Seite 1 von 2 12 Letzte
  1. #1
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378

    VEGAN - ein politischer Krimi - geschrieben und kommentiert von Ali

    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!

    Link zum Kommentarfaden: https://www.gedichte.com/showthread....itischer-Krimi



    VORWORT

    Dieser Text wurde im Jahr 2012 verfasst. Die Veganer waren damals noch nicht auf dem Vormarsch, so musste man beispielsweise nach veganen Restaurants und Konditoreien suchen, wenn man Veganer war und Lust auf ein Stück Karottenkuchen hatte. Schon damals aber war dieser Text hochaktuell! Von grösster Wichtigkeit waren die theoretischen Ausführungen in diesem Erzähltext schon zu dieser Stunde! Die Aktualität hat seither nur zugenommen.
    Warum aber hat bisher keine Druckerei die Aufgabe übernommen, diesen äusserst spannenden Text zu veröffentlichen? An mir, dem Autor des Textes, kann es nicht liegen. Ich habe den Text an alle grösseren Verlage des deutschsprachigen Europas verschickt, niemand wollte ihn drucken! Dies liegt wohl daran, dass in diesem Text die Anthroposophie vorkommt, die Lehre Rudolf Steiners. Und Rudolf Steiner ist ein umstrittener Mann. Man bedenke hier nur die Diskussionen, welche die Steiner-Biografie Helmut Zanders aus dem Jahr 2011 ausgelöst hat!
    Interessanterweise erfuhr aber eine im vorliegenden Text vorkommende Idee seit 2012 eine grosse Vervielfältigung. Es handelt sich dabei um die Vorstellung, es könnte Länder geben, in welchen der Fleischkonsum verboten ist. Tatsächlich spielt der vorliegende Text in einer Schweiz, in welcher es eine vegane Partei gibt, welche ein Fleischverbot erwirken konnte, so dass die Schweizer Bevölkerung nun vegane oder zumindest vegetarische Burger essen muss.
    Im Jahr 2012, als ich diesen Text an Verlage wie den Diogenes- oder den Suhrkamp-, ja sogar an den Reclam-Verlag verschickte, stiess ich mit dem Text überall auf Widerstand, und zwar eben vermutlich darum, weil in diesem Text nicht nur Veganer, sondern auch Anthroposophen vorkommen. (1) Trotzdem kamen in der Zwischenzeit, also zwischen 2012 und 2018, verschiedene Werke heraus, in welchen Länder vorkommen, wo der Fleischkonsum verboten ist. 2014 kam Martin Suters neues Buch heraus mit dem Titel Wenn die Schweiz vegetarisch wäre... und 2015 veröffentlichte Patrick Süskind sein Buch Vegan um jeden Preis, das sich ja bekanntlich noch besser verkaufte als sein ödes Buch Das Parfüm. Auch der Reclam-Verlag liess nicht lange auf sich warten! Hugo von Hofmannsthals Werk Vegan erschien im Reclam Verlag im Jahr 2017. Von Hofmannsthal hatte sich somit nicht einmal die Mühe gemacht, einen anderen Titel zu verwenden als ich! (2)
    Wieso ich diese Erscheinungen auf mich beziehe? Weil ich den Verdacht hege, dass diese Verlage, an welche ich das Manuskript geschickt hatte, dieses Manuskript weiterleiteten an diese namhaften Autoren! Die Verlage fanden die Idee gut, dass die Geschichte in einem Land spielt, in welchem nicht Fleisch gegessen werden darf. Weniger gut fanden sie, dass auch die Anthroposophie in dem Werk vorkam und also entstanden neue Versionen der Geschichte, einfach ohne Anthroposophie!
    Dabei denke ich, dass die Anthroposophie eine Bereicherung darstellt für die Welt, in welcher der vorliegende Text spielt. Aber überzeugen Sie sich doch am besten selbst!

    (1) Hierbei sind auch Veganerinnen und Anthroposophinnen gemeint. Wenn im Folgenden solche Wörter vorkommen, die nur männliche Wesen zu betreffen scheinen, so sind durchwegs auch weibliche Geschöpfe gemeint.
    (2) Dies ist eine vom Autor erfundene Lügengeschichte. Keiner der genannten Autoren hat tatsächlich ein solches ihm zugeschriebenes Werk verfasst.



