1. #1
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    Elster, Taube, Specht


    Elster, Taube, Specht

    Die Elster klaute wie ein Rabe,
    Dass alles sie im Neste habe.
    Entrüstet über das Geraubte
    Meldete sich eine große Taube:

    „Warum raubst Du das alles hier,
    Klaust das Schöne so gar mir?
    Tiere müssen das nicht haben,
    Denn die Natur ist unser Laden!“

    „Ich trage das in meinen Genen,
    Muss, was da glänzt, mir alles nehmen.
    Ich kann nicht anders, ich muss schauen,
    Wo etwas glänzt, das ich kann klauen!“

    Traurig sah Taubenmann den Specht,
    Der hämmert und den Kopf hochreckt,
    Dort ständig Rindenschicht entkleidet
    Und so den kranken Baum beweidet.

    „Der ist so nützlich für den Wald,
    Wenn dort sein Klopfen widerhallt
    Und er das Ungeziefer tötet
    Wodurch er manche Bäume rettet.“

    Versöhnt flog Mann zum Taubenhaus,
    Endlich war ihm die Botschaft 'raus,
    Dass Tiere auch von Nutzen sind:
    Nicht alle klauen nur geschwind!

    Da kam der Bauer, holte dann
    Den klugen, feinen Taubenmann,
    Der, nur bestückt mit leerem Kropfe
    Nun landete im Suppentopfe.

    Selbst wenn der Kopf zum Denken reicht,
    Ist Menschenwelt wohl nur geeicht
    Fürs Hamstern und zum Essenfassen,
    Das Rauben kann sie so nicht lassen.


    ©Hans Hartmut Karg
    2019

    *

  2. #2
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    Guten Tag, Dr. Karg,

    dies Gedicht find ich richtig gut! Lieblingsstellen:

    1) Eine Elster, die wie ein Rabe klaut (originell)
    2)"Wo etwas glänzt, das kann ich klauen"

    Und auch das Ende gefällt mir. Der Taubenmann, der am Ende den Kürzeren zieht, weil noch ein Raubtier über ihm ist.

    Ich habe mir mal erlaubt, ein klein wenig dran zu schleifen an Stellen, die optimiert werden könnten z. B. für einen besseren Takt oder saubere Reime. Es lohnt sich! (Änderungen in grün):

    Die Elster klaute wie ein Rabe,
    dass alles sie im Neste habe.
    Entrüstet über das Geraube
    vermeldet eine große Taube:

    Sag, warum raubst du all das hier,
    und klaust das Schöne so gar mir?
    Die Tiere müssen das nicht haben,
    Denn die Natur hat reichlich Gaben“

    „Ich trage das in meinen Genen,
    Das, was da glänzt, bedient mein Sehnen.
    Ich kann nicht anders, ich muss schauen,
    Wo etwas glänzt, da kann ich klauen!

    Ganz traurig wirds dem Taubenmanne,
    da sieht er in der hohen Tanne
    den Specht sich an der Rinde weiden
    Und so den kranken Baum entkleiden

    (denn die Rinde wird ja nicht entkleidet, sondern der Stamm)

    „Der ist so nützlich für den Wald,
    Wenn dort sein Klopfen widerhallt
    Und er das Ungeziefer tötet
    Wodurch er manche Bäume rettet“ (tötet/rettet ist kein schöner Reim, aber mir will auch partout keine bessere Lösung einfallen)

    Versöhnt flog Mann zum Taubenhaus,
    Ihm war die Botschaft endlich raus,
    Dass Tiere auch von Nutzen sind:
    Nicht alle klauen nur geschwind!

    Da kam der Bauer, holte dann
    Den klugen, feinen Taubenmann,
    Der, nur bestückt mit leerem Kropf
    Nun landete im Suppentopf.

    Selbst wenn der Kopf zum Denken reicht,
    Ist Menschenwelt wohl nur geeicht
    Fürs Hamstern und zum Essenfassen,
    Sie kann das Rauben doch nicht lassen.


    ____________________________________________________________-


    Ein schönes Wochenende wünscht
    Richmodis
    Geändert von Richmodis (12.01.2019 um 15:00 Uhr)
    "Aber es muss gehen, andere machen es doch auch!"
    Loriot

  3. #3
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    Richmondis, danke,
    über Deinen Gedichtkommentar habe ich mich richtig gefreut!
    Schönen Sonntag DIR!
    HHK

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