Thema: Die Gesundung

  1. #1
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    Die Gesundung

    Meine erste Frau verdarb mir
    die Lust auf Sekt und Starkbier,
    und der Teufel weiß warum,
    nur der Teufel weiß warum!
    Und die zweite und die dritte,
    kurz danach auch noch die vierte,
    machten mich ganz einfach stumm
    und im Kopf ging mir herum:
    Hätte ich sie doch mit Behagen
    einfach kurz und klein geschlagen
    oder mich nicht so geniert
    und sie einfach massakriert.
    Leider ließ ich sie am Leben
    statt den Todesstoß zu geben,
    sie mit Lust zu garrottieren,
    ließ ich mich lieber kujonieren;
    das passiert mir nicht noch mal,
    solch ein Leben ist fatal.
    Ob sie niedlich oder hässlich,
    alle Weiber sind gar grässlich,
    selbst die Damen fünf und sechs
    wollten nur mein Geld und Sex.
    Nie mehr will ich mich verlieben -
    Schluss ist nach der Nummer sieben.
    Und ich ging um zu gesunden
    in die Einsamkeit der Wälder.
    Dort hab ich die Ruh gefunden,
    die ich suchte; kühl und kälter
    pulste bald das Blut in jeder Ader -
    Schluss mit Ärger und mit Hader.

    Und dann kam sie,
    schön wie ein Septembermorgen,
    eine längst vergessne Melodie
    erklang und was so tief in mir verborgen,
    blühte auf, ich folgte ihren Rosenspuren
    durch des Waldes Revier und vermochte kaum
    das gewaltige Hämmern des Herzens zu bändigen.
    Ach wie lieblich umflossen die Locken ihr Haupt,
    ihre Augen - so klar, und die Brüste
    wie von Alabaster gegossen,
    die Glieder voll Anmut und ihr Duft
    glichen der Narde und Ambra zugleich.

    Und der Lerchen Gesang, das Geraschel der Blätter,
    sie vermischten sich bald mit dem Klang ihrer Stimme.
    Ich bin sehr bald in Lieb zu ihr versunken,
    als hätt ich durstig von ihrem Blut getrunken.
    Geändert von Festival (24.08.2020 um 10:09 Uhr)

  2. #2
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    das passiert mich nicht noch mal

    ist es die Absicht?

    MfG
    Metallist
    ...
    Herz ist nicht mit mir.
    Herz ist nicht mit dir.
    Herz ist weit weg. V.Butusov *Das Lied "aus dem Fluss"

  3. #3
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    Zitat Zitat von Metallist Beitrag anzeigen
    das passiert mich nicht noch mal

    ist es die Absicht?

    MfG
    Metallist




    Lieber Festival,

    nach dem ersten Teil war ich über die Rubrik irritiert, aber der zweite Teil, die Nummer acht, hat es wiedergutgemacht.

    "Ob sie niedlich oder hässlich
    alle Weiber sind gar grässlich".

    (meine Lieblingsstelle)

    Du hast ja so recht.

    Aber entspanne Dich doch und halte es mit Loriot, der es treffender nicht hätte formulieren können:

    "Frauen haben auch ihr Gutes".

    Liebe Grüße
    Richmodis

  4. #4
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    Hallo Heinz,

    die Aussage zum Thema ist deutlich und interessant aber so auch langatmig ausgeführt. Die variablen Reime, wechselnder Auftakt und Metrik erschweren den Lesefluss. Bei der Länge sollte es mehr Spannung, Dramatik, Witz oder Überraschung geben.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  5. #5
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    Hallo Metallist,
    nee, keine Absicht, sondern Dussligkeit. Der Vers lautete im Entwurf anders und das dämlich "mich" ist stehen geblieben. Habe es bereits geändert.

    Liebe Richmodis,
    die Steilvorlage für den ersten, Frauen verachtenden Teil lieferte mir Ritter Blaubart in der gleichnamigen Offenbach-Operette. Nach Carmen, die ich in Baden-Baden mit einer charmanten Dame besucht habe, war diesmal die Komische Oper in Berlin die Chance, mit einer nicht minder charmanten Dame das Lied König Heinrichs VIII ("Meine erste Frau, die starb mir/kaum dass ich sie erwarb mir...") zu genießen. Bei der Hinrichtung seiner ersten (von sechs) Frau war er angeblich Tennis spielen. Was die Liebe selbst aus so einem "Mörder auf dem Königsstuhl" hätte machen können, beschreibt der zweite Teil (deswegen Gestaltungswechsel, Verzicht auf Reime bis auf den Schluss, Wechsel des Metrums).
    Schau noch einmal auf den Titel: Was anfangs banal in klappernden Reimen daher kommt, endet abrupt mit "und dann kam sie" und gleitet in mehr oder weniger gekonnte Anapäste. Den Schluss - Du wirst es bemerkt haben - habe ich bei Goethe geklaut.
    Vielen Dank für Deinen Kommentar!

    Hallo Hans,
    welche Aussage von den vielen Aussagen zu welchem Thema ist deutlich und interessant? Langatmig? Ja, ich setze bei meinen geschätzten Lesern und Leserinnen langen Atem voraus.
    Was verstehst Du unter "variablen Reimen"? Zwölf Paarreimen folgen vier Verse im Kreuzreim, ein Paarreim beschließt die erste Strophe.
    Die zweite Strophe beginnt mit vier Versen im Kreuzreim, es folgt ein Vers in Trochäen und dann galoppieren acht Anapäste. Den Schluss bildet ein Paarreim, der fast unverändert von Goethe übernommen wurde.
    Die zweite Strophe sollte ganz anders sein und verzeih: Lesefluss ist ein sehr individuelles Phänomen.
    "Bei der Länge sollte es..." - das ist Deine Meinung und die darfst Du behalten. Was ist für Dich Dramatik? Wo sind die Witze in Schillers längster Ballade? Und "Länge"? Die paar Verse sind also in ein "langes" Gedicht geflossen. Tipp: Atemübungen machen und das Ding mit zweimal Luft holen rezitieren.

    Liebe Grüße Euch allen,
    Festival

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