Thema: Tränenmeer

  1. #1
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    Tränenmeer

    Tränenmeer

    Länder werden von Meeren umschlossen,
    den salzigen Tränen der Welt.
    Viele Tränen wurden vergossen,
    weil Zerstörung den Menschen gefällt.

    Wir bauen Bomben, führen Kriege,
    wir fördern Rohstoff in Massen.
    Wir töten, nur um anders zu leben,
    wie kann man uns nicht hassen?

    Tote Menschen, tote Tiere,
    am Rande schmilzt das Eis.
    Länder werden in Tränen versinken,
    das ist, was jeder weiß.

    Trotz all diesem Unsinn machen wir weiter, noch weiter als bisher.
    Zerstörung im Austausch für Wohlbefinden,
    Zerstörung, in der wir selbst bald ertrinken,
    und vielleicht auch bald keine Tränen mehr,
    für unser aller Tränenmeer.

    Lightning
    Geändert von Lightning (01.01.2019 um 22:13 Uhr) Grund: Widerspruch in s1 abgemildert/beseitigt/Mehrdeutigkeit erhalten - thx ;)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  2. #2
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    hallo lightning,

    du fängst den ersten tag des neuen jahres mit einem gedicht an, welches anklagt und beklagt. ist nicht so ganz mein ding. trotzdem will ich dir meinen eindruck dalassen. vom lesefluss her ist für mein sprachgefühl alles in butter, kleine stolperer sind dem thema angemessen und müssen nicht unbedingt ausgebügelt werden.

    in der ersten strophe hast du einen widerspruch. *länder werden von meeren umschlossen (okay, global gesehen stimmt das sogar, wenn man länder als landmasse definiert und nicht als einzelne länder), den salzigen tränen der welt*. poetisch das meerwasser als tränen der welt zu bezeichnen - warum nicht? aber dann: *die tränen wurden von uns vergossen (ich dachte, von der welt?), weil zerstörung der menschheit gefällt.* wir weinen also, weil wir die zerstörung so mögen? im ernst?

    die letzte strophe ist hübsch mehrdeutig oder aber noch ein logikfehler drin. wir ertrinken im tränenmeer (strophe 3:*länder werden in tränen versinken* - also überflutung, hochwasser tsunamis etc.), aber am ende beklagt das LI, dass wir bald auch keine tränen mehr haben werden für unser tränenmeer. wenn ich das tränenmeer mit den ozeanen gleich setze, ist es doch gut, wenn es nicht zu überflutungen usw. kommt und sich alles wieder einpegelt. oder aber du meintest, dass wir die ozeane austrocknen. oder es gibt keine tränen mehr, weil wir die erde und uns endgültig zerstört haben. die mehrdeutigkeit würde mir gefallen, auch wenn man anfangs einen widerspruch darin liest (ich zumindest).


    lg
    lilisarah
    Geändert von lilisarah (01.01.2019 um 15:52 Uhr)

  3. #3
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    Hallo Sarah!

    Hehe.. ja.. der Zeitpunkt für ein solches Gedicht ist vielleicht nicht der Beste.. aber wenn man bedenkt, dass für mich seit 9 Jahren jeder Tag im Prinzip gleich ist, dann erklärt sich auch, warum ich so weit nicht dachte *g*

    Bin schon froh, wenn ich meinen eigenen Geburtstag nicht verpasse. Zudem haben gerade an die 10 Leute im nachdenklichen Bereich gelesen, also dachte ich mir.. da werf ich mal was rein, damit es evtl. "kritisiert" wird

    Was die erste Strophe betrifft, so hatte ich das auch global betrachtet. Gleichzeitig wollte ich die "Tränen" aber auch in alle Länder verteilen.
    Was die Tränen und das Weinen betrifft, ist der Gedanke dahinter:

    Die Meere sind die salzigen Tränen der (auf unserer) Welt, die von uns (Menschen/Lebewesen) vergossen wurden.
    Der Widerspruch "Wir weinen, weil wir Zerstörung mögen".. ist absichtlich gewählt und sollte den Widerspruch in dem wir uns eigentlich befinden aufzeigen. Wir trauern um das, was wir selbst zerstören.

    Strophe 3 soll zum einen wie du schon sagst, Überflutung dank Erderwärmung, Tiermisshandlung, Rohstoffausbeutung, Kriege, etc. zeigen.. aber auch, dass eben aufgrund diverser "Zerstörung" viel getrauert/geweint wird (Länder werden in Meeren versinken/die ja hier auch Tränen sind). Zugleich ist die von dir erkannte Mehrdeutigkeit auch in S4 beabsichtigt. Eine Deutung, die du nicht aufgelistet hast ist, dass wir vielleicht schon bald nicht mehr um das "weinen", was "wir" zerstören. Somit "vielleicht auch bald keine Tränen mehr.. für unser aller Tränenmeer" (das Meer hier unter anderem auch als Leid zu betrachten).

    Ich hoffe, das war jetzt nicht zu verwirrend und ich konnte aufzeigen, was ich mir bei dem ein oder anderen Widerspruch dachte

    Auch der leichte Bruch beim lesen.. nach:
    "wie kann man uns nicht hassen?" und "Trotz all diesem Unsinn machen wir weiter, noch weiter als bisher."
    Ist von mir so gewollt. In meinem Empfinden lässt er kurz innehalten und regt zum Nachdenken an.
    Zudem ist die Zeile mit "weiter als bisher" auch optisch "weiter" (länger) als die anderen.

    Falls es nach dem erklärten Hintergrund Verbesserungsvorschläge gibt, bin ich natürlich offen dafür.

    Liebe Grüße,
    Lightning
    Geändert von Lightning (01.01.2019 um 17:21 Uhr) Grund: hatte was vergessen ^^
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  4. #4
    Dr. Üppig Guest
    Dieser Text ist geprägt durch Inkonsequenz in der Gestaltung und im Inhalt.
    Gestaltungsbeispiel: Der Kreuzreim aus der 1. Strophe wird nicht durchgehalten, bereits in der 2. Strophe wird es nur noch ein halber Kreuzreim; die Reimwirkung an sich verpufft mE aufgrund von rhythmisch kakophonischen Versen.
    Inhaltliches Beispiel: Die ersten beiden Verse sind vom darauffolgenden Text gelöst, die Umschreibung der Meere als "Tränen der Welt" ist zwar eine durchaus schöne Metapher, deren Wirkung aber ebenfalls ins Leere läuft, da der Fokus bereits im 3. Vers auf den Menschen springt.
    Zitat Zitat von Lightning
    Die Meere sind die salzigen Tränen der (auf unserer) Welt, die von uns (Menschen/Lebewesen) vergossen wurden.
    Eine steile These, die jedoch wenig aushält, wenn man sie näher betrachtet.

    Oder auch S2V4: "wie kann man uns nicht hassen?" Wer ist hier mit "man" gemeint? Soweit ich weiß, sind Menschen, also wir, die einzigen, die zu so einem Blödsinn wie Hass in der Lage sind. "Man" und "uns" zusammen in diesem Satz ist also ein logischer Widerspruch.

    mfG

  5. #5
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    Hallo Dr. Üppig!

    Thx für deine Zeilen. Wie gesagt, habe ich bisher für mich und nach Gedanken und Gefühl geschrieben. Und mir selbst kamen die Tränen beim Schreiben der Zeilen - was sehr selten vorkommt. Ich hoffe, ich lerne dennoch dazu, was Metrik und bestimmte "Regeln" der Reimstruktur betrifft. Allerdings geht für mich persönlich auch oft etwas verloren, wenn ich Gedichte in Strukturen presse. Vieles liest sich für mich einfach nur monoton, wenn es metrisch perfekt ist, oder Reime zu regelmäßig sind, daher hatte ich bisher öfters mal absichtlich den Rhytmus geändert. Einige Texte sind auch mit Melodie im Kopf entstanden und sind daher eher als Lieder zu betrachten, deren Melodie leider nur ich kenne. Bin aber dabei, daran zu arbeiten und werde evtl. auch diesen Text nochmal so umschreiben, damit sich wenigstens s3 besser einfügt. Mit s3 bin auch ich nicht ganz zufrieden.. aber irgendwie wollte ich den Inhalt behalten. S4 dürfte sich für mich persönlich vom Rest abspalten.. weil die "Erkenntnis" ein anderes Gefühl erzeugen darf, als die Zerstörung.

