Thema: Der Wolf

  1. #1
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    Der Wolf

    Novemberwinde wehen wild
    um Felsen, über Kuppen,
    zerfleddern hier den Fichtenschild,
    entdachen dort den Schuppen.

    Die Rehe bellen, Schwarzwild hetzt
    nach sichern Unterständen;
    die Hoffnung, weiss man, stirbt zuletzt,
    dass alle heimwärts fänden.

    Der Wolf streift einsam durch den Tann
    und reisst begierig Rehe,
    so oft er eines kriegen kann,
    so oft ihn keiner sehe.

    Die Winde wehn, die Nacht wird kalt,
    es kracht in alten Bäumen.
    Der Wolf trollt durch den Winterwald
    und wildert in den Träumen.

    Es bricht der letzte Winter an
    für Meister Isegrim,
    er spürt den Wind im Fell und dann
    erhebt er seine Stimm

    noch mal zu einem Wolfsgejaul
    und schleicht bis an die Häuser.
    Leis fällt der Schnee, der Tag wird faul,
    die Stimme langsam heiser.

    (erstes Posting)
    noch mal zu einem Wolfsgeheul
    und schleicht bis an die Häuser.
    Leis fällt der Schnee, der Tag wird faul
    und das Gejaule leiser.
    Geändert von kaspar praetorius (22.11.2018 um 09:49 Uhr)

  2. #2
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    Lieber Kaspar,
    ein beeindruckendes Stimmungsbild hast Du hier gemalt!
    In der letzten Strophe hat Dich der Gott der Reime wohl hängen lassen. Macht aber nix, weil der Jambus gnädig mit Dir verfährt.
    Was nicht so recht passt (nur meine Meinung), ist das "Gejaule" im letzten Vers. Nachdem Du in der letzten Strophe schon das Wolfsgeheul benutzt hast, wäre es am Ende zu viel des Guten. Fällt Dir da noch was ein?
    Liebe Grüße,
    Festival

  3. #3
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    hallo festival
    ich fand den reimbruch in der letzten strophe nicht unpassend.
    dennoch kann es sich lohnen, deinen Einwand zu verarbeiten. den ersten versuch findest du oben.
    danke und gruss
    kp
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  4. #4
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    Hallo Kaspar,

    bist du du dir sicher, dass
    1. "sichern" richtig ist - und nicht sichren (S2Z2)
    2. die beiden Konjunktiv- Formen in S2V4 und S3V4 mehr als nur reine Reime sind? Zum Beispiel grammatikalisch gerechtfertigt?

    lg
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  5. #5
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    hallo artname
    gut zu wissen, dass du ein kritisches auge auf meine texte wirfst.
    1. da sehe ich das Problem nicht. beides streicht eine unbetonte silbe raus, der sinn bleibt. ern un scheint mir melodischer als chren un.
    2. "hoffen, dass" plus konjunktiv klingt für mich nicht falsch, weil die Hoffnung keine sichere aussage zulässt.- "sehe" kann man ebenfalls tolerieren, denke ich, weil es einen wunsch ausdrückt und keine Tatsache.
    aber in punkt zwei insgesamt wage ich mich, ugegeben, aufs Glatteis.
    gruss und dank
    kp
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  6. #6
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    Lieber Kaspar,
    den Reimverzicht in der letzten Strophe - warum sollte ausgerechnet ich ihn kritisieren? Er fiel mir nur auf und ich sah keine Notwendigkeit.
    Bei Deiner Änderung hast Du leider auf dem Jaulen bestanden. Mein erstes Buch, das ich als knapp Sechsjähriger las, war "Wotan, der Wolfshund" und der Autor ließ die Wölfe nie jaulen (eher die Schlittenhunde). Mein vorsichtiger Änderungsvorschalg wäre:

    Es bricht der letzte Winter an
    für Meister Isegrim,
    er spürt den Wind im Pelz und dann
    erhebt er seine Stimm

    zu einem Wolfsgeheul noch mal
    und schleicht bis an die Häuser.
    Leis fällt der Schnee, der Tag wird fahl,
    die Stimme langsam heiser.

    Liebe Grüße,
    Festival

  7. #7
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    Naja lieber Kaspar, du bist extrem experimentierfreudig. Nahmst mir manche Scheu vor gewagten Reimen. Mir wird sich sicher selber bald eine Gelegenheit für so einen gewagten Konjunktiv bieten. Mal schauen, ob der dann durchgeht.

    Lg
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  8. #8
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    hallo festival
    eine sehr schöne alternative, danke dir.

    hallo artname
    ich sehe und höre mit wachsender Begeisterung schlagersendungen an radio und tv. was kümmert mich ein konjunktiv, was kümmern mich reime? Hauptsache, ich mache die arme hoch, wenn von der bühne das zeichen "eure Hände!" kommt! so viel zu meiner Experimentierfreude, die ich selbst nicht erkennen kann. danke auch dir

    schönen tag euch
    kp
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