Alle Farben

Ich habe längst alle meine Farben verloren.
Sowie meine Träume Wünsche und Hoffnungen kleiner wurden, so verblassten auch meine Lebensfarben zunehmend.
Jetzt ist nur noch tristes Alltagsgrau um mich herum und meine Hoffnung liegt tief am Grund im dunkelstem Winkel meines kargen Herzens.

Sterben möcht`ich nur noch um mein Leiden zu beenden.
Aus Raum und Zeit entschwinden fern dieser quälenden Gewissheit,
mein Leben eh nur zu verschwenden.
Doch erinnere ich mich von früher noch an alle Farben.

Die Sonne so gelb, der Himmel so blau und ich liegend im bunten Blumenmeer,
gekitzelt von grünen Grashalmen.
Staunend dem Flug der freien Vögel, lauschend dem Klang der plätschernden Quelle und
-ohne besonderen Grund-
glücklich im Moment.
Einfach so.
In einer Zeit, in welcher mir die Zukunft noch nicht so große Angst bereitete
und ich vor lauter Plänen und Träumen und Hoffnungen die Furcht in mir
unbemerkt sogar mal ganz vergaß.

Vielleicht weil Du bei mir warst.
Wie eine Hand stützend im Rücken oder ziehend zur Tanzfläche.
Vielleicht aber auch nicht!
Du kannst so wundervoll sein, aber eben keine Wunder vollbringen.
Verantwortlich machen für mein Leiden könnt´ ich sehr viele,
doch letztlich bin es nur ich,
die Entscheidungen traf.

Grau grau und schmutzige Tupfer in schwarz.
Das ist alles was ich sehe.
Nur manchmal im blassen hellgrauen Moment eines okayen Tages
dann wünsche ich mir nur :
Bitte gib mir all die Farben zurück

Gib mir das leuchtende Gelb der Sonne, die mir Licht schenkt in meiner Dunkelheit
oder das beruhigende Blau des Himmels, das mir Trost schenkt in meiner Trauer.
Gib mir das zarte Rosa der Rosenblüten, die mich an die Glücksmomente und an die Schönheit des Lebens erinnern
oder gibt mir das unbändig nach Leben pulsierende Rot, das mich antreibt wieder aufzustehen um zu kämpfen.
Für mich. Für uns. Für alles was einmal wichtig war.
Gib mir das Grün und Braun und Ocker und all die Farben der lebensfrohen Natur, der dichten Wälder, der weiten Wiesen und der kräftigen Felsen, die mir die Freiheit schenken heraus aus meinem selbstgebauten Gefängnis der Hoffnungslosigkeit.
Gib mir das reine Weiß der Wolken, die mutig weiter ziehen, von alten Albträumen loslassen ohne flüchtend davon zu laufen
oder gib mir das sanfte Lila der frühen Morgenwolken, die mir einen Neuanfang schenken.
Gib mir das satte Orange des Sonnenuntergangs und beende damit meine Leidenswege und meinetwegen
gib mir selbst das Tiefblauschwarz des Himmelszeltes in der Nacht, aber bitte lass`ein paar Sterne für mich leuchten, damit ich mich nie mehr wieder in der Dunkelheit verlier`.

Schwarz schwarz und einige Tupfer grau werde ich vielleicht in Zukunft sehen, wenn mein Leben unverändert wird so weiter gehen.
Dann schwimme ich langsam in einem schwarzen Fluss, der in einem ebenso schwarzem Meer mündet, werde von schwarzen Wellen überdeckt, schwarzes Wasser wird meine Lunge füllen bis der Atem versiegt

Sinke immer weiter bis an den Meeresgrund zum dunkelsten Winkel wo dann aber kein Hoffnungsschimmer wohnt,
sondern nur der Tod.

geschrieben im Oktober 2018
Schmetterlingstod