    ------

    "Die Meere sind die salzigen Tränen der (auf unserer) Welt, die von uns (Menschen/Lebewesen) vergossen wurden."
    Die These sollte ein Bild schenken, das nachdenklich und evtl auch traurig stimmt.
    Wenn du diese wissenschaftlich betrachtest, ist sie natürlich nicht zu halten.
    "eine durchaus schöne Metapher, deren Wirkung aber ebenfalls ins Leere läuft, da der Fokus bereits im 3. Vers auf den Menschen springt."

    V1: Länder werden von Meeren umschlossen,
    V2: den salzigen Tränen der Welt.
    V3: Viele Tränen wurden vergossen,
    V4: weil Zerstörung den Menschen gefällt.

    Hm.. ich finde, die Metapher geht in V3 nur verloren, wenn man ausser Acht lässt, dass das Meer aus Tränen besteht.. und nach 2 Zeilen sollte man das noch im Kopf haben. V3 war vorher: "Die Tränen wurden von uns vergossen". Jetzt könnte man es auch so interpretieren, dass die Tränen von der Welt (dem Planet) oder allem Leben vergossen wurden. Die Zeilen sind absichtlich mit sehr viel Spielraum gestaltet. Steht ja nicht umsonst in "nachdenkliches".

    ------

    "Oder auch S2V4: "wie kann man uns nicht hassen?" Wer ist hier mit "man" gemeint?"

    *wir zerstören alles.. wie kann man uns nicht hassen?*
    Mit "wir", "man" und "uns" ist hier der gemeint, der sich angesprochen fühlt. Daher eigentlich absichtlich offen gelassen.
    Und vielleicht können ja auch Tiere und Planeten hassen. In der Vorstellung - falls diese weit genug geht - können sie es auf jeden Fall

    *Die Menschheit zerstört Vieles, wie kann ein Teil von uns (Menschen).. einen anderen Teil von uns (Menschen) nicht hassen?*
    Würde den gewollten Widerspruch auch hier ändern. Da der Sinn im Widerspruch von Anderen wohl nicht erkannt wird, werde ich diesen evtl. auch ändern.. Ausser es kommt noch ein Kommentar, der mir sagt, dass der Sinn dahinter erkannt wurde. Dann baue ich eher den Widerspruch in s1 wieder ein, als den anderen zu beseitigen. Wie gesagt: Mir gefielen gerade die Widersprüche, weil wir meiner Meinung nach genau in diesen Leben, wenn man uns als Menschheit betrachtet und "uns" nicht in Gruppen unterteilt. Evtl. leben wir ja auch in dem Widerspruch, weil ihn keiner erkennt ^^

    ------

    Also dass du die Zeilen rhythmisch und metrisch nicht gut findest, kann ich verstehen. Würde ich sie dir vorlesen, wären die Brüche meiner Meinung nach trotzdem schlüssig, auch wenn jede Strophe ein anderes Gefühl betont. Aber inhaltlich inkonsequent? Versteh ich nicht.
    Es ist eben ein umfangreicher Inhalt mit sehr viel gedanklichem Spielraum. Wenn ich jetzt alle Gedanken und Verknüpfungen, die ich mir dabei dachte aufschreiben würde.. wäre das ein sehr langer Text. Die Kurzform wäre:

    S1: Wir zerstören als Menschheit und trauern jetzt oder danach über das, was wir zerstören.
    S2: Zeigt Beispiele, was oder wie wir "zerstören" und fragt, wie man die Menschheit dafür nicht hassen kann.
    S3: Zeigt Beispiele, was oder wie wir "zerstören" und sagt aus, dass wir ja wissen, was wir zerstören.
    S4: Sagt aus, dass wir trotz dieses Wissens weiter machen und uns evtl. sogar selbst vernichten oder einfach gefühlskalt werden und nicht mehr um das "weinen", was wir zerstören oder zerstört haben.

    Aber je länger man über die Worte nachdenkt.. desto mehr Verknüpfungen sollten zwischen den Zeilen zu finden sein.

    Findest du es inhaltlich inkonsequent, weil ich nicht ein ganzes Gedicht über nur eine einzige Metapher geschrieben habe?
    Oder wie darf ich das verstehen?

    Ansonsten.. wie gesagt.. thx für die Kritik. Ohne wirds nich besser werden

    LG, Lightning
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

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