Thema: Singulär

  1. #1
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    Singulär

    Das Weltall war schon bei Geburt
    absurd!
    Wer denkt sich so was aus?
    Wer baut sich so ein Haus?
    Wer wohnt darin, wer rechnet aus,
    wie lang man baut an so nem Haus?
    Wer kehrt am Samstag vor der Tür?
    Wer sagt, er könne nichts dafür?
    Wer weiss, wie singulär ich bin?
    Wer gibt dem Ganzen einen Sinn?

    Niemand hat hinausgesehen.
    Ist es dort genau so schön?
    Besser/schlechter als hier drinnen?
    Denk ich nach, komm ich von Sinnen.
    Keine Brücke, keine Furt
    alles war schon bei Geburt
    absurd!
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  2. #2
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    In der Naturwissenschaft wird die Frage nach dem Sinn nicht gestellt (Arterhaltung erachte ich nicht als sinnstiftend), und in der Theologie nicht jene nach faktischer Wahrheit. Da die beiden Disziplinen oft nicht zusammen können, bleibt unsereiner in seiner Singularität stecken.
    Anthropozentrische Evolutionspfade regen zumindest das Denken und Dichten an, was doch schon mal nicht schlecht ist.
    "Geburt/absurd" ist allein als Reim für sich lesenswert, aber hier ist er zudem noch wunderbar eingebettet. LG gugol

    P.S.: "seine" Singularität... ist das jetzt ein Widerspruch in sich (zumindest mathematisch gedacht)?

  3. #3
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    ja, aber der wird auch im real existierenden (?) system kolportiert.
    was uns wieder zur frage bringt, ob die gesamtbakterienschaft, welche uns abstraktionsfähige wesen missbraucht als technikgeber zur flucht auf längerfristig belebbare Planeten, über ihre eigene Nasenspitze hinaus denkt (was für ein widerspruch ist das nun wieder?).
    danke für deinen anregenden beitrag
    kp

  4. #4
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    Ich würde da einwenden, dass uns die Bakterien schon länger besiedeln als wir den Mond und allenfalls in Zukunft den ein oder anderen Planeten. Insofern wären sie nur seit langer Zeit am rechten Ort, oder so... Oder doch intelligentes zellenloses Kollektiv? Abgefahrene Frage, jedoch nicht ganz sinnlos, bedenkt man, dass uns dereinst die Kolibakterien bis hinaus ins Weltall (ver)folgen könnten. Brrrr LG gugol

  5. #5
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    Ist doch alles nur ein Internetproblem. Gäbe es den Autor nicht, wäre diese Ansicht auch nicht fragwürdiger oder stichhaltiger als alles andere was besser ist mit Vernetzung. Und das wiederum dehnt sich aus und schwimmt nicht gegen den Strom wie verrückt gewordene Fische es manchmal tun. in einer vergleichbaren Singularität zwar aber am anderen Ende der Welt wofür wir nicht könnten selbst wenn es um irgendeine Art von Schönheit geht.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  6. #6
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    abgefahrene Frage. teleologisch. naja, es wird doch in vielen feuilletons von endzeitstimmung gesprochen, nicht wahr?


    irgendeine art von Schönheit. im speziellen fall jene am anderen ende der welt. gibt es eine blaue blume ohne dornen? insofern stichhaltig


    grüsst euch beide dankend
    kp
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  7. #7
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    Ein hübscher Nihilismus in Reimform, der von Rhythmuswechseln lebt. Inhaltlich etwas falch, aber aus der Perspektive gibts auch nicht mehr zu sagen zu dem Thema und es macht Spaß und regt an. Technisch recht gelungen. Der wechsel von Jambus auf Trochäus in Strophe zwei passt gut und verändert erfolgreich die Geschwindigkeit, wie auch die Kontarkarierung durch das letzte Absurd.
    Die Reime sind ausbaufähig, ihre einfachheit verstärkt den Knitteleindruck, aber das Rhythmuspiel macht es wieder weg. Alles im allen ein spaßiger Text, den ich gerne gelesen habe.
    Gruß Marot
    Marot als blaubehelmter UN-Soldat

  8. #8
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    Ja, da machst du mich auf etwas aufmerksam, was ich nicht beachtet hatte. Aber dazu sind ja die Kritiker da. Danke dafür.
    KP
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  9. #9
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    Kann es sein, dass ich Deinen Text schon vor ein paar Millionen von Jahren an einem anderen absurden Ort des Universums gelesen habe?

