1. #1
    Registriert seit
    Jan 2017
    Beiträge
    1.530

    Versunken - Die Trilogie

    I.

    Ich irre durch einen sterilen Wald:
    Es riecht nach Desinfektionsmittel
    und jeder Baum ist durchnummeriert.

    Holzfällerhemden tragende Drohnen
    fliegen summend an mir vorbei
    und mechanische Vögel zwitschern
    mir Werbejingles in die Ohren.

    Synthetischer Tannennadelduft
    löscht all meine Erinnerungen daran,
    wie echte Bäume riechen sollten.

    Etwas raschelt im Unterholz
    und zieht mich ins Dickicht...



    II.

    und plötzlich stehe ich
    unter einem Himmel
    voller brennender Zeppeline,
    halte ein winziges
    Cocktailschirmchen in der Hand
    und versuche, mich damit
    vor herabstürzenden Wrackteilen
    zu schützen.

    Auf einem Bahngleis
    liegt ein fremder Mann
    und winkt mir zu.
    Ich lege mich zu ihm
    und gemeinsam meckern wir
    über die Unpünktlichkeit
    der Deutschen Bahn.


    Das Gleisbett unter mir verflüssigt sich
    - ich versinke...



    III.

    und finde mich
    inmitten einer Menschenmenge wieder.

    Eine Art Parade scheint durch die Straße zu ziehen.
    Alle Menschen tragen Affenmasken
    und folgen tanzend einem Festwagen,
    auf dem eine gigantische Pappfigur steht.
    Sie ist so groß, dass ich meinen Kopf
    weit in den Nacken legen muss,
    um ihr Gesicht erkennen zu können.

    Doch bevor mir das gelingt,
    landet eine Hand hart auf meiner Schulter
    und reißt mich zurück.

    "Was machst du hier?"

    Die Stimme hinter der Affenmaske
    klingt vertraut und befremdlich zugleich.

    "Du gehörst hier nicht hin!"


    Mit einem Ruck reißt er
    ein Stück aus dem Gehweg,
    packt mich am Kragen
    und schleudert mich unsanft
    in das frisch entstandene Loch.

    Alles wird schwarz
    und ich falle...


    Fortsetzung folgt...

  2. #2
    Registriert seit
    Oct 2009
    Beiträge
    578
    -

    Hallo klaatu,


    ist mir deine Trilogie zu übererzählt und mMn einzig auf der Stelle stehend bleibend, [ ein deko_Bild nach dem anderen, ohne tatsächlich LI-Gründe zu deutlichen ]

    mMn würden drei Zeilen alles widerspiegeln, LI’s Leere um sich [ und zu sich selbst ] zu greifen ...


    mal meine Inspiration _____________ :



    ... zieht mich ins Dickicht [ eine Hand ]

    über mir drohnen Himmel, stürzt herab

    ein Loch menschenleer, ich mitten drin


    -----------------------------------------------------


    einen Gruß, Dochtel


    -
    Streichholz am Docht, Vorsicht ...

  3. #3
    Registriert seit
    Jan 2017
    Beiträge
    1.530
    Hi Dochtel,

    im Grunde passiert ja im ganzen Text überhaupt nichts. Das LI taumelt von einem Bild ins nächste, ohne dass etwas erklärt oder aufgelöst wird und durch das "Fortsetzung folgt" am Ende werden alle möglichen Antworten auf ein undefiniertes "später" verschoben. Von daher finde ich es eher UNTERerzählt

    LG
    k

  4. #4
    Registriert seit
    Oct 2009
    Beiträge
    578
    -

    Zitat Zitat von klaatu Beitrag anzeigen
    Hi Dochtel,

    im Grunde passiert ja im ganzen Text überhaupt nichts. Das LI taumelt von einem Bild ins nächste, ohne dass etwas erklärt oder aufgelöst wird und durch das "Fortsetzung folgt" am Ende werden alle möglichen Antworten auf ein undefiniertes "später" verschoben. Von daher finde ich es eher UNTERerzählt

    LG
    k


    Hallo klaatu,



    deine auf den Punkt gebrachte meta_Ebene dahinter gefällt mir exzellent ,

    genau, so in etwa schmeckte ich hier die fetten Bilder, trotz ihrer Anwesenheit [ für sich alleine finest ], kam aber nicht auf deine gebundene Konklusio … tatsächlich, ist der LI-Bezug untererzählt, das ist es, und damit wird LI quasi rückbezüglich konturiert.


    Danke für deine gewinnbringende Antwort, einen Gruß Dochtel …


    -
    Geändert von Dochtel (20.12.2018 um 15:02 Uhr)
    Streichholz am Docht, Vorsicht ...

  5. #5
    Registriert seit
    Jan 2017
    Beiträge
    1.530
    Moin!

    Die ursprüngliche Idee war einfach, dass ich als LI durch verschiedene Bilder meines Unterbewusstseins rausche, ohne jemals anzukommen.

