Thema: Freuen

  1. #1
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    Freuen


    Freuen


    Freue dich darüber,
    dass da nichts ist
    was dir Freude macht!

    Freue dich um des Freuens Willen!
    Freue dich ob des freudlosen Seins!
    duigatscho

  2. #2
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    Lieber Hubert Georg,

    in Deinem Gedicht sehe ich einen Widerspruch. Eine grundlose Freude halte ich nicht für möglich, denn es gibt nichts, was nicht auch einen Grund hat, oder auf Grund von etwas existiert. Die Aufforderung zur Freude wegen nichts, ist so eine Aufforderung zu Unmöglichem.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Hallo lieber Hans Plonka,


    herzlichen Dank für Deinen Eintrag.

    Genau darin liegt doch der eigentliche Sinn meines Gedichtes:
    Sich selbst auch dann sogar zu freuen, wenn es in allen Bereichen des Lebens (nirgendwo!) auch nicht den geringsten Anlass zu einer Freude gibt.
    Sich „freuen um des Freuens Willen" ist vieleicht der tiefste Sinn jeglicher Philosophie.
    Sich freuen, wenn ein Grund dafür vorliegt, kann jeder.


    Liebe Grüße,


    Georg Huber
    duigatscho

  4. #4
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    Hallo Hans,
    eine grundlose Freude hältst Du nicht für möglich? Zwei Strophen aus einem längeren Gedicht sollten Dich davon überzeugen können, dass Georg Hubers Verse durchaus Sinn machen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Deine aufhellenden Kommentare eher dazu geeignet sind, das eigene Unverständnis zu dokumentieren. Aber lies mal:

    "Ich hab' meine Sach' auf nichts gestellt, juchhe!
    Drum ist so wohl mir in der Welt, juchhe!
    Und wer will meine Kamerade sein,
    Der stoße mit an, der stimme mit ein
    Bei dieser Neige Wein.
    ...
    Nun hab' ich meine Sach' auf nichts gestellt, juchhe!
    Und mein gehört die ganze Welt, juchhe!
    Zu Ende geht nun Sang und Schmaus;
    Nur trinkt mir alle Neigen aus,
    Die letzte muss heraus!"

    Der recht fröhliche Sänger nennt in den ausgelassenen Strophen einiges, was es so für Freuden gibt und kommt abschließend zu der Erkenntnis, dass man "seine Sach" am besten auf nichts stellt.

    Lieber Georg Huber,
    ich denke, meine Antwort auf Hans P. Kommentar vermittelt Dir meine Zustimmung zu Deinen Versen. Nachdenken muss man schon über Dein Gedicht; das Fazit meines Nachdenkens: Tiefsinnig und gut gemacht.

    Liebe Grüße,
    Festival

  5. #5
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    Hallo Huber Georg,

    sich freuen, wenn es nicht den geringsten Anlass zur Freude gibt ... In keinem Bereich des Lebens ... würde heißen, sich z. B. freuen, wenn man selbst oder ein geliebter Mensch todkrank ist, man seine Wohnung verloren hat und bei -15 Grad Celsius auf Kaugummiflecken und Taubenscheiße gebettet liegt ... Klar, wenn man nichts hat, kann man nichts verlieren. Aber da gibts doch auch eine Grenze des Erträglichen. Ich habe noch keinen Obdachlosen mit offenen Beinen und Leberzirrhose gesehen, der fröhlich aussah. Aber ich schließe nicht aus, dass ich die Botschaft deines Gedichts (und die des in Festivals Kommentar zitierten Gedichts oder Lieds) lediglich falsch verstanden habe. Mich hat die Aufforderung zur grundlosen Freude jedenfalls an das für mein Empfinden etwas albern anmutende Lachyoga erinnert. Was nicht heißt, dass ich dein Gedicht albern finde! Mein Kommentar bezieht sich auch eher noch auf deinen Beitrag #3 als auf das Gedicht selbst, welches vermutlich die von mir aufgeführten Extremfälle gar nicht ansprechen wollte.
    Zur Textform: Liest sich sprachlich angenehm. Flutscht.

    Viele Grüße
    Richmodis
    Geändert von Richmodis (01.12.2018 um 22:17 Uhr)

  6. #6
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    Liebe Richmodis,
    natürlich hast Du völlig Recht: Wenn es einem Menschen, aus welchen Gründen auch immer, dreckig geht, wäre es schon recht seltsam, trüge er ein blödes Grinsen zur Schau. So ist Goethes Gedicht, das ich teilweise zitiert habe, auch nicht zu verstehen. In den nicht zitierten Strophen nennt er Beispiele:
    - Ich stellt' meine Sach' auf Geld und Gut, juchhe!
    Darüber verlor ich Freud' und Mut, o weh!
    ...
    - Auf Weiber stellt' ich nun meine Sach', juchhe!
    [Daher]1 mir kam viel Ungemach, o weh!
    ...
    - Ich stellt' meine Sach' auf Reis' und Fahrt, juchhe!
    Und ließ meine Vaterlandesart, o weh!
    ...
    - Ich stellt' meine Sach' auf Ruhm und Ehr', juchhe!
    Und sieh', gleich hat ein andrer mehr, o weh!
    ...
    - Ich setzt' meine Sach' auf Kampf und Krieg, juchhe!
    Und uns gelang so mancher Sieg, juchhe!
    Wir zogen in Feindes Land hinein,

