Thema: Schattenmann

  1. #1
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    Schattenmann

    Immer da, wenn du ihn brauchst,
    auch wenn du ihm oftmals misstraust.
    Längst nicht gut und nicht gemein,
    so bist du niemals ganz allein.

    Gut ist er, wenn dus nicht ahnst,
    leider kaum, wenn du es planst.
    Bei Krankheit hilft er dir hinaus,
    holt dich aus der Misere raus.

    Hinter der Hülle, da kommt er zu dir,
    macht sich dort breit, amtiert mit viel Gier.
    Der Schattenmann, er irritiert,
    klammheimlich und ganz raffiniert.

    Verzerrt die Wahrnehmung, macht dich gefügig
    und ist mit den Gaben stets, sehr grosszügig.
    Doch will er nicht, das du es klar siehst,
    die List von ihm, der du auch bist.
    Geändert von Daniela T. (10.01.2019 um 15:16 Uhr)

  2. #2
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    Das ist von der Struktur her ein typisches Anfängergedicht: Paarreim, keine erkennbare metrische Gestaltung, wenig inhaltliche Ausrichtung.
    (S4V2: stets, nach "Gaben" kein Komma)
    Die Aussagen, die über den titelgebenden Schattenmann gemacht werden, widersprechen sich, wie bspw. in S1V3 und S2V1, oder S3V2 und S4V2.

    An deiner Stelle würde ich den Text überarbeiten und folgende Fragen dabei beachten:
    Worüber möchte ich schreiben? Was ist mein Thema?
    Wie möchte ich schreiben? Welche Reime verwende ich, welche Wirkung könnten sie haben? Welche Vergleiche, Metaphern, Parodoxa oder andere Stilmittel möchte ich verwenden und warum? (Es hilft, an dieser Stelle die Wortfelder zu skizzieren: Du denkst an einen zentralen Begriff aus deinem Gedicht und sammelst verschiedene Wörter, die thematisch dazu passen, Adjektive, Verben, Kunjunktionen etc. Dann kannst du dir überlegen, welchen Begriff du dann tatsächlich nimmst, ob nicht ein Synonym besser wäre, ob du einen Begriff vlt umschreiben möchtest, oder metaphorisch umsetzen.)
    Möchte ich ein klassisches Gedicht mit einem Rhythmus schreiben (Empfehlung hierzu: Diese Rubrik, vor allem die angepinnten Threads)?

    Dieses Gedicht wirkt schnell zusammengeschustert, was der Verdienst der Formgestaltung (oder evtl. des Fehlens derselben) ist. Dem kannst du entgegenwirken, wenn du dir selbst klarmachst, was du wie und warum gestaltest.

    mfG

  3. #3
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    Hallo Dr. Üppig

    Vielen Dank für deine Rükmeldung,
    ich habe bei diesem Gedicht über meinen ganz persöndlichen Schattenmann geschrieben, welcher mir sowohl gutes als auch schlechtes tut, deshalb diese wiedersprüche. Ich werde versuchen dies besser umzusetzen und verständlicher zu gestalten. Kanst du mir, was die Metrik betrifft, vieleicht noch ein konkretes Beispiel machen. Dies würde mir sehr helfen um diese besser nachzuvolziehen. Vielen Dank im Vohrraus.

    Liebe Grüsse
    Daniela T.
    Geändert von Daniela T. (08.01.2019 um 14:59 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Daniela T.,

    ganz so negativ wie mein Vorredner sehe ich dein Gedicht nicht. Auch gibt es für mich nicht das typische Anfängergedicht.

    Immer da, wenn du ihn brauchst,
    auch wenn du ihm oftmals misstraust.
    Längst nicht gut und nicht gemein,
    so bist du niemals ganz allein.
    Immer da, wenn du ihn brauchst,
    auch wenn du ihm nur selten traust,
    fern von gut, doch nicht gemein,
    bist du doch niemals ganz allein

    Ansonsten wurden dir ja schon Vorschläge gemacht...wo Du dir weitere Informationen holen kannst.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #5
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    Auch von mir ein Hallo!

