1. #1
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    wie lange arbeitet ihr an einem Gedicht? Was ist Qualität?

    Hallo,

    • Frage A: wie lange arbeitet ihr durchschnittlich an einem Gedicht? (bevor ihr es postet)
    • Frage B: Was bedeutet euch der Begriff "Qualität" im Zusammenhang mit Lyrik?
    • Frage C: Wie beurteilt ihr die durchschnittliche Qualität der Gedichte im Forum? (1 = extrem schlecht bis 10 = sehr gut)

    lg,
    geo
    ich kann mich nicht selbst terminieren, ihr müßt mich in den Stahl hinablassen. [Terminator T-800]

  2. #2
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    Hallo Geo,

    zu Frage C müsste ich mir mal die Gedichte, die in einem bestimmten Zeitraum gepostet wurden (vielleicht eine Woche?), genauer anschauen, um zu einer vernünftigen Einschätzung zu kommen. Das Angebot finde ich jedenfalls bunt gemischt von 1 bis 10.

    A: Abgesehen von einigen Spontangeburten im Trashbereich, die immer mal wieder vorkommen, mindestens zwei bis drei Tage. An meinen Lieblingsprojekten sitze ich aber wesentlich länger, manchmal Monate (mit Pausen dazwischen). Manches überarbeite ich auch noch nach Jahren.

    B: Originelle oder zumindest ansprechende Idee, gut durchdachtes Konzept, sprachlich und handwerklich sauber, stimmige Bilder


    Und wie siehts bei Dir aus?

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (23.12.2018 um 13:24 Uhr)
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  3. #3
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    Hallo Claudi,

    Und wie siehts bei Dir aus?
    A: In der Regel wird ein Gedicht nie richtig fertig. Manchmal liegt es auch Jahre herum und dann verwerfe ich wieder Verse oder Strophen und füge Änderungen ein. Ich habe da eine sehr drastische, fast fundamentalistisch, radikale Einstellung zum Thema Qualität versus Quantität. Ich finde es besser 1 gutes Gedicht zu schreiben als 100 Mittelmäßige. Gottfried Benn hat einmal sinngemäß gesagt, dass ein Gedicht nur gut sein kann, denn sonst besteht es nicht (alles oder nichts --> herausragend oder wertlos). Gut möglich, dass ich nach dieser Definition noch gar nichts geschrieben habe. Aber ich bin ja noch jung...

    B: Qualität bedeutet für mich, dass die Bilder stimmig sind und das kein Reim und kein Metrum den Inhalt torpedieren darf. Wenn man das Gedicht (seinen thematischen Inhalt) in Prosa umwandelt, dann muss etwas Entscheidendes wegfallen. Nur dann ist es überhaupt etwas wert. Viele Gedichte erfüllen diesen Anspruch nicht. Hier hat man das Gefühl der Inhalt wird gewaltsam in eine lyrische Form gepresst (ohne Sinn und Verstand). Darüber hinaus gibt es etwas ganz Entscheidendes: Ich will es mal die "lyrische Essenz" nennen. Diese Essenz bildet eine Brücke zwischen verbal und nonverbal und zwischen verstehbar und rätselhaft. Ich bin eigentlich beim Lesen von Lyrik immer auf der Suche nach dem Rätselhaften. Das Rätselhafte ist hier kein Synonym für "kryptisch". Manchmal ist es einfach ein vages Gefühl, dass durch nichts erklärbar ist. Dieses Gefühl bleibt nach dem Lesen übrig, als würde ein Geruch durch das Zimmer streichen. Die Sinne spielen hier auch eine besondere Rolle.

    Ich freue mich immer sehr, wenn ich mal etwas Lesenswertes finde. Das ist wie die Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen.

    C: Wenn ich die Qualität aufsummieren und durch die Anzahl der Gedichte teilen würde, so würde ich ganz grob auf Stufe 1 bis 2 kommen. Leider gefällt mir fast gar nichts. Allerdings geht mir das auch mit Lyrikern so, welche berühmt sind. Selbst große Dichter haben nur ganz wenige gute Gedichte verfasst (da bin ich ebenfalls mit Gottfried Benn auf einer Linie).

