1. #1
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    Lebenskonzepte


    Lebenskonzepte

    Gib einem Reichen hundert Euro,
    Er macht dreihundert Euro draus.
    Gib einem Alci tausend Euro
    Und er wirft sie zum Fenster raus,

    Geht rasch zum nächsten Billigtempel
    Und trinkt, bis ihm dann nichts mehr da.
    Dann lamentiert und mit Gerempel,
    Meint, dass Unrecht ihm stets geschah.

    Hätte man ihm viel mehr gegeben,
    Käm' ohn Alc er über Runden,
    Brächte so Wohlstand in sein Leben,
    Gehörte nicht zu Schnapsens Kunden.

    So aber muss er immer leiden
    An seiner eigenen Suchtkrankheit,
    Die ihm auch Freuden kann bereiten,
    Wenn er am Ende voll und breit.

    Gib einem Reichen einen Euro,
    Hundert macht er sodann daraus.
    Gib einem Nichtsnutz tausend Euro
    Und er lebt nur in Saus und Braus.


    ©Hans Hartmut Karg
    2018

    *

  2. #2
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    Hallo DrKarg,

    vereinfacht versteht sich das Gedicht für mich so, dass jeder Alkoholiker selber Schuld an seiner eigenen Lage ist.
    Dabei stellst du das Problem ja dar, es ist eine Krankheit, eine Suchtkrankheit.

    Warum ein Reicher aus einem Euro Hundert macht, oder aus Hundert, Dreihundert Euro, liegt auch auf der Hand, er hat mehr Geld als das, darum ist er reich.

    Selbst im übertragenen Sinne: Aus den Dingen etwas machen, ist nicht nur "reichen" vorbehalten, kranke Menschen können das ganz genauso.
    Es sind auch nicht pauschal alle Alkoholiker so, wie du es hier schreibst, wie auch nicht alle "reichen" Menschen fähig sind, aus 1 Euro 100 Euro zu machen ...

    Insgesamt bleibt das Gedicht damit zu pauschal und urteilt letztlich am Schluss sogar falsch, weil das Urteil nur auf einzelne Menschen, keinesfalls aber Menschengruppen zutrifft und damit keine allgemeine Gültigkeit besitzt.

    Ein Gedicht über einen Menschen, der einem Alkoholiker hilft gesund zu werden, ist ein wünschenswerter Kontrast zu diesem Gedicht von dir, dass Suchtkranke pauschal als Schuldige an ihrer eigenen Lage abstempelt.
    Probiere es doch mal aus der Perspektive, dass geholfen werden kann.

    Liebe Grüße

  3. #3
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    Dr. Karg,
    auf der einen Seite die "Reichen", die sozusagen aus Sch... Gold machen, auf der anderen Seite die "Alcs", deren Suchtkrankheit (wenn sie nur voll und genügend breit sind) ihnen sogar Freuden bereiten kann.
    Du suggerierst, dass die Reichen nicht von Suchtkrankheiten befallen sind, die sind ja mit der Geldvermehrung beschäftigt. (Vielleicht ist das auch eine Sucht?). Egal, welche Art von Suchtkrankheit - der Betroffene findet keine Freuden darin. Mit anderen Worten: Du erzählst dummes Zeug.
    Festival

  4. #4
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    Gib einem Schreiber das Alphabet, und er webt daraus den feinsten literarischen Leinen... oder einen schlichten Kartoffelsack.
    Geändert von Arkadier (16.09.2018 um 13:45 Uhr) Grund: Webfehler
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  5. #5
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    Hallo Dr. Karg,

    ich habe beruflich mit größtenteils wohlhabenden bis sehr wohlhabenden Kunden zu tun, die beabsichtigen, eine Psychotherapie zu beginnen.

    Eine nicht geringe Zahl derer, die eine Therapie benötigen, bringen eine Suchtproblematik mit.
    Es handelt sich um Ãrzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Lehrer (!!), Unternehmer.

