1. #1
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    Der Kampf mit dem Drachen, 1. Teil

    2. Teil angefügt

    eine "Umdichtung" der längsten Schillerballade, GE-wicht GE-widmet

    Was flitzen die Leute,
    sind sie hellen Wahnsinns Beute?
    Fressen sich in Häuser die Flammen,
    bricht alles jetzt etwa zusammen?

    Da kommt ein Jeep,
    zerrt hinter sich ein nicum draco,
    das sagt keinen Piep -
    zeigt der Menge seinen Po.

    Die Leute schaun und einer kichert:
    Ich hoffe sehr, das Vieh war allianzversichert!
    Bis vor paar Tagen hats im Lande Hessen
    alles, was da kreucht und fleucht gefressen.

    Gar mancher hats im Übermut versucht
    das Biest zu fangen, das Wagnis bald verflucht.
    Selbst die Ritter vom deutschen Orden
    sind gnadenlos verspeiset worden.

    Jetzt kommt ein Ritterfräulein von GE-wicht,
    es fürchtet Tod und Teufel nicht
    und hat, so wird uns heut berichtet,
    die Bestie einfach hingerichtet.

    Das wackre Mädchen sollte man, hör ich die Menge toben,
    mit lauten Worten höchlichst und verehrlich loben!
    Der König hat es bald vernommen
    und spricht: "Die Kleine soll mal zu mir kommen".

    Und vor die Majestät, den König, tritt
    die Jungfrau mit verhaltnem Schritt
    und hinterher, da drängen die jubelnden Leute,
    vom Kirchturm hört jeder das Glockengeläute.

    Das Ritterfräulein, die Wangen schamhaft gerötet,
    berichtet bescheiden, wie sie das Untier getötet:
    "Zu kämpfen, zu sterben war ich bereit -
    das Land hab ich vom Drachen befreit.
    jetzt kann ein jeder wieder sorglos wandern
    durch Auen, wo muntere Bächlein mäandern."

    Doch ernster wird des Königs Blick,
    er spricht: "Du hattest unverschämtes Glück!
    Als kühne Heldin hast du dich bewährt,
    und Mut ists, was ein edles Fräulein ehrt.
    Doch sprich! Was ist die erste Pflicht
    des Menschen, der im Namen Christi ficht,
    sich schmückt mit heilgem Kreuzes Zeichen?"
    Und alle rings umher erbleichen.
    Das edle Fräulein beugt das Knie und spricht:
    "Gehorsam, Majestät, ist aller Edlen erste Pflicht."

    "Und das Gebot", mein Kind, versetzt
    der König, "hast du frech verletzt!
    Den Kampf, den das Gesetz aus gutem Grund verbot,
    hast du gewagt, selbstherrlich, ohne Not!"

    "Mein König, lass zuerst von meiner Tat mich sprechen,
    bevor du‘s unternimmst, das Stäbchen über mir zu brechen.
    Nicht ohne nachzudenken ritt ich jüngst von hinnen,
    das Drachenvieh mit klug geschärften Sinnen
    mit meinem Schwerte tapfer zu bekriegen,
    um es zum Wohle aller zu besiegen.
    Zehn Ritter unsres Ritterordens
    erlagen schon des Drachens feigen Mordens.
    Du sprachst: Jetzt sind schon fast ein Dutzend tot
    und schon erfolgte dein gestrenges Drachenkampfverbot.
    Mein ganzes Sinnen, all mein Trachten
    befahlen mir auf das Verbot zu achten.
    In meinem Herzen aber nagte
    der Wunsch, das Aas zu killen
    und gegen deinen Willen
    ich dann den Kampf doch wagte."


    Ja selbst in jungfraulichen Träumen stiller Nächte
    sah ich mich kämpfend im Gefechte,
    mein Schwert schnitt scharf in das Gemächte
    der Bestie, weithin spritzte Drachenblut,
    mit Gottvertraun und heißer Wut
    begann ich fleißig zu trainieren,
    mein Wunsch war, dieses Biest zu filetieren.

