1. #1
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    Die Geschichte vom liebestollen Franz aus Buer

    Nach einiger Zeit krankheitsbedingter Forumsabstinenz melde ich mich wieder mit einer Schüttelballade

    Die Geschichte vom liebestollen Franz aus Buer


    Es schätzte einst in Buer der Franz Behagen,
    man kann noch heut den Bruder Hans befragen.
    Als Junggeselle war der Franz ein Schätzchen,
    bis ihn becircte Hilde Schanz, ein Frätzchen.

    Denn eines Tags, sagt Hans, packt Franz der Geier:
    Er war bei dieser jungen Gans der Freier.
    Was Kleidung anbetraf, war Franz ein Geckchen,
    doch was sie trug, die junge Gans: ein Fräckchen.

    Das passte gar nicht zu dem Franz: ein Gänschen,
    doch ihm versprach, schimpft Hans, die Gans ein Fränzchen.
    Schon trug sie um den Hals vom Franz ein Kettchen,
    Wie herzig! Besser stünd der Gans ein Frettchen!

    Beweist denn, lästert Hans, mein Franz, du Geist,
    wenn fast mit sechzig, Franz, die Gans, du freist?
    Doch war das Gänschen nach dem Franz so gierig.
    Denk ich, sagt Hans, an diese Gans, so frier ich.

    Bald war durch Eheschwur der Franz verbunden,
    doch plötzlich war aus Buer der Franz verschwunden.
    Ein letztes Mahl hat noch der Franz gegessen.
    Dann, munkelt man, hätt ihn die Gans gefressen.

    Am Sonntag ratschten vor der Kanzel Frauen,
    sie würde gar noch heut am Franzel kauen.
    Zwei Jahre später kam’s im Aktenzeichen,
    am Kegelclubhaus bei gezackten Eichen:

    Zwei Kegler, die grad einen Kranz vergaben,
    sie fanden Franz, den dort die Gans vergraben.

    Wenig später:

    Ein Kriminaler, der in Vordermuhr
    im Urlaub von dem dreisten Mord erfuhr,
    entdeckte Hilde, sprach: Jetzt sanS verhaftet!
    Sie hätte fast noch Schwager Hans versaftet.
    Geändert von Friedhelm (17.10.2018 um 06:48 Uhr)
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
    Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn!

  2. #2
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    Hallo Friedhelm,

    schön, wieder mal einen Schüttler von Dir zu lesen. Und dann wieder ein über acht Strophen zusammenhängendes Dingens (= Glanzstück). Mit Höhepunken wie: Gans - frenentisch/Franz - genetisch und Kanzel - Frauen/Franzl - kauen. Herrlich!

    LG Richmodis

    Eine Frage hätt ich noch: Gibts in Bayern auch ein Buer? Oder sind die Leutchen in deinem Gedicht mit dem bayrischen Dialekt ins Rheinland gezogen?

    btw: Gute Genesung!
    Geändert von Richmodis (15.10.2018 um 08:25 Uhr)

  3. #3
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    Lieber Friedhelm,

    schön, dass es Dir wieder besser geht! Da hast Du Dir ja wieder eine köstliche Ballade aus dem Ärmel geschüttelt. Der Kanzelreim hat mir auch besonders gut gefallen! Ich hab mal versucht, das etwas plausibler zu verpacken:


    Am Sonntag ratschten vor der Kanzel Frauen,

    Ich glaube, so entsteht eher den Eindruck, dass die Frauen während der Predigt ratschen? Der andere von Richys Favoriten ist allerdings ein geschummelter Schüttelreim, und das hört man leider heraus:


    Der dumme Franz liebt diese Gans frenetisch,
    sie passten zueinand, schwärmt Franz, genetisch.


    Dieser hier ist interessant, weil Du über drei Silben hinweg schüttelst:

    Es war durch Eheschwur der Franz verbunden,
    doch plötzlich war aus Buer der Franz verschwunden.


