Thema: Unecht

  1. #1
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    Wo der Wind mich hinträgt...
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    Unecht

    Die Welt ist ein Leben im Plastikhaus,
    sie Seele zum Menschen ein eisernes Tor,
    wo jeder alleine kehrt ein und geht aus,
    den Blick an der andern Fassade empor,

    wo Mauer wird Mörtel wird Lügenschein
    und Türen und Fenster sind Angeln im Wind,
    ich zieh durch die Straßen, erfüllt von der Pein
    darüber, dass Menschen so sind, wie sie sind.

  2. #2
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    Schöön.. auch wenns traurig ist. Es berührt mich.
    Zudem gibt es Spielraum für Interpretationen - was ich natürlich auch gut finde.

    Das Plastikhaus zeigt z.B. eine kalte und erstarrte Gefühlswelt, was natürlich zu den verschlossenen Seelen passt.
    Gleichzeitig zeigt es aber auch ein Umweltproblem unserer Welt.. mit dem wir alle uns mehr beschäftigen sollten.

    Strophe 1 und 2 könnte man "verschmelzend" lesen.
    Was sicher auch beabsichtigt ist, da die Strophen kein "." trennt, sondern ein ",".

    Liest man 1+2 verbunden, also:
    "... den Blick an der andern Fassade empor,
    wo Mauer wird Mörtel wird Lügenschein
    und Türen und Fenster sind Angeln im Wind ..."

    Dann entsteht in mir ein Bild vom Mensch als Konstrukt aus Lügen..
    was durch die Lüge "Türen und Fenster sind Angeln im Wind" unterstrichen wird.
    Aber vielleicht auch nur ein "Lügenschein?"
    denn liest man die zweite Strophe für sich.. also:

    "Wo Mauer wird Mörtel wird Lügenschein
    und Türen und Fenster sind Angeln im Wind.. "

    Dann habe ich vor Augen, dass sich das Plastikhaus langsam auflöst.. zu Mauer.. zu Mörtel.. zu Lügenschein.. zu eigenen Gedanken.. was darin endet, dass "ich" gedankenversunken durch die Straßen ziehe.. während ich voller Leid die Menschen so betrachte, wie sie sind.

    Also ich fühle mit dir.. und ich mag Gedichte, die so schön durchdacht und verbunden sind und auch eher so geschrieben sind, wie man selbst denkt. Da ist mir metrisches Zeugs - wovon ich leider keine Ahnung habe - dann auch egal. Wenn die Wortwahl und auch die Verbindung der Strophen so beabsichtig war, wie ich denke.. dann ist das für mich persönlich moderne und hohe Dichtkunst. Als "Normalleser" kann ich mit solchen Gedichten oft mehr anfangen, als mit "in alte Worte verpackte Zeilen".. bei denen man erstmal über den eigentlichen Sinn grübeln muss. Hier ist der eigentliche Sinn offensichtlich.. aber noch viel versteckt

    Es hat sich übrigens ein "s" eingeschlichen.. dort, wo eigentlich ein "d" sein sollte.. in der zweiten Zeile.
    Oder sollte ich besser "Vers2" sagen? X-en darf wieder wer anders machen ^^

    Liebe Grüße,
    Lightning
    Geändert von Lightning (31.12.2018 um 02:18 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

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