Stadtmensch wird Bauer

Im großen Wohnblock aufgewachsen
In einer riesengroßen Stadt
Mit Hunden und streunenden Katzen,
Wo es nur trübe Stadtluft hat,

Da wurde er zum grünen Flüchtling,
Wollte den Abgasen entsagen,
Denn Großstadt, das war nicht sein Ding,
Er wollte lieber Frösche jagen.

Die Eltern ließ er hinter sich,
Traf eine gleichgesinnte Frau,
Wurde als Vater recht glücklich,
Verließ Stadt und das Mauergrau.

Er hielt sich Bienen, Schafe, Ziegen,
Schlachtete auch die eigenen Lämmer,
Natur sollte Stadtluft besiegen:
Er nahm Kellen und auch Hämmer.

Für ihn gab es sehr viel zu tun,
War angesehen auf dem Lande
Und widmete sich weiter nun
Denen, die arm und ganz am Rande.

Doch dabei übersah er leider,
Dass seine Kräfte nicht unendlich.
Er blieb zwar innerlich stets heiter,
Doch Schicksale sind manchmal schändlich.

Als er in voller Blüte stand
Musste er rasch das Land verlassen
Und liegen in Sarg, Flachsgewand,
Weg von den Wäldern, von den Gassen.

Was bleibt ist seine noble Art
Mit allen Menschen umzugehen.
Wenn sich's der Himmel nicht erspart,
Gibt es für uns ein Wiedersehen.


©Hans Hartmut Karg
2019

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