1. #1
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    Im Sog der Nacht

    Ich sehe benommen im Schein der Laterne
    wie Schatten der Nächte sich Nachtfalter fangen.
    Mein Anzug riecht muffig, ich kann mich kaum drehen,
    wo sind meine Schuhe, mir frieren die Zehen.
    Nach mühsamen Stunden kann ich mich erheben,
    ich sehn mich nach Wärme, wo sie ist, ist Leben.
    So lenk ich die Beine wie staksige Stangen
    zu leisem Gelächter und Licht in der Ferne.

    Das Lachen kommt näher, ich drohe den Raben,
    die über mir kreisen, mich krächzend verhöhnen.
    Dort drinnen herrscht Frohsinn, die Gläser erklingen,
    das kenn ich von früher, mein Kopf will zerspringen.
    Ich stolpere vorwärts mit faulenden Fetzen
    und blicke in Augen voll blankem Entsetzen.
    Dann fällen mich Worte, die noch in mir dröhnen:
    „Zurück in die Erde, du wurdest begraben!“
    Geändert von Sidgrani (18.11.2018 um 07:20 Uhr)
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  2. #2
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    Gefällt mir sehr gut.
    Worte, die einen fällen, das ist ein starkes Bild.

    "ich acht nicht die Raben" liest sich etwas stolprig (acht nicht).
    "mein Kopf will zerspringen" versteh' ich nicht ganz. Wegen den Erinnerungen? Sind Erinnerungen anstrengend für die Toten? Das fänd ich interessant!
    "Ich stolpere vorwärts mir faulenden Fetzen" evtl. meintest du "mit"? Ansonsten kann ich den Satz nicht recht entziffern.

    Aber toll! Schönes Ding!

  3. #3
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    Hallo fosfor,

    wie du bestimmt schon bemerkt hast, habe ich die Stelle mit den Raben geändert.

    Zitat Zitat von fosfor
    "mein Kopf will zerspringen" versteh' ich nicht ganz.
    Das LI hat Probleme, die Erinnerung zu deuten, im Kopf herrscht Chaos. Danke, dass du mich auf den Tippfehler aufmerksam gemacht hast.

    Schön, dass dir mein Gedicht gefällt.
    L.G. Sidgrani
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  4. #4
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    Lieber Sidgrani,

    ist ja mal so ein Gedicht, wo man nichts mehr zu zu sagen kann, oder will, aber nicht weil es nichtssagend wäre.
    Was sollte ich auch den Fluss, die originellen Bilder und das besondere Reimschema lobend erwähnen,
    sieht's doch jeder selbst und kann es genießen.
    Von der Dramaturgie der Story hatte ich darauf gewartet, dass der untote Tote als Erscheinung plötzlich entdeckt wird.
    Die surreale Stimmung funktioniert aber auch so sehr gut.
    Das ist ein schöner novembriger Lesegenuss für Zwischendurch, A.
    Geändert von Anjulaenga (21.11.2018 um 01:16 Uhr)

  5. #5
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    Lieber Anjulaenga,

    ja, was soll ich da noch sagen? Danke für deinen lobenden Kommentar.

    L.G. Sidgrani
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