    Ich fragte mich: Ist nur der Sarazen es wert,
    dass ihn zerteilt mein scharfes Schwert?
    Befreien muss mein starker Arm
    die Welt von Not und Pein und Harm!
    So zog ich los, des Drachen Fährte zu erkunden,
    nach langer Suche hab ich sie gottlob gefunden.

    Wie fass ich dich, du garstges, widerliches Biest?
    Erforderlich sind Schläue, Mut und List.
    Ich ließ von Künstlerhand geschickt zusammen fügen
    ein Ebenbild des Drachens mit den gut gemerkten Zügen.
    Auf kurzen Beinen türmte sich ein Ungeheuer,
    aus seinem Rachen spie es Gift und Feuer,
    die Augen waren tellergroß und blitzten,
    die Schuppen seiner Panzerhaut beschützten
    den Leib vom Schlangenhaupt bis zu den Zehen,
    gar schrecklich war das Bildnis anzusehen.

    Als dann das Werk vollendet war,
    da kauft ich mir ein Doggenpaar,
    dazu noch einen Dobermann.
    Die hetzt ich auf das Untier an,
    damit sie lernen kräftig und voll Zorn
    und todesmutig ihre Zähne in das Vieh zu bohr‘n,
    trainierte tagelang mit diesen Hunden
    und lehrte sie, den Drachen tödlich zu verwunden.

    Ich selbst, bewaffnet mit dem Speer,
    bestieg mein unerschrocknes Ross
    und ritt vor den drei Hunden her,
    in der Rechten das spitze Langgeschoss,
    die Linke kraftvoll mein scharfes Schwert umschloss.
    Dem Pferd gab ich beherzt die Sporen,
    gewillt, das Untier zu durchbohren.
    So sehr das Ross auch wiehernd schäumt,
    sich ängstlich zeigt, den Rücken bäumt,
    die Hunde jaulend, geifernd stöhnen -
    ich übe weiter, bis sie sich gewöhnen.

    Als dreimal sich der Mond erneut,
    da hatten sie‘s begriffen und gelernt;
    so langsam wurde es auch Zeit,
    noch weit war unser Ziel entfernt.

    Mein Zorn erwuchs zur heilgen Rage
    beim Anblick dreier toter Hirten,
    die sich im Wald verirrten
    und endeten in jenes Drachenviehs Menage.
    Nun plante ich den letzten forschen Schritt,
    bestieg mein Ross und nahm die Hunde mit.
    Begleitet von den Doggen und dem Dobermann,
    bewaffnet und mit Mut ging ich die Sache an.

    Auf halbem Weg ein Kirchlein steht,
    drin ein Gefäß von wundertätgen Segen,
    ich sprach ein letztes fromm‘ Gebet
    und kniete vor dem Christkind,
    bereinigte mein Herz von aller Sünd
    und ritt danach dem Kampf entgegen.

    Nach kurzem Ritt weht ein Gestank vom Hügel,
    die Hunde knurren, flugs straffe ich die Zügel.
    Das Ross bleibt stehn und seine Flanken zittern,
    die Hunde fletschen ihre Zähne, ihre Nasen wittern
    das Gemisch aus faulen Eiern, sauren Erden,
    ich denke nur: Das kann ja heiter werden.
    Knapp hundert Meter weiter
    sonnt sich auf felsgem Grunde
    des Drachen scheußliche Figur.
    Aus seinem Rachen tropft der Eiter,
    es stürzen meine flinken Hunde
    sich auf das Biest, ich staune nur,
    wie meine Doggen pfeilgeschwind
    sich mit dem Dobermann im Kampf verbünden,
    trotz Wutgebrüll und faulgem Wind
    des Drachens schwache Stellen finden.