    LG
    k

  6. #6
    Registriert seit
    Nov 2009
    Ort
    Neu Paris, Exberlin, Virtualondon
    Beiträge
    10.791
    Auf den Nährwert hin sehr unüberprüfbar. Aber mal wieder Bewegung anhand virtueller Physik durch Ereignisse die sich dahin zuspitzen wo alles entweder nichts oder alles sein muss weil sonst die Deutsche Bahn und Cocktailschirmchen von Überarbeitung zeugen würden als Ausrufezeichen von etwas das du dir aus dem Leib schreiben willst.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  7. #7
    Registriert seit
    Nov 2011
    Beiträge
    1.013
    Hallo klaatu,
    es ist sozusagen untererzählt, weil es keine Geschichte erzählt, sondern einen Bilderverlauf, den ich mir als ineinanderfließendes Triptychon von Dali vorstellen könnte, in Form von synästhetischen Assoziationen; das lI tut nicht, es ist, fällt/fließt von Bild zu Bild, und nimmt wahr eine surreale Welt einer nicht allzu fernen Dystopie mit teils schon apokalyptischen Anlügen: der künstliche Wald mit synthetischen Bäumen und mechanischen Tieren, der brennende niederstürzende Himmel. Vor einschüchternden bedrohlichen Ansichten ergibt sich eine gemischte Aufgeregtheit, die aber trotzdem nicht ins panische Chaos verfällt, sondern stehenbleibt ob der Unfassbarkeit des Gewaltigen. Und doch gerade darin schaffen es dann auch extreme Kontraste (mit dem Cocktailschirmchen gegen Wrackteile) und Erwartungsbrüche, die mit allzu wahren Banalitäten ganz unsere Realität zurückrufen (die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn), einen klugen und angemessenen Ton an Humor zu erzeugen, der nicht zu krampfhaft, zu albern Heiterkeit erzwingt. Im Gegensatz dazu wird es dann am Ende nochmal regelrecht düster, spannend und rätselhaft: Wer ist die Stimme und Hand, die den Gehweg reißen kann und das Ich hineinschleudert? Und plötzlich ist es schwarz und man wartet gespannt ab, welche Szene(rie) folgt dem als Nächstes, welcher bizarre Ort wird sich in der Finsternis, in dem Unten auftun? ... Oder vielleicht nach dem Fall durch Schwarz wacht Ich auf. War nicht vielleicht doch nur alles eine untraumhafte Traumwelt? Eine Fantasie des Unterbewusstseins; du schreibst, durch dieses rauschen, lass sagen, ein Rausch, expressionalistischer Realisation - oder Irrealisation?; mit Mechanik, dem Zeppelin, der Gewalt in dessen Brand und Sturz, mit der Erwähnung der Bahn ist auch in die Kerbe des Futurismus, obwohl letztere mit ihrer Verspätung das schon wieder konterkariert. Damit sind wir dann um die 100 Jahre vorher gelandet von Vorkriegszeit bis Vorkriegszeit, Zeiten ohne äußere Wirklichkeit, sodass in Rausch und Traum eine andere gefunden werden muss, die aber auch nicht standfest ist und keinen Halt bietet, um zu bleiben. Also starten wir hineingeworfen in medias res und Enden hineingeworfen unabgeschlossen. Das Nicht-Wissbare, was folgen wird, ist schließlich die äußerste Form keiner äußerer Wirklichkeit, es ist nicht, noch nicht. Und darum überlege ich mir jetzt auch keinen alles abrundenden Schlusssatz, damit ich noch weiter schreiben könnte

    Obstipui steteruntque comae et vox faucibus haesit
    Vergil: Aeneis III, 48

    Ich erstarrte, meine Haare standen zu Berge.
    Und die Stimme blieb stecken mir im Hals.

  8. #8
    Registriert seit
    Sep 2013
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    2.504
    Also
    .......mir
    ............gefällt
    ....................diese Geschichte,
    .............,,,,,,,,,,,,,,,......Vision,
    ...........................................dieser Traum.

    Ich möchte wissen
    ..........................wie
    ................................das oder es
    ........,........."..........................weitergeht oder gar ausgeht
    ..............................................................................wohin auch immer
    "......................................................................................und mit wem das oder es auch sei

    frohes fest
    Genau so, oder eben ganz anders!

  9. #9
    Registriert seit
    Jan 2017
    Beiträge
    1.530
    @ Blobstar

    Auch ohne abrundenden Schlusssatz habe ich deine Ausführungen gerne gelesen. Schön, dass du diese kleine Odyssee mitgemacht hast!

    @ Artname

    Ich weiß noch nicht, ob es weitergehen wird. Es wird wohl eher auf einen Zwillingstext mit dem Titel "Aufgetaucht" hinauslaufen.

    LG
    k

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. versunken
    Von Walther im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 26.10.2012, 14:52
  2. Versunken
    Von Merlin* im Forum Erotik
    Antworten: 15
    Letzter Beitrag: 27.02.2011, 15:01
  3. Versunken
    Von Poesie im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 27.10.2009, 19:46
  4. versunken
    Von Eric16 im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 26.05.2008, 17:13
  5. Versunken
    Von Stefanie im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 20.09.2006, 10:15

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden