Thema: Harte Hunde

  1. #1
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    Harte Hunde

    Ist die Kolik nur Symbolik
    dass man zu viel Fettes aß?
    Sind die Schmerzen nah am Herzen
    mehr als Sturm im Wasserglas?

    Hat das Pochen unterm Knochen
    einen ganz bestimmten Grund?
    So ein kleines Ziehn des Beines
    ist noch lange kein Befund.

    Kommt das Keuchen von den Seuchen?
    Ist die Lunge leicht verquarzt?
    Wegen diesen kleinen Krisen
    geht ein Mann doch nicht zum Arzt!
    Komische Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  2. #2
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    Will der Rückenschmerz beim Bücken
    Flexibilität gefährden?
    Und das Lärmen aus Gedärmen
    etwa ernstgenommen werden?


    Lieber Stefan,

    Solche Binnenreime gefallen mir.

    S1 V4 ist m. E. ein kleiner Schönheitsfehler, weil der Artikel (ein) fehlt. "Nur ein .." wolltest du vielleicht nicht. Aber warum? Wolltest du am Anfang nur Besorgnis haben und diese zum Ende hin in die Ignoranz führen? Aber Besorgnis - Beruhigung - Besorgnis - Beruhigung im Wechsel ist doch auch net schlecht bei diesem Thema. Wenn du verstehst, was ich meine. Als Mann, so.

    Lieben Gruß
    Richy

  3. #3
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    Liebe Richy,

    schöne Bonusstrophe - passt gut rein!

    Die Schönheits-OP ist hier aus Sicht des Chefarztes nicht so einfach durchzuführen. Meiner Meinung nach würde "nur ein" an dieser Stelle eher zum Hypochonder passen als zum harten Hund. Beabsichtigt war ein durchgängiger Tenor im Sinne von "pah, wird schon nicht so schlimm sein - einen Mann wie mich haut so schnell nichts um". Du scheinst das Ende aber anders zu lesen - im Sinne von (Selbst)beruhigung?

    Liebe Grüße und schöne Feiertage!
    Stefan
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  4. #4
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    Ja, ich habe es tatsächlich anders verstanden. Unterschwellig Sorgen machen und dann: Verdrängungstaktik. Dieser Eindruck entsteht bei mir zwangsläufig dadurch, dass das LI Fragen stellt. Hättest du statt der Fragen nur Feststellungen getroffen (wie in S2 V3+4) wäre ich nicht auf diese Fährte geraten.

    Ich wünsche Dir ebenfalls schöne Festtage!

    Liebe Grüße
    Claudia

  5. #5
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    Hallo plotzn,

    1)
    Kolik - Symbolik
    Schmerzen - Herzen
    Pochen - Knochen
    Keuchen - Seuchen
    Ziehn - Beines (upps)

    Den ersten Teil von S2V3 kann ich nicht lesen, ohne zu erwarten, dass auf Ziehn gereimt wird; damit sich also wieder die beiden Substantive reimen, und das erste auch an rechter Stelle, wäre mein Alternativvorschlag:

    So ein Ziehen an den Knien


    In S3V3 passt es trotzdem, dass ein Nicht-Substantiv am Ende des ersten Teils gereimt wird, weil es ja gar kein zweites Substantiv im Vers gibt.

    2)
    Ich hätte vielleicht noch drüber nachgedacht, die Reihenfolge umzustellen, um die Symptome zu steigern. "Diese kleinen Krisen" konterkariert ja, dass Seuchen und Lungenverquarzung durchaus überaus Schweres wäre. Aber mit Kolik fängst du bereits mit einem ziemlichen Ernstfall an, dazwischen geht's dann doch aber wieder runter auf leichte Beschwerden. Das wirkt etwas ungeordnet; auch dass zwischendrin eine Nicht-Frage steht. Die Behauptung würde ich drum als Rahmen an den Anfang setzen mit dem Ziehen - dann etwa Pochen, Schmerzen, Kolik, Seuchen, Lungenverquarzung. Und am Ende natürlich immer noch deklarativ: Selbst das Schlimmste ist doch nichts.


    3)
    Ich las das Ganze als Bearbeitung eines Aspekts toxischer Männlichkeit, des Gesellschaftskonzepts von Männlichkeit, dass Männer hart sein sollen, keinen Schmerz kennen, spüren, zeigen sollen, keine Hilfe brauchen sollen. Dazu gibt es Studien, wie es Männer buchstäblich umbringt, lieber gar nicht oder zumindest bloß nicht früh zum Arzt zu gehen. Ein richtiger Mann muss sowas doch selbst schaffen und sich von nichts unterkriegen lassen.

    LG BS

    Obstipui steteruntque comae et vox faucibus haesit
    Vergil: Aeneis III, 48

    Ich erstarrte, meine Haare standen zu Berge.
    Und die Stimme blieb stecken mir im Hals.

  6. #6
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    Liebe Richy,

    verstehe. Ich hatte die Fragen als rhetorische Fragen gedacht, die sich von selbst beantworten, aber die würde man sich wohl nicht selber stellen. Dadurch entsteht der Eindruck der Verunsicherung, den eigentlich gar nicht beabsichtigt war, der aber vielleicht auch ok. ist, wenn man davon ausgeht, dass sich harte Hunde doch insgeheim Sorgen machen (die sie natürlich keinesfalls zugeben).


    Servus Blobstar,

    stimmt, die jeweiligen Symptome durch Binnenreime zu betonen, wäre sicher gelungener als das "kleines". Was mich am "Ziehen in den Knien" nicht so überzeugt, ist die Harmlosigkeit im Vergleich zum (Nach)Ziehen eines Beines, das ich nicht als kleinere Beschwerde gemeint habe (also nicht ein Ziehen im Bein), sondern als Symptom eines Schlaganfalls.
    Die "toxische Männlichkeit" gefällt mir gut - hab ich gleich mal googelt. Passt perfekt.


    Danke Euch beiden für das ausführliche Befassen mit dem Gedicht!

    Liebe Grüße und schöne Feiertage!
    Stefan
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