    Das kann man gut mal machen, zumal der Franz ja sehr häufig vorkommt. Nötig wäre es allerdings nicht. Genauso gut könne es z.B. heißen:

    Er war mit ihr durch Eheschwur verbunden,
    doch plötzlich war der Franz aus Buer verschwunden.



    Soweit meine kleinen Kritteleien. Hat Spaß gemacht, mich mit Deinen Schüttlern zu beschäftigen, und ich wünsche Dir auch weiterhin gute Genesung!

    LG Claudi
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  4. #4
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    Zitat Zitat von Richmodis Beitrag anzeigen
    Hallo Friedhelm,

    schön, wieder mal einen Schüttler von Dir zu lesen. Und dann wieder ein über acht Strophen zusammenhängendes Dingens (= Glanzstück). Mit Höhepunken wie: Gans - frenentisch/Franz - genetisch und Kanzel - Frauen/Franzl - kauen. Herrlich!

    LG Richmodis

    Eine Frage hätt ich noch: Gibts in Bayern auch ein Buer? Oder sind die Leutchen in deinem Gedicht mit dem bayrischen Dialekt ins Rheinland gezogen?

    btw: Gute Genesung!
    Hi Richmodis,

    zunächst vielen Dank für die Genesungswünsche.

    Es freut mich, das dir meine Schüttelballade so gut gefallen hat.

    Hallo Claudi,

    auch dir 'Dank für die Genesungswünsche.

    Du hast dich ja sehr intensiv mit meiner Geschichte befasst. Ich danke für die Anregung bezügich der Frauen vor der Kanzel, werde ich einbauen. "Gans frenetisch/Franz genetisch" ist, nicht ganz korrekt geschüttelt, weil die ungeschüttelte Zwischensilben nicht gleich sind, aber bei einem längeren Gedicht würde ich das durchaus gelten lassen.

    Der Dreisilbenschüttler ist zwar nicht notwendig, aber interessant, vor allem, weil ich bestrebt war, nur Schüttler auf Franz zu verwenden, was dann leider am Ende nicht mehr ausging.

    LG Friedhelm
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  5. #5
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    Hallo nochmal kurz,

    "Gans frenetisch/Franz genetisch" ist, nicht ganz korrekt geschüttelt, weil die ungeschüttelte Zwischensilben nicht gleich sind,
    ne, das ist für mich nicht das Problem. Wenn die unbetonten Zwischensilben nicht ganz identisch sind, stört es das Ohr weniger. Was mich stört, ist der identische Reim auf den nicht geschüttelten Silben "netisch", den ich deutlich heraushöre, während der Schüttler in der Senkung verschwunden ist. Das ist aber wirklich nur zur Erklärung meiner Sicht, nicht als darauf Herumreiten gedacht.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  6. #6
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    Zitat Zitat von Claudi. Beitrag anzeigen
    Hallo nochmal kurz,


    ne, das ist für mich nicht das Problem. Wenn die unbetonten Zwischensilben nicht ganz identisch sind, stört es das Ohr weniger. Was mich stört, ist der identische Reim auf den nicht geschüttelten Silben "netisch", den ich deutlich heraushöre, während der Schüttler in der Senkung verschwunden ist. Das ist aber wirklich nur zur Erklärung meiner Sicht, nicht als darauf Herumreiten gedacht.

    LG Claudi
    Hi!

    Jetzt hab ich's kapiert, wie du das meinst, damit hast du schon Recht. Im 'Schüttelreimforum auf Facebook nennen wir solche Schüttelreime QS=Quasischüttler. Sie sind, zumal in einem längeren Gedicht, meine ich durchaus akzeptabel, und es beruhigt mich, dass du nicht darauf herumreiten willst.

    Ich habe inzwischen noch ein Schüttelsonett "Herbstwind" eingestellt, vielleicht magst du dazu auch etwas sagen.

    LG Friedhelm
    ______________________________

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  7. #7
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    Hi Richmodis und Claudia,

    ich hab die Geschichte überarbeitet und die nicht ganz sauberen Stellen entfernt.

    LG Friedhelm
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