Seite 1 von 2 12 Letzte
  1. #1
    Registriert seit
    Aug 2009
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    2.539

    Schneewittchenmacher (Priapeen)

    .

    Zauberkünstler am Reißverschluss, Ali Baba der Häkchen,
    Eisprungtage sind Austernzeit, schlürfe mindestens sieben,
    Schäl mich flugs aus dem Chintzkokon, mach mir eine Prinzessin:
    Weiß wie Schnee und so rot wie Blut, schwarzes Haar, das wie Seide
    Schimmert; Liebster, nun sei kein Frosch, komm schon, mach mir die Freude!


    .
    com zeit - com .com

  2. #2
    Registriert seit
    Apr 2014
    Beiträge
    1.981
    Liebe Claudi,

    Wer ist das LI?
    und wer schlürft die Austern?
    in märchenhafter Umgebung verlangt sie:
    mach mir die Prinzessin, à la mach mir den Hengst,
    oder besser doch: mach aus mir eine kleine Prinzessin?
    ist da das Kind mit der glänzenden Plasikkrone und dem Glitzerkleidchen im LI erwacht ?
    mach schon,.... will der weibliche Druck zum Schluss einem leisen Quengeln weichen? :
    komm schon, mach mir die Freude …
    und iss noch ein Stückchen Kuchen, den ich extra für dich gebacken habe...
    Die weiblich- erotischen Andeutungen machen mEa. noch kein Priapeen
    ein bisschen priapisch vielleicht,
    und überhaupt, wo ist Priapos?
    L.G.A.

  3. #3
    Registriert seit
    Aug 2009
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    2.539
    Liebe/r Anju,

    freut mich sehr, dass ich Dich neugierig machen konnte! Zu Deinen Fragen:

    Wer ist das LI?
    Eine Frau, die sich von ihrem Auserwählten ein Kind wünscht und da bestimmte Vorstellungen hat. Es soll also ein Mädchen sein, das aussieht wie Schneewittchen.


    und wer schlürft die Austern?
    Der Partner, also der "Liebste", er soll gut vorbereitet sein. Der Fortpflanzungs-/Fruchtbarkeitsaspekt steht hier im Vordergrund.


    in märchenhafter Umgebung verlangt sie:
    mach mir die Prinzessin, à la mach mir den Hengst,
    Ja, eigentlich: mach mir ein Kind, aber der Hengst darf ruhig ein bisschen (humorvoll) mitschwingen.


    oder besser doch: mach aus mir eine kleine Prinzessin?
    Ne, das ist nicht gemeint. Aber der Wunsch nach einer kleinen Prinzessin und die Vorliebe für enge Chintzklamotten verraten wohl einiges über das LI.


    ist da das Kind mit der glänzenden Plasikkrone und dem Glitzerkleidchen im LI erwacht ?
    Ja, kann sein.


    mach schon,.... will der weibliche Druck zum Schluss einem leisen Quengeln weichen? :
    komm schon, mach mir die Freude … und iss noch ein Stückchen Kuchen, den ich extra für dich gebacken habe...
    Kannst Du gerne so lesen. Eigentlich: Komm bloß nicht auf die Idee zu kneifen.


    Die weiblich- erotischen Andeutungen machen mEa. noch kein Priapeen
    ein bisschen priapisch vielleicht,
    Die Versform heißt Priapeus. Der Vers besteht aus einem Glykoneus, einer Zäsur und einem Pherekrateus.


    und überhaupt, wo ist Priapos?
    Der tritt nicht direkt in Erscheinung, man kann ihn sich aber als die "Energie der Austern" vorstellen.

    Danke für Dein Interesse!

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (21.11.2018 um 14:03 Uhr)
    com zeit - com .com

  4. #4
    Registriert seit
    Apr 2014
    Beiträge
    1.981
    Liebe Claudi,

    zur Versform kann ich nicht viel beitragen, die wirst du sicherlich gut und perfekt bedient haben.
    Ich kenne Priapeus zumindest entfernt als Epigramm, und weiß, dass der Priapos als Fruchtbarkeitsgott die Hauptfigur ist.
    Aber die Schneewitchenvariante hat etwas, besonders nach deiner Erklärung.
    Ich hatte den ganzen Text einfach falsch gelesen, obwohl alles richtig zu lesen gesesen ist.
    Mach mir eine Prinzessin- das ist klar, wenn die Zeugung eines Kindes gemeint ist.
    Schlürfe mindestens sieben- hatte ich auf das LI bezogen im Sinne von: ich schlürfe mindestens sieben...
    Im Nachhinein, alles stimmig & es gefällt mir L.G.A.

  5. #5
    Registriert seit
    Dec 2005
    Ort
    südlich
    Beiträge
    986
    Liebe Claudi,

    da steckt sicher viel Arbeit dahinter!

    Ich habe keine Ahnung von Priapeus, Glykoneus und Pherekrateus. Und was sind dann die Priapeen? Der Plural von Priapeus? Wahrscheinlich.

    Ich konnte immerhin zunächst deine Zeilen verixen:

    XxXxxXxX – XxXxxXx
    XxXxxXxX – XxXxxXx
    XxXxxXxX – XxXxxXx
    XxXxxXxX – XxXxxXx
    XxXxxXxX – XxXxxXx

    Und bin erstaunt, dass sie alle nach demselben Reimschema aufgebaut sind. Ohne Verixen hätte ich es wohl nicht erkannt. Beim ersten Lesen dachte ich, dass es irgendwie wirr zugeht und vor allem in den letzten Versen anders läuft mit den Betonungen, vielleicht weil du da von der Seide zum Schimmert auch noch ein Enjambement (habe ich’s richtig?) eingebaut hast.

    Die Zäsur, von der du sprichst, kam mir jedenfalls beim Verixen gut zum Vorschein

    Nach deinen Erklärungen gegenüber Anjulaenga versuche ich mir Folgendes zu erschließen:

    XxXxxXxX ist ein Glykoneus.
    XxXxxXx ist ein Pherekrateus.
    Und beides zusammen mit der Zäsur, die wohl durch das Aufeinanderprallen zweier betonter Silben entsteht, nennt man wohl einen Priapeus.

    Vielleicht gibt es hier im Forum irgendwo einen Faden, wo einem diese Betonungsmuster erklärt werden, woher sie stammen?

    Ich selber hab’s leider nicht so sehr mit den alten (sie sind doch alt?) Versmustern, weil sie mir zu kompliziert sind, um für mich einen fließenden Rhythmus zu schaffen. (Vielleicht müsste ich einfach mal ein altes Gedicht in Latein – oder Altgriechisch? (kann ich nicht) – lesen, weil diese Sprachen anders klingen?) Aber ich bewundere all jene, die sich wie du immer wieder gerne damit auseinandersetzen.

    Zum Inhalt:
    Erster Vers: Er soll sie ausziehen.

    Zweiter Vers: Sex um den Eisprung. Dass es ausgerechnet mindestens sieben Austern sein müssen, ist aber womöglich dem Versmuster geschuldet. Die 7 ist die einzige Einerzahl mit zwei Silben und Betonung auf der ersten Silbe. Und ab 13 (nächste Zahl mit zwei Silben) wären es dann zu viele Austern geworden. Aber halt! Da fällt mir ein: Es geht ja um das Schneewittchen, das sich bekanntlich ein Weilchen bei den sieben Zwergen aufhielt. (Da kommt mir gerade die abseitige Idee, dass Schneewittchen ein Mann ist, und die sieben Zwerge sind Frauen, die es alle zu befriedigen gilt …)
    Aber nebenbei mal ein Tipp: Wer Austern nur schlürft, wird nie Papa

    Dritter Vers: Mit dem Chintz kann ich nicht so viel anfangen. Wer trägt denn heute besonders gerne Chintz? (Womöglich lebe ich mittlerweile völlig hinter dem Mond.) OK, die Prinzessin ist natürlich ein Töchterlein.