    Vielleicht gehen diese nicht zum nächsten "Billigtempel", sondern genehmigen sich - weil sie es sich leisten können - zwischen 1 und 3 Flaschen Chardonney am Tag oder eine gute Flasche Cognac in den eigenen großzügigen vier Wänden. Dort rempeln sie dann , wenn überhaupt, vielleicht Familienmitglieder. Andere werden aber auch still und niedergeschlagen im Rausch.

    Die Gründe für die Entwicklung einer Sucht sind so unterschiedlich, wie die Süchtigen selbst. Bei der Minderzahl geht die Sucht allein von einem gewohnheitsmäßigen - rein genussorientierten - Gebrauch aus. Oft kommen mehrere Faktoren zusammen: Genetische Disposition (Suchterkrankungen in der Ursprungs-Familie), Überlastung im Beruf (erlerntes Aufopfern bis zur Selbstüberforderung, "nur wenn du was leistest, hab ich dich lieb", sexueller Missbrauch in der Kindheit und Jugend und/oder emotionale Vernachlässigung durch Bezugspersonen (beides führt sehr oft zur Entwicklung der Borderline-Störung, die häufig mit einer Suchtproblematik Hand in Hand geht).

    Viele Menschen, die einen sehr schwierigen Start ins Leben hatten, z. T. schwer misshandelt, vernachlässigt, missbraucht wurden, bringen erstaunliche Kräfte auf, dennoch zu funktionieren, ergreifen einen - mitunter auch gesellschaftlich sehr angesehenen - Beruf, gründen eine Familie, kompensieren, vielleicht auch durch stoff- oder nicht-stoffgebundene Süchte, kämpfen sich durch.

    Das geht oft Jahre bis Jahrzehnte gut. Bis - oftmals erst in mittlerem Alter - das Kartenhaus zusammenbricht. Das kann geschehen durch Trennung vom Partner, Verlusst eines Verstärkers wie den Beruf, Tod eines Familienangehörigen ...

    Es stimmt nicht, dass Süchtige per se anderen die Schuld gibt. Ich weiß wirklich nicht, wo du das hernimmst.
    Viele geben sich selbst die Schuld, anstatt z. B. Eltern verantwortlich zu machen, suchen bis weit ins Erwachsenenalter hinein nach der nicht erhaltenen Geborgenheit (auch hier ein Grund für Suchtentwicklung, sich "mal besser fühlen" wollen), pflegen ihre misshandelnden/missbrauchenden Eltern bis zu deren Tod ... und erhalten selbst dann noch keinerlei Zuneigung oder ein wenig Dankbarkeit. Das sind zwar auch nur einige Erklärungen und eine Seite von vielen.

    Die Gründe, warum jemand anfängt zu trinken, zu spielen, Medikamentensucht zu entwickeln (sehr oft Apotheker und Ãrzte, die leicht an Benzodiazepine herankommen) sind so facettenreich, dass man sie hier nicht näher ausführen muss.

    In der letzten Strophe stellst du den Reichen dem Nichtsnutz gegenüber. Also gibt es in deinen Augen Reiche auf der einen und Nichtsnutze auf der anderen Seite, demnach keine reichen Nichtsnutze? Entweder reich oder zu nichts nutze.

    Jemand, der sich richtig informiert und der - auch wenn er selbst nicht betroffen ist - vor allem dennoch gewillt ist, sich in andere hineinzuversetzen, würde sich wohl niemals zu solch verallgemeinernden Zeilen und so vereinfachten als auch teilweise falschen Darstellungen - wie sie in deinem Gedicht vorkommen - hinreißen lassen.

    Ich kann nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, wenn ich so einen Schwarz-Weiß-und-dazwischen-nichts-Text lese. Ich würde ihn nicht mit einem Kartoffelsack vergleichen. Ein Kartoffelsack ist zu was nutze, er hält was zusammen. Dein Text trennt, ist moralisierend, entwertend ... nicht hilfreich, nicht bewegend.

