Thema: Der Voyeur

  1. #1
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    Der Voyeur

    Überarbeitete, gekürzte Fassung, von Claudi in eine bessere Form gebracht.


    Gaby schaut herauf zu mir - ich hatte für mich die Liege unterm Reineclaudenbaum geentert, konnte von da aus den Garten überschauen, hatte einen freien Blick auf die Kernberge jenseits des Tales und vor allem schützte mich das Blätterdach vor einem Sonnenbrand - küsst auf ihre Fingerspitzen und haucht das Küsschen zu mir rauf, macht Winkewinke und zieht sich ins Häuschen zurück, um den versäumten Schlaf nachzuholen und Kräfte für weitere Abenteuer zu sammeln.

    Ich plante das auch, wollte nur das Bräunen der Haut im Halbschatten mit einem erholsamen Nickerchen verbinden. Dörte liegt, anmutig, schön und nackt wie die schlummernde Venus von Giorgione, auf der Liege unter dem großen Walnussbaum neben dem Gartenhaus; ein warmer Hauch bewegt kaum die Äste, aber die Blätter tanzen ein Freudentänzchen zu Ehren des Frische verheißenden Windgottes.

    Die bewegten Schatten streicheln die Hingegossene, gönnen voller Großmut den neugierigen Strahlen der Sonne, die Schlafende zu liebkosen.
    Oh - soeben haben sie die hübschen Hügel geküsst, müssen aber den aufgeregt zitternden Schatten der Blätter weichen, wandern kurz entschlossen talwärts und honigfarben leuchtet das goldblonde Vlies auf, das schamhaft tiefere Einblicke in verborgene Gründe verwehrt. Mein stummes Flehen lässt die Strahlen der Sonne verharren, sekundenlang beglüht Phoibos Apollon den heiligen Gral, schreitet weiter hügelan, findet ein Bäuchlein, vertreibt die Schatten aus dem niedlichen Nabel und verweilt zu meiner Freude lange da, weil er selbst Gefallen daran hat, was sich den göttlichen Augen und meinen blinzelnden bietet.

    Upps - bin ich eingenickt? Dörte hat sich umgedreht, liegt jetzt auf dem Bauch und gestattet dem Wechselspiel von Licht und Schatten auf ihrem Rücken weiter zu tanzen. Ein frivoles Unterfangen! Kaum erklimmen die wärmenden Strahlen die rundlichen Kuppen der Hügel, die durch eine schmale Kluft getrennt sind, entzünden sie feinste Flimmerhärchen, werden von eifersüchtigen Schatten vertrieben und weichen aus auf jene Stellen, wo den Engeln Flügel wachsen. Komm, vielfarbiges Licht, entflamme nun auch die honiggetränkten, lose geflochtenen Zöpfe, gieß deine Strahlen ins goldne Geflecht und siehe!, - mein stilles Gebet wird erhört.

    Noch hat die Sonne ihren Zenit nicht erreicht, da wird mein träumerisches Schwelgen unterbrochen: Tina, die Jüngste der drei Göttinnen, schleppt den großen Garderobenspiegel auf die Terrasse, stellt ihn an den Pfeiler des Überdaches - ein forschender Blick zur schlafenden Dörte, dann ein zweiter zu mir und offensichtlich stellt sie fest, dass die Freundin und ich den Schlaf der Gerechten schlafen. Tina verschwindet noch mal im Gartenhäuschen, kommt gleich wieder heraus, in beiden Händen aus der Entfernung nicht zu erkennende Gegenstände, legt die auf einen kleinen Beistelltisch und - oh wie nett - entledigt sich ihrer eh nur spärlichen Bekleidung.

    Mich blendet ein Sonnenstrahl und ich verändere geräuschvoll meine Lage - Tina erschrickt, schaut zu mir und sieht mich, den offenbar Halbtoten im Tiefschlaf und gut aufgehoben in Morpheus Armen. Ich kann nun aus halb geschlossenen, vom Laub beschatteten Augen beobachten, was die Sonne wohlwollend bescheint.

