Thema: leben und so

  1. #1
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    leben und so

    wenn sie sich nah kam
    bemalte sie porzellanteller
    mit essbarer farbe

    verschenkte sie
    an die eltern reicher kinder

    so entkam sie dem erwachsenwerden
    aber auch den umarmungen
    der ewig fremden

    am ende hieß es
    sie ließ sich nicht helfen

    doch war das
    vom schlechten zu wenig
    und vom guten
    gar nichts
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  2. #2
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    wie gehen Porzellanmalerei und affektive Störung zusammen? du lieferst der gehirnforschung eine Mengenangabe, die mit Absicht im vagen bleibt. vielleicht erklärt sich Lyrik doch einfacher mit schniedeln, nutten und nuckeln?
    rip
    kp

  3. #3
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    kann deine fragen verstehen - nur frage ich mich warum du gerade bei mir nach texten suchst...die sich von selbst erklären? das ist wie in der musik; es sind meist die harmonien...die dich dazu bewegen ein lied mitzusummen...dessen text du vielleicht gar nicht verstehst. oder eben auch nicht...

    i.n.a.l.
    ad
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  4. #4
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    das rip hätte es erklären können.
    kp
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  5. #5
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    ...das hat es auch. mir war schon bewusst, dass du das ende kennst - und alles andere erklärt sich durch die eßbare farbe...falls man sich überhaupt eine erklärung wünscht
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  6. #6
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    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen
    wenn sie sich nah kam
    bemalte sie porzellanteller
    mit essbarer farbe

    verschenkte sie
    an die eltern reicher kinder

    so entkam sie dem erwachsenwerden
    aber auch den umarmungen
    der ewig fremden

    am ende hieß es
    sie ließ sich nicht helfen

    doch war das
    vom schlechten zu wenig
    und vom guten
    gar nichts


    Gesundes Neues


    Also ich verstehe hier Bahnhof. Keiner Lichtblicke, vermittelt mir hier, dein Text. Womöglich kenne ich den Geburtsort der Zeilen nicht.

    Aber, niemand ist perfekt.

    tschüss.

  7. #7
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    Gesundes Neues
    Danke, wünsche ich auch Dir

    Also ich verstehe hier Bahnhof
    Obwohl ich diesen mit keinem Wort erwähne?!?

    Keiner Lichtblicke, vermittelt mir hier, dein Text
    Wo Schatten ist, da ist auch Licht


    Womöglich kenne ich den Geburtsort der Zeilen nicht.
    Wie immer ist der in meinem Kopf


    Aber, niemand ist perfekt.
    Doch, ich - aber es liegt in der Natur der Sache, dass das ausser mir niemand erkennen kann

    tschüss.
    tschüss

    und Danke für deinen Besuch

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  8. #8
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    Nachtrag,

    geschuldet der Neugierde:


    Phrasen, zum besser werden. Würde, verhindert den Kniefall, zum Almosen. Fantasie zum besser werden. Der Kreislauf lässt kein Entrinnen zu.

  9. #9
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    Lieber A.D.

    seit du "leben und so" veröffentlicht hast kreise ich um deine Zeilen und versuche auszudrücken, was mich an ihnen bewegt.
    Ich verstehe sie in etwa so....





    wenn sie sich nah kam -
    bemalte sie porzellanteller
    mit essbarer farbe

    .... in den Momenten als sie sich selbst sein konnte, wurde auch ihr Lebensmut stärker und sie fühlte wieder die Fülle des Lebens.
    Doch...die Porzellanteller können zerspringen, die essbare Farbe runtergewaschen werden, also alles sehr instabil, vage. So wie ihr Seelenleben.


    verschenkte sie
    an die eltern reicher kinder

    ...aber ihre Gabe, ihre Kreativität verschenkt sie anstatt sie sich selbst zu schenken. Den reichen Kindern zu denen sie aufblickt, um Bestätigung zu erhalten vielleicht...um sich dadurch zu spüren?


    so entkam sie dem erwachsenwerden
    aber auch den umarmungen
    der ewig fremden


    .... sie hat gelernt zu überleben, indem sie bestimmte Verhaltensmuster anwendet, in die sie flüchtet, wenn der Druck zu groß wird.
    Um sich sogleich zu verschließen vor neuen Wegen, die sie gehen könnte.. Und so bleibt der Fremde ein Fremder. Und sie allein und letztlich einseitig unwissend.

    am ende hieß es
    sie ließ sich nicht helfen

    .... das sagen die immer, die keine Ahnung haben, wie schwer manche Seelen zu tragen haben.
    Die nur an der Oberfläche schwimmen können diese Tiefe nie erreichen.

    doch war das
    vom schlechten zu wenig
    und vom guten
    gar nichts


    .... das Fazit. Sie ist noch nicht zu tief gefallen, um endlich zu begreifen, dass sie selbst es in der Hand hat, ihr Leben, ihre Gedanken, ihren Focus zu verändern.
    So lange dieser Zustand besteht, wird sie vom Guten nur von fern berührt, zu wenig, um dieses Glück in sich zu erzeugen.


    Alles in allem finde ich dein Gedicht (wie so viele) sehr ansprechend, vielschichtig und bemerkenswert!
    Ich habe mich gern damit auseinander gesetzt, mag meine Interpretation auch daneben liegen.