    Vierter Vers: Weiß wie Schnee assoziiere ich mit heller, makelloser Haut, aber wie kann ein Mensch rot wie Blut sein? Das einzige Rote, was mir bei einem Menschen auffällt, wenn ich ihn anschaue, mögen seine Lippen sein oder meinetwegen ein ganzer Kopf, rot vor Scham oder vom Bluthochdruck, aber ich glaube, Rot wäre nicht das Erste bzw. Zweite, das ich mir für meine Tochter wünschte. – Abermals halt! Ich habe mir soeben ein altes Märchenbuch aus dem Jahr 1963 gegriffen und nachgelesen. Originalwortlaut: „Und wie sie [die Königin] so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: „Hätt‘ ich ein Kind so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen!“ – Aha! Die seltsame Mischung von Weiß, Rot und Schwarz hast du dir nicht erst ausdenken müssen; das haben die Gebrüder Grimm so aufgeschrieben Tragisch nur, dass die Königin kurz nach der Geburt von Schneewittchen starb. Das wünsche ich dem LI deines Gedichts natürlich nicht!

    Fünfter Vers: Da höre ich die Andeutung heraus, dass der Liebste liebesaktunwillig ist .

    Womöglich habe ich jetzt etwas völlig falsch interpretiert? Auf jeden Fall aber wäre es schön, irgendwann eine Fortsetzung deiner kleinen Geschichte zu lesen Vielleicht lässt sich da erneut ein Märchen hineinweben?

    Ich habe mich sehr gerne mit deinem Gedicht beschäftigt – und etwas dazugelernt

    Herzlich
    Honigblume

    PS: Vielleicht sollte das LI rund um den Eisprung keine komplizierten Klamotten tragen, so dass es sich vom LD leichter ausziehen lässt. Wenn man allerdings ein Ali Baba sein muss, um seine Holde zu entblättern ...

  6. #6
    Registriert seit
    Jun 2013
    Ort
    Eden
    Beiträge
    372
    Zauberkünstler am Reißverschluss, Ali Baba der Häkchen,
    Eisprungtage sind Austernzeit, schlürfe mindestens sieben,
    Schäl mich flugs aus dem Chintzkokon, mach mir eine Prinzessin:
    Weiß wie Schnee und so rot wie Blut, schwarzes Haar, das wie Seide
    Schimmert; Liebster, nun sei kein Frosch, komm schon, mach mir die Freude!
    Liebe Claudi,

    nachdem ich in den Genuss Deiner Kommentare kam, die wirklich gut sind und aus denen ich lernen konnte, möchte ich nun gewohnt schlecht und wenig lehrreich danksagen.

    Das ehemals verpönte Thema des Schwängerns erlebt in den Zeiten des Kampfes um Alleinstellungsmerkmale eine Renaissance - Periodensex, Eisprung (klingt wie Eis, das springt) etc. fluten die Foren, was hingehen mag.

    In der Sparte Erotik hat Dein "gebasteltes" Gedicht aus meiner Sicht keine Heimat, da es erneut keimfrei und kinderprogrammtauglich Sex ausklammert.

    Damit will ich nicht sagen, ich schröbe besser - nur mein Eindruck.

    Kennst Du den KonjunktivII von schreiben?

    Dein Aron
    Aron Manfeld 2020

  7. #7
    Registriert seit
    Aug 2009
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    2.539
    Hallo zusammen,

    Ihr überrascht mich! Mit so vielen Kommentaren hatte ich gar nicht gerechnet. Vielen Dank dafür!


    Anju, freut mich, dass Du die Aussage nach meiner Erklärung nun doch verständlich findest, und umso mehr, dass das Gedicht Dir gefällt.

    Ugh, Dein "gern gelesen" habe ich auch gern gelesen. Das Metrum hat Honigblume ja inzwischen fein herausgeixt.