    Tina lehnt sich an den zweiten Pfosten, betrachtet ihr Spiegelbild, bedeckt mit einer Hand züchtig ihre Scham, mit der anderen ihre Brüste, dreht sich zur Seite, wirft einen Blick über die Schulter auf den Spiegel, dreht sich zurück, greift mit beiden Händen in ihre schwarze Mähne, senkt den Blick, hebt ihn wieder, schaut mal ernst, mal lächelnd, dann dämonisch und gleich darauf lautlos lachend, zuletzt erstaunt, weil ihre streichelnden Finger die Knospen ihrer Brüste ganz niedliche Ergebnisse zaubern, krault im seidigen Vlies und den darunter verborgenen Geheimnissen, dreht sich so, dass sie ihre Rückfront sehen kann, legt ihre Hände auf die Pobacken, schüttelt die Mähne - kurz gesagt - Tina posiert, selbstvergessen, selbstverliebt und stolz auf ihren biegsamen Körper, als wolle sie erkunden, welches ihre Schokoladenseite sei, wie sie sich am reizvollsten präsentieren könne. - Eine Fotosession ohne Fotograf, dieser Umstand, so nehme ich mir vor, muss schnellmöglichst geändert werden!

    Tina legt eine Zigarettenpause ein, (verdammt!, als Schlafender kann ich das nicht!). Sie setzt ich einen Hocker, hat den so platziert, dass sie sich selbst weiter beobachten kann, bläst den Rauch in Richtung des imaginären Fotografen, sodass er durch den Nebel nichts davon sehen kann, was ihre geöffneten Beine offenbaren. Sie versucht, Rauchkringel zu produzieren - die bei mir beobachteten scheinen sie immer noch zu faszinieren - und nach mehreren Fehlversuchen steigt ein perfekter, leicht wabernder Kringel in die unbewegte Sommerluft. Tina stößt, einer obszönen Geste vergleichbar, ihren ausgestreckten Mittelfinger durch das aufwärts steigende Qualmgebilde, das sich sofort protestierend in ein Nichts auflöst.

    Die Zigarette ist aufgeraucht, Tina greift nach - ah, jetzt erkenne ich eines der Utensilien - meiner Rasierschaumtube, schüttelt sie mehrmals und appliziert einen dicken Schaumklecks auf den linken Oberschenkel, verteilt ihn bis zum Knie und greift zum zweiten Teil - meinen Rasierapparat.
    Huch, was ist das? Der Himmel bewölkt sich als ahne er kommendes Unheil, ein fernher grollendes Geräusch kündigt den Zorn Donars in Eintracht mit dem Wolkenverschieber und Blitzeschleuderer Griechenlands an, aufkom-mende Winde fegen die Wege frei für die vier apokalytischen Reiter, mein Herz stottert wie ein Trabi, der Wasser in den Vergaser gesaugt hat, mein Hirn weigert sich zu denken:

    Eine Schaumkugel wölbt sich auf Tinas Venushügel, das so lieblich glänzende, seidig-schwarze Vlies, das behutsam gepflegte Gärtchen nahe des Paradieses, dem Tor zur Perlmuttmuschel, Heimstatt des Gottes Priapos, kurz: Tina schäumt ihr Bärchen ein, verteilt mit geschickten Fingern - oh möge ihr jeder einzelne abfallen! - den Rasierschaum, setzt sich mit gespreizten Beinen bequem zurecht, betrachtet im Spiegel das Ergebnis ihres ruchlosen Unterfangens und setzt an zur schändlichen Untat, greift zu meinem batteriebetriebenen Rasierapparat, setzt das vibrierende Köpfchen an, genießt ein paar Sekunden, ich höre es mit ungläubigen Ohren, sehe es mit schreckgeweiteten Augen, die von leisem Summen begleiteten Vibrationen und - habt Erbarmen, ihr Götter und alle Göttinnen! - beginnt mit der Rasur.

    Lasst mich erblinden, entfernt alle Nerven aus meinen Fingern und Lippen, lasst mich nicht länger leiden! Die abziehenden Wolken, das Abflauen des Windes, die aus den Wolken hervorbrechende Sonne - nichts konnte meine Qualen lindern.
    Sie hat es getan!

    Sie hat, es ist unfassbar, aus diesem verlockenden, mit krausen Seidenfäden verzierten Dreieck, Symbol allen Lebens, Symbol aller weiblichen Gottheiten ein nacktes Hautdingsda gemacht!

    Das wäscht sie jetzt sorgsam mit meinem, aus den Tiefen des Mittelmeeres geborgenen Naturschwamm ab, trocknet es mit meinem Frottierhandtuch ab und - welch eine Verschwendung - salbt das Unaussprechliche mit Nardenöl, steht auf und bewundert sich und das Resultat der vollendeten Todsünde im Spiegel. Die ganz verfluchte Sonne beleuchtet, was ich gar nicht sehen will, doch magisch angezogen, wandern meine Blicke auf ein sauber rasiertes, schwarzes Herz. „HALLELUJA“ bricht es jubelnd aus meiner befreiten Brust, aus den Augenwinkeln sehe ich, dass Dörte erschreckt von der Liege kippt, Gaby blinzelnd ins Sonnenlicht tritt, Tina den Spiegel umschmeißt.