    Dachte mir, ich schreib mal, weil ich auch einen Schattenmann habe

    Also ich als "Normalleser" bin mit A.D einer Meinung. "Anfängergedicht" ist ja auch relativ. Das gibts wohl nur aus lyrischer Sicht. Moderne Gedichte sind ja - so weit ich mich jetzt schlau gelesen habe - sehr häufig Prosagedichte und frei gehalten. Und meiner Ansicht nach gibt es bei Menschen, die aus dem Gefühl heraus über ihr Gefühl schreiben keine "Anfänger". Ein Reimschema ist ja mit dem Paarreim vorhanden.. und ich denke, über Metrik/Metrum lässt sich streiten. Ich persönlich will es mal mit den "Regeln" versuchen.. aber letztendlich ist es wohl reine Geschmacksache. Der eine mag eben formell geregelte Lyrik.. der andere Prosagedichte. Mir persönlich sind Prosagedichte meist lieber.

    Die Kritik an Metrum/Metrik/Takt kann ich also nachvollziehen und an mancher Stelle finde ich den Takt auch nicht ganz stimmig, aber allgemein lassen sich die Zeilen für mich recht flüssig lesen.

    Wenn es rein um den Inhalt geht, bin ich aber ganz anderer Meinung als Dr. Üppig,
    daher meine Gedanken dazu:

    Das Gedicht ist für mich logischerweise auf den unkontrollierbaren, inneren "Schattenmann" ausgerichtet.

    Welche Vergleiche, Metaphern, Parodoxa oder andere Stilmittel möchte ich verwenden und warum?
    Auch hier würde ich sagen.. dass in dem Fall Parodoxa (Scheinwidersprüche mit tieferem Sinn) zum Stilmittel gehören. Meine wurden an anderer Stelle auch nicht als solche erkannt.

    Zum Inhalt:

    Immer da, wenn du ihn brauchst,
    auch wenn du ihm oftmals misstraust.
    Längst nicht gut und nicht gemein,
    so bist du niemals ganz allein.
    v1+2: Der Schattenmann ist immer da, auch, wenn man ihm oft misstraut. v3: Er ist längst nicht gut und nicht gemein (paradoxon). Er ist also weder das Eine, noch das Andere.. was auch verdeutlicht, dass er nicht greifbar ist.. und nach dem Gedicht weiss man ja auch, dass er beides sein kann.. und auch warum. v4: weil der Schattenmann immer da ist, wenn man ihn braucht.. ist man nie ganz allein.

    Gut ist er, wenn dus nicht ahnst,
    leider kaum, wenn du es planst.
    Bei Krankheit hilft er dir hinaus,
    holt dich aus der Misere raus.
    v1: siehe s1v3 - Der Schattenmann ist nicht gut, und nicht gemein.. also ein Zwischending bzw. mal dies mal das - aber gerade, wenn man nicht damit rechnet, ist er gut. v2: Wenn man hingegen plant, dass der Schattenmann gut sein soll, ist er es nur selten. v3+v4: Bei Krankheit kann dir der Schattenmann helfen.

    Also wenn, dann wäre für mich nur hier in S2v3+4 ein ungewollter Widerspruch, weil der Schattenmann ja weder gut, noch schlecht ist, aber hier der Eindruck entsteht, dass er immer aus der Krankheit helfen wird und somit im Krankheitsfall immer gut wäre. Zum Einen beißt sich das etwas mit den anderen Aussagen über den Schattenmann.. zum Anderen fällt es hier besonders auf, weil vorher noch gesagt wird, dass er kaum "gut" wäre, wenn man es plant.. und gerade bei Krankheit würde ich davon ausgehen, dass man einen "guten" Schattenmann planen würde. Trotzdem könnte man natürlich die Aussage, dass er im Krankheitsfall immer gut ist auch so hinnehmen ^^

    Hinter der Hülle, da kommt er zu dir,
    macht sich dort breit, amtiert mit viel Gier.
    Der Schattenmann, er irritiert,
    klammheimlich und ganz raffiniert.
    v1+2: Hinter der Hülle, also tief in dir.. als Gefühl.. kommt er zu dir. Das Gefühl nimmt dich ein, was v3: irritieren kann und v4: unbemerkt vonstatten geht.