    Honigblume, Du hast Dir mit Deinem Kommi besonders viel Mühe gegeben und tatsächlich alles herausgefiltert, was ich beim Schreiben im Kopf hatte. Das muss belohnt werden! Auch den Namen der Versform hast Du korrekt hergeleitet. Ja, "Priapeen" ist die Pluralform.

    Vielleicht gibt es hier im Forum irgendwo einen Faden, wo einem diese Betonungsmuster erklärt werden, woher sie stammen?
    Speziell zu diesen äolischen Versmaßen (Glykoneus und Verwandte) hatte Ferdi im Sprechzimmer einen Faden mit schönen Beispielen erstellt, der mich u.a. auch zu diesem Gedicht anregte, den er aber nach einigen Wochen Inaktivität wieder gelöscht hat. Falls von Seiten einiger User doch noch Interesse besteht (bitte bei mir melden!), habe ich seine Erlaubnis, den Faden wiederherzustellen, bis keine Resonanz mehr dazu kommt.

    Mit dem Chintz kann ich nicht so viel anfangen.
    Der Kleiderstoff ist eigentlich nicht soooo wichtig, es hätte z.B. auch Samt sein können. Wichtig war mir vor allem (wie auch bei der konkreten Zahl sieben), dem Leser etwas mehr als eine Allerweltsformel (enges Kleid) anzubieten.

    Fünfter Vers: Da höre ich die Andeutung heraus, dass der Liebste liebesaktunwillig ist
    Das überlasse ich dem Leser. Ich seh ihn hier eher als flinken Fummler, dem keine Hülle zu eng ist, der sich aber nicht so recht an die Nachwuchsplanung herantraut.


    Aron, mein Herzallerliebster!

    In der Sparte Erotik hat Dein "gebasteltes" Gedicht aus meiner Sicht keine Heimat, da es erneut keimfrei und kinderprogrammtauglich Sex ausklammert.
    Ja, kann sein. Aber wie hätte es mir sonst jemals gelingen können, Dich in einen meiner kinderprogrammtauglichen Fäden zu locken? Ist mir selbstredend eine Ehre!

    Periodensex, Eisprung (klingt wie Eis, das springt) etc. fluten die Foren,
    Wirklich? Bei uns ist mir das Thema in letzter Zeit nicht begegnet, sonst hätte ich es bestimmt nicht weiter ausgeleiert.

    Kennst Du den KonjunktivII von schreiben?
    Nö. Heißt das, ich soll Dir das Googeln abnehmen? Vergiss es! Aber zufällig kenne ich jemanden, der ein paar Konjunktive kennt, und verweise Dich an Plotzn


    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (24.11.2018 um 15:44 Uhr)
    com zeit - com .com

  8. #8
    Registriert seit
    Jun 2009
    Beiträge
    2.374
    Hallo Claudi

    durch den Nominierungsfaden bin ich auf dein Gedicht gestoßen.


    Ali Baba, Austernzeit, Chintzkokon....das sind erfrischende und gut eingerabeitete Begriffe.

    "Sei kein Frosch" gefällt mir in diesem Zusammenhang weniger...mir fällt aus dem Stegreif aber auch nichts besseres ein.

    Unterm Strich spricht mich dein Gedicht an...auch weil es Erinnerungen weckt.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  9. #9
    Registriert seit
    Jun 2016
    Beiträge
    1.475
    Liebe Claudi!

    Tadellos in Form gebrachlt. Nur im letzten Vers fehlen die Strichlern auf dem o: "komm schön".

    Gern gelösen

    Lieben Gruß
    albaa

  10. #10
    Registriert seit
    Aug 2009
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    2.539
    Vielen Dank, Ihr Lieben!

    AD, ferut mich, dass meine Priapeen Dir gefallen. Hm, den Frosch mag ich, könnte aber auf ihn verzichten, wenn ich eine bessere Idee hätte, was bis jetzt nicht der Fall war.

