonisch sind;
    Ab der dritten Strophe verliert sich leider die Harmonie ;

    Wie könnte man auch hier den richtigen Ton finden?

    Gestern noch, so scheint mir,
    stießen Hyazinthen ihre Zier
    mutig durch den kalten Boden,

    fühlten Knospen Frühlingsglut,
    dehnten sich und pumpten Blut
    in tausend Blatt- und Blütenformen,

    schmückten Blumen sich
    aus Geschmeiden nächtlichen Taus,
    Sonnenstrahlen ließen Diamanten blitzen.

    September bringt die Abendkühle,
    allseits frühes Lampenlicht.
    Wieder Katastrophennachricht.
    Kataloge für Konsum frei ins Haus.

    Meine Zeit, wohin bist du geflohen?
    Hätte dich noch gerne festgehalten,
    (möchte)Sonnenstrahlen neu gestalten
    weil das Leben hierzulande kälter wird.

    Katastrophennachricht.. das mag mir auch nicht gefallen,
    hab aber noch keine Idee dafür die passenden Worte zu finden;

    So Carolus, nimm was dir gefällt, las weg was dir nicht zu sagt;
    Hab mich gerne damit beschäftig;
    mfg. Behutsalem
    Geändert von Behutsalem (16.09.2018 um 13:32 Uhr)
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  3. #3
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    Liebe Behutsalem,

    herzlichen Dank für deine Mühe, den Text kritisch und anregend unter die Lupe zu nehmen.
    Ich habe einiges geändert, so Z. B. "Erdhaut" in "Kalte Krume" verwandelt, "Katastrophennachricht" in "neue Unhellsnachricht".
    Im Grundsätzlichen (durchgehende Harmonie) vertrete ich einen anderen Standpunkt.

    Du schreibst: "Ich finde die ersten Beiden Strophen am Besten, nicht nur weil sich V1+V2 reimen sondern weil sie im Klangbild harmonisch sind;
    Ab der dritten Strophe verliert sich leider die Harmonie"

    V1 und 2 enthalten reine Natur-Stimmungsbilder, ab V3 bis inclusive. V5 tritt das l.Ich mit seinem Rückblick, seiner sentimentalen Erinnerung an die so rasch verflossene Zeit in Erscheinung. Hier verbinden sich Naturerfahrung und menschliche Empfindung zu neuem Inhalt und hier kann - muss aber nicht! - sich die Sprache dem Inhalt anpassen. Ich kenne aus der Musik Beispiele, in denen sich nach einem Anfangsteil Rhythmus, Tempo und grundlegende Harmonien ändern. In "Anmerkung zum September" kommt zur Änderung der Atmospäre, zur zunehmenden äußeren Kälte die innere, "weil das Leben hierzulande kälter wird", eine Anspielung auf das zunehmende Konfliktpotential in unserer Gesellschaft.
    Ich hoffe, den Sachverhalt einigermaßen verständlich rüber gebracht zu haben und danke dir gerne nochmals für dein Engagement; es hilft mir weiter, mein eigenes Schreiben kritischer und distanzierter zu sehen.

    Lieben Gruß
    Carolus

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