Der Einsiedler


Es nahm ein Mensch in Lebensgröße
Am Leben teil mit viel Getöse,
War im Netz hier und im Netz da,
Besuchsweis' in Amerika.

Unstet sein Wesen, seine Art,
Er trug ja einen Backenbart,
Musste sein Lebtag kritisch sein,
Blieb daher einsam und allein.

Denn diese Welt war ihm nicht recht,
Er mocht' kein weibliches Geschlecht,
Kam überall ihm in die Quere,
Wo er doch nur das Mannsbild ehre.

Er wollte nichts von Frauen wissen,
Da gab's kein herzen und kein küssen.
Viel lieber trank er roten Wein –
Und schloss sich in sein Zimmer ein.

Hatte er sich genug gegeben,
Begann er sichtlich aufzuleben
Und kritisiert' in Forenwelten
Alle, die ihm gar nichts gelten.

Das Netz kam ihm gerade recht,
Dort machte er die Besten schlecht.
Er merkte nicht, wie grau die Haare,
Ihm flohen seine Lebensjahre.

Doch dann erbarmte sich ein Weib,
Nahm ihn zu sich zum Zeitvertreib
Und half ihm endlich auf die Beine:
Sie führte ihn zum Sonnenscheine!

Endlich verließ er nun sein Zimmer,
Schraubte höher seinen Dimmer,
Wanderte, wo Blüten leuchten,
Flüsse ihre Ufer feuchten.

Endlich kam so das späte Glück
In jene Einsamwelt zurück,
Wo bei beständigem Verführen
Er nichts mehr musste kritisieren.


©Hans Hartmut Karg
2018

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