    Albaa, schön, dass Du mich so löbst und so schön strichelst!

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  11. #11
    Registriert seit
    Jun 2013
    Ort
    Eden
    Beiträge
    372

    True answer

    Vielen Dank, Ihr Lieben!

    AD, ferut mich, dass meine Priapeen Dir gefallen. Hm, den Frosch mag ich, könnte aber auf ihn verzichten, wenn ich eine bessere Idee hätte, was bis jetzt nicht der Fall war.

    Albaa, schön, dass Du mich so löbst und so schön strichelst!

    LG Claudi
    Liebe Claudi,

    mal ehrlich: findest Du als erfahrene Moderatorin Deinen Text selbst als erotisch?

    Saludos

  12. #12
    Registriert seit
    Aug 2009
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    2.539
    Lieber Aron,

    ui, erwartest Du etwa von erfahrenen Moderatorinnen besondere Kompetenz in Sachen Erotik? Dann erwartest Du evtl. ein bisschen zu viel. Ne, im Ernst, hinreichende Bedingung dafür, hier einen Text in die Erotik-Rubrik stellen zu dürfen, ist schon die bloße Tatsache, dass der Text sich im weitesten Sinn mit dem Thema Erotik beschäftigt. Eine erotisierende Wirkung ist keine zwingende Voraussetzung und war von mir auch nicht beabsichtigt. Die Antwort ist nein.

    Gerade von Dir wundert mich die Frage allerdings. Ich erinnere mich, dass Du selbst schon häufiger gefragt wurdest, was denn an Deinen Erotik-Texten erotisch sein soll. Schade, ich weiß nicht genau, was Du darauf geantwortet hast, meine aber, dass Du da immer irgendwie ausgewichen bist. Kaspar hatte darauf mal eine provokante Gegenfrage parat, an die ich mich gut erinnere: Muss man frieren, wenn man ein Gedicht über den Winter liest?

    Mal eine andere Frage: Hast Du hier schon Deine drei Stimmen abgegeben? Ach, und diesen von Dir begonnenen Faden hast Du wohl ganz vergessen? Ne, mein Schatz, so wird das nichts mit unserer Kommunikation!

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (08.12.2018 um 17:28 Uhr)
    com zeit - com .com

  13. #13
    Registriert seit
    Nov 2019
    Beiträge
    416
    hallo claudi
    das gedicht ist von 2018 aber dennoch sehr prägnant und spricht mich an

    ich denke nicht dass sowas wie liebe oder Erotik im text Vorrang hat, eventuell weiß das lyr.ich wohl mit Erotik zu bekommen was es sich wünscht?
    ich vermute das Eigennutz ein höherer antrieb ist von dem die Protagonistin geleitet wird, denn irgendwie erscheint sie mir wie ein Egoist und narzist im text und auch im kontext
    vielmehr wird das Augenmerk auf den gehobenen aspekt gelegt, vermutlich sogar realitätsferne/Verweigerung symbolisiert
    hier wünscht sich eine narzistin (Lyr.ich), die im narzismus dem Kinderwunsch unterliegt eine art selbstbild? ein kleines mini-me, ein vorzeigekind reiner perfektion
    - die Chintzklamotten zeugen von etwas das den Rahmen weiter führt und das abbild aufrecht hält und Traditionen wahrt, das Kind selbst wird nur als formbare masse und nutzen betrachtet
    der Kinderwunsch hat also nur den zweck ein abbild zu konstruieren, an dem sich lyr.ich selbst erkennen und ihre kontrolle ausüben kann?