    Dörte erfasst als erste die Situation, schaut sich interessiert an, was ihre Freundin sozusagen aus dem Handgelenk geschaffen hat und:
    „Ach, das sieht aber süß aus!“ Und Gaby: „Na, du lässt dir ja Sachen einfallen!“ Und ich? Ich habe Jan Kiepura versucht zu imitieren und gesungen: „Schenk mir dein Herz heut Nacht, bella Divina!“

    Die Vögel hören auf zu zwitschern, die Sonne versteckt sich kurz hinter einer Wolke und wir beschließen eine Fotosession. Fünf Filme, hundertundachtzig Bilder, eins schöner als das andere - ich brauche jetzt was zu trinken, um zu trinken auf lachende Augenpaare!
    Geändert von Festival (01.12.2019 um 10:51 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Festival, habe deine witzige Kurzgeschichte nun zweimal mit Freude gelesen.
    Finde ich persönlich richtig gut geschrieben!
    Viele Grüße
    Sidamm

  3. #3
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    Lieber Sidamm,
    verzeih, wenn ich erst jetzt antworte. Mit einem Echo auf meine Story habe ich gar nicht mehr gerechnet. Vielen Dank fürs "gut geschrieben"!
    Liebe Grüße,
    Festival

  4. #4
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    Lieber Heinz,

    ich will mal versuchen, meine Energie etwas nutzbringender einzusetzen, als jetzt in einem aufwändigen Wort-für-Wort-Vergleich herauszufinden, ob Deine Überarbeitung einen neuen Faden rechtfertigt. Was spricht denn dagegen, die überarbeitete Fassung hier in Deinem alten Faden über "Bearbeiten" einzustellen, wie es die übliche Vorgehensweise ist?

    Vielleicht kann ich Dir die Entscheidung ja mit einem Kommentar etwas leichter machen? Ich finde es immer angenehmer, längere Texte nicht über die gesamte Seitenbreite lesen zu müssen, habe gleich mal die neue Fassung als Demo-Objekt genommen und die Absätze noch etwas luftiger gestaltet, damit Du Dir das mal im direkten Vergleich anschauen kannst.

    Es ist natürlich nur eine Anregung, der Du nicht folgen musst. Könnte aber sein, dass dies nicht der letzte Kommentar zu Deiner kurzweiligen Erzählung ist, und das wäre evtl. ein überzeugendes Argument, in diesem Faden zu bleiben?

    LG Claudi



    Gaby schaut herauf zu mir - ich hatte für mich die Liege unterm Reineclaudenbaum geentert, konnte von da aus den Garten überschauen, hatte einen freien Blick auf die Kernberge jenseits des Tales und vor allem schützte mich das Blätterdach vor einem Sonnenbrand - küsst auf ihre Fingerspitzen und haucht das Küsschen zu mir rauf, macht Winkewinke und zieht sich ins Häuschen zurück, um den versäumten Schlaf nachzuholen und Kräfte für weitere Abenteuer zu sammeln.

    Ich plante das auch, wollte nur das Bräunen der Haut im Halbschatten mit einem erholsamen Nickerchen verbinden. Dörte liegt, anmutig, schön und nackt wie die schlummernde Venus von Giorgione, auf der Liege unter dem großen Walnussbaum neben dem Gartenhaus; ein warmer Hauch bewegt kaum die Äste, aber die Blätter tanzen ein Freudentänzchen zu Ehren des Frische verheißenden Windgottes.

    Die bewegten Schatten streicheln die Hingegossene, gönnen voller Großmut den neugierigen Strahlen der Sonne, die Schlafende zu liebkosen.
    Oh - soeben haben sie die hübschen Hügel geküsst, müssen aber den aufgeregt zitternden Schatten der Blätter weichen, wandern kurz entschlossen talwärts und honigfarben leuchtet das goldblonde Vlies auf, das schamhaft tiefere Einblicke in verborgene Gründe verwehrt. Mein stummes Flehen lässt die Strahlen der Sonne verharren, sekundenlang beglüht Phoibos Apollon den heiligen Gral, schreitet weiter hügelan, findet ein Bäuchlein, vertreibt die Schatten aus dem niedlichen Nabel und verweilt zu meiner Freude lange da, weil er selbst Gefallen daran hat, was sich den göttlichen Augen und meinen blinzelnden bietet.

