Thema: bei dir

  1. #1
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    bei dir

    Äste, die am Boden liegen,
    knacken unter jedem Schritt.
    Vögel ziehen, seh sie fliegen,
    Rufe nehmen mich still mit.

    Sie verhallen, Blätter fallen,
    nun, ich hab dir längst verziehn.
    sehe wieder fast in allen
    Hoffnungsschimmer, ein Erblühn.

    Nebelschwaden weichen Farben.
    Sonnenglut wie ein Saphir
    hat mich heute eingeladen,
    spüre dich, auch du bist hier.

    Meine Hände, im Gelände
    zupfen dir an deinem Kleid.
    Dicke Türen und auch Wände
    öffnen sich. Es brauchte Zeit.
    Geändert von Anjulaenga (19.11.2018 um 10:41 Uhr)

  2. #2
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    Liebe/r leicht_Gedacht,

    auch wenn die Antwort haarscharf unter den gewohnten Argusaugen der MOD am Spam vorbeigeschlittert ist, bin ich ganz bei dir. Dein sachkundiger Beitrag hat mich gefreut. L.G.A.

  3. #3
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    Lieber Anjulaenga,

    du nimmst den Leser mit auf einen gefühlsbetonten, spätherbstlichen Spaziergang. Die (ehemalige) Geliebte scheint nur in den trüben Gedanken des LI anwesend zu sein oder, und was ist vorgefallen? Langsam verwandelt sich die düstere Stimmung in Zuversicht und Fröhlichkeit. Das neckische Zupfen am Kleid (real?) deutet auf eine gewisse Unbeschwertheit nach einer Zeit des Trübsals hin. Ist nun alles wieder gut?

    Sie verhallen, Blätter fallen,
    Das "Sie" soll sich bestimmt auf die Schritte beziehen, aber es ist nicht eindeutig und deshalb für mich ein kleiner Stolperer. Und "im Gelände" klingt mir zu flapsig. "Meine Hände sprechen Bände" würde mir z.B. besser gefallen.

    Übrigens: Schönes Gedicht!

    L.G. Sidgrani
    Dichten und dichten lassen

  4. #4
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    Huhu, Anjulaenga,

    ich würde sowohl aufs Gelände als auch auf die Bände sprechenden Hände (sid) verzichten. Klingt viel zu sehr reimgeschuldet, besonders letzteres.
    In der ersten Strophe hast du auch keinen Reim innerhalb des ersten Vers. Wenn im letzten auch nicht, schließt sich der Kreis.

    LG
    Rich

  5. #5
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    Liebe/r Richmodis,

    mit dem Kleid ist die Grabbepflanzung auf dem Grabgelände gemeint. L.G.A.

    Lieber Sidgrani,

    es sind die Vögel, die vorrüberziehen und verhallen. Die eignen Schritte können für das LI nicht verhallen. Danke fürs Kommentieren, A.

  6. #6
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    Lieber Anjulaenga,

    ohne deine Erklärung wäre ich nicht auf den Gang zu einer Verstorbenen und die Grabbepflanzug gekommen. Obwohl du ein trauriges Thema angepackt hast, wirkt das Gedicht auf mich weder elegisch noch melancholisch. Im Gegenteil, das LI ist über die Zeit der Trauer und trüben Gedanken hinweggekommen und schöpft wieder Zuversicht.

    Zitat Zitat von Anjulaenga
    es sind die Vögel, die vorrüberziehen und verhallen
    Ihre Rufe können verhallen, aber nicht die Vögel selbst. "Vögel rufen, seh sie fliegen", ist zwar auch nicht perfekt, würde mir aber mehr zusagen.

    Auf jeden Fall hast du ein Gedicht geschrieben, das wunderbar in die Novemberstimmung passt.

    L.G. Sidgrani
    Dichten und dichten lassen

  7. #7
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    Lieber Sidgrani,

    wo du Recht hast, hast du Recht.
    Danke, habe es geändert.