    Er passt auch nicht in die Rubrik Trauer/Düsteres finde ich. Ich spüre beim Dichter keine Trauer um irgendjemanden oder irgend etwas.

    Grüße
    Richmodis
    Geändert von Richmodis (16.09.2018 um 21:29 Uhr)

  6. #6
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    Der Inhalt dieses "Gedichtes" zeigt sehr deutlich, wie es um den Charakter des Autors bestellt ist und gibt all seinen Kommentatoren Recht, die ihn hier und in den anderen Foren "beleidigen" und auf das Schärfste zurechtweisen.

    Niemand hat das Recht, so pauschal und entwürdigend über andere Menschen zu urteilen.

    Sidgrani



    Was würde der Autor sagen, wenn ihm die folgenden Zeilen gewidmet würden?

    Gib einem Dichter ein paar Worte,
    es wird ein Gedicht daraus.
    Gib einem Nichtsnutz tausend Worte,
    es erwartet dich ein Graus.
    Geändert von Sidgrani (17.09.2018 um 10:35 Uhr)
    Dichten und dichten lassen

  7. #7
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    Hier geht es um das Limit Lebensgestaltungswahnsinn. Tendenziell ist es doch sehr wünschenswert wenn jeder sich selbst am besten fertigmacht. Spart die Ressourcen aus denen sich Dr. Karg nährt. Wenn schon Meilensteine am laufenden Band dann so als wäre der Steinmetz an unserer Weltenseele tätig.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  8. #8
    Dr. Üppig Guest
    Ich denke eher, dass es in unserem schönen Forum "Menschen" gibt, die darauf aus sind, mit Plattitüden Antworten und Klicks zu erheischen. Wenn man sich dann die Mühe macht, nach einem Muster zu suchen, findet man schnell heraus, dass mit einer relativ stabilen Regelmäßigkeit Texte eingestellt werden, die an der Grenze des guten Geschmacks nicht zerren, sondern diese passieren, ohne sie wahrzunehmen. Ich für mich habe den Weg gewählt, solchen "Menschen" möglichst aus dem Weg zu gehen, um ihnen nicht die Bestätigung einer Antwort zu liefern. Vermutlich ist diesen "Menschen" eigen, sich nicht über die Art, sondern über die Tatsache des Kommentars zu freuen. Selbst wenn ein aufrichtiger und guter Kommentar (zufälligerweise ist der von Richmodis so) gepostet wird, er sollte sich nicht an diese "Menschen" richten, sondern an die, die über mehr Anstand verfügen als eine faule Kartoffel. Wenn ich also - hypothetisch, versteht sich - solchen "Menschen" im Forum begegne, widerspreche ich ihnen bei Themen, die für mich wichtig sind, lasse sie aber ansonsten links liegen. Ganz ehrlich, wäre auch sonst schade um die Zeit.

    Ich weiß nicht, was mich dazu verleitet hat, diesen hypothetischen (daher auch "Menschen" in Anführungsstrichen) Absatz hier einzustellen, wo ich doch nie über User dieses Forums spekulieren würde. Allerdings verlangt ein Kommentar hier ein gewisses Maß an Textarbeit, die jetzt folgen wird.

    Das Wort "Alkoholiker" kann man natürlich auf viele unpassende Arten abkürzen, aber "Alci" mit einem C ist, netiquettekonform gesagt, eine der ungebildeteren.

    Die erste Strophe weist zwei identische Reime auf, was auf eventuelle Schwächen des Reimlexikons schließen kann. ("raus" und "draus" sind nur de jure keine identischen Reime.)

    S2V2 ist ein Satz, wegen dem Hans eigentlich um die deutsche Sprache besorgt sein sollte. Eine Inversion derart unglücklich mit einer Ellipse zu kreuzen muss erst einmal einer nachmachen. Die Verse 2 und 4 sind klassische Endreimlösungen.

