1. #1
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    Ein süßer Traum

    Ich hab heut Nacht geträumt von Dir, mein Heideröselein,
    wir trafen uns am Holderbusch im Silbermondenschein.
    Die Nacht war lau und nur von fern ein Käuzchen leise rief,
    es war so still und alles, selbst der Knabe Amor. schlief.

    Küssend der Lindenbäume Blätter streift ein milder Windeshauch,
    leise erklingt ein Lied der Nachtigall aus dem Holunderstrauch,
    süßeste Frau, ich hab geträumt von dir und mir am Waldessaum -
    sage mir, verrat es mir: Wars wirklich nur ein Traum, ein wunderschöner Traum?
    Geändert von Festival (19.06.2020 um 20:58 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Festival,

    Dein Gedicht wirkt auf mich irgendwie sehr altbacken. So redet heute doch kein Mensch mehr.

    Ich musste beim Lesen an Shakespeares Werk „Romeo und Julia“ denken: „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“ Naja, es ist halt reine Geschmackssache.

    Technisch finde ich die 1. Strophe gelungen. Soweit ich es nach meinen bescheidenen Kenntnissen beurteilen kann, ein Jambus – vielleicht sogar eine erweiterte Form des jambischen Versmaßes.

    In der zweiten Strophe kam ich komplett ins Stolpern und ich war über den plötzlichen Sprung zum Trochäus sehr verwundert. Bist Du nicht der „Experte“, der immer sehr kritisch Texte kommentiert und auf Schwächen hinweist?

    Seis drum.

    LG
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  3. #3
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    @Festival


    Grüße.

    Wie immer starke Bilder, anmutige Sprache. Und metrisch ein Leckerbissen.


    @Dabschie


    Grüße.

    Siehe:



    Küssend der Lindenbäume Blätter streift ein milder Windeshauch,
    Xx x XxXx Xx X x Xx XxX

    leise erklingt ein Lied der Nachtigall aus dem Holunderstrauch,
    Xx xX x X x XxX x X xXxX

    süßeste Frau, ich hab geträumt von dir und mir am Waldessaum –
    Xxx X x X xX x X x X x XxX

    Hast du es so gelesen?
    Dann bist du falsch gewesen, wenn du es Jambisch liest.Du hast dann Anfangs, nach der ersten Betonten Silbe zwei unbetonte, stimmts? Das ist aber anders. Nimm den Text hier Jambisch:

    Küssend der Lindenbäume Blätter streift ein milder Windeshauch,
    xX x XxXx Xx X x Xx XxX

    leise erklingt ein Lied der Nachtigall aus dem Holunderstrauch,
    xX xX x X x XxX x X XxXx

    süßeste Frau, ich hab geträumt von dir und mir am Waldessaum –
    xXx X, x X xX x X x X x XxX

    Ich habe keine Probleme diese Zeilen Jambisch zu lesen.
    Wie funktioniert das?
    Siehe bitte:
    https://www.google.de/search?q=Tonbe...hrome&ie=UTF-8


    http://wwwuser.gwdg.de/~cwagenk/tonbeugung-2.htm

    Return:
    @Heinz

    Diese feierliche Stimme muss erhalten bleiben Heinz. Die deutsche Sprache geht sowieso den Bach runter. Das englische Geplapper nimmt einen großen Einfluss auf unser Miteinander. Nichts gegen die englische Sprache, aber die Deutsche, sollte darunter nicht leiden.
    Tja der erste Vers ein normaler Jambus und der Zweite ein Jambus mit einer beginnenden schwebenden Betonung.

    Note 1 setzen.
    (Grins)


    Tschüss.
    Geändert von horstgrosse2 (24.10.2018 um 10:53 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Dabschi,
    Du hast ins Schwarze getroffen! Das Gedicht bedient sich schamlos altbackener Klischees, aber bis Shakespeare gehe ich nicht zurück. Bei der ersten Strophe hatte ich den Evergreen "Haut Nacht hab ich geträumt von dir..." im Hinterkopf, bei der zweiten ein Lied ("Es löscht das Meer die Sonne aus", in dem es in der dritten Strophe heißt "Küssend der Wellen Nacken streift der Wind"), das meine damalige Geliebte so gern hörte. Also: Ein Griff in die Vergangenheit, aber Liebe ist doch zeitlos - oder?