    ein ansprechendes gedicht das viele bilder der fruchtbarkeit nutzt wie Austern (Tinte auf den Füller bekommen)
    - Zauberkünstler am Reißverschluss weckt in mir das bild eines liebestollen Gigolos,
    - ali baba der Häkchen (schnelles Moment dass den trieb darstellt, abhaken und schnell machen, Sesam öffne dich fürs beine spreizen, auch die zahl 40 könnte für die versuche einstehen ein Kind zu zeugen, 1001 nacht)
    - eisprungtage und austernzeit, 7 austern (fruchtbarkeit beidseitiger Natur, Kinderwunsch, die zahl 7 für Gnade, ruhe und frieden, also zeit und ausgiebigkeit)
    - chintzkokon und Prinzessin (chintz - wie beschrieben ein rahmen, ein abbild, dazu aspekt "kokon" für Verpuppung, zeichen der Entfaltung und Symbolismus des werdens "Entstehung" im doppeldeutigen sinne) eine mutter will etwas erzeugen, dass ihrer selbst gerecht wird, eine Prinzessin für die Königin
    - "Weiß wie Schnee und so rot wie Blut, schwarzes Haar, das wie Seide
    Schimmert; Liebster, nun sei kein Frosch, komm schon, mach mir die Freude!"
    die kompletten 2 verse in ihrer gesamtbetrachtung, wirken mit dem aspekt der aussage "mach mir die Freude" als wünschte sich die Königin ein einfaches kleines Spielzeug, so wie sie selbst vermutlich eines war/ist
    -sei kein Frosch, ein aspekt von märchen welches hier aber einen eher negativen Moment trägt, einen Frosch zum Prinzen werden lassen ist der positive gebrauch, hier wird aber dem Prinzen/König angedroht ein Frosch zu sein/werden, im sinne von geunke? eventuell ist sein Kinderwunsch nicht halb so groß wie der Kinderwunsch der Königin

    - Weiß wie Schnee und so rot wie Blut, schwarzes Haar, das wie Seide
    Schimmert;

    die Formulierung und der satzumbruch sind interessant, denn das "schimmert" kann im textbezug und in seiner ausgegliederten zeilenübergreifenden Betrachtung als Symbolik für Illusion wahrgenommen werden

    alles in allem lese ich ein Hexameter? falls nicht dann hat es auf mich zumindest den Anschein eines zu sein,
    das aber größtenteils vom gleichlaut geleitet ist, um einen weicheren aspekt des lesens zu erzeugen, viele vokallaute die eine Assonanz erzeugen "Reißverschluss - Eisprung, Zauberkünstler - Austernzeit, schlürfe" um nur ein paar zu nennen
    auch viele s und z-laute tragen dazu bei


    Zauberkünstler am Reißverschluss, || Ali Baba der Häkchen,
    Eisprungtage sind Austernzeit, || schlürfe mindestens sieben,
    Schäl mich flugs aus dem Chintzkokon, || mach mir eine Prinzessin:
    Weiß wie Schnee und so rot wie Blut, || schwarzes Haar, | das wie Seide
    Schimmert; || Liebster, | nun sei kein Frosch, || komm schon, | mach mir die Freude!

    XxXxxXxx || XxXxxXx
    XxXxxXxx || XxXxxXx
    XxXxxXxx || XxXxxXx
    XxXxxXxx || XxX | xxXx
    Xx || Xx | XxxX || Xx | XxxXx

    ohne auf den text zu achten analysiere ich die form
    zu anfang wirkt alles noch sehr förmlich von Z1 bis Z4, (formelle inhaltliche Etikette wahren?)
    aber ab der Zäsur in Z4 3w die eine hebung herbeiführt wirkt es wie ein orgastisches diäresenkomplex (optische Vorbereitung auf verkehr?)
    vor allem in der Z5 (animalisches ausleben der triebe?) falls eine drin ist tut es mir leid, aber ich erkenne leider noch keine bulkolischen Diäresen, aber ich vermute fast das Z4 5m auf Z5 1w eine sein könnte? sorry falls ich da falsch liege in der Zäsurenexplosion

    gerne gelesen
    lg mythenfreund

    ich habe die Tatsache übersehen das im Titel (Priapeen) stand
    ich habe danach gegoogelt und erfahren dass es sich hierbei um eine dichtungsart des mythologischen handelt und dass der dichtungshintergrund Gott beinhaltet
    allerdings wird mir hier kein konkreter Gott präsentiert woraufhin ich denke das meine Interpretation doch Berechtigung hat
    ich habe auch nichts annäherndes gefunden, außer König Ovid und Nymphe Lotis, dessen geschichte aber nicht ähnlich ist denke ich
    Geändert von Mythenfreund (19.02.2020 um 13:34 Uhr)
    Mein eigenes kleines Werkeverzeichnis
    Mythenwelten