    Bezweifelt werden hier also die gewöhnlichen Ursachen für Freude, also nimmt der fröhliche Wanderer beinahe fatalistisch das Dasein hin, wie es ist und freut sich des Lebens, lässt den Ehrgeiz weg, verzichtet aufs Haben-Wollen, freut sich, dass es so etwas wie Dich gibt ohne Dich besitzen zu wollen.
    Ob der Georg Huber so tiefsinnig gedacht hat, weiß ich nicht. Vielleicht äußert er sich ja noch dazu.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  7. #7
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    Guten Morgen Festial,

    derjenige, der immer Angst hat, das, was er besitzt, wieder zu verlieren, kann sich vllt. freuen, wenn er nichts hat. Aber damit hat er auch schon einen Grund zur Freude. Und wenn Huber Georg das gemeint haben sollte, gehört V4 - der Lachyoga-Vers - gestrichen. Der gewöhnliche Wanderer - ok - freut sich des Lebens, wie es ist. Aber würde er sich auch freuen, wenn er die Landschaft nicht genießen könnte? Scbönes Wetter oder erfrischenden Regen? Ein leckeres Mahl auf der Durchreise? Es sind immer Gründe, sich zu freuen.

    Lieben Gruß
    Richmodis

  8. #8
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    Karl Valentin hat es auf seine Art auf den Punkt gebracht:

    Zitat:

    "Ich freue mich immer, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch"

    LG Sidgrani
    Dichten und dichten lassen

  9. #9
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    Hallo lieber Festival,


    auch Dir herzlichen Dank für Deinen mehrmaligen Eintrag.

    Mein Dank gilt insbesondere der Tatsache, dass Du den „nachdenklicheren“ Grund des Gedichts erkannt hast und natürlich auch Deinem Lob.
    (Wie tiefsinnig ich zu denken in der Lage bin, weiß ich selber nicht.)


    Hallo liebe Richmodis,


    Dir gleichfalls herzlichen Dank für Deinen wiederholten Eintrag.

    Natürlich gibt es Extremsituationen des Lebens, in denen jegliche Freude weit weg ist.
    Gerade aber hier halte ich es für notwendig zu versuchen, zu einer „freudlosen Freude“ zu kommen, um nicht völlig zu verzweifeln.


    Hallo lieber Sidgrani,


    Dir ebenfalls herzlichen Dank für Deinen Eintrag.

    Karl Fallentin hat es tatsächlich auf den Punkt gebracht!



    Liebe Grüße an euch alle,


    Georg Huber
    duigatscho

  10. #10
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    Sich selbst auch dann sogar zu freuen, wenn es in allen Bereichen des Lebens (nirgendwo!) auch nicht den geringsten Anlass zu einer Freude gibt.
    Hi!

    Wenn du mit "nirgendwo" auch das Gehirn mit ausschließt, so müsstest du eine wissenschaftlich unhaltbare, esoterische Sichtweise vertreten. Freude ist nämlich biochemisch und neurologisch basiert. Genau deshalb gibt es Menschen die sich nicht (unter gar keinen Umständen) freuen können, weil ihr Gehirn dies nicht zulässt (depressive Erkrankung). Eine große Rolle spielen hier bestimmte Botenstoffe (Opioide) zu denen u.A. die Endorphine gehören... Aber dies führt hier nun etwas zu weit. Zudem sollte bedacht werden, dass die Freude eine evolutionäre Vorgeschichte hat und alles andere als vom Himmel gefallen ist.

    Man muss hier einfach nüchtern und rational bleiben: Freude besitzt immer einen kausalen Ursprung, welcher seinerseits einen Strauß an Gründen umfasst. Das macht die Freude so vergänglich.

    zum Gedicht:
    Das Thema ist auf jeden Fall interessant, aber die Umsetzung wirkt noch etwas zu unfertig. Auch stellt sich hier die Frage weshalb die Zeilen überhaupt in ein lyrisches Format gebracht wurden. Im Grunde hätte jeder Prosatext in zwei oder drei Sätzen den Inhalt doch auch vermitteln können. Das Künstlerische fehlt mir hier. Den Zeilen fehlt einfach die lyrische Spannung und das "gewisse Etwas" das durch die Form vermittelt wird. Um zu pürfen ob ein Gedicht das "Gedichthafte" in sich trägt ist es manchmal ganz hilfreich den Inhalt in Prosa umzuwandeln und dann zu schauen ob etwas Wesentliches wegfällt oder nicht.

    nachdenkliche Grüße,
    Geo
    Geändert von GEO (08.12.2018 um 18:06 Uhr)

  11. #11
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    Hallo Hubert Georg,

