1. #1
    Registriert seit
    Aug 2010
    Beiträge
    5.910

    Der Abend geht


    Der Abend geht

    Der Abend geht mir sanft zur Ruh' –
    Wie viele darf ich noch erleben,
    Wie lange darf ich schmerzfrei sein?
    Das Alter folgt mir auf dem Schuh,
    Es gibt mitunter größere Beben,
    Einschläge kommen kürzer 'rein.

    So sehe ich den Lebensabend
    Mir schon ein wenig nahe gehen,
    Wenn ich dann auf das Ende sehe.
    Und doch bleibt Leben seelentragend:
    Den Himmel kann ich leuchten sehen,
    Wenn schauend ich bei Sternen stehe.


    ©Hans Hartmut Karg
    2018

    *

  2. #2
    Registriert seit
    Sep 2006
    Ort
    Hilden, NRW
    Beiträge
    6.971
    Dr. Karg,
    es ist ein Kreuz mit Dir! Immer, wenn Du von Deinen Kritikern eins zwischen die Hörner kriegst, kommst Du zuverlässig und seit Jahren mit Deinen Todesahnungen. Ja, ich weiß, dass ich eines Tages sterben muss und "Das Alter folgt mir auf dem Schuh". Na und - greine ich deswegen in kargscher Weise?
    F.

  3. #3
    Registriert seit
    Jul 2011
    Ort
    Irgendwo am Niederrhein
    Beiträge
    1.580
    Zitat Zitat von Festival
    Immer, wenn Du von Deinen Kritikern eins zwischen die Hörner kriegst, kommst Du zuverlässig und seit Jahren mit Deinen Todesahnungen.

    Das ist vielleicht hier das Einzige, von dem er Ahnung hat.


    Der Abend geht - Karg bleibt!

    Dichten und dichten lassen

  4. #4
    Registriert seit
    Apr 2014
    Beiträge
    2.398
    Lieber Dr. Karg,

    wie so oft, kann ich Herrn Festival nicht ganz folgen. Greinen ist doch etwas ganz Natürliches,
    und Gefühle sollten gerade dem Dichter kein Fremdwort sein. Da scheint er einfach keine Ahnung von zu haben.
    Wenn wir also unser großes Klagelied bei der großen Reise über das Meer anstimmen,
    so sollte jedem klar sein, dass die bunten Fahnen nicht ewig wehen...
    Bereits Wilhelm Busch (mit oder ohne Fahne) wusste das drohende Unheil zu bedichten:
    "Wehe wehe, wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe."...
    Wir wissen es im Grunde längst alle: gleichzeitig wohnt jedem Ende der Zauber einer Erlösung inne.
    Hesse nannte es "Neuanfang".
    Und das ist auch für alle das Tröstliche an der ganzen Sache.
    So heulte denn auch schon der alte Großmeister Goethe in Gestalt seines völlig unfähigen Zauberlehrlings rum:
    "Wehe! wehe!...
    Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!...
    Herr und Meister! hör’ mich rufen!
    Herr, die Not ist groß!" etc.
    In diesen Kanon weiss sich dein Gedicht nahtlos einzureihen.
    Im Gegensatz zu den Klassikern kommst du aber ohne jegliche Larmoyanz und falsche Sentimentalität aus,
    und du weißt dem bevorstehenden Ende klar ins Auge zu blicken:
    Mutig sprichst du das große Schicksal aller Menschen ganz offen an und aus. Es muss auch ausgesprochen werden.
    Gut, das kann für manche durchaus schmerzhaft sein und Schmerzen will keiner, ist durchaus nachvollziehbar.
    Doch ein Leben, mag es auch noch so karg gewesen sein,
    bedarf mancher gehaltvoller Entbehrungen bis einem schließlich ganz schwarz vor Augen wird,
    und man nur noch Sternchen zu sehen bereit ist.
    In dieser Umnachtung zeichnen Sterne jene Zeilen des Lebenswerkes aus,
    die einem immer schon zuverlässig den rechten Weg gewiesen haben,
    dafür sind sie schließlich da.
    Ein schönes Gedicht passend zur Vorweihnachtszeit.
    Lass uns den Mut und die Hoffnung nie verlieren.

    L.G.A.

  5. #5
    Registriert seit
    Aug 2010
    Beiträge
    5.910
    Anjulaenga,
    da folge ich Dir gern!
    Eine schöne Vorweihnachtszeit wünscht H. H. Karg

  6. #6
    Registriert seit
    Nov 2008
    Beiträge
    11.045
    Lieber Hans Hartmut,

    auch wenn mit zunehmendem Alter das Leben immer beschwerlicher wird, so bleibt doch die Neugier und auch die Erwartung auf das, was noch kommt. Dies macht das Leben interessant, sodass man weiter leben und erleben will.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  7. #7
    Registriert seit
    Aug 2010
    Beiträge
    5.910
    Lieber Hans,
    genau das möchte auch mein Gedicht ein wenig andeuten.
    LG H. H. Karg

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Abend
    Von Maiglocke im Forum Diverse
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 05.07.2013, 18:27
  2. Der Abend
    Von Hans Plonka im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 18.02.2010, 16:49
  3. A bissl wos geht immer oder: ana geht noch
    Von Walther im Forum Hoffnung und Fröhliches
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 22.10.2008, 15:16
  4. Abend
    Von Alessandro im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 19.03.2006, 12:38
  5. Der Blick geht zurück- Die zeit geht vor
    Von Katinka im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 05.06.2003, 01:15

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden