1. #1
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    Betroffenheitslyrik

    Was hammer in der Vorratskammer?
    Lass mal gucken:
    Verweinte Kinderaugen ...
    Könnten taugen.

    Ganz hinten im Regal
    na gut, schon etwas schal,
    da steht ein Herz seit Wochen,
    angebrochen
    und achtlos weggeschoben.

    Was steht da oben?
    Kälte.
    Und Gewalt
    (auch schon etwas alt)
    und arme Seelen,
    ganz vergessen
    (vielleicht mag die
    noch jemand essen?)

    Man könnte alles mischen
    um es aufzutischen
    mit reichlich Not
    und frischem Ciabattabrot.
    Geändert von Richmodis (09.12.2018 um 06:11 Uhr)
    "Aber es muss gehen, andere machen es doch auch!"
    Loriot

  2. #2
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    eine tranche von deinem herzen und eine scheibe ciabattabrot…
    vielleicht noch ein paar tropfen gutes Olivenöl...
    o.k., schmeiss den rest weg, das reicht fürs picknick.
    kp
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  3. #3
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    Möchtest du es lieber gut durchgereift oder weichgeklopft?

    Ich will noch ein bisschen die Formatierung (vom Gedicht) ändern. Sie gefällt mir nicht so, ich hatte es erstmal spontan dahingeschludert.
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    Loriot

  4. #4
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    ich vermute, dass dein text ruhig etwas atemlos daherkommen dürfte. also würde ich mal versuchen, gewisse Reimpaare auf eine zeile zu nehmen und gewisse Leerzeilen zu streichen. an sich ist da sprachlich ein flow drin, der durch die jetzige Formatierung eher gebremst wird.
    kp
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  5. #5
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    Liebe Richmodis,
    ach ja, die Betroffenheitslyrik. Das Aufgetischte mundet, vielleicht noch eine Prise allgemeinen Weltschmerzes als Sättigungsbeilage?
    Zu Änderungen sehe ich keinen besonderen Anlass.
    Liebe Grüße,
    Festival
    Geändert von Festival (08.12.2018 um 23:52 Uhr)

  6. #6
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    Hallo Kaspar und Festival,

    atemlos soll es nicht rüberkommen. Eher suchend, sich orientierend. Daher finde ich die abgehackte Formatierung jetzt eigentlich net schlecht Aber ein paar Stellen hab ich verändert, wo ich denke, dass es flüssiger daherkommen muss.

    Allgemeiner Weltschmerz. Ich zieh mich mal kurz zurück fürs googeln, was Weltschmerz ist.
    (komisches Wort. Genau wie Saftgulasch oder Auslegeware)

    Grüßle
    Rich
    Geändert von Richmodis (09.12.2018 um 06:08 Uhr)
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    Loriot

  7. #7
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    Liebe Richy,

    Mir gefällt das auch so wie es ist ganz gut, das ist echte, authentische Betroffenheit , es muss nicht geglättet werden. Es hält die (spontanen) Gedanken beim Lesen fest. Die Reime vermögen diese splitterhaften Eindrücke nicht zu kitten; im Gegenteil tragen sie sogar zur Zersplitterung bei. Und dieses Konterkarieren der "schönen Form" gefällt mir besonders gut, denn genau das hasse ich an typischer Betroffenheitslyrik am meisten: Wenn bewährte Tränendrückbausätze dann auch noch mit einer glänzenden Schokoglasur aus (meist jambischen) Wohlklang und Reim überzogen werden.


    Gern gelesen

    Lieben Gruß
    albaa

  8. #8
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    Liebe albaa,

    die Form gefällt mir jetzt auch so, wie sie ist. Hatte es mal kurz im Kopf "schön" formatiert, da überkam mich eine leichte Übelkeit. Sauberes Format passt einfach nicht zu diesem Text.

    Aber mit Schokoglasur überzogende Gedichte mag ich auch. Und ganz besonders dann, wenn sowas herrlich Bösartiges drinsteckt wie z. B. in Loriots "Advent".

    Ach ja, btw.: ganz hinten unten in der Vorratskammer hab ich noch eine Tüte Selbstreflektion gefunden (das MHD war noch nicht abgelaufen)

    Danke für dein "gern gelesen"

    Lieben Gruß
    Rich
    Geändert von Richmodis (09.12.2018 um 11:50 Uhr)
    "Aber es muss gehen, andere machen es doch auch!"
    Loriot

  9. #9
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    Zitat Zitat von Richmodis Beitrag anzeigen
    Was hammer in der Vorratskammer?
    Lass mal gucken:
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    da steht ein Herz seit Wochen,
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    Was steht da oben?
    Kälte.
    Und Gewalt
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    ganz vergessen
    (vielleicht mag die
    noch jemand essen?)