    Upps - bin ich eingenickt? Dörte hat sich umgedreht, liegt jetzt auf dem Bauch und gestattet dem Wechselspiel von Licht und Schatten auf ihrem Rücken weiter zu tanzen. Ein frivoles Unterfangen! Kaum erklimmen die wärmenden Strahlen die rundlichen Kuppen der Hügel, die durch eine schmale Kluft getrennt sind, entzünden sie feinste Flimmerhärchen, werden von eifersüchtigen Schatten vertrieben und weichen aus auf jene Stellen, wo den Engeln Flügel wachsen. Komm, vielfarbiges Licht, entflamme nun auch die honiggetränkten, lose geflochtenen Zöpfe, gieß deine Strahlen ins goldne Geflecht und siehe!, - mein stilles Gebet wird erhört.

    Noch hat die Sonne ihren Zenit nicht erreicht, da wird mein träumerisches Schwelgen unterbrochen: Tina, die Jüngste der drei Göttinnen, schleppt den großen Garderobenspiegel auf die Terrasse, stellt ihn an den Pfeiler des Überdaches - ein forschender Blick zur schlafenden Dörte, dann ein zweiter zu mir und offensichtlich stellt sie fest, dass die Freundin und ich den Schlaf der Gerechten schlafen. Tina verschwindet noch mal im Gartenhäuschen, kommt gleich wieder heraus, in beiden Händen aus der Entfernung nicht zu erkennende Gegenstände, legt die auf einen kleinen Beistelltisch und - oh wie nett - entledigt sich ihrer eh nur spärlichen Bekleidung.

    Mich blendet ein Sonnenstrahl und ich verändere geräuschvoll meine Lage - Tina erschrickt, schaut zu mir und sieht mich, den offenbar Halbtoten im Tiefschlaf und gut aufgehoben in Morpheus Armen. Ich kann nun aus halb geschlossenen, vom Laub beschatteten Augen beobachten, was die Sonne wohlwollend bescheint.

    Tina lehnt sich an den zweiten Pfosten, betrachtet ihr Spiegelbild, bedeckt mit einer Hand züchtig ihre Scham, mit der anderen ihre Brüste, dreht sich zur Seite, wirft einen Blick über die Schulter auf den Spiegel, dreht sich zurück, greift mit beiden Händen in ihre schwarze Mähne, senkt den Blick, hebt ihn wieder, schaut mal ernst, mal lächelnd, dann dämonisch und gleich darauf lautlos lachend, zuletzt erstaunt, weil ihre streichelnden Finger die Knospen ihrer Brüste ganz niedliche Ergebnisse zaubern, krault im seidigen Vlies und den darunter verborgenen Geheimnissen, dreht sich so, dass sie ihre Rückfront sehen kann, legt ihre Hände auf die Pobacken, schüttelt die Mähne - kurz gesagt - Tina posiert, selbstvergessen, selbstverliebt und stolz auf ihren biegsamen Körper, als wolle sie erkunden, welches ihre Schokoladenseite sei, wie sie sich am reizvollsten präsentieren könne. - Eine Fotosession ohne Fotograf, dieser Umstand, so nehme ich mir vor, muss schnellmöglichst geändert werden!

    Tina legt eine Zigarettenpause ein, (verdammt!, als Schlafender kann ich das nicht!). Sie setzt ich einen Hocker, hat den so platziert, dass sie sich selbst weiter beobachten kann, bläst den Rauch in Richtung des imaginären Fotografen, sodass er durch den Nebel nichts davon sehen kann, was ihre geöffneten Beine offenbaren. Sie versucht, Rauchkringel zu produzieren - die bei mir beobachteten scheinen sie immer noch zu faszinieren - und nach mehreren Fehlversuchen steigt ein perfekter, leicht wabernder Kringel in die unbewegte Sommerluft. Tina stößt, einer obszönen Geste vergleichbar, ihren ausgestreckten Mittelfinger durch das aufwärts steigende Qualmgebilde, das sich sofort protestierend in ein Nichts auflöst.