    L.G.A.

  8. #8
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    -

    Zitat Zitat von Anjulaenga Beitrag anzeigen
    Äste, die am Boden liegen,
    knacken unter jedem Schritt.
    Vögel ziehen, seh sie fliegen,
    Rufe nehmen mich still mit.

    Sie verhallen, Blätter fallen,
    nun, ich hab dir längst verziehn.
    Denn ich sehe fast in allen
    Hoffnungsschimmer, ein Erblühn.

    Nebelschwaden weichen Farben.
    Sonnenglut wie ein Saphir
    hat mich heute eingeladen,
    spüre dich, auch du bist hier.

    Meine Hände, im Gelände
    zupfen dir an deinem Kleid.
    Dicke Türen und auch Wände
    öffnen sich. Es brauchte Zeit.

    Hallo Anjulaenga,

    mir mundet dieses 4-big trochä_Stück [ die letzte Version ] gut , … hatte ohne deine Erklärung auch eine andere Wegung ./ wäre Li in einem Verarbeitungsprozess ob seiner verloren gegangenen Liebe [ Freundschaft ], reflektiert dieses Hinüber in sein Heute, spürt wieder jenen Schimmer zwischen den Dingen - und ja, für mich auch ein Äste_brechendes, letztlich hoffnungspro Novembergedicht;

    selbst nun nach deinen nachgereichten Gedanken finde ich persönlich mit dem Text [ das SchwarzaufWeiß ] weniger hin zu einem Grabbesuch, eine Bepflanzung , dran liebevoll zu zupfen, fehlt mir wenigstens eine mini-wegweisende Silbe, könnte schon reichen ...

    Die Strophe2, die letzten beiden Verse munden mir weniger, eben wegen dieses "Denn ich", mMn doppeltgemoppelt zu dem davor "nun, ich" , zudem mir persönlich ein zu eingreifender Ton-Duktus im Vergleich zum sonsten Erzählton.

    Kam mir zu S2 folgende Inspiration :

    Original:

    Sie verhallen, Blätter fallen,
    nun, ich hab dir längst verziehn.
    Denn ich sehe fast in allen
    Hoffnungsschimmer, ein Erblühn.

    meine Inspira:

    Sie verhallen, Blätter fallen,
    nun, ich hab dir längst verziehen
    sehe wieder, fast in allen
    Hoffnung, schimmert ein Erblühn.


    ------------------------------------------------- einfach mal so ,


    Anjulaenga, es hat mir Freude bereitet, das Werden des Textes in seinen mini_Änderungen zu erleben; gerne dein Stück gelesen-besucht … einen lieben Gruß, Dochtel

    -
    Streichholz am Docht, Vorsicht ...

  9. #9
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    Liebe/r Dochtel,

    auch wenn ich ein Grab vor dem inneren Auge hatte, will ich das Bild nicht mit einer mini- wegweisenden Silbe festlegen. Ordnende Hände können schließlich in jeglichem Gelände ihre innere Wirkung entfalten. Bilder dürfen sich - gerade in dieser kontemplativen Situation- auch nach und nach entfalten, und müssen nicht auf Anhieb munden. Einen Teil deines Verbesserungsvorschlages habe ich umgesetzt, danke, L.G.A.

  10. #10
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    Das Gedicht gefällt mir sehr. Kenne den Friedhof. Weiß nicht, ob ich das ohne deine Hilfe erkannt hätte.
    Nicht nur, um konsequent zu alternieren, sondern auch wegen dem mystischen Ort, stünde bei mir in S1V4 «Ŕufe ńehmen śtill mich ḿit«.

    Lg
    Genau so, oder eben ganz anders!

  11. #11
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    Lieber Artname,

    "still mich mit" - i mi mi
    hm, auf Anhieb nein,
    muss ich aber mal einige Zeit sacken lassen.
    Danke für deinen Vorschlag.
    L.G.A.

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