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    und frischem Ciabattabrot.

    Grüße



    Das ist der Stoff, der nachdenklich machen sollte. Aber, wenn er sich tagtäglich wiederholt und die Medien feiern ganz woanders. Und wieder ein neuer König gekrönt und Zicken Zoff usw. kann es passieren das man dagegen abstumpft. Medien schreiben nur das was Schlagzeilen bringen, im Nachhinein können wir die eine oder andere Schlagzeile revidieren oder abändern. Und wer sucht die Schlagzeilen aus? Und wer darf die Wahrheit verschweigen und zu welchen Zweck?

    Fragen über fragen

  10. #10
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    Hi, horstgroße2,

    mir wird grad ganz schwurbelig im Kopf bei so viel Fragen auf einmal. Aber ich danke für deine Gedankensprünge zum Gedichtchen.

    (btw: Du bist ja gar kein Gedankenspringer mehr, zumindest nicht im Profil. Warum? Der Nick-Zusatz passte sehr gut zu deinem Kommentarstil)

    Lieben Gruß
    Rich
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    Loriot

  11. #11
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    Wenn selbst die Ironie ironisch sein muss kommen wir so ungefiltert raus als wären wir nur Filterkaffee und das Beiwerk ist je nach Haus und Tafelstil unterschiedlich. Aber was aus der Bohne hätte werden können werden ein paar rausgerutschte Versprecher weniger darstellen können als die immer weiter fortschreitende Kategorisierung unser Wahrnehmungseigenarten.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  12. #12
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    Lieber Terrorist,

    ich hab nicht die Bohne verstanden.
    Aaaber: Nachdem ich ein paar Kommata über deinen Kommentar verstreut und in die mMn passenden Stellen gefügt habe, hab ich zumindest schonmal den Satzbau verstanden. Darauf bin ich richtig ein bissle stolz.

    Liebe Grüße
    Richmodis
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    Loriot

  13. #13
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    Liebe Richmodis,

    mit gefällt Dein Gedicht sehr gut, vor allem die Idee mit der Vorratskammer finde ich originell,
    da man dort ganz andere Dinge vermutet.
    Die Mischung aus leicht und schwer gefällt mir ebenfalls, am Ende steht das Ciabattabrot für den mediterranen Touch.

    Einzig etwas verwirrt hat mich das "hammer" am Beginn, da diese sich nicht wiederholende verbale Flapsigkeit in recht großem Kontrast zum Restgedicht steht (da fände ich "hamm'wir" etwas besser, da es nicht ganz so kraftvoll wirkt).

    Aber das nur ein Vorschlag und soll bitte nicht als Kritik rüberkommen, ich empfinde Deine Verse als sehr neu und kreativ.

    Viele liebe Grüße von
    Georg
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    Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

  14. #14
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    Hi, Georg,

    zunächst einmal: Kritik ist ok; um diese zu bekommen, stelle ich die Texte ja ein; für mich ist das Wort gar nicht mehr -wie vielleicht bei den ersten Gehversuchen im Forum noch der Fall - so negativ besetzt.

    Im Zusammenhang mit unserem Wettbewerb Thema Farben fiel der spöttische Begriff "Betroffenheitslyrik" und Erklärungen, was daran missfällt; ich versuchs, sinngemäß wiederzugeben: Die üblichen Bausteine für ein Gedicht, das betroffen machen soll, "überzogen mit Schokoglasur" (sprich sauberen Reimen) ...

    Diese Sichtweise habe ich aufgegriffen und daraus ist dann ist dieses ironische Gedicht oben entstanden.

    Das "was hammer" passte m. E. in seiner rheinländisch gefärbten Flapsigkeit zum LyrIch, dass vorm Vorratsschrank steht und sich fragt: womit brau ich denn heute mein nächstes Gedicht für die Rubrik "Betroffenheitslyrik" zusammen? Wat hammer denn da noch so?

    So ist das entstanden. Und dein Vorschlag "was ham wir" bremst mir den Satz in der Mitte zu sehr aus und der flapsige Reim hammer/-kammer würde mir fehlen. Deshalb mag ich es lieber so lassen, wie es ist.

    Und vielen Dank fürs Lob.

    Lieben Gruß
    Richy
    Geändert von Richmodis (18.12.2018 um 06:34 Uhr)
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    Loriot

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