Thema: Schrank

  1. #1
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    Schrank

    .
    .
    Die

    Da ist nichts mehr, nur dieser Schrank,
    er birgt verzerrte Sehnsuchtsbilder ...
    da war so viel - nun nichts, was ich
    () noch
    wahrhaft wünsch, (und nichts, was ich noch will).
    Nur diesen Schrank geb ich nicht her!

    Da war nie was, nur dieser Schrank:
    Da passte gar nichts rein: Nicht Du -
    und keine eine der Geschichten, (die ich schrieb,
    die Du ja nie gelesen hast,)
    doch gebe ich den Schrank nicht her!

    Da ist nun nur noch dieser Schrank,
    geschichtenleer und frei von Dir -
    den schau ich an, wenn etwas schmerzt,
    wie es wohl schmerzte, als Du gingst

    -

    verdammter leerer Schrank.

    .
    .
    Geändert von linespur (18.12.2018 um 20:23 Uhr)
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    Jean Paul Sartre

  2. #2
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    Hallo Nina,

    Inhalt:

    der Schrank dient hier als Projektionsfläche für Erinnerungen an eine Person, zu welcher eine emotionale Bindung bestand. Grundsätzlich ist die Verknüpfung von Gegenständen und Erinnerungen an emotional konnotierte Situationen eine der Fundamente von Nostalgie und Sentimentalität.

    Da Gegenstand und Erinnerung verknüpft sind, löst der Gegenstand als Schlüsselreiz die Bewusstwerdung der Erinnerung und die damit verbundene "Kaskade der Gedanken" aus. Dieser Vorgang wird im Gedicht geschildert, wobei sich der Text stilistisch einem etwas schnoddrigen „Plauderton“ bedient.

    Auffällig sind diese Phrasen:

    Da ist nichts mehr
    da war so viel (These)
    ...
    Da war nie was (Antithese)
    Da ist nun nur noch dieser Schrank


    Strophe1 bildet eine These (da war so viel) und Strophe2 stellt dem eine Antithese gegenüber (Da war nie was). Scheinbar reflektiert das lyrische Ich noch darüber, was denn nun war oder nicht. Nichts kann ja nicht gewesen sein, denn sonst wäre da kein Schmerz und der Schrank wäre wohl auf dem Sperrmüll gelandet.

    Eindruck:

    Der Autor bemüht sich um einen ungezwungenen Texteindruck. Dieser Eindruck wird durch den Plauderton, die Klammern und die Form verstärkt. Als Leser kann man sich relativ gut vorstellen was dem lyrischen Ich durch den Kopf geht. Die Verknüpfung von Gegenstand und Erinnerung ist ein „typischer Effekt“. Auf diese Weise wird der Schrank zum Gegenstand mit sentimentalem Wert.

    Ich kann nicht sagen, dass mich der Text vom Hocker hauen würde. Er strahlt eine gewisse „sachliche Schnoddrigkeit“ aus und bläst einem eine schwache Brise Wehmut um die Ohren. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das nun gefällt. Der Text streift das Banale und wirkt etwas schwach auf der Brust.

    grüße
    geo
    Geändert von GEO (19.12.2018 um 20:07 Uhr)
    ich kann mich nicht selbst terminieren, ihr müßt mich in den Stahl hinablassen. [Terminator T-800]

  3. #3
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    Nicht Du -
    und keine eine der Geschichten, (die ich schrieb,
    die Du ja nie gelesen hast,)
    doch gebe ich den Schrank nicht her!
    Liebe Nina,

    das ist der wunde Punkt der Lyrik - nicht gelesen zu werden.

    Das erste Gedicht, das ich auswendig lernte, war Nikolaus Lenaus "Herbst". Ich lernte es nur, um meine damalige Freundin zu beeindrucken, doch erst heute kapiere ich den Sinn.
    Es lebe die Poesie! Es lebe Aron Manfeld!

  4. #4
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    Das erste Gedicht, das ich auswendig lernte, war Nikolaus Lenaus "Herbst". Ich lernte es nur, um meine damalige Freundin zu beeindrucken
    Bei mir was es umgekehrt; ich wollte einst den Nikolaus mit meiner damaligen Freundin beeindrucken...

    Wenn wir schon mal beide hier sind, Aron:

    wahrhaft wünsch, (und nichts, was ich noch will)
    Da machte die gute linespur den gleichen Fehler wie Du

    Aber ansonsten ist das ein sehr schönes, ein gut durchdachtes Gedicht

    klar könnte man manches auch anders formulieren...das ist dann aber nicht unbedingt besser...sondern nur anders...
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #5
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    Da machte die gute linespur den gleichen Fehler wie Du
    Mal sehen, ob Lina Dich da eines Besseren belehren kann.
    Es lebe die Poesie! Es lebe Aron Manfeld!

  6. #6
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    Oh je, das ist einer der Dingse, bei denen ich vergessen habe, sie überhaupt geschrieben zu haben. Dammed :P

    Du willst ein Das an der Stelle, AD? Ob das Was wirklich falsch ist, weiß die Kindstimme, die das da oben gemacht hat, ganz bestimmt nicht, schmunzel. Ich persönlich gehe da eher mit Geo: Das haut nicht vom Hocker und darum will ich es auch gar nicht verteidigen, oder dazu großartig argumentieren. Können wir es nicht mit einem milden Lächeln einfach vergessen?

    Wobei, eins möchte ich vielleicht noch anmerken:
    Es gibt tausend Gründe, zu schreiben und tausende Gründe, etwas auswendig zu lernen; und egal, wie banal diese Gründe auch sein mögen: Man hat geschrieben, gelesen und gelernt und der Beweggrund dahinter ist total egal. Die Qualität (nicht zu verwechseln mit der Banalität) hingegen ist es leider nicht, aber man kann trotzdem bemüht sein, auch aus den banalsten Dingen etwas für sich mitzunehmen (oder für andere). Ist das nicht wundervoll?

    Liebe Grüße
    Nina
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  7. #7
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    Das haut nicht vom Hocker und darum will ich es auch gar nicht verteidigen, oder dazu großartig argumentieren. Können wir es nicht mit einem milden Lächeln einfach vergessen?
    Im Umkehrschluss will unsere Nina sagen, all die anderen Gedichte seien hervorragend - von dieser Rhetorik kann sogar ich noch lernen.
    Es lebe die Poesie! Es lebe Aron Manfeld!

  8. #8
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    Schmunzel, ich wusste gar nicht, dass unser Aron ein zickiges Mädchen ist Ich will damit lediglich sagen, dass mir obiges nicht mehr sehr gefällt; falls ich das darf...
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