Eine Hexe mit den Mächten,
aus dem Himmel in den Nächten
den Trabanten zu entfernen,
den des Tages mit den Sternen
statt der Sonne zu erleuchten;
Felsgebirge zu befeuchten,
Flussgewässer zu verhärten
- Alles dreht sie ins Verkehrte!

Winden ihren Atem stehlen,
selbst den Göttern was befehlen
und die Toten weiterquälen,
Leben lange Jahre kürzen;
kurz: die Welt ins Chaos stürzen
kann die mächtigste, die’s gibt.

Diese macht in sich verliebt
ganz unsterblich junge Knaben
reizender Gestalt und Gaben.
Sie verlieren den Verstand,
hat sie erst die Überhand
und betört all ihre Sinne.
Jene geben Geldgewinne
ihr und gern das letzte Hemd.
Ausgelaugt dem Leben fremd,
abgemagert, leichenbleich
werden sie zu Grunde gehen.

Jene, die ihr widerstehen,
oder ihr zuwiderhandeln,
droht die Hexe zu verwandeln;
den Rivalen und den Schändern
wird sie die Gestalt verändern,
ihre Formen gleich Getier.

Häusern schließt sie Tor und Tür
mit vorangelegtem Riegel,
hebt sie hoch samt Holz und Ziegel,
setzt sie andernorts herab.

Sie besucht das frischste Grab,
Leichen, die gerad verschieden,
ohne Trauerzug und -riten,
und entreißt in aller Eile
ganz diverse Körperteile,
welche sie zum Hexen braucht
neben Kräutern, Sang und Rauch.
Denn mit Schädel, Nasen, Fingern
und mit andren eklen Dingern
rüstet sie die Werkstatt aus.

Oben in dem Herrenhaus
auf verborgnem Schindelboden
lässt sie Zauberfeuer lodern,
wirft geliebtes Haar hinein,
führt so den Geliebten heim.
Will sie aber ihn besuchen,
muss Verwandlung sie ersuchen:
Die Klamotten erst vom Leibe
runter, diesen dann einreiben
mit der Creme auf alle Glieder;
ihre Arme immer wieder
auf und ab bewegt im Flug
flattern lassen ist genug.
Als ein Uhu fliegt sie aus
und verlässt verdeckt das Haus.