    Spaß beiseite, ich finde Deinen Text sehr gelungen, gerade auch in seinem offen Gehaltenen. Der Paarreim und die Wiederholungen unterstützen ideal das SichImKreiseDrehen des Singulären beim Nachdenken darüber, was die große Welt im Innersten zusammenhält. Ist es schon nihilistisch, wenn man lediglich eine objektive Sinnstiftung fürs Universum und fürs Leben in Zweifel zieht?

    Die absurde Geburt im ersten Vers bezieht sich, wenn ich es richtig verstanden habe auf das Weltall. Wenn es so ist, wäre es vielleicht eine Überlegung wert, sie im letzten Vers auf das absurde Leben des LI zu beziehen (meine eigene Geburt - absurd).

    LG Eremit
    Hinweis: Lyrik im Foyer 2018 in Frankfurt (Oder)

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    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  10. #10
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    Hallo Eremit
    Die genaue chronologische Einordnung fällt mir selbst schwer. Und da soll ich bald eine Führung auf dem Evolutionspfad machen... Oje.
    Zu deinem Vorschlag: Ich denke, dass diese Zeile bereits vieles offen lässt, indem sie "alles" nennt.
    Danke fürs Lesen
    KP
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  11. #11
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    Hallo kaspar praetorius,

    an der Führung auf dem Evolutionspfad wäre ich sehr interessiert ...

    Zitat Zitat von kaspar praetorius
    Ich denke, dass diese Zeile bereits vieles offen lässt, indem sie "alles" nennt.
    Die Offenheit Deiner Verse auf "alles" hast Du schon mit dem Weltall in der ersten Zeile klargestellt. Es spricht auch nichts dagegen, in der letzten Zeile mit einer Wiederholung dieser Offenheit die lyrische Philosopieplauderei abzuschließen. Spannender fände ich es, wenn die pathetische Reflexion des Großen und Ganzen in der letzten Zeile mit einer kleinmütigen Selbstreflexion enden würde, im Sinne von "Sch..., wenn alle Welt absurd ist, ist ja auch mein eigenes Leben absurd". (Das hätte Pawel Kortschagin sicherlich nicht gefallen).

    Über den Grund, diese philosophische Betrachtung in das Thema "Hoffnung und Fröhliches" einzuordnen, muß ich noch nachdenken . Bestimmt hat der Autor mit seinem für das handy viel zu dicken Zeigefinger daneben getoucht ...

    LG Eremit
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  12. #12
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    Oh, zweimal All(es). Da muss ich gucken, ob sich was machen lässt.
    Die "Führung" ist schon nächste Woche und in der Schweiz. Ausserdem auf einem "Themenpfad", welcher eigentlich seinen Namen nicht verdient. Näheres kann ich dir wenn gewünscht über PN mitteilen.
    KP
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  13. #13
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    Zitat Zitat von kaspar praetorius Beitrag anzeigen
    Das Weltall war schon bei Geburt
    absurd!

    alles war schon bei Geburt
    absurd!
    Grüße


    Der Neandertaler, meinte auch:" ist es nicht absurd, dass Vögel fliegen können?

    ich denke so, muss man an die Sache herangehen. Warum werden Menschen und Tiere, Insekten und Bakterien usw. geboren um doch am Ende zu sterben. Warum können sich, biologische Geschöpfe, an verschiedenen Umweltbedingungen anpassen (resistent). Warum gibt es schwarze Löcher die alles anziehen, komprimieren und wieder ausstoßen in anderen Eigenschaftsformen.

    Birgt mein Gehirn, Erfahrungen und Bilder meiner Vorfahren? und habe ich zugriff darauf? Was sind Nahtoderfahrungen, Störungen des Gehirns, Realität ?

    und so weiter.

    müssen wir alles wissen? werden wir irgendwann alles wissen?

    ich sage nein.

    tschüss.

  14. #14
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    hallo h2
    wer sind "wir"? der schöpfer der welt und der mit sprache spielt? was haben beide mit nahtod zu schaffen?
    danke fürs lesen
    kp
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  15. #15
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    Zitat Zitat von kaspar praetorius Beitrag anzeigen
    hallo h2
    wer sind "wir"? der schöpfer der welt und der mit sprache spielt? was haben beide mit nahtod zu schaffen?
    danke fürs lesen
    kp
    Grüße



    Wir, bezieht sich auf: ich, du, er, sie, es, alle Menschen. Bezogen auf dein: "Das Weltall war schon bei Geburt
    absurd!"

    Absurd, eine Wortschöpfung des Menschen. Wird viel verwendet weenn er den Sinn nicht erkennt.




    Mein Denken. Wobei, es in zwischenmenschlichen Gebrauch, wohl seine Bedeutung, Zugehörigkeit, erzielt.

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