1. #1
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    vertraute fremde

    nie hast du mich angesprochen
    wieder der vollmond heute hier klar
    über mir weiß schenkt beachtung
    in dieser stadt die auch nicht schläft

    ein katharsisjahr war es
    jeden tag brach ich ein en stab
    für stab vom eisengitter
    um meinem gefängnis nie
    mit gewissheit zu entkommen

    und nun bist du mir wie immer
    bekannte fremde

  2. #2
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    Zitat Zitat von lautmaler Beitrag anzeigen
    nie hast du mich angesprochen
    wieder der vollmond heute hier klar
    über mir weiß schenkt beachtung
    in dieser stadt die auch nicht schläft

    ein katharsisjahr war es
    jeden tag brach ich ein en stab
    für stab vom eisengitter
    um meinem gefängnis nie
    mit gewissheit zu entkommen

    und nun bist du mir wie immer
    bekannte fremde
    Guten morgen lautmaler,

    Nach der ersten Strophe hätte ich schon fast wieder weggeklickt, aber dann fiel mir doch noch die
    Stelle mit der Katharsis durch das Brechen von Eisenstäben auf. Eine nicht vollendete Katharsis,

    weil das LI ja offensichtlich zwar Stäbe bricht, aber eben nicht genug, um zu entkommen.


    "Den Stab brechen" bedeutet ja auch jemanden verurteilen. Diese 2.Strophe erscheint mir daher vielschichtig.
    Der Stab wird wohl über das LD gebrochen. Aber so funktioniert Befreiung nicht. LI will wohl auch nicht so wirklich befreit werden.


    So uns jetzt gehe ich zur ersten Strophe, von der sich bis jetzt gar nichts verstanden hatte und versuche sie zu entschlüsseln:

    nie hast du mich angesprochen
    Es geht vermutlich nicht darum jemanden Fremden anzusprechen, sondern ein Problem in der Beziehung zwischen den LI und der "vertrauten Fremden" anzusprechen.
    [/COLOR]

    wieder der vollmond heute hier klar
    über mir weiß schenkt beachtung
    in dieser stadt die auch nicht schläft
    Mit diesem Abschnitt tue ich mir schwer, wie ich da die Worte in Sinneinheiten zusammensetzen soll. Lyrisch/sprachlich gefällt mir dieser Abschnitt eigentlich gar nicht. Ich frage mich daher, ob ich den Sinn dieses ... "Stammelns" (an sich) übersehe. (?)

    Der Bezug auf die Stadt, die nie schläft ist nicht besonders originell und braucht es dieses bloß behauptet Setting, das durch kein lyrisches Bild unterstützt wird, wirklich? Mir erscheint es unwichtig, ob sich diese Szene am Land oder in der Stadt abspielt. Das Gefängnis ist ja ein metaphorisches Inneres. Ich versuche einmal die Bausteine zusammenzusetzen


    wieder der Vollmond / heute hier klar über mir / weiß (Verb oder Farbe?)

    schenkt Beachtung in dieser Stadt / die auch nicht schläft

    Wem schenkt er Beachtung?


    Nun zum letzten Abschnitt:


    und nun bist du mir wie immer
    bekannte fremde


    "wie immer?" Aber im Titel heißt es doch "vertraute fremde"? Und ich frage mich, ob es dieses erklärende Ende wirklich braucht. (?)


    Gut gefällt mir aber eben dieses kafkaeske an diesem Text. Vielleicht würde sich an ein paar Stellen ein Nachjustieren lohnen. (?)


    Lieben Gruß
    albaa

  3. #3
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    Guten Morgen albaa,

    ich wünsche Dir ein gesundes neues Jahr!

    Die Feiertage hatten mich in Anspruch genommen, daher, nun verspätet, mein herzliches "Danke!" für Dein Interesse
    und den Kommentar zu meinem Text, den ich fast schon vergessen hatte, weil er aus einer früheren Zeit stammte, die, vergangen, ich mir erst wieder ins Gedächtnis zurückrufen muss. Nun finde ich den Anschluß bzw. Zugang nur noch vage
    und gar nicht mehr wirklich dorthin.

    Zitat Zitat von albaa Beitrag anzeigen
    Nach der ersten Strophe hätte ich schon fast wieder weggeklickt, aber dann fiel mir doch noch die
    Stelle mit der Katharsis durch das Brechen von Eisenstäben auf. Eine nicht vollendete Katharsis,

    weil das LI ja offensichtlich zwar Stäbe bricht, aber eben nicht genug, um zu entkommen.


