11.7. Mein wachsamer Schutzengel 1. Teil

(Auszug aus meiner Biografie „Bunter ging‘s nicht“)

Schaue ich auf mein bewegtes Leben zurück und führe mir noch einmal die brenzligen Lebenssituationen vor Augen, dann kann ich nur sagen:
„Schwein gehabt bzw. Glück gehabt!“
Man kann auch sagen, danke lieber Gott, dass ich noch auf Erden sein und noch andere Aufgaben erfüllen darf. Weil mir jedoch etwas die Vorstellungskraft bezüglich eines Gottes fehlt und außerdem der Gott in meinen Vorstellungen ein dominanter Mann mit starren Regeln ist, finde ich leider keinen Draht zu ihm.
Da bilde ich mir lieber ein, es waren immer die schönen zarten Schutzengel um mich herum, die aufgepasst haben, dass mir nicht wirklich ganz schlimme, tödliche Dinge passierten.
Sicherlich sollte ich durch Unfälle lediglich kleine Denkzettel für meine Unachtsamkeiten, meinen Übermut und meine ständige Hektik bekommen.
Ich sollte wohl eher ausgebremst werden.

Aber gibt es Engel wirklich? Wo kann ich recherchieren? Wen kann ich fragen?
Meine Kinder? Nein die powern sich im Berufsleben aus und würden mich mitleidig belächeln. Alte gottesgläubige Bekannte, Freunde und Nachbarn könnten etwas wissen, aber die genießen fast alle schon die himmlische Welt.
Sie haben die Engel vielleicht schon gesehen oder erlebt, aber diese lieben Menschen sind nun für uns zurück gelassenen Erdenwesen nicht mehr erreichbar. Auch im sozialistischen Schulwesen sind wir nie über Schutzengel aufgeklärt worden. Also muss ich jetzt selber nach Antworten suchen.
Da fällt mir der große Zeitungsstapel mit der „Astrowoche“ der Bauer Media Group in meinem Schlafzimmer ein. Lange habe ich nicht die Zeit gefunden, um die vielen interessanten Artikel aus verschiedenen Wissensbereichen und besonders über Gesundheit und Naturmedizin zu lesen. Ich hatte noch nicht einmal die Zeit, mein Leben nach sternzeichenorientierten Horoskopen auszurichten (grins), denn für das Schreiben meiner Biografie brauche ich auch viel Zeit.
Doch eben, heute, am 29.11.2017 gegen 22.00Uhr, als mich gerade mein mangelhaftes,unvollständiges Wissen über Schutzengel quält und ich krampfhaft nach brauchbaren Informationen suche, passieren zwei fast unglaubliche „Wunder“.
Ich öffne die Tür meines Nachtspindes und weil ich zu müde bin, den ganzen Magazinstapel herauszunehmen um ihn nach Engelinfos zu durchforsten, ziehe ich einfach wahllos eine Zeitschrift heraus.
Ich erwische das Heft mit dem Datum 19.7.2017. Auf dem Titelblatt steht nichts von Engeln.
Ich blättere nicht drin rum, sondern schlage einfach blind die Seite 16 auf und was steht da: „ Gibt es Engel wirklich?“ Na, so ein Zufall; dieser „Kunstgriff“ verblüfft
mich ganz schön..
Erfreut will ich nun ungestört in der Ruhe der Nacht das große „Engelwissen“ studieren, als ich durch ein „Kling!“ vom Handy abgelenkt werde.
„So spät noch!“ wundere ich mich, denn es geht schon auf Mitternacht zu.
„Wie, eine Whats-App- Nachricht von Hxm ? Von meinem Hexenmeister, meiner, zweijährigen großen, unerreichbaren Liebe ( Kapitel 7.5) ?

Nur sehr selten schickt er die derzeitig üblichen Whats - App –Videos oder
Ähnliches – jedoch alles ohne persönliche Worte.
Und was schickt er mir jetzt, mitten in der Nacht? : „Engel müssen sein !!!
Ich sende Dir 8 Engelchen ---- usw.“ Wie kann das sein? Die Macht der Gedanken?
Ein Ruf, der den Mann meiner himmlischsten, erotischsten Zeiten erreichte?
Unglaublich!!

