Thema: Tantaloswelt

  1. #1
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    Tantaloswelt


    Tantaloswelt

    Stets hab' ich den Stein nach oben gewälzt,
    Ihr habt ihn mir wieder hinunter gerollt.
    Ständig war auf Hoffnung ich eingestellt,
    Doch hat offenbar nur mein Wille gewollt.

    Sagt ja nicht, ich hätt' nicht versucht
    Die Beziehung am Leben zu halten,
    Hätte nicht Eure Nähe gesucht,
    Um Begegnungen neu zu gestalten!

    Allein Missgunst hat verblendet,
    Was einmal naturwüchsig lebte.
    Doch Ihr habt Signale gesendet,
    Womit schließlich alles abebbte.

    Nähe kann man ja nicht erzwingen,
    Wenn der Gemütsstein abwärts rollt
    Und Glückwünsche nur noch hohl klingen,
    Weil Nähe und Edelmut nicht mehr gewollt.

    Deshalb lasse den Stein ich halt unten,
    Wenn Begegnungsfreuden Euch fern.
    Doch vergesst nicht in einsamen Stunden:
    Ich habe Euch immer noch gern!


    ©Hans Hartmut Karg
    2019

    *

  2. #2
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    Hallo Dr.Karg,
    was fällt mir ein, wenn ich den Titel Deines Gedichts lese? Zuerst die Antwort Iphigenies auf König Thoas Frage nach ihrer Herkunft. "Ich bin aus Tantalus Geschlecht." Und der König sprach die geflügelten Worte: "Du sprichst ein großes Wort gelassen aus!" Das machte mich neugierig und ich informierte mich, was denn da so "groß" an dieser Auskunft ist. Tantalus (oder Tantalos) war ein von den Göttern bevorzugter Mensch, der die Götter mehrfach versuchte an der Nase herum zu führen. Nektar und Ambrosia klaute er von ihren Tischen, einen goldenen Hund entführte er und das Schlimmste war wohl, dass er den Göttern anlässlich eines Gastmahls den eigenen Sohn in gebratener Form auftischte. Die Strafe war furchtbar, und da ich es nicht besser als Homer kann, hier ein Auszug:
    „Auch den Tantalos sah ich, mit schweren Qualen belastet.
    Mitten im Teiche stand er, den Kinn von der Welle bespület,
    Lechzte hinab vor Durst, und konnte zum Trinken nicht kommen.
    Denn so oft sich der Greis hinbückte, die Zunge zu kühlen;
    Schwand das versiegende Wasser hinweg, und rings um die Füße
    Zeigte sich schwarzer Sand, getrocknet vom feindlichen Dämon.
    Fruchtbare Bäume neigten um seine Scheitel die Zweige,
    Voll balsamischer Birnen, Granaten und grüner Oliven,
    Oder voll süßer Feigen und rötlichgesprenkelter Äpfel.
    Aber sobald sich der Greis aufreckte, der Früchte zu pflücken;
    Wirbelte plötzlich der Sturm sie empor zu den schattigen Wolken.“


    Was hat der Inhalt Deines Gedichts mit Tantalos zu tun? Es beginnt: "Stets hab ich den Stein..." und aus den Abgründen meines Stammhirns leuchtete ein Name auf: Sisyphos" . Auch hier noch einmal Homer:

    "Und weiter sah ich den Sisyphos in gewaltigen Schmerzen: wie er mit beiden Armen einen Felsblock, einen ungeheuren, fortschaffen wollte. Ja, und mit Händen und Füßen stemmend, stieß er den Block hinauf auf einen Hügel. Doch wenn er ihn über die Kuppe werfen wollte, so drehte ihn das Übergewicht zurück: von neuem rollte dann der Block, der schamlose, ins Feld hinunter. Er aber stieß ihn immer wieder zurück, sich anspannend, und es rann der Schweiß ihm von den Gliedern, und der Staub erhob sich über sein Haupt hinaus.“

    So verdienstvoll das Ausgraben uralter Mythen ist, aber schrecklich bestrafen die Götter die Autoren, die sündig den König Korinths mit jenem Tantaliden verwechseln, der einst an den goldenen Tischen olympischer Götter gespeiset!