    Und "Schnapsens Kunden" in Vers 3? Meine Güte, bin ich froh, dass ich nicht dieses Deutschens Schüler war. Mit unserem Bildungssystem liegt es wohl tatsächlch im Argen.

    Der inhaltliche Mumpitz ist am schönsten in Strophe 4 zu sehen, wo der zu bemitleidende Leser feststellt, dass man an einer Krankheit leiden kann und dass es einem dann so richtig Spass macht.

    Am Ende des Tages ist es alles große Ironie von meinem verehrten Kollegen im Buchstaben; vermutlich ist das lyrische Ich selbst Alkoholiker oder hat irgend ne andere Suchtkrankheit und findet das richtig toll.

    Und ich, gehe jetzt duschen.
    Geändert von Dr. Üppig (19.09.2018 um 01:11 Uhr)

  9. #9
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    Viel Spaß beim Duschen!

  10. #10
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    Ist es jetzt schon so weit, dass sie sich mit Ihrem Herrenmenschen-Gehabe wiederholen müssen??


    Weil sie


    ©Hans Hartmut Karg
    2015

    Weil sie das Sparen niemals lernten,
    Gab es nur noch die armen Leute,
    Die sich aus Tatsachen entfernten,
    Wo niemand mehr sie noch betreute.

    Gib einem Reichen wenig Geld,
    Hat er es nach 'nem Jahr verdoppelt.
    Was man ihm segnend hingestellt,
    Hat er an Leistung längst gekoppelt.

    Gib einem Penner reichlich Geld,
    Er wird alles sofort verkaufen.
    Verführen wird ihn Süchtewelt:
    Er wird zum nächsten Tankshop laufen.

    Nicht Hunger stillt der arme Mann,
    Er legt auch keinen Schein zurück,
    Denn Geld halten im Süchtewahn?
    Dafür hat er doch keinen Blick!

    Wie kann man so den Armen dienen
    Und für sie gern auf Rettung sinnen,
    Wenn sie sich nur am Tropf bedienen
    Und alle Gelder dann verrinnen?


    LG
    k

  11. #11
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    Es gibt kein Herrenmenschengehabe von meiner Seite!
    Das wollen mir nur solche Leute unterstellen,
    die mich vorsätzlich missverstehen wollen!
    LG HHK

  12. #12
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    Eine typische Karg-Antwort! Sie erinnern mich an einen gewissen US-Präsidenten... Aber vermutlich möchte ich Sie jetzt auch wieder VORSÄTZLICH missverstehen...

    Was soll man an Ihren Texten eigentlich missverstehen???

    LG
    k

  13. #13
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    Jetzt sagt doch einer mal dem Doc, dass er im Leben alles richtig gemacht hat: Fleißig gespart und gemehrt, nichts an Menschen unverdient vergeben. Er schaut auf ein Leben voller Richtigkeiten zurück, und hätte dafür nicht mal eine saubere Kinderstube und fürsorgliche Eltern gebraucht. Er hätte sich als quasi Naturpädagoge von Geburt an selbst erfunden. Also von mir, Dr. Hans Hartmut Karg, große Ehrerbietung für eine glänzend gelungene Vita!!!! Menschen nur wie Sie, und die Welt wäre quasi das Paradies auf Erden. Anderseits... Menschen nur wie Sie und natürlich auch ich; von wem sollten wir uns dann noch als so großartig und hypervernünftig abheben? Aber.. die anderen sind doch nur neidisch.

    Ein Hoch auf unseren Doc!
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  14. #14
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    Lieber Arkadier,
    auch ich habe nicht alles richtig gemacht! Wer könnte sich anmaßen, solches zu behaupten? Es geht im Gedicht doch nicht um mich!
    Liebe Grüße!
    H. H. Karg

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