Meine innere Schreibruhe war weg. Ich wehrte mich, an die verflossenen Zeiten
voller Begierde zu denken. Ich wollte keine Vergleiche zu meinem liebem
Peter machen, dessen Schnarchen ich gerade aus dem Schlafzimmer vernehme.
Ich vertiefte mich in mein „Engelstudium“ und erfuhr, dass für mich
stiergebürtige Wesen, laut „Astrowoche“ der Engel Asmodiel zuständig ist.
„Ob er das alles allein schafft, wenn mal wieder „Eva- Rettung“ angesagt ist?“
fragte ich mich gleich zweifelnd.
Jedenfalls ist er der Engel der göttlichen Liebe. Er fördert meine Nächstenliebe, was er meiner Meinung nach oft sehr übertreibt, sodass mich mein ausgeprägtes „Maria- Hilfreich-Syndrom“ manchmal stark überlastet.
Man schrieb außerdem, dass Asmodiel mir in Krisenzeiten und bei Selbstzweifel zur Seite steht und sich bemüht, mir das große Glück zu bringen, beziehungsweise mein Gefühlsleben zu erleuchten. Ja, es stimmt, dass er sich große Mühe gibt, meine Emotionen in Wallungen zu bringen und mir Selbstvertrauen schenkt. Allerdings ist das nicht immer berauschend angenehm, sondern es tut meiner sensiblen Seele zum Beispiel bei Liebeskummer sehr weh.
Aber das macht mein Engel Asmodiel ja nur, damit ich lerne, wie ich entscheiden und handeln muss, ohne von mir enttäuscht zu sein oder an mir zu zweifeln. Trotzdem, die Glückswallungen, die Gefühle der Liebe, die möchte ich nicht missen, auch wenn ich lernen musste, dass man mit denen nicht ewig in Hochspannung leben kann. Schreiende, schimpfende Wallungen umgehe ich allerdings dezent, denn:
„Wie es schallt in den Wald – so es Dir entgegenhallt“

Des Weiteren schrieb man, dass Asmodiel an meiner Seite sei, wenn es um die Verwirklichung einer stabilen Lebenskraft und das Meistern von Herausforderungen geht. Ich muss sagen, diese beiden Dinge liebe ich auch heute noch in meinem ruhelosen Rentnerdasein. Das Leben kann nicht bunt genug sein.
Und das Schönste, Engel Asmodiel hat mir die Verbundenheit zur Natur gegeben.
Ja, Wald und Wiese sind wirklich mein Lebenselixier. Dort schöpfe ich nach kleinen Niederlagen Kraft und schon sprießen neue Ideen für kreative, Freude bringende Taten.

Aber nun zu meinen risikoreichen Unternehmungen und Danksagungen an meinen Engel bzw. die göttliche Welt, denn so viele rettende Zufälle kann es wohl kaum geben.

Ich denke, mein Schutzengel schwirrte schon um meine schwangere Mutti herum
und geriet fast in Panik, als ich schon nach sieben Monaten aus der mütterlichen
Geborgenheit das Licht der Welt erblicken wollte.
Meine Mutti Inge sollte doch nicht schon wieder so unglücklich werden wie zwei Jahre zuvor, als sie im 8. Schwangerschaftsmonat ein Zwillingspärchen verlor.
Aber Mutti und ich hatten die Geburt zu Hause ganz gut überstanden und meine Eltern und alle, die mich in meinen ersten Lebenstagen erblickten, haben auch den Schock über mein unterentwickeltes Aussehen überstanden.
Die blauschwarze Ganzkörperbehaarung verflüchtigte sich schnell und nun, im fortgeschrittenen Alter, muss ich regelmäßig Geld dafür ausgeben, dass die noch nicht geflüchteten grauen Haare auf dem Kopf in sattem dunkelbraun erstrahlen.