    Lieber Horstgrosse,
    die erste Strophe ist tatsächlich durchgängig jambisch. Die zweite:

    Küssend der Lindenbäume Blätter streift ein milder Windeshauch,............XxxXxXxXxXxXxXxX
    leise erklingt ein Lied der Nachtigall aus dem Holunderstrauch,................XxxXxXxXxXxXxXxX

    hatte ich mir so gedacht. Einem einzelnen Daktylus folgen Trochäen, in den letzten beiden Versen Jamben.
    Dabschis Kritik ist nicht unberechtigt. Der sprachliche Duktus ist nicht zeitgemäß, aber, wie ich nach Deinen Zeilen sehr hoffe, es kommt eine zeitlose Sprache, die von einem zeitlosen Thema spricht, rüber.
    Danke für Deinen Kommentar und die große Mühe, die Du Dir gegeben hast.

    Liebe Grüße,
    Festival

  5. #5
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    Zitat Zitat von Festival Beitrag anzeigen
    H

    Küssend der Lindenbäume Blätter streift ein milder Windeshauch,............XxxXxXxXxXxXxXxX
    leise erklingt ein Lied der Nachtigall aus dem Holunderstrauch,................XxxXxXxXxXxXxXxX



    Liebe Grüße,
    Festival
    Naja, ich dachte du hattest das "Schwebende" im Auge, ich hätte da keine Probleme gehabt. egal.
    tschüss

  6. #6
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    Lieber Horstgrosse,
    aber einig sind wir uns, was die Pflege der deutschen Sprache angeht.
    Liebe Grüße,
    Festival

  7. #7
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    Zitat Zitat von Festival Beitrag anzeigen
    aber einig sind wir uns, was die Pflege der deutschen Sprache angeht.
    Wenn ich nur wüsste, was die Pflege der deutschen Sprache bedeutet.

    Pflegt man weniger die deutsche Sprache, wenn sich im Laufe der Jahre die Ausdrucksweise verändert, man sich angepasst hat und die altmodische Ausdrucksweise nicht mehr gut findet?

    Alles verändert sich im Laufe des Lebens. Ihr wollt doch auch nicht mehr auf die Computerwelt verzichten, ansonsten könnte man Euch hier gar nicht lesen …

    Aber ich will keinen Streit.

    LG
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  8. #8
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    Hallo Dabschi,
    die Pflege der deutschen Sprache hat nichts mit der Konservierung des Sprachgebrauchs vor hundert oder mehr Jahren zu tun. Die Großen unserer Literatur, zu denen ich Goethe, Schiller, Heine, Rilke und noch ein paar andere zähle, haben die Sprache nicht konserviert und auf dem jeweils gebräuchlichen Level eingefroren, sondern haben sie auf eine Höhe gebracht und sich dabei vor Neuerungen nicht gescheut. Schon wäre es, könnten wir, das Volk der Dichter und Denker, auch nur annähernd das Niveau eines Heinrich Heine erreichen. Welche Modernisierungen hast Du denn im Sinn?
    Ich gebe gern zu, dass mein Sprachduktus stark von den Klassikern beeinflusst wird. Na und? An welchen Wörtern/Sätzen/Begriffen machst Du das "Altbackene" meiner Verse fest? Ein bewusst nostalgisches Gedicht (hat Dich der Titel "Ein süßer Traum" nicht misstrauisch gemacht) - wie macht man es besser deutlich als durch "nostalgische" Begriffe?
    Du fasst eine unbekannte Zahl von Leuten zusammen ("Ihr wollt doch auch nicht mehr auf die Computerwelt verzichten, ansonsten könnte man Euch hier gar nicht lesen …") und das ist Quatsch. Die "Computerwelt" ist nicht von der jüngeren oder jüngsten Generation erfunden, sondern das Resultat der Arbeit intelligenter Leute, die zum Teil schon das Zeitliche gesegnet haben. Die negativen Auswüchse beim Gebrauch unserer Sprache nehme ich gelassen hin (die Moserei an solcherlei Dingen ist Jahrtausende alt) und freue mich, wenn junge Menschen an mich heran treten, wenn es um die Formulierung wichtiger Schriftstücke geht - sei es eine Bewerbung, eine Hausaufgabe, ein Brief, eine "Rede" oder ein Gedicht.
    Gruß,
    Festival
    Geändert von Festival (25.10.2018 um 00:45 Uhr)

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