    Herzliche Grüße

    Wüstenblume
    So bin ich nur als Kind erwacht,
    so sicher im Vertraun
    nach jeder Angst und jeder Nacht
    dich wieder anzuschaun.
    Ich weiß, sooft mein Denken misst,
    wie tief, wie lang, wie weit - :
    du aber bist und bist und bist,
    umzittert von der Zeit.

  10. #10
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    Respekt DesertFlower,

    dass Du Dich da rangetraut hast.
    Ich habe auch ein bisschen daran geknobelt und stimme teils mit Dir überein, teils lese ich es etwas anders:

    verschenkte sie
    an die eltern reicher kinder
    reich an Zugewandtheit? Sich ähnliches durch Geschenke erkaufen wollen?

    so entkam sie dem erwachsenwerden
    aber auch den umarmungen
    der ewig fremden
    Sind die ewig Fremden die Mitglieder der eigenen Familie?

    doch war das
    vom schlechten zu wenig
    und vom guten
    gar nichts
    das könnte eine Umschreibung von Gleichgültigkeit sein.

    Durch die etwas andere Interpretation ist auch das Gesamtbild verändert. Das lyr.Sie wäre viel weniger selbstbestimmt, viel mehr von seiner Umgebung abhängig und das Ende ausweglos.

    LG Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

  11. #11
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    Finde ich eine sehr starke Beschreibung emotionaler Isolation, feinsinnig die Frage nach der Verantwortung zwischen die Zeilen gesetzt. Und sprachlich tolles Ende.

  12. #12
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    Hallo Wüstenblume, Okotadia und sowieso

    vielen Dank, dass ihr euch so ausführlich mit meinem Text befasst habt.

    Wie immer man auch einen Text interpretiert...da gibt es kein richtg oder falsch. Jeder Leser bringt seine eigene, seine persönliche Geschichte mit...die in die Interpretation mit einfließt - m.E. ist ein Gedicht ein Puzzle, dem ein Teil fehlt...das dann der Leser, die Leserin mitbringt.

    Guß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  13. #13
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    Hallo A. D.!

    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen
    Wie immer man auch einen Text interpretiert...da gibt es kein richtg oder falsch. Jeder Leser bringt seine eigene, seine persönliche Geschichte mit...die in die Interpretation mit einfließt - m.E. ist ein Gedicht ein Puzzle, dem ein Teil fehlt...das dann der Leser, die Leserin mitbringt.
    Diese Sicht gefällt mir sehr gut. Trotzdem ist es ja meistens schon so, dass der Verfasser sich etwas bestimmtes bei seinen Zeilen gedacht hat. Aber natürlich gibt es auch Gedichte, die bewusst verschiedene Deutungsmöglichkeiten eröffnen, den Leser zu seiner persönlichen Deutung auffordern.

    Für dein Gedicht hätte ich auch noch eine Deutung parat, die hier, soweit ich gesehen habe, noch nicht beschrieben wurde, du hast mit dem Fingerzeig auf die "essbare Farbe" den entscheidenden Hinweis geliefert:

    Ich lese das Gedicht als Beschreibung einer magersüchtigen Person. Insbesondere die Zeilen "vom schlechten zu wenig / und vom guten / gar nichts" lassen sich in dieser Art verstehen. Das Schlechte ist dann ein Rückbezug auf die "essbare Farbe", das Gute ein Hinweis auf die normale Nahrungsaufnahme, die aus Unvermögen verweigert wird.

    Gruß
    Majolu

  14. #14
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    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen
    wenn sie sich nah kam
    bemalte sie porzellanteller
    mit essbarer farbe

    verschenkte sie
    an die eltern reicher kinder

    so entkam sie dem erwachsenwerden
    aber auch den umarmungen
    der ewig fremden

    am ende hieß es
    sie ließ sich nicht helfen

    doch war das
    vom schlechten zu wenig
    und vom guten
    gar nichts
    Auch nochmal:


    ein Kind malt mit (essbare Farbe) Essensresten Ketchup, Linseneintopfreste usw, "Gemälde" und den Fingern auf den Teller. weil es nicht essen wollte, oder nicht geschmeckt. deshalb wurde sie auch nicht belohnt, weil sie absichtlich das Essen verweigerte. Man ignorierte es, (das Kind) und fragte nicht nach den Ursachen.

    schönen tag.
    Geändert von horstgrosse2 (25.11.2019 um 15:01 Uhr)

  15. #15
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    Hey, ich finde dein Gedicht wirklich tiefgründig wahrscheinlich kann niemand außer du selbst, weil wie du eben schon sagtest der Geburtsort in deinem Kopf war. Damit lässt du jeden Leser ganz individuell die Chance selbst was in deinen hinein zu interpretieren und genau solche Texte liebe ich, die Fantasie vom jeden einzelnen zum erblühen zu kriegen. Ich hab deinen Text natürlich auch wahrscheinlich komplett anders interpretiert wie du ihn, aber er hat mich persönlich berührt. Ich stell mir Gedanklich ein Mädchen vor was anders ist, was nicht ins System passt, was vielleicht ein bisschen einsam und Melancholisch ist. Was nicht vertrauen kann, die lernen musste für sich alleine zu kämpfen und eine perfekte Lüge auslebt. ich weiß nicht vielleicht liege ich komplett falsch, aber jeder hat ja eine andere Auffassung. Nichts desto trotz finde ich dein Gedicht wundervoll. Schönen Sonntag noch

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