    "Den Stab brechen" bedeutet ja auch jemanden verurteilen. Diese 2.Strophe erscheint mir daher vielschichtig.
    Der Stab wird wohl über das LD gebrochen. Aber so funktioniert Befreiung nicht. LI will wohl auch nicht so wirklich befreit werden.


    So uns jetzt gehe ich zur ersten Strophe, von der sich bis jetzt gar nichts verstanden hatte und versuche sie zu entschlüsseln:

    Es geht vermutlich nicht darum jemanden Fremden anzusprechen, sondern ein Problem in der Beziehung zwischen den LI und der "vertrauten Fremden" anzusprechen.
    [/COLOR]



    Mit diesem Abschnitt tue ich mir schwer, wie ich da die Worte in Sinneinheiten zusammensetzen soll. Lyrisch/sprachlich gefällt mir dieser Abschnitt eigentlich gar nicht. Ich frage mich daher, ob ich den Sinn dieses ... "Stammelns" (an sich) übersehe. (?)

    Der Bezug auf die Stadt, die nie schläft ist nicht besonders originell und braucht es dieses bloß behauptet Setting, das durch kein lyrisches Bild unterstützt wird, wirklich? Mir erscheint es unwichtig, ob sich diese Szene am Land oder in der Stadt abspielt. Das Gefängnis ist ja ein metaphorisches Inneres. Ich versuche einmal die Bausteine zusammenzusetzen


    wieder der Vollmond / heute hier klar über mir / weiß (Verb oder Farbe?)

    schenkt Beachtung in dieser Stadt / die auch nicht schläft

    Wem schenkt er Beachtung?


    Nun zum letzten Abschnitt:






    "wie immer?" Aber im Titel heißt es doch "vertraute fremde"? Und ich frage mich, ob es dieses erklärende Ende wirklich braucht. (?)


    Gut gefällt mir aber eben dieses kafkaeske an diesem Text. Vielleicht würde sich an ein paar Stellen ein Nachjustieren lohnen. (?)


    Lieben Gruß
    albaa

    Liebe albaa,
    soweit ich mich erinnere, war Ausgangspunkt dazu von mir angestellte Überlegungen zu Aphorismen; faszinierend empfand ich
    denn den, Dir sicher auch bekannten Ausspruch Marie von Ebner-Eschenbachs;
    "Der Umgang mit einem Egoisten ist darum so verderblich, weil die Notwehr uns allmählich zwingt, in seinen Fehler zu verfallen."

    Wieder gelesen, gerat ich augenblicklich auch wieder in "Verzückung", denn unter dem Aspekt ließe sich manch
    Sachverhalt betrachten und gemäß erklären; wie beispielsweise "Katharsis" und ihre Auswirkungen. Warum und
    worin denn die bestehende Notwendigkeit liegt, sekündlich "Gitterstäbe" brechen zu sollen oder müssen - für wen auch.
    Jeglicher Rückblick bewirkt im eigentlichen Sinne gleichermaßen den Fortschritt - die "Schau" kann Show werden und
    umgekehrt. Jene "Fremde" wird zur "Bekannten", "Vertraute" - immer im Verhältnis zum "metaphorischen Lustfaktor" gesehen.
    Angesprochen - kann auch bedeuten - den Bau einer imaginären Brücke. Auf den klaren Vollmond "weiß" (bald wieder) möchte ich erst gar nicht eingehen, da, ohne Kontext, bezuglos und viel zu umfangreich. In einer "Stadt" läßt sich´s nicht
    nur ganz anders schlafen, als auf dem "Land", schon in Bezug auf die "Eisengitter" gesehen. Man entkommt, wie Du es
    richtig formuliertst, seinem "Gefängnis" nicht, das kann überall sein.

    vertraute fremde

    nie hast du mich angesprochen
    wieder der vollmond heute hier klar
    über mir weiß schenkt beachtung
    in dieser stadt die auch nicht schläft

    ein katharsisjahr war es
    jeden tag brach ich ein en stab
    für stab vom eisengitter
    um meinem gefängnis nie
    mit gewissheit zu entkommen

    und nun bist du mir wie immer
    bekannte fremde

    Ich stelle mir vor, wir säßen gemeinsam bei Kaffee oder Tee, da wäre es viel einfacher - auch viel intensiver.

    Wie Du unschwer erkennen kannst, gerate ich "ins stammeln muß mich sammeln".
    Es bereitet mir Mühe zurückzufinden, hier aber schon mal ein kleines, über Deinen Kommentar erfreutes "Zeichen".

    Mit besten Grüßen
    lautmaler
    Geändert von lautmaler (11.01.2019 um 12:59 Uhr)

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