Kaum konnte das kleine Evchen gut laufen und hatte die ersten Kumpel und Kumpelinen gefunden, wurde die Welt entdeckt.
Auf Bäume klettern und sich im nahe gelegenen Rieseninger Wald in den Hecken verstecken, das wurde bald langweilig. Ich wollte auch zum großen Wehr ins Nachbardörfchen Görmar, denn die großen Jungs prahlten fast täglich von ihren dortigen geheimen Aktionen und Fundsachen.
Hier konnte man unbeobachtet von jeglichen Aufpassern baden und allerlei Unfug zwischen Geröll und tiefem Stauwasser der Unstrut treiben.
Der große Nachbarsjunge Roland nahm mich nach langem Betteln öfter auf dem Gepäckträger seines Fahrrades dorthin mit. Meinen Eltern durfte ich natürlich davon nichts erzählen. Die nahmen an, dass ich bei irgendeiner Freundin Hausaufgaben mache. Wir fuhren den steilen Berg neben dem Rieseninger Wald hinunter, hievten das Fahrrad über die Bahngleise und dann war es nicht mehr weit zum Wehr.
Angst, wir könnten auf dem Schotter der Gleise stolpern und der Zug uns überrollen,
die kannten wir nicht.
Dieser Schleichweg über die Gleise war nicht nur gefährlich, sondern auch sehr holprig. Einmal musste der liebe Roland, sogar das etwas platt gewordene Hinterrad seines Fahrrades wieder aufpumpen. Aber das kann ja nicht an meinem Fliegengewicht mit meinen 10 Jahren gelegen haben!

Wow, war das Wehr gewaltig! Die Wasser stauende Wand war etwa 4 Meter hoch und ca.30m lang.
Viele Jungen und wenige Mädchen tummelten sich im flachen Wasser am Fuße der Staumauer, bauten mit Steinen kleine „Flussumleitungen“ und holten sich dabei eklig schlammige Füße im seichten Wasser. Auch alte Töpfe und Flaschen kamen im Schmuddelwasser zum Vorschein.
Wollte man allerdings zur Clique „Schlammmolch“ gehören, musste man eine Mutprobe bestehen. Natürlich wollte ich mir vor den großen Jungen keine Blöße geben. Ich musste also auf der Staumauerkrone von einer Seite auf die andere balancieren.
Rechts von mir war der 2,5 Meter tiefe Abgrund und links das 4 Meter tiefe
Staubecken , das randvoll mit Wasser gefüllt war. Meine nackten Füße schritten über die grün-glitschige Höhe, aber ich verspürte keine Angst. Ja, ich konnte damals weder schwimmen noch fliegen, aber zum Balancieren zwischen zwei riesigen Gefahren müssen meine Talente wohl noch gereicht haben.
Dass Kinder Schutzengel haben, wusste ich auch nicht, aber vielleicht haben die dafür gesorgt, dass ich keine Angst hatte und die kleinen Beine unter dem Röckchen nicht zitterten.
Bestimmt hatte da mein Engel Asmodiel vor Aufregung ein paar Schweißperlen
auf der Stirn. Oder vielleicht hat er mich behutsam an die Hand genommen und ganz leise ein beruhigendes Lied gesummt, damit ich keine Angst bekomme.
Wer weiß?

Im Jahr 1962 waren es bestimmt mehrere Engel, die dafür sorgten, dass
wir Schüler der 6.Klasse den Brand unseres Werkraumes im Dachgeschoss
der Mühlhäuser Thomas- Müntzer Schule nicht im todbringenden Flammeninferno erleben mussten. (siehe Kapitel 1.1.2).
Wir husteten zwar infolge des Schwelbrandes unter dem Werkraumfußboden, aber das Feuer erfasste den gesamten Dachstuhl unserer Schule erst, als wir alle zu Hause waren.

Ein einziger Engel hingegen hätte bestimmt ausgereicht, um mich vor Verbrühung zu schützen, wenn er mich gewarnt hätte, aber er wollte mir wohl eine Lektion erteilen.
Wie schon erwähnt, spielte ich Einzelgängerin gern im Garten unseres ruhig gelegenen Eckhauses. Ich wollte auch nicht unbedingt mit Oma oder Mutti im Sommer immer ins Freibad ans andere Ende der Stadt fahren. Dort waren mir die Leute viel zu laut und die blöden Jungens spritzen einen immer mit stinkendem stark gechlortem Wasser voll.
Unser achteckiger Springbrunnen mit ca. einem Meter Durchmesser und einem halben Meter Tiefe war im Sommer zur Abkühlung gerade gut. Mein Vati, der junge „Baufachmann“, hatte an dieses trogartige Becken, ebenfalls in achteckiger Form, ein 15cm tiefes Fußbecken betoniert, um das „Wasserloch“ zu verschönen. Alle Gartenwege und natürlich auch den Weg um den Springbrunnen hatte er mit weißen, gebrochenen Kieselsteinen geziert.
Das war zwar keine Wohltat für die nackten Füßchen aller Planschfreudigen,
aber die Wasserfontäne des Springbrunnens entschädigte , auch wenn sie so kalt war, wie eben Leitungswasser ist.