    Die Zigarette ist aufgeraucht, Tina greift nach - ah, jetzt erkenne ich eines der Utensilien - meiner Rasierschaumtube, schüttelt sie mehrmals und appliziert einen dicken Schaumklecks auf den linken Oberschenkel, verteilt ihn bis zum Knie und greift zum zweiten Teil - meinen Rasierapparat.
    Huch, was ist das? Der Himmel bewölkt sich als ahne er kommendes Unheil, ein fernher grollendes Geräusch kündigt den Zorn Donars in Eintracht mit dem Wolkenverschieber und Blitzeschleuderer Griechenlands an, aufkom-mende Winde fegen die Wege frei für die vier apokalytischen Reiter, mein Herz stottert wie ein Trabi, der Wasser in den Vergaser gesaugt hat, mein Hirn weigert sich zu denken:

    Eine Schaumkugel wölbt sich auf Tinas Venushügel, das so lieblich glänzende, seidig-schwarze Vlies, das behutsam gepflegte Gärtchen nahe des Paradieses, dem Tor zur Perlmuttmuschel, Heimstatt des Gottes Priapos, kurz: Tina schäumt ihr Bärchen ein, verteilt mit geschickten Fingern - oh möge ihr jeder einzelne abfallen! - den Rasierschaum, setzt sich mit gespreizten Beinen bequem zurecht, betrachtet im Spiegel das Ergebnis ihres ruchlosen Unterfangens und setzt an zur schändlichen Untat, greift zu meinem batteriebetriebenen Rasierapparat, setzt das vibrierende Köpfchen an, genießt ein paar Sekunden, ich höre es mit ungläubigen Ohren, sehe es mit schreckgeweiteten Augen, die von leisem Summen begleiteten Vibrationen und - habt Erbarmen, ihr Götter und alle Göttinnen! - beginnt mit der Rasur.

    Lasst mich erblinden, entfernt alle Nerven aus meinen Fingern und Lippen, lasst mich nicht länger leiden! Die abziehenden Wolken, das Abflauen des Windes, die aus den Wolken hervorbrechende Sonne - nichts konnte meine Qualen lindern.
    Sie hat es getan!

    Sie hat, es ist unfassbar, aus diesem verlockenden, mit krausen Seidenfäden verzierten Dreieck, Symbol allen Lebens, Symbol aller weiblichen Gottheiten ein nacktes Hautdingsda gemacht!

    Das wäscht sie jetzt sorgsam mit meinem, aus den Tiefen des Mittelmeeres geborgenen Naturschwamm ab, trocknet es mit meinem Frottierhandtuch ab und - welch eine Verschwendung - salbt das Unaussprechliche mit Nardenöl, steht auf und bewundert sich und das Resultat der vollendeten Todsünde im Spiegel. Die ganz verfluchte Sonne beleuchtet, was ich gar nicht sehen will, doch magisch angezogen, wandern meine Blicke auf ein sauber rasiertes, schwarzes Herz. „HALLELUJA“ bricht es jubelnd aus meiner befreiten Brust, aus den Augenwinkeln sehe ich, dass Dörte erschreckt von der Liege kippt, Gaby blinzelnd ins Sonnenlicht tritt, Tina den Spiegel umschmeißt.

    Dörte erfasst als erste die Situation, schaut sich interessiert an, was ihre Freundin sozusagen aus dem Handgelenk geschaffen hat und:
    „Ach, das sieht aber süß aus!“ Und Gaby: „Na, du lässt dir ja Sachen einfallen!“ Und ich? Ich habe Jan Kiepura versucht zu imitieren und gesungen: „Schenk mir dein Herz heut Nacht, bella Divina!“

    Die Vögel hören auf zu zwitschern, die Sonne versteckt sich kurz hinter einer Wolke und wir beschließen eine Fotosession. Fünf Filme, hundertundachtzig Bilder, eins schöner als das andere - ich brauche jetzt was zu trinken, um zu trinken auf lachende Augenpaare!
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  5. #5
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    Liebe Claudi,
    Deine vorgeschlagene Fassung sieht besser als als meine. Was das vermutete doppelte Einstellen angeht: Nee, solche Tricks habe ich nicht nötig. Der einzige Grund, der mir einfällt ist, dass ich meine alte Fassung im Forum nicht gefunden habe, gleichzeitig aus meinen Dateien die Erstfassung heraus gesucht und überarbeitet, insbes. gekürzt habe.
    Wenn ich einen Fehler gemacht habe, dann entschuldige ich mich und - schmeiß das Ding einfach raus.
    Liebe Grüße,
    Heinz

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