    Lg
    geo
    Geändert von GEO (29.12.2018 um 20:51 Uhr)
    ich kann mich nicht selbst terminieren, ihr müßt mich in den Stahl hinablassen. [Terminator T-800]

  4. #4
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    A: Kommt auf den formalen Schwierigkeitsgrad, das Thema und die Intuition zu Beginn an. Sicher immer mehrere Tage und wenn es "fertig" ist, wird mindestens einmal drüber geschlafen. Am liebsten lege ich es dann noch jemandem vor, der ein kritisches Auge drauf wirft und dann beginnt alles wieder von vorn. Aus etwas Abstand, z.B. ein halbes Jahr später, ändere ich oft auch nochmal dies und das. Ich sehe das Forum jedoch als Arbeitsraum, deshalb poste ich auch mal was, das ich zwar okay aber jetzt nicht über alle Zweifel erhaben finde. Formal hingegen muss es hinkommen.

    B: Erstmal dass ich eine formale Absicht darin erkenne, z.B. Reimschema oder ungereimt (dann bitte aber auch keine Zufallsreime), einem Metrum folgend oder freie Verse. Gegenüber der Aussage "ich schreibe halt nach Gefühl oder aus dem Bauch raus" bin ich etwas skeptisch, und von solchen Gedichten lasse ich dann einfach die Finger, weil ich finde, ein Kommentar sei eh sinnlos. Dann erwarte ich eine nach bestem Wissen und Können verwendete Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion (falls man eine verwendet). Mich nervt z.B., dass hier (auch bei Kommentaren) so nachlässig mit "das/dass" umgegangen wird. Wer sich für Sprache interessiert, sollte sich auch über die Bedeutung der verwendeten Wörter bewusst sein. Es sollten keine penetranten Wortwiederholungen drin sein (ausser sie sind ein Stilmittel) und auch keine offensichtlichen Füllselwörter, die man im normalen Sprachgebrauch nie und nimmer verwenden würde. Inhaltlich finde ich es schwierig, eine Qualität zu definieren. Sicher sollten verwendete Bilder zueinander und zum Thema passen. Wenn mich ein 8-Zeiler von der Tiefsee über den Vulkan zum Hochhaus katapultiert, ohne die Bilder in einen Zusammenhang zu bringen, ist das mMn keine gute Qualität. Nicht alles was beim Lesen "schön" klingt, ist automatisch auch qualitativ gut. Wenn ich z.B. am Ende nicht in eigenen Worten widergeben könnte, was ich eigentlich gelesen habe, ist es einfach Wohlklanggeschwafel. Ein lustiges Gedicht hat aber ganz andere inhaltliche Anforderungen (Pointe, Aufbau von Spannung etc.) als ein romantisches, in das ich lesend eintauchen will.

    C: Dazu möchte ich mich nicht mit einer Ziffer äussern, ich finde aber, dass zumindest formal die Qualität der Gedichte insgesamt in den letzten zwei Jahren eher gesunken ist und dass es hier immer mehr um Meinungsaustausch zu irgend einem Thema oder um Persönliches geht als um lyrische Weiterentwicklung. Ausnahmen bestätigen die Regel!
    LG gugol
    Geändert von Gugol (30.12.2018 um 16:21 Uhr)

  5. #5
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    A: Von bis. Ich schreibe manchmal Vierzeiler im 5 Minuten-Takt.. die dann immer wieder bearbeitet oder ausgebaut werden. Manche geben mir nach 5 Minuten schon genug, um sie stehen zu lassen wie sie sind.. manche begleiten mich seit Jahren und werden immer wieder umgeschrieben, wenn ich sie ausgrabe. Bisher habe ich aber auch nur für mich geschrieben. Jetzt, da ich als Unwissender erfahren durfte, dass es erlernte Metrik beim Schreiben gibt.. wird wohl - sobald ich durchblicke - nach und nach nochmal alles überarbeitet.

    B: Für mich als "Normalleser" hat ein Gedicht Qualität, sobald es mich berührt. Dies kann durch geschenkte Bilder geschehen, aber auch einfach durch ein Gefühl, das dank der Worte entsteht. Ob gereimt, ungereimt und/oder metrisch, ist mir dabei eigentlich völlig egal. Lieber Gefühl, als grammatische Perfektion. Auch mehrdeutige Gedichte finde ich super. Also Gedichte, in welchen man immer wieder neue Gedankengänge findet, je länger man die Zeilen liest.. vor allem, wenn dies vom Verfasser auch wirklich so gewollt ist. Sinn sollte ein Gedicht natürlich auch ergeben.

