„An Chrysillen*“

Was sagst du mir? Was willst du denn zeigen?
Du nutzt den Schwung der Lust, die uns verboten
Ist, machst den Himmel auf und sprichst in Zoten,
Erzähl mir nicht, das wäre dir nicht eigen!

Im Gegenteil! Ich soll dir jetzt was geigen,
Du folterst mich und machst mich zum Heloten,
Du scherzt und schäkerst, machst zum tumben Boten
Mich, der dich liebt, und tanzt mit dir den Reigen,

Der Gold verspricht und Edelstein. Und Nähe:
Als wüsstest du, wie ich dich gerne sähe,
Verkleidest du dich als den Unschuldsengel!

Die Taube dort in deinem Haar ist eine Krähe!
Sie gurrt nicht, nein, sie schrillt, und ihr Gequengel
Macht mich zum Wüterich mit güldnem Stengel!

* Sonett von Paul Fleming