    Verzerrt die Wahrnehmung, macht dich gefügig
    und ist mit den Gaben, stehts sehr grosszügig.
    Doch will er nicht, das du es klar siehst,
    die List von ihm, der du auch bist.
    v1: Das Gefühl (der Schattenmann) kann die Sicht auf die Dinge verändern (evtl. sogar im wahrsten Sinne des Wortes die Wahrnehmung verändern.. optisch, akustisch, etc..) und dich gefügig machen (z.b. starr vor angst/vor liebe blind/durch innere Stimmen).. und v2: das Gefühl ist stets ein starkes, da der Schattenmann in dem Fall eben starke Gefühle schenkt (evtl. auch hinweisend auf Hochsensibilität). v3: Aber diese starken Gefühle werden evtl. unbewusst ausgelöst und nicht erkannt. v4: Das ist die List des Schattenmannes, der auch du bist. Also auch das Ende finde ich gelungen, weil es zusammenfasst, dass der beschriebene Schattenmann in einem selbst steckt.. er ist also z.B. als Unterbewusstsein oder als unterbewusstes Gefühl zu verstehen.. oder auch als nicht kontrollierbares Gefühlschaos.

    -------------

    Zusammengefasst.. kann ich also nicht verstehen, wie man rein auf den Inhalt bezogen auf "wenig Ausrichtung" kommt, oder nicht beabsichtigte Widersprüche an den von Dr.Üppig genannten Stellen sieht. Wenn überhaupt, dann sehe ich einen Widerpsruch in S2v3+4.

    Auf Rechtschreibfehler wurde ja bereits hingewiesen. Den Änderungsvorschlag von AD find ich auch gut.
    Da ich selbst am üben bin, was Metrum(Takt) angeht, mache ich dazu keine Aussage. Ging mir jetzt nur um den Inhalt.
    Aber ich denke, es fällt dir auch auf, dass der Leserhythmus in s3 und s4 ein anderer ist, als in s1+s2

    Beste Grüße,
    Lightning
    Geändert von Lightning (09.01.2019 um 21:09 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  6. #6
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    Hallo Lightning,
    Vielen Dank für deine Rückmeldung. Diese hat mir gezeigt das ich doch nicht so sehr missverstanden wurde, wie es anfangs den Anscheine hatte. Die Aussage es sei ein Anfängergedicht ist so nicht falsch, denn dies war erst mein zweites Gedicht.

    Freundliche Grüsse
    Daniela T.



    Hallo A.D.
    Auch dir ein herzliches Dankeschön. Was die Metrik betrifft werde ich weiter üben und hoffentlich bald ein solides Grundwissen erlangen können.

    Freundliche Grüsse
    Daniela T.
    Geändert von Daniela T. (10.01.2019 um 15:14 Uhr)

  7. #7
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    Hallo Daniela!

    Gern geschehen. Also rein inhaltlich brauchst du dir zumindest aus meiner Sicht bei diesen Zeilen keinen Kopf machen. Was Metrik betrifft, wirst du hier im Forum sicher Hilfe bekommen, wenn du daran arbeiten möchtest. Bin auch erst seit Kurzem hier, aber was das angeht, freut es mich zu sehen, dass bisher fleissig geholfen wurde Zudem sind auch diverse Beiträge mit Erklärungen zum Thema Metrik zu finden. Wenn du dich darüber informiert hast, kannst du ja noch immer entscheiden, ob du dich den Regeln beugen möchtest, oder einfach so über Prosagedichte (frei gestaltet, ohne Regeln) deine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen willst. Ich werde wohl zukünftig beides machen.