    C: Für eine Meinung dazu, bin ich noch nicht lange genug hier.. aber die bisher gelesenen Gedichte gehen für mich von 1 bis 9. Ich denke, so wird es vielen gehen? Weil es hier einfach so unterschiedliche Zeilen gibt. Eine 9 hätte ich aber bisher nur 2-3 Gedichten gegeben. Da musste ich mir jeweils ein Tränchen verkneifen. Bei einer 10 könnte ich mir nichts verkneifen.. egal, ob Lachen oder Weinen

    LG, Lightning
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  6. #6
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    Zu A. Forenverse selten länger als einen Tag. Dann lasse ich diese Texte ruhen. Zum Beispiel hier. Denn ihre Zwecke sind zunächst erfüllt. Balance der Gefühle und Anregungen aus Feedbacks zu suchen. Da ich täglich schreibe, kann ich gut sagen, ich schreibe mein Leben lang an den Strophen eines Gedichtes...

    Zu B. Qualität bedeutet ja einerseits Merkmale und andererseits Güte der Merkmale. So gesehen finde ich die Qualität dieser Frage sehr gering. Tja, was bedeuten mir die Merkmale eines Gedichtes und was ihre Güte? Meine Güte

    zu C. Es gibt einige wenige Dichter, die ich hier regelmäßig und gern lese. Die anderen behandle ich wie Speisen, die mir beim ersten Mal nicht schmeckten. Gelegentlich koste ich später nochmals, meistens ohne dass sich mein Geschmack ändert. ABER: Ich brauche diese Kostproben, um zu spüren, wie ich um keinen Preis schreiben möchte. Vermutlich einfach nur, weil ich einen anderen Geschmack habe.

    ----

    Mich interessiert eigentlich nicht das einzelne Gedicht. Mich interessiert die typische Ausdrucksweise der einzelnen Menschen. Ihre Lust und Fähigkeit, Details ihre Wahrnehmungen mitzuteilen.
    Rätselhaft erscheinen mir so gesehen alle Gedichte. Sinngedichte ohne Sinn für Details genauso wie detailierte Darstellungen ohne Sinn für Sinn. So wie ich mein ganzes Leben vermutlich an nur einem Gedicht schreibe, so liebe ich vor allem kurze Gedichte, die ein einziges Ding so behandeln, als müsse man ihm eigentlich eine dicke Biografie widmen.

    Ein glückliches 2019
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  7. #7
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    hallöle, da will ich auch mal auf deine drei fragen antworten, weil die mich nämlich auch immer ziemlich bei anderen interessieren, muss ich sagen. ob das so gesund ist, weiß ich allerdings auch nicht.

    also zu frage a) für mich ist ein gedicht nie so richtig richtig richtig fertig. also klar, wenn das grundgerüst steht, dann sind es nur noch Kleinigkeiten, die man ab und an mal ändert, aber das mache ich dann auch regelmäßig. manchmal schaue ich mir gedichte von vor einem viertel jahr an und denke mir so "na hoppala, was hast du denn hier für einen Wirrwarr zusammengeschrieben, das muss ich erstmal überarbeiten, bis ich das jemandem zum lesen geben kann." also joah haha, das ist bei mir unterschiedlich. dazu kommt, dass ich mit meinen gedichten oder texten eigentlich nie richtig zufrieden bin und immer irgendwas zu meckern und zu verbessern habe. wär für mich schon mal interessant zu wissen, ob nur ich so komisch bin.

    zu frage b) ich finde bei Lyrik allgemein, dass es einen enormen unterschied zwischen Qualität und Quantität gibt. ich liebe beispielsweise vier-Zeiler, genauso gut wie einen sehr gut geschriebenen vier-Zeiler kann ich aber auch ein gedicht mit sieben Strophen finden. also es kommt hierbei echt immer auf das gedicht oder den text an sich an.

    und zu c) da ich noch nicht allzu lange (zwei tage, na ups) auf dieser Plattform unterwegs bin, muss ich leider sagen, dass sich die antwort zu dieser von dir gestellten frage in der nächsten zeit noch herausstellen wird.


    gruß von mir!

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