Schnell brachte dann die führsorgliche Oma Malchen 2-3 große Töpfe heißes Wasser, damit die Wasser - und Schiffchenspiele Spaß machten und ihr der Anblick vom frierenden, schnatternde bleichen Evchen erspart blieb.
Es war mal wieder ein herrlicher Sommerferientag und Schulfreundin Inge wollte
mich besuchen, denn auch sie freute sich auf eine Abkühlung in unserem „Großpool“. Der zweite Wassertopf stand schon auf dem Gasherd, als Omi noch mal schnell in den 200m entfernten Krämerladen, zu Frau Otto, musste, um für unser Süppchen das geliebte Maggi zu kaufen.
Sie rief mir noch zu: „Wenn das Wasser heiß ist, stell das Gas ab, ich gieße es selbst in den Brunnen! Bin gleich wieder da!“
Das ICH hatte ich nicht gehört, denn wie noch heute, höre ich in meiner kleinen
permanenten Hektik oft nur halb hin. Also verstand ich. „ Gieße es selbst in den Brunnen.“ Vorsichtig schritt ich mit dem großen Wassertopf die Haustreppenstufen hinunter, tippelte mit nackten Füßen auf dem pieksenden Kies zum Brunnen, trat auf die flache etwas glitschige Beckenumrandung und rutsche aus.
Der Topf glitt mir aus den Händen und das fast kochende Wasser ergoss sich über meinen Arm. Ich taumelte durch das kleine Becken und sah lauter kleine Sternchen.
Meine Schreie mussten wohl Omi und die anderen Nachbarsleute bis weithin gehört haben und fast alle Muttis und Omis kamen angerannt. So war es damals!
Auch Opa Bruno, der versierte Krankenpfleger, war schnell zu Stelle.
Er war glücklicher weise zu Hause, denn er muss heute erst zum Nachtdienst ins Krankenhaus.
Auf meinem Ärmchen bildeten sich riesige Brandblasen und Opa Bruno schnitt
sie mit seiner „OP- Schere“ auf . Es tropfte vom Arm und aus meinen Augen.
Ein großer Verband und viele Streicheleinheiten und Küsschen aller mich Bemitleidenden halfen gut. Naja, etwas Schimpfe gab es auch!
Warum hatte mich mein Schutzengel nicht von diesem Verbrennungsrisiko abgehalten? Er schwieg einfach. Wollte er auf diese schmerzhafte Weise mir sagen, dass ich demnächst besser hinhören solle, was die Erwachsenen sagen?
Sollte diese Verbrennungsaktion ein Denkzettel sein, damit ich lerne, umsichtig zu handeln? Nun gut, irgendwie hat er mich wohl doch auch beschützt, denn ich habe mir bei meinem „Brunnenflug“ keinen Zahn ausgeschlagen, keinen Arm gebrochen und mein Gesichtchen wurde auch nicht durch das heiße Wasser entstellt.
Diese Überlegungen kommen mir erst jetzt, nach fast 60 Jahren in den Kopf. Und weil ein Dankeschön nie zu spät kommen kann -- dann an dieser Stelle: „Danke, lieber Asmodiel!“

Ich denke, dass Engel nicht altern, weil sie immer in Bewegung sind und immer neue Erlebnisse haben. Zumindest muss mein Schutzengel öfter mal blitzschnell
hellwach sein, um sich was Schützendes für mich einfallen zu lassen.
Er weiß ja, welch „Hugo Leichtsinn“ ich manchmal im Straßenverkehr bin.
Egal, ob Trabi, Jeep oder Toyota – ich bin oft in unfallträchtige Situationen geraten, die glimpflich abliefen, obwohl sie auch mein Leben gekostet haben könnten.

