1. #1
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    Ein Verlorener in der Zeit

    Meine Uhr geht vor,
    vor der Zeit,
    tickt an meinem Ohr
    ein Sekundensoldat,
    hält den Takt vor.

    Tickt zur Schulzeit,
    tickt fragend, bevor
    ich morgen aufwache,
    das gestern schon verlor.

    Meine Uhr geht vor
    den Gedanken im Gestern,
    tickt an meinem Ohr
    die Erinnerung und Vision:
    von morgen,
    von gestern,
    das ich verlor.
    ...
    Herz ist nicht mit mir.
    Herz ist nicht mit dir.
    Herz ist weit weg. V.Butusov *Das Lied "aus dem Fluss"

  2. #2
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    Hallo Unum,

    worauf sich dein Gestern bezieht, kann ich nur ahnen. Es muss Glück gewesen sein. Und gerade am Morgen, wenn der Kopf noch klar ist, begreift man erst. Das hast gut beschrieben. Aber sieh dir den Titel an: Entweder "Ein Verlorener" oder "Der Verlorene".

    Angelika

  3. #3
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    Danke für deinen Kommentar und die Korrektur

    Lieben Gruß
    Unum
    ...
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  4. #4
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    Ja wirklich schön wenn man vorher schon weiß wie es hinterher gewesen ist was davor schon nicht anders war. Weil eben die Zeit unsere Richtung in Vorstellungen von ihr lenkt. Sich da herauszuschreiben meint etwas zu verlieren das nur besessen wurde um sich davon trennen zu können.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    Die Wahrheit liegt beim Betrachter.

    Gruß
    Unum
    ...
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  6. #6
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    Dank dir auch!
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  7. #7
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    Hallo Unum,

    "vor der Zeit" kannst Du ersatzlos streichen...denn wem oder was sonst sollte der Zeiger vorauseilen?!?


    Meine Uhr geht vor
    den Gedanken im Gestern,
    tickt an meinem Ohr
    die Erinnerung und Vision:
    Da stimmt was nicht...die Zeilen/Aussagen passen so (Semantik/Logik/Interpunktion...je nachdem) nicht zusammen.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  8. #8
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    versuche es bitte je nach dem zu definieren

    gruß
    unum
    ...
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  9. #9
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    ...je nachdem was Du zum Ausdruck bringen...und/oder akzentuieren möchtest - und das kannst nur du wissen. Spätestens aber nach "Ohr" müsstest Du einen Punkt setzen - oder auch nach "Gestern"...dann ein "es" vor "tickt an meiner Uhr".

    So wie es jetzt zu lesen ist sagst Du u.a.

    Meine Uhr (geht vor
    den Gedanken im Gestern,)
    tickt an meinem Ohr
    die Erinnerung und Vision:


    ....und das macht keinen Sinn - macht nur dann Sinn...wenn du statt "meinem" "mein" schreibst.

    Kein Wunder dann...dass es im weiteren Verlauf ebenso hakt:

    die Erinnerung und Vision:
    von morgen,
    von gestern,
    das ich verlor
    "das ich verlor" hängt ebenso in der Luft...es gibt viele Optionen...nur die von dir gewählte nicht.
    Es gibt weder eine Erinnerung von gestern (wenn, dann "an gestern" oder "vom Gestern")...noch gibt es eine "Vision von morgen"...denn das würde heißen Du hättest evtl. morgen (erst) eine Vision...aber vielleicht hast Du das so gar nicht gemeint...und zweitens wäre dies bereits eine Vision. Womöglich wolltest Du die Logik umkehren (da Du der Zeit voraus bist)...also die Erinnerung in die Zukunft verlagern und die Vision in die Vergangenheit...nur hätte das mit der/deiner vorgehenden Zeit nichts zu tun. Es gibt die Zeit X...weil wir Menschen uns der Einfachheit halber auf eine Größe einigen müssen. Du frühstückst nicht zwischen 7:00 und 9:00 weil es morgens ist...sondern weil Du in einer gewissen Zeitspanne nach dem Aufwachen Hunger verspürst. Und weil über 90% der in unserer Zeitzone lebenden Menschen zwischen 4:00 und 8:00 aufwachen und das nach unserer Definition früh am Tag geschieht...nennen wir das Essen nach dem Aufwachen Frühstück - ein Stück (Teilchen), das wir früh verzehren. Und weil über 90% der Menschen nach dem Aufwachen keine Lust auf ein Rumpsteak verspüren können wir uns in etwa ausmalen...was ein anderer zum Frühstück verzehrt. Bei Schichtarbeitern kann das schon mal etwas durcheinander kommen...da stehen tatsächliche Zeit und innere Uhr im steten Konflikt. Und da sind wir auch schon beim eigentlichen Punkt: Egal wie sehr deine (Uhr)Zeit von der (uhr)Zeit der anderen abweicht...Erinnerungen und Visionen sind immer im Hier und Jetzt verhaftet...also in der Zeit..die Du in dir trägst. Abweichungen von der tatsächlichen haben nur Einfluss auf Interaktionen. Wärst Du alleine auf der Welt...würdest du keine Uhr erfinden.