    Gruß,
    Festival

  3. #3
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    Festival,
    vielen Dank für die Mühen mit meinem Gedicht!
    Die Tendenz in meinem Gedicht ist eindeutig:
    Es geht darum, nicht mehr den Felsblock dort hochwälzen zu wollen,
    wo es sich um vergebliche Liebesmüh' handelt und er wieder herunterrollt.
    Ob das gelingen kann, was dem Tantalos nicht gelingen konnte...?
    Ich will es, aber ich weiß nicht, ob mir das gelingt.
    LG H. H. Karg
    Geändert von Dr. Karg (16.01.2019 um 09:30 Uhr) Grund: Textergänzung

  4. #4
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    Dr.Karg,
    rede ich mit einem Tauben ("Tauben" im Sinn von Gehörlosen)?
    Tantalos im Zusammenhang mit einem zu wälzenden Stein zu nennen ist so weit vom mythologischen Geschehen entfernt wie Schneewittchen vom Prokustesbett der griechischen Sage.
    Stein wälzen und zusehen müssen, dass er nach getaner Arbeit wieder den Berg hinab kullerte - das war Sisyphos. Und der hatte mit den Tantaliden nichts zu tun.
    Gruß,
    Festival

  5. #5
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    Mensch Festival,

    du unbelehrbarer. Folge den Worten von Einstein und hör mit dem Wahnsinn auf. Stattdessen könntest du ja auf ein paar Kommentare in deinen eigenen Fäden antworten.

    mfG
    Geändert von Dr. Üppig (16.01.2019 um 11:58 Uhr)
    .
    цой жив

  6. #6
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    Lieber Dr. Üppig,
    wann und wo hätte ich darauf verzichtet, auf Kommentare zu eigenen Werken zu reagieren?
    Mir geht es bei der Richtigstellung nicht darum, Dr. Karg Rettungsringe zuzuwerfen. Die Leser/innen, die vielleicht weniger in der griechischen Sagenwelt zuhause sind, sollen wissen, dass Sisyphos der bestrafte Übeltäter war und Tantalos mit Steinen weniger zu tun hat.
    Liebe Grüße,
    Festival

  7. #7
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    Liebe Dichterfreunde,
    wenn es uns ein wenig gelingen würde, nicht immer wieder vergeblich den Stein zu bewegen, wäre vielleicht schon viel gewonnen.
    In diesem Sinne ein GESUNDES, GELINGENDES 2019
    wünscht
    Hans Hartmut Karg

  8. #8
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    Zitat Zitat von Dr. Karg Beitrag anzeigen
    Liebe Dichterfreunde,
    wenn es uns ein wenig gelingen würde, nicht immer wieder vergeblich den Stein zu bewegen, wäre vielleicht schon viel gewonnen.
    In diesem Sinne ein GESUNDES, GELINGENDES 2019
    wünscht
    Hans Hartmut Karg
    werter dokter, ausweichen und ablenken gilt nicht: der vergebliche steineroller war Sysiphos - und dieser war nun mal kein Tantalide. auf deutsch: keine ahnung von der ahnung, und das sehr lautstark und von sich selbst überzeugt. (ex-)lehrer eben.
    lg W.
    Keine Signatur ist auch eine. Die andere wurde gelöscht.

  9. #9
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    Nicht ganz, Walther, nicht Sysiphos, unser Herr ist der Sysi-Karg.
    Vergeblich versucht er, seine steinigen Gedichte zum Gipfel zu rollen, wo aber leider die pöhsen pöhsen Forengötter warten, ihn mit Kritik wieder runterzustoßen. Ach, wenn er darauf doch nur täte, was im Gedicht angekündigt: den Stein, oder Stift, mit dem er Text fabriziert, liegen lassen. Aber immerhin, gern hat er uns.

    Obstipui steteruntque comae et vox faucibus haesit
    Vergil: Aeneis III, 48

    Ich erstarrte, meine Haare standen zu Berge.
    Und die Stimme blieb stecken mir im Hals.

  10. #10
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    Lieber Blobstar,
    Kartengold zu schippen, Kieselsteine an die Wand werfen, bei Glatteis Sand streuen - solche Kinkerlitzchen blieben Sysiphos, Zeus sei Dank, erspart.
    Gruß,
    Festival

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