Die guten Ausgänge dieser großen und kleinen Unfälle sind meistens nicht rational erklärbar, so, wie in den folgenden drei Geschichten.

Es war Freitag 16.00 Uhr. Auch in der Investbauleitung des Möve- Werkes machte man in den 80ziger Jahren pünktlich Feierabend und die privaten Dinge schwirrten schon Stunden vorher in den Köpfen aller Kollegen herum.
Besonders ich hatte an den Freitagen mit meinem zweijährigen Söhnchen, der in der Kindergrippe auf Mama wartete sowie meiner kranken Mutti, die meine Hilfe brauchte, ein straffes Programm bis Mitternacht. Gleich nach der Arbeit wurde mit dem Kind im Einkaufswagen schnell der Großeinkauf erledigt und wenn der Sprössling im Bettchen war, dann wurde für das Wochenende alles vorgekocht und der Sonntagskuchen gebacken. Allerdings war dieser meistens schon samstags aufgefuttert.
Es war also fast immer Hektik pur angesagt.
Doch so was kennen Männer nicht und ein mich sehr verehrender Meister
und Gönnerling erst recht nicht, denn sein Frauchen erledigte das Häuslich
alleine.
Er bedauerte sehr, dass er heute sein fast wöchentliches „Liebespaket“ zu Hause in Lengenfeld vergessen hatte. Im Sommer beglückte er mich meistens mit einer Stiege voll Gurken, Äpfeln, Tomaten und Salat oder auch Pflaumen.
Seine Augen strahlten dann, wenn er mir stolz seine Gartenreichtümer übergab und ich musste mich mal kurz an seine Brust drücken lassen. Das beglückte mich jedoch nicht. Aber heute war er über seine Vergesslichkeit recht wütig.
Trotz meiner vehementen Einwände bestand er darauf, dass ich mit zu ihm in seinen Garten fahre, um mein Vitamingeschenk in Empfang zu nehmen.
Ich stand unter riesigem Zeitdruck. Hin und zurück – 40km und eine wartende Kindergartentante, das war vorprogrammierter Psychostress.
Nun gut, ich, ebenfalls wütig, düste im strömenden Regen in meinem kleinen Trabi seinem großen Lada hinterher. Aber diese Hetzjagd reichte mir bald und so kehrte ich auf halber Strecke um. Er beobachtete mein Wendemanöver auf der Fahrbahn im Rückspiegel und sah nur noch meinen Trabi bergabwärts von Pfafferode in Richtung Mühlhausen im rechten Straßengraben rollen.
Ich konnte nicht schreien, nicht lenken und bremsen half auch nicht.
„Wenn doch nur diese Schlitterfahrt aufhören würde, wenn doch nur ein Baum diese
Höllenfahrt beenden würde.“ wünschte ich mir.
Und schon ging dieser Wunsch in Erfüllung. Der Baum kam, ich schloss kurz die Augen, atmete durch, kleiner Aufprall und mein schlammiges Auto stand still. Übermütige Freude durchströme meinen Körper.
Hatte mich in diesen Momenten mein Schutzengel sanft in seine Arme genommen
und auch noch dafür gesorgt, dass nur die Stoßstange kaputt war ?
Mein Gönnerling hatte auch gewendet. Er stand blass vor mir, schlupfte die „Pappe“ an seinen Lada und zog mich aus dem Graben.
„Nur schnell weg hier, damit uns nicht die Polizei erwischt, sonst wird ´s teuer“
sagte er aufgeregt.
Ich muss wohl etwas unter Schock gestanden haben, denn ich fing an, lustig zu lachen. Mein Herr Kollege, den alle Zucki nannten, verabschiedete sich wortlos mit einem kleinen Lächeln von mir. Sicherlich war auch er geschockt.
Die Kindergärtnerin machte große Augen, als sie mich kurz vor 18 Uhr mit meinem verschlammten Auto erblickte. Viel reden konnte ich nicht mehr, aber mein Söhnchen inniglich in die Arme nehmen, das konnte ich noch. Erst dann flossen
Tränen – die befreienden Glückstränen.