    GEO hat es schon auf den Punkt gebracht. Darüber hinaus möchte ich noch anfügen: Wenn ich mich zur Freude selbst erst auffordern muss, dann hat das mit wahrer Freude nicht wirklich etwas tun. Ist dann eher so etwas wie eine spirituelle oder esotherische Übung...eine Art Lach Gi Gong. Ausserdem möchte ich fragen: gilt das auch für die Schadenfsreude? Die Schadensfreude ist in erster Linie auch nur eine Freude - zur Schadensfreude wird sie erst in den Augen Dritter. Im Sinne von; des einen Leid, des anderen Freud. Die Freude ist per se ein subjektives Empfinden...weshalb ich auch nicht nach objektiven Kriterien (wenn dies und das passiert, oder nicht passiert) herangehen kann.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  12. #12
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    Hallo lieber GEO, liebe AndereDimension


    herzlichen Dank auch euch für euren Eintrag.

    Auf die biochemische Schiene möchte ich hier nicht aufspringen.
    Es kann sein, dass man hier Ursache und Wirkung verwechselst und die biochemischen Vorgänge erst ausgelöst werden durch (auch völlig unbegründete) Freude.
    Es soll Yogis geben, die es sehr wohl schaffen, sich zu „freuen um des Freuens Willen“ ohne jeden äußeren Grund.
    Alles nur auf die materialistische Ebene zu reduzieren, ist mir zu flachauch wenn ich kein Esoteriker bin.

    Speziell zur Frage nach der Schadensfreude:
    Für mich ist Schadensfreude keine echte Freude.

    Auf die Kritik zur Form des Gedichts möchte ich nicht weiter eingehen. Es gibt aber Leser, die dies durchaus anders sehen.


    Liebe Grüße,


    Georg Huber
    Geändert von Huber Georg (09.12.2018 um 10:58 Uhr)
    duigatscho

  13. #13
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    Es soll Yogis geben, die es sehr wohl schaffen, sich zu „freuen um des Freuens Willen“ ohne jeden äußeren Grund.
    Was machen Yogis? Sie meditieren. Sie trainieren ihr Gehirn auf extreme Weise. Der kausale Ursprung ihrer Freude liegt also darin,
    dass sie bedingt durch ihre Übungen innere Zustände generieren, welche Freude beinhalten. Das Gehirn eines Yogis ist auch nur ein neuronales
    Netzwerk mit variabler Konfiguration. Die Plastizität der neuronalen Strukturen ist hier die Basis für Veränderung bedingt durch Training.
    Wozu sollten Yogis sonst trainieren? Wäre die Freude grundlos, gäbe es auch gar keine Möglichkeit selbige zu erreichen. Denn gäbe es eine Möglichkeit wäre eben jene Möglichkeit der Grund, wodurch die Grundlosigkeit entfiele.

    Es gibt zwei Gestaltungskräfte im Universum: Zufall und Kausalität. Freude entsteht nicht durch Zufall. Freude ist einfach eine bestimmte Form neuronaler Aktivität. Behauptet man etwas anderes, muss man dies begründen (da dies allem widerspräche was wir bislang wissen). Ansonsten verlässt man den Boden der Wissenschaftlichkeit .
    Geändert von GEO (09.12.2018 um 16:03 Uhr)

  14. #14
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    ..wahre Freude steigt auf, wenn "gesehen" wird, dass es ein Irrtum war zu glauben Freude käme von irgendetwas bestimmten (neues Auto, Haus, Frau, Urlaub, Kind, Geld.. was weiß ich noch). So richtiges Glück und Freude kommt gerade daher, dieses vollkommen bedingungslose, frei, ungebundene, auch haltlose, grenzenlose von dem die wahre Natur Freude ist und es überhaupt keine Trennung gibt zu dem was wir selber sind. Dann geht noch freuen über etwas bestimmtes, aber die wahre Freude ist noch "daunter" und viel beständiger, sozusagen zeitlos.
    Tatsächlich lässt es sich nicht wissenschaftlich od philosophisch erklären, es generiert sich auch nicht.

    Lg, Skirke


    Freude.
    weil da nichts ist
    was Freude macht!

    so wäre es für mich stimmig.
    Geändert von Skirke (09.12.2018 um 16:49 Uhr)

  15. #15
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    Hallo lieber GEO,


    nochmals Dank für Deinen neuerlichen Eintrag.

    Die Meditation der Yogis krampfhaft als Argumentation heranzuziehen, dass die Freude „also doch eines Grundes bedarf" ist Deine Art der Auslegung, aber nicht meine! (Übrigens: Yogis sollen es sogar schaffen, sich auf den Tod zu freuen.)

    Außerdem wirken Deine Einträge auf mich sehr „schulmeisterhaft und besserwisserisch" und die ganze Diskussion wird mir langsam zu dumm, so dass ich es für besser halte, sie zu beenden.
    Meinen Standpunkt habe ich klar dargelegt und er bleibt so unverändert.


    Hallo lieber Skirke,

    Dir ganz besonders herzlichen Dank für deinen lieben Eintrag, der zu 100% meine Haltung bestätigt.



    Gruß an euch beide,


    Georg Huber
    duigatscho

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