    Prolog

    Sandra ging ruhig durch die Strassen, an einem Bettler vorbei. Schon als die Vegane Partei noch nicht von neuem eine wichtige Partei war, hatte es Bettler gegeben. Heute waren es noch etwa gleich viele. Da hatte sich nicht viel geändert. Sandra steuerte auf einen Nachtclub zu. Auch an den Tänzern ging sie vorüber. Sie war nicht wegen ihnen hergekommen. Sie kam sich etwas verwegen vor, aber das lag nicht am Nachtclub, sondern am Ziel ihres Spaziergangs. Sie wollte Fleisch einkaufen.
    Nachdem Fleisch wieder verboten worden war, erstarkte auch der Einfluss des organisierten Verbrechens erneut. Es war wohl etwa so, wie es damals während der Prohibitionszeit in den USA gewesen sein musste. Nur war damals angeblich dieser Al Capone am Drücker, während in der vegetarischen Deutschschweizerischen Republik nach Wissen der Allgemeinheit zwei Organisationen die Hungrigen mit Fleisch versorgten. Die eine Organisation wurde angeführt von der Meat Queen, die andere vom Sausage Lord, der zum Teil auch etwas spöttisch als Würstchenfürst bezeichnet wurde. Der Sausage Lord hatte sich den Namen einer in der Deutschschweizerischen Republik mittlerweile wieder verbotenen Fast-Food-Kette zu eigen gemacht. Vermutlich fand er das witzig. Allerdings war es fraglich, ob der Sausage Lord und die Meat Queen tatsächlich existierten. Manch einer vermutete, dass es sich dabei um Personen handelte, die es früher einmal gegeben hatte, jetzt aber nicht mehr. Vielleicht wurden diese Namen von den mit Fleisch handelnden Organisationen verwendet, um nach aussen als Einheit zu erscheinen. Die Meat Queen wie auch der Sausage Lord waren so gesehen nichts weiter als Gespenster, die zwar in den Köpfen der Bürger der der Deutschschweizerischen Republik herumschwirrten, die es aber eigentlich gar nicht gab.
    Sandra nickte der Barkeeperin zu, ging an ihr vorbei und die Treppe runter. Sie klopfte drei Mal an die Tür und der Metzger öffnete ihr. Sie stand am Tresen und begutachtete die Ware. Es hingen Dutzende von Würsten da, da war vor allem auch viel Trockenfleisch. Frisches Fleisch war teuer, doch es waren auch zwei gegrillte Poulets verfügbar.
    "Ich habe hier vorzügliches Trockenfleisch." Sagte der Metzger.
    "Die Hühnchen sind heute teurer als letzte Woche." Sagte Sandra, ohne mit der Wimper zu zucken.
    "Die Bullen haben eine unserer Fabriken entdeckt. Wohl wegen dem Stromverbrauch der Brutkästen oder so." Der Metzger zuckte mit den Schultern.
    "Dann nehme ich etwas von dem Bündnerfleisch." Sagte Sandra.
    "Wie viele Scheiben?"
    "Fünf."
    Der Metzger schnitt fünf hauchdünne Scheiben Bündnerfleisch ab, verpackte sie sorgfältig, nahm das Geld entgegen und händigte Sandra das Fleisch aus. Er wollte gerade etwas sagen, als die beiden Schüsse hörten oben im Club. Sie hörten etwas die Treppe runterpoltern und eine Stimme rief: "Grüsse von der Königin!"
    Die Granate explodierte und riss den Metzger und Sandra in kleine Stücke.




    Das Tiermassaker




    Kapitel 1

    Kommissar Kurt Knolle stieg aus seinem Elektroauto und ging an zwei anderen Polizisten vorbei. "Was haben wir denn hier?" Fragte er Hauptmeisterin Jasmin Müller. Allerdings war es eher eine rhetorische Frage, denn er hatte die erschossenen Rehe schon längstens gesehen.
    "Der Mörder hatte offenbar eine grosskalibrige Waffe. Er hat diesem Hirsch hier glatt den Kopf abgeschossen." Sie deutete mit ihrem Fuss auf den toten Hirsch. "Ein alter Hirsch." Sagte sie und deutete mit dem Finger auf das Hirschgeweih.
    "Was für ein Monster könnte so etwas tun?" Sagte der weinende Förster, der auch für diese Rehgruppe zuständig gewesen war, die vom alten Leithirsch bis zum kleinen Rehkitz sämtlich tot am Boden lag.
    "Ein Amokläufer." Flüsterte Müller, so dass nur Knolle es hören konnte.
    "So lange kein Mensch ums Leben kam." Meinte Knolle und Müller sah ihn skeptisch an. Sie freute sich darüber, dass sich die Wähler im Jahr 2120 für die Einführung eines Fleischverbots entschieden hatten. Sie selber war damals noch nicht auf der Welt gewesen. Der schon etwas ältere Kurt Knolle hatte damals Nein zum Fleischverbot gesagt. Und er hatte seit der Annahme des neuen Gesetzes so manches Steak entbehren müssen. Und da er Polizist war, ass er auch heimlich kein Fleisch. Möglichkeiten dazu hätte es ja gegeben. Mancher Schweizer reiste auch einmal ins Ausland, wenn er Lust auf ein schönes, saftiges Stück Fleisch hatte. Diejenigen Schweizer, die an der deutschen Grenze lebten, gingen regelmässig nach Deutschland und assen dort etwas Fleischiges. Der Zoll hatte anderes zu tun, als diesen Touristen die Mägen auszupumpen und nach halb verdautem Rind- und Schweinefleisch zu durchsuchen. Überhaupt war es nicht illegal, Fleisch gegessen zu haben, solange es nicht im Inland und seit der Einführung des Fleischgesetzes geschehen war.
    Knolle schaute Müller ins Gesicht und zuckte mit den Schultern. Sie starrte ihm in die Augen. Ihre kalten blauen Augen wollten Rache. Das sah er. Er zuckte wieder mit den Schultern und fragte: "Was wissen wir?" Sie starrte ihn weiter an und er sah sich gezwungen, die Situation zu entspannen. "Ich meine nicht, was können wir wissen. Ich mag zwar die Philosophie, aber dies hier hat nichts damit zu tun. Ich meine, was wissen wir zu dieser Tierbeschädigung hier?"
    Müller sah wohl ein, dass sie verpflichtet war, Knolle zu antworten. Immerhin war er ihr Vorgesetzter. "Es muss in der Nacht geschehen sein mit einer Waffe mit Schalldämpfer. Niemand weiss etwas. Unser einziger Anhaltspunkt ist die Munition. Solch grosskalibrige Waffen verwendet in der Schweiz nur noch die Polizei, seit es das Militär nicht mehr gibt."
    "Das ist nicht genug." Sagte Knolle. "Wir müssen mehr wissen. Woher kam der Attentäter? Von wo aus schoss er? Wie kam er hierher? Wissen wir denn gar nichts?"
    Nun war es Müller, die mit den Schultern zuckte. Sie tat das nicht aus Desinteresse, sondern imitierte auf diese Weise Knolle, der das aber nicht bemerkte, da er schon um die toten Rehe herumging. "Von wo aus schoss er?" Wiederholte er.
    "Wer sagt, dass es ein Er war?" Müller galt nicht nur als überzeugte Veganerin, sondern auch als Feministin und Mitglied der Anthroposophischen Partei.
    "Von wo aus wurde geschossen?" Formulierte Knolle seine Frage um. Er liebte seinen Job noch mehr als er solche Situationen hasste. Er musste sein Gesicht wahren und das, obwohl er keine Ahnung hatte, was los war und warum.
    "Der oder die Attentäterin war darauf aus, nur die Rehe zu töten, deshalb stand er oder sie hier am Waldrand und schoss Richtung Wald. Die Bäume waren ihm oder ihr offenbar egal." Müller stellte sich dort hin, wo sie den Standort des Täters vermutete. Ihr bereitete es offenbar Spass, so komplizierte Formulierungen zu gebrauchen. Vielleicht wollte sie nur Knolle auf die Nerven gehen.
    "Gut, nehmen wir doch der Einfachheit halber einmal an, dass es sich um eine Täterin handelte und bezeichnen wir diese Täterin als Sie. Ist dir das genehm, Jasmin?" Knolle schaute zu Boden und tat so, als wäre ihm dieser Feminismus egal.
    Müller sagte dazu: "Gut. Also die Täterin stand hier und schoss Richtung Wald. Wir könnten die Umgebung nach Fussspuren absuchen, aber ich wüsste nicht, wie wir entscheiden sollten, welche Spuren von gestern Nacht stammen und welche von vorher. Wir müssten einen Jäger haben, der sich mit solchen Sachen auskennt." Müller schien sichtlich zufrieden, dass sie es nun mit einer Täterin zu tun hatte.
    "Wir haben diesen Förster. Förster sind doch halbe Jäger. Der kann uns sicher helfen." Knolle deutete mit dem Daumen auf den Förster und hoffte insgeheim, dass sich Müller nun auf den Förster konzentrierte und ihm nicht weiter auf die Nerven ging.



    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!
    Geändert von Ali (28.04.2019 um 13:19 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!




    Kapitel 2

    Als Knolle zurück auf dem Polizeiposten war, war er um einiges schlauer. Der Förster hatte Müller und ihm wirklich bei