    Der wehrt sich, seine Pranken treffen meine Hunde,
    die spitzen Zähne packen zu, mit blutger Wunde
    versucht der Dobermann dem Lindwurm zu entweichen,
    die wutentbrannten Doggen achten auf mein Zeichen
    und stürzen sich erneut und frischem Mut
    aufs Untier, das mit grimmer Wut
    sich den Attacken rasend widersetzt
    und mir den zweiten Hund zerfetzt.

    Ich spähe nach des Drachens Lende,
    in die ich meinen Speer versende.
    Doch wie ein dünner Stab
    prallt er vom Schuppenpanzer ab.
    Mein letzter Hund versucht erneut
    die Drachenkehle zu zerreißen,
    sich in die Gurgel zu verbeißen.
    Da bäumt mein Ross sich auf und scheut.

    Ich flieg vom Sattel, knall mit Schwung aus Maul,
    der Drache kichert, wiehernd flieht mein Gaul
    und mit des langen Schwanzes Kraft
    hat nicum draco es geschafft
    und mich zum Boden hin gerafft.
    Ich zieh mein Schwert, die Klinge blitzt,
    ich stoße zu, doch kaum geritzt
    hab ich des Untiers harte Haut,
    der Tag war gründlich mir versaut.

    Mein treuer Hund begann mit wutentbrannten Bissen
    den Bauch der Bestie zu fassen und vom Schmerz zerrissen
    erhob der Drache sich zu seiner ganzen Größe,
    sehr schnell erkannte ich die einzge Blöße
    und trieb mein Schwert in sein Gekröse.
    Mit letzter Kraft stieß ich den blanken Stahl
    bis an sein Heft hinein und eines Blutes Strahl
    bezeugte, dass ich gut getroffen. Vom Blute rot
    bemerkte ich: Das Vieh war tot!

    Erschöpft von langer Rede nun die Jungfrau schwieg,
    es jubelte das Volk: Hurra, dein ist der wohl erfochtne Sieg!
    Mit lauter Stimme fordern selbst des Ritterordens Söhne,
    dass man das Haupt der Heldin mit Eichenlaub bekröne.

    Der König, dem die Jubelrufe laut entgegen schallten,
    gebietet Schweigen, Strenge zeigen seines Stirnes Falten:
    Du hast mit kluger List und starker Hand
    den Drachen, der gemordet und dieses Land
    vernichtet und ein Idol bis du dem Volk geworden.
    Als Feind jedoch bist du dem Ritterorden!
    Denn Ungehorsam, Hochmut, Stolz dein Herz gebar -
    einen schlimmren Lindwurm als es selbst der Drache war.
    Die Schlange, die nun Zwietracht und Verderben stiftet,
    dein widerspenstger Geist, der jedes Herz vergiftet
    und gegen jede Zucht sich frech empört,
    der ist es, der die Welt zerstört!

    Mut, mein Fräulein, zeiget auch der Mameluk -
    Gehorsam ist des Ritters größter Schmuck!
    Verschwinde jetzt aus meinen Blicken,
    dich hat der eitle Ruhm bewegt.
    Doch wer Gehorsam nicht im Busen trägt,
    darf sich mit Ritters Ruhm nicht schmücken!

    Die Menge tobt, Protest bricht aus,
    die Säulen schwanken vor des Königs Haus,
    um Gnade bitten alle Schwestern, alle Brüder
    des Ritterordens, doch schweigend kniet die Jungfrau nieder
    und legt das Schwert und das Gewand
    dem König vor die Füße, küsst die strenge Hand
    und geht. Der König mildert seinen Blick,
    dann ruft er liebend sie zurück
    und spricht: Umarme mich, mein Kind!
    Dir ist der schwerste Kampf gelungen.
    Nimm hin das Schwert als Lohn geschwind
    für deine Demut, die sich selbst bezwungen.
    Geändert von Festival (25.12.2018 um 20:01 Uhr)

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