    Aber was ich eigentlich loswerden wollte:

    Wenn du bei den von mir genannten Zeilen in Strophe2 Vers3+4 auch einen ungewollten Widerspruch sehen solltest..
    also in den letzten 2 Zeilen hier:

    Gut ist er, wenn dus nicht ahnst,
    leider kaum, wenn du es planst.
    Bei Krankheit hilft er dir hinaus,
    holt dich aus der Misere raus.
    wäre der Widerspruch eigentlich schon beseitigt, wenn du "Bei Krankheit hilft er dir hinaus" zu "Bei Krankheit hilft er oft hinaus" abändern würdest. Dann würde der Schattenmann bei Krankheit "oft" helfen.. aber nicht "immer". Wäre bezüglich Metrum(Takt) auch keine Änderung. Wie gesagt, halte ich mich bezüglich Vorschlägen was Metrum betrifft noch zurück, weil ich diesbezüglich selbst noch lerne. Daher auch keine größeren Änderungsvorschläge bezüglich der Worte von mir. Soll nur ein Bsp. dafür sein, wie du mit einem kleinem Wörtchen die Aussage ändern kannst.

    Liebe Grüße,
    Lightning
    Geändert von Lightning (10.01.2019 um 16:35 Uhr)
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  8. #8
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    @ Daniela T.:

    Wenn man sich das Metrum anschaut, stellt man fest, dass du in der 1. Strophe mit einem relativ sauberen Trochäus (bentont-unbetont) anfängst, diesen aber nicht durchhältst.
    Allgemein sollte man sich bei metrischen Gedichten um Konsequenz in der Formgestaltung bemühen; das bedeutet nicht unbedingt, nur ein Metrum zu verwenden (oder es möglichst genau einzuhalten), sondern sich Gedanken über die rhythmische Auswirkung der metrischen Form zu machen.
    Konkret betrachtet ist deine 1. Strophe schon relativ flüssig alternierend gestaltet, aber im 2. Vers schlägt mir ein Orkan an Betonungen entgegen. Mit einer Formulierung wie z.B. "Selbst wenn du ihm oft misstraust" wäre der Vers wieder alternierend und könnte auch als trochäisch durchgehen.

    In der 3. Strophe wechselst du in den ersten beiden Versen zum Daktylus (betont-unbetont-unbetont); ein Metrumwechsel ist an sich nicht verboten oder sowas, sollte aber im Idealfall ebenfalls bewusst und zielgerichtet angewendet werden, und sei es ein subjektiv besserer Klang.


    @ Lightning:
    Zitat Zitat von Lightning
    Auch hier würde ich sagen.. dass in dem Fall Parodoxa (Scheinwidersprüche mit tieferem Sinn) zum Stilmittel gehören.
    Seltsam, ich war fest davon überzeugt, dass ich das ebenfalls so sehe. Habe ich das auch so gesagt? Aber ja:
    "Welche Vergleiche, Metaphern, Parodoxa oder andere Stilmittel möchte ich verwenden und warum?"


    Zitat Zitat von Lightning
    Zusammengefasst.. kann ich also nicht verstehen, wie man rein auf den Inhalt bezogen auf "wenig Ausrichtung" kommt, oder nicht beabsichtigte Widersprüche an den von Dr.Üppig genannten Stellen sieht.
    Nun, wenn ich sage, dass ich weder gut noch schlecht sei, aber ein paar Verse weiter sage, dass ich doch gut bin, dann ist es aus meiner Sicht ein offensichtlicher Widerspruch. Oder wenn jemand "stets grosszügig" ist, wo er doch "mit viel Gier" im Amt ist (wobei man sich da fragen könnte, im welchen Amt).
    Aber ich schreibe dir nicht vor, wie du etwas betrachtest und interpretierst, deine Meinung ist deine und meine ist meine. Vielleicht treffen wir uns ja (hier oder bei anderen Texten) mal in der Mitte.

    mfG

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