    Begegnen sich zwei...A: "Schön..dich hier anzutreffen...wir haben uns ja schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen". B: "Wir sind uns doch gerade erst im Sommer beim Klassentreffen begegnet". A: "Ja, war ein super schöner Tag...an den ich mich noch lange erinnern werde".

    Die innere Uhr ist neben anderen biologischen Faktoren auch sehr stark an unsere Gefühlsleben gekoppelt - davon hängt dann ab...ob gefühlt etwas gerade erst...oder vor langer "Zeit" passiert ist. Die innere ist auch eine genetisch verankerte/geprägte Uhr. Großkatzen jagen meist abends wenn es kühler ist...dann haben sie eine größere Ausdauer ...können der Beute länger hinterher hetzen. Kommt ihnen in der sengenden Hitze eine Beute vor die Nase...dann wägen sie ab (Aufwand/Chance/Nutzen)....denn der Energieaufwand könnte den eigenen Tod zur Folge haben. Temperatur und Sichtverhältnisse bestimmen den "Zeit"punkt der Jagd. Je nach Jahreszeit kann das ganz unterschiedlich sein.

    Du siehst...die (Uhr)Zeit ist total übewertet. In Mexiko gibt es ein abgeschieden lebendes Volk...das keine Verabredungen kennt. Wenn der eine den vom anderen was will...dann stellt er sich vor dessen Hütte und wartet ohne sich bemerkba zu machen bis der andere (zufällig) mal die Tür öffnet - unter Umständen viele Stunden...oder auch Tage. Zeit ist hier nichts...worauf man sich verständigt...sondern etwas...das einfach nur geschieht.

    Man spricht von Raum und Zeit. Ohne Raum kann es keine Zeit geben, jedoch ohne Zeit einen Raum.

    Wenn der Fischer aus Dorf A dem Fischer aus Dorf B berichten möchten zu welcher Zeit man an der Küste vor seinem Dorf den besten Fang macht, dann wäre mögliche Aantwort" "Wenn der Abendschatten den Fuß des Berges erreicht". Wenn jedoch der Fischer aus Dorf B. auf der anderen Seite des Berges wohnt...dann kann er mit dieser Angabe nichts anfangen. Sie müssen als...wenn sie keine Uhr haben...einen anderen Fixpunkt definieren. Zeit als Konstellation...geographische...als Richtungsanzeige. Wenn Du nicht von A nach B willst...dann interessiert es dich auch nicht ob und wann ein Zug kommt. Der Raum bleibt bestehen, die Zeit jedoch ohne Relevanz. Der Raum existiert für sich alleine, die Zeit nur im Kontext zum Raum.

    Gruß, A.D.
    Geändert von AndereDimension (11.12.2018 um 06:20 Uhr)
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  10. #10
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    Da vergisst man ja fast worum es in dem Gedicht geht.
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  11. #11
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    Lieber A.D

    es geht für mich hier um Gedanklichewelt, die nicht mit dem Raum zutun hat:

    Meine Uhr geht vor
    den Gedanken im Gestern - was stimmt in diesen Zeilen nicht? rein logisch geht die Uhr immer vor dem Gestern und den gestrigen Gedanken.

    tickt an meinem Ohr
    die Erinnerung und Vision: wenn ich mich zu sehr auf die Zeit fokussieren würde, so höre ich meine Uhr ticken und es Erinnert, vielleicht an im Gestern geblieben Visionen.

    es ist nicht so kompliziert denke ich

    Gruß
    Unum

    zur meine Zeit gab es keine Verabredungen, wir klopften bis jemand aufgemacht hat. Telefon hatten wir als Kinder auch nicht.
    ...
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  12. #12
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    Der Raum ist ja auch nur das Postfach der Zeit und bei manchen hoffnungslos überfüllt.
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  13. #13
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    Zitat Terrorist

    Da vergisst man ja fast worum es in dem Gedicht geht.
    Das ist ja auch die Absicht dahinter - Du sollst vergessen worum es im Gedicht...denn dort geht es (so wie es jetzt zu lesen ist) um nichts.

    Hallo Unum

    Zitat

    es geht für mich hier um Gedanklichewelt, die nicht mit dem Raum zutun hat:

    Meine Uhr geht vor
    den Gedanken im Gestern - was stimmt in diesen Zeilen nicht?
    Alles - stimmt nicht - sonst hätte ich ja nicht kritisiert. Die Strophe...die ich bemängelte...sagt rein gar nichts aus...als hättest Du die Wörter gewürfelt.


    es ist nicht so kompliziert denke ich
    sagen wir mal so: es könnte unkompliziert sein...wenn Du denn mal sagen würdest was du eigentlich schreiben wolltest...bzw schreiben würdest was Du (aus)sagen wolltest.

    Gruß, A.D.
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  14. #14
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    Es gibt so einen Ausdruck, zu früh für die Zeit geboren, oder passt noch nicht in die Zeit. Der Sinn dahinter ist keinen Anhaltspunkt zu finden, auch mit der Anpassung an die Zeit das Gefühl zu haben, das eigene "Uhr" zu verlieren.
    Etwa so, ansonsten würde ich das als Kunst bezeichnen (wenn ich darf)
    Gruß
    Unum
    Geändert von Unum (11.12.2018 um 22:47 Uhr)
    ...
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