    Schöne Werke anderer Dichter auf diesen Seiten
    Meine Leseempfehlungen

  14. #14
    Registriert seit
    Aug 2009
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    2.539
    Hallo Mythenfreund,

    freut mich sehr, wie ausgiebig Du Dich mit meinen Versen beschäftigt hast! Es sind allerdings keine Hexameter. Honigblume hatte sie ja weiter oben schon geixt und auch den Namen der Versform aus meiner Antwort an Anjulaenga richtig hergeleitet:

    Nach deinen Erklärungen gegenüber Anjulaenga versuche ich mir Folgendes zu erschließen:

    XxXxxXxX ist ein Glykoneus.
    XxXxxXx ist ein Pherekrateus.
    Und beides zusammen mit der Zäsur, die wohl durch das Aufeinanderprallen zweier betonter Silben entsteht, nennt man wohl einen Priapeus.
    Das Versmaß ist nach dem Fruchtbarkeitsgott Priapos benannt. Ich wollte es einfach mal ausprobieren und fand es halt naheliegend, ein Thema zu wählen, in dem es um Fruchtbarkeit geht. Allzu ernst ist diese kleine Spielerei mit dem Märchenstoff allerdings nicht zu nehmen. Ich hoffe jedenfalls, dass Dir das kleine Augenzwinkern zwischen den Zeilen nicht entgangen ist und dass Du jetzt nicht enttäuscht bist, wenn hinter meiner Spinnerei keine tiefgründige Metaphorik zu entschlüsseln ist.


    ich denke nicht dass sowas wie liebe oder Erotik im text Vorrang hat, eventuell weiß das lyr.ich wohl mit Erotik zu bekommen was es sich wünscht?
    ich vermute das Eigennutz ein höherer antrieb ist von dem die Protagonistin geleitet wird, denn irgendwie erscheint sie mir wie ein Egoist und narzist im text und auch im kontext
    vielmehr wird das Augenmerk auf den gehobenen aspekt gelegt, vermutlich sogar realitätsferne/Verweigerung symbolisiert
    hier wünscht sich eine narzistin (Lyr.ich), die im narzismus dem Kinderwunsch unterliegt eine art selbstbild? ein kleines mini-me, ein vorzeigekind reiner perfektion
    Interessant, was Du hier alles findest. Ob das LI gleich narzisstisch veranlagt sein muss? Gut, wenn es Dir besser gefällt als die gewöhnliche, ganz natürlich tickende biologische Uhr, kannst Du es gerne so lesen.


    - die Chintzklamotten zeugen von etwas das den Rahmen weiter führt und das abbild aufrecht hält und Traditionen wahrt, das Kind selbst wird nur als formbare masse und nutzen betrachtet
    der Kinderwunsch hat also nur den zweck ein abbild zu konstruieren, an dem sich lyr.ich selbst erkennen und ihre kontrolle ausüben kann?
    Hm, auf jeden Fall weiß die Protagonistin ihre weiblichen Reize entsprechend einzusetzen. Auch wenn der Text nicht vordergründig erotisch sein soll, fand ich ein hautenges Kleid hier (Kokon) ganz passend, um das LD in Stimmung zu bringen. Ob sie sich immer so kleidet, weiß man nicht. Aber ich sehe, Du hast Deine eigene Fantasie dazu. Die will ich Dir nicht nehmen, auch wenn ich nicht glaube, dass ich haltbare Indizien für Deine Deutung in den Text gelegt habe.


