1. #1
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    Ich will dich ums Verrecken retten!

    Das Vögelchen in meiner Hand
    Flog her aus jenem warmen Sand
    In welchem sich die Sonne duscht
    Bevor sie übern Himmel huscht
    Und wo der Mond den Tag verpennt
    Und alles deinen Namen nennt

    Es bracht mir einen Gruss von dir
    Und trug für mich dein Kleid als Zier
    Doch als ich’s hielt, erkannt ich’s nicht
    So federleicht war sein Gewicht
    So schemenhaft erschien sein Kopf
    So fahl und glanzlos drauf der Schopf

    Ich hielt es in der Hand und strich
    Mit einem Finger drüber, wich
    Erschreckt zurück, hielt inne, als
    Ich spürte, wie im dünnen Hals
    Ein Herzlein pochte, heftig schlug
    Das zitternd deinen Namen trug

    Oh Rad der Zeit, dreh schnell zurück
    Erlaube einen raschen Blick
    Auf jene Zeit, da jeder Klang
    Von dir an meine Ohren drang
    Als würden Mozart, Haydn, Bach
    Sich finden unter einem Dach

    Kaum hör ich dieses leise Piep
    Weiss ich, du bist mir teuer, lieb
    Und auch das laute Pochen
    Und auch die spitzen Knochen
    Das Federkleid so leicht
    Die Kraft, die leis entweicht

    Klein Piepmatz, hör nicht auf zu singen
    Ich will dir jedes Opfer bringen
    Ich lasse dich auf Wolken betten
    Ich will dich ums Verrecken retten!
    Geändert von kaspar praetorius (08.01.2019 um 08:52 Uhr) Grund: Kommentar horstgrosse2

  2. #2
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    Gesundes Neues Kasper



    Zitat, ohne „r“:
    Doch als ich’s hielt, ekannt ich’s nicht

    Return


    Das wars schon. Sehr sensibel dein Gedicht. Metrisch ok, Fantasie ok.
    Halt, Zitat:


    Und auch die spitzen Knochen

    Mach aus den „spitzen“ , „zarten“, ok? oder dünnen, aber keine „spitzen“

    Return

    So, das wars. Schöne Zeilen, von dir!?


    noch was:
    Flog her aus jenem warmen Sand /für "jenen" lieber "fernen."

  3. #3
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    hallo horstgrosse2
    danke für die hilfe
    r ist eingefügt
    spitze knochen bleiben spitz
    wären sie zart oder dünn gewesen, wären sie gebrochen
    kp

  4. #4
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    hallo kaspar praetorius

    ein sehr schönes gedicht hast du geschrieben.
    ich habe es schon ein paar nal gelesen.so ist es oft im leben.
    man möchte was man liebt auf wolken betten,aber am ende
    wird man es doch verlieren.

    liebe grüsse margot

  5. #5
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    Lieber Kaspar,

    deine Verse haben mich in besonderer Weise berührt, zumal ich mich in diese Situation hineinversetzen kann. Ich hielt vor einiger Zeit selbst ein Rotkehlchen in der Handbeuge, spürte, wie das "Herzlein" pochte.
    In Strophe 4 klingt klagend die Wehmut des Verlustes an. Mit dem Hinschwinden des Vogels stirbt auch dessen Gesangsreichtum - und wie mir scheint - auch der seiner Artgenossen.
    Abschied nehmen heißt hier sterben lassen müssen mit einem Gefühl von Wut, Ohnmacht und Hilflosigkeit.
    Ein herausragendes Gedicht mit besonderer Einfühlung.
    Sehr gerne gelesen! Danke!

    Weiße flockige Grüße

    Carolus

  6. #6
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    Liebe Margot, lieber Carolus
    Es freut mich, dass ich nicht alleine durch diesen dunklen Wald laufe. Dass jemand hört und versteht, wie und was ich vor mich hin singe.
    Trotzdem muss ich akzeptieren, dass andere darüber spotten, was mich schliesslich verleitete, diese Verse zu machen.
    Siehe https://www.gedichte.com/showthread....r-une-éolienne
    Dank und Gruss KP
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  7. #7
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    Hey kaspar!

    ein schönes Gedicht. Eng verschlungen geschrieben und das gefällt mir sehr. Auch über die Zeilen hinweg ... ein sehr angenehmer Lesefluss und eine traurige, aber schön-traurige Geschichte. Ich habe ein Bild, in dem ein Rotkehlchen im sterben liegt, vom Sonnenlicht beleuchtet wird ... es würde hier glaube ich gut passen, denn daran habe ich mich erinnert.

    Liebe Grüße

  8. #8
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    solche bilder hängst du bei dir auf? kann ich mir nicht vorstellen...
    dass du an meinem bild etwas angenehmfandest, macht mich zufrieden
    gruss
    kp

  9. #9
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    Lieber kaspar praetorius,

    in Strophe 5 Zeile 2 ist in meiner Lesart der Jambus leicht gebrochen, doch ich wollte die Zeile ums Verrecken nicht retten.
    insgesamt ein schönes Gedicht, und die Bilder wollen auch mir gefallen.
    Unwillkürlich ploppen Kinderlieder auf:
    kommt ein Vogel geflogen
    wenn ich ein Vöglein wär etc.

    L.G.A.

  10. #10
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    guten abend
    ich bin für willkürlich bei den Liedern.
    und ich würde auch in den drei oder vier uniambischen Zeilenanfängen einen sinn vermuten.
    in diesem sinne danke dir
    kp

  11. #11
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    Guten abend, lieber kaspar,

    bei den darauf folgenden drei oder vier unjambischen Zeilenanfängen geht es mir genauso wie dir. Auch ich würde ich dahinter einen Sinn vermuten wollen,
    bei S5Z2 aber wie gesagt - eher weniger. Es will trotzdem ein sehr feines Gedicht bleiben. L.G.A.

  12. #12
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    Also "Kaum" und "Weiss" sind hier sowohl inhaltlich wie volumenmässig in meinen Ohren ziemlich gewichtige Wörter, welche das Dahinplätschern des Iambus von mir aus gerne stören dürfen. Danach machen dann irgendwie für mich auch die nachfolgenden, an sich scheusslichen Zeilenanfänge in S5 etwas Klang her.
    Was das Gedicht sein will, weiss ich nicht. Aber worüber es sich freut, das weiss ich: Über solche formale Hinweise von Leserseite. Danke also.
    KP
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