Thema: Auferstehung

  1. #1
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    Auferstehung


    Auferstehung



    Wolkendunkel schiebt
    die Schwermut vor sich her.
    Regen prasselt auf mich nieder.
    Immer höher in dem grauen Meer
    stürmen Wogen auf mich ein,.
    Bittre Bilder vom Zerfallen, nicht mehr Sein
    schwappen in den Sinn.
    Plötzlich weiß ich nicht mehr,
    wo ich hergekommen, wohin die Reise geht.

    In mir scheint ein Stück vom Damm
    durchbrochen, schwarze Fluten
    drängen gegen Wärme, Haut und Licht.
    Doch auf wundersame Weise
    machen andre Hände diese Stelle dicht,
    legen mir den Ariadnefaden in die Hand
    für den Weg aus meinem Irrsinnsland,
    einem finstren Labyrinth, drin der Geist
    verdüstert und die Angst aus Wänden rinnt.

    Geblendet und erwärmt von Sonnenstrahlen,
    fühl ich allmählich pralles Leben wieder,
    spür Lust, die Hand der Liebe zu ergreifen,
    um, geführt von ihr, durch einen Himmel
    voller Zärtlichkeit zu schweifen.
    Möchte schließlich meinem Engel,
    frei von Hintergedanken,
    tausendfach mit Küssen
    für meine Auferstehung danken.
    Geändert von Carolus (05.12.2018 um 17:51 Uhr)

  2. #2
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    Lieber Carolus,
    zwei Verse gehen mir nicht aus dem Sinn:
    "Plötzlich weiß ich nicht mehr,
    wo ich hergekommen, wo die Reise hin."
    Ein vorsichtiger Versuch:
    "Plötzlich weiß ich nicht mehr,
    wo ich her kam und wo geht die Reise hin."

    Ansonsten: Was mir ausnehmend gut gefällt, ist die sparsame Verwendung von Reimen. Wie sich das LyrIch dank des Ariadnefadens den Weg durchs Labyrinth sucht, um dann - und diese Strophe ist für mich hoffnungsverheißend - "geblendet und erwärmt..." zu gesunden, das, mein Lieber, hast Du ganz wunderbar geschrieben.
    Dein Gedicht hebt sich mit seiner optimistischen Conclusio wohltuend von den "Nur-Schwarz-Malern" ab.
    Kompliment und ciao,
    Festival

  3. #3
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    Lieber Festival,

    dein dickes Lob für "ganz wunderbar geschrieben", für die "optimistische Conclusio" und nicht zuletzt das "Kompliment und ciao" schmeckt mir wie warme Milch mit Waldhonig. Dafür mein herzliches Dankeschön!

    Zu deinem "vorsichtigen Versuch":
    "Plötzlich weiß ich nicht mehr,
    wo ich her kam und wo geht die Reise hin." möchte ich anmerken, dass ich die Stelle anders verstehe.

    "wo ich hergekommen, wo die Reise hin." Der Gebrauch vom Perfekt "hergekommen", wobei ich das Hilfswort "bin" weggelassen habe, sowie die Verwendung des Präsens "wo die Reise hin", wobei hier das Vollverb "geht" sinngemäß zu ergänzen wäre, markiert ein anderes Zeitverständnis.
    Das lyr. Ich, bedrängt von "bittren Bildern" vergisst im Augenblick, was unmittelbar zuvor geschehen, wo es hergekommen und "plötzlich weiß (es) nicht mehr", wie es weitergehen wird. Eine derartige Bedrängnis kann jemanden zeitweise schon um den Verstand bringen.
    Ich hoffe, die Stelle ist jetzt einsichtiger. Man möge die Formulierung aus stilistischen Gründen so gelten lassen.

    Herzlichen Gruß
    Carolus

  4. #4
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    Lieber Carolus,
    Deine Gründe für das Belassen des Textes sehe ich ein. Wo ich ein wenig stolpere sind diese beiden Verse:
    "Plötzlich weiß ich nicht mehr,
    wo ich hergekommen, wo die Reise hin."

    "Plötzlich weiß ich nicht mehr, wo ich hergekommen" - das akzeptiere ich so.

    "Plötzlich weiß ich nicht mehr,..., wo die Reise hin" ist die Stelle, die mir Unbehagen bereitet.

    ""Plötzlich weiß ich nicht mehr,
    wo ich hergekommen, wo geht die Reise hin." - Das schiene mir eine sinnvolle Ergänzung des Halbsatzes "wo die Reise hin".
    Aber - auch ich habe manchmal ein Brett vor dem Kopf.

    Liebe Grüße,
    Festival

  5. #5
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    Lieber Festival,

    auch bei mir ist "ein Brett vor dem Kopf" hinderlich für den Durchblick, aber wenn man ein Loch hinein bohrt, kann man weiter sehen.
    Die umstrittene Stelle lässt sich dann aufgrund neuer "Einsicht" leichter begradigen, so dass sie dir kein "Unbehagen" bereiten dürfte.
    Die neue Version: "Plötzlich weiß ich nicht mehr,
    wo ich hergekommen, wohin die Reise geht."


    Ich hoffe, die Änderung findet deine Zustimmung.

    Lieben Gruß
    Carolus

  6. #6
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    Lieber Karlheinz,
    aber selbstverständlich! Du hast in der Neufassung auf den Reim verzichtet, aber der letzte Vers ist so für mich "runder".
    Liebe Grüße,
    Heinz
    PS.
    Ich komme gerade von einer Michael-Domas-Veranstaltung. Sein Gast war Ella Anschein, die 2017 U20-NRW-Meisterin i, Poetry-Slam gewesen ist. Die junge Dame war Klasse und es war ein schöner Abend.

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