    ein ansprechendes gedicht das viele bilder der fruchtbarkeit nutzt wie Austern (Tinte auf den Füller bekommen)
    - Zauberkünstler am Reißverschluss weckt in mir das bild eines liebestollen Gigolos,
    - ali baba der Häkchen (schnelles Moment dass den trieb darstellt, abhaken und schnell machen, Sesam öffne dich fürs beine spreizen, auch die zahl 40 könnte für die versuche einstehen ein Kind zu zeugen, 1001 nacht)
    Sie macht ihn an. Ich würde es schelmisch-erotische Herausforderung nennen, indem sie ihn für seine Geschicklichkeit lobt und gleichzeitig ein bisschen neckt. Die 40 Räuber haben nichts damit zu tun, es geht um das zielstrebige Sesam öffne Dich beim "an die Wäsche gehen", das der Partner offenbar bestens beherrscht, was auch hinreichende Erfahrung nahelegt.


    - "Weiß wie Schnee und so rot wie Blut, schwarzes Haar, das wie Seide
    Schimmert; Liebster, nun sei kein Frosch, komm schon, mach mir die Freude!"
    die kompletten 2 verse in ihrer gesamtbetrachtung, wirken mit dem aspekt der aussage "mach mir die Freude" als wünschte sich die Königin ein einfaches kleines Spielzeug, so wie sie selbst vermutlich eines war/ist
    Könnte sein, ich lass Dir hier gerne Deine Fantasie. Für mich war das Enjambement hier einfach aus verstechnischen Gründen fällig, nachdem bereits drei Verse mit der Satzführung zusammenfielen. Da wollte ich keine Langeweile aufkommen lassen.


    -sei kein Frosch, ein aspekt von märchen welches hier aber einen eher negativen Moment trägt, einen Frosch zum Prinzen werden lassen ist der positive gebrauch, hier wird aber dem Prinzen/König angedroht ein Frosch zu sein/werden, im sinne von geunke? eventuell ist sein Kinderwunsch nicht halb so groß wie der Kinderwunsch der Königin
    "Sei kein Frosch" heißt einfach: "Sei kein Feigling!" oder: "Nun zier dich nicht länger!" Mag sein, dass das nach den anderen Märchenfiguren missverständlich rüberkommt. Für die anderen Kritiker ist die Redewendung aber anscheinend deutlich genug rausgekommen, so dass ich den letzten Vers wohl so lassen kann.

    Hab herzlichen Dank für Deine ausführliche Interpretation! Nach der langen Ruhezeit hatte ich gar nicht mehr mit einer Kritik gerechnet.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  15. #15
    Registriert seit
    Jun 2009
    Beiträge
    2.374
    Da bin ich der gleichen Meinng wie Claudi auch...ein Text in der Rubrik Erotik muss nicht unbedingt auch eine erotisierende Stimmung verbreiten. Unabhängig davon empfinde ich diesen Text durchaus als erotisch..weil ich da ganz konkrete Bilder im Kopf habe. Kann mich noch gut an diese Eisprungtage erinnern...als ich zu jeder Tag und Nachtzeit und aus den unmöglichsten Situationen heraus ran musste...oder ran durfte...je nachdem wie man das sehen möchte. Damals in einem Alter...wo Kinder wie selbstverständlich auf dem Programm standen. Viel geiler wars dann später...mit einer anderen Frau...der nur noch wenige Eisprungtage bevorstanden - da fanden die biologische Uhr und die Kunst der Verführung einer erfahrenen Frau zusammen. Schon damals...aber auch in der Nachbetrachtung ein geiler Mix...den ich nicht missen wollte. In solchen Momenten sind der Frau Dinge...auf die sie ansonsten vielleicht mehr Wert legt...relativ egal. Da geht es um puren, zielorientierten Sex...wird der Mann regelrecht ins Bett gezerrt. Na wenn das nicht geil ist..was dann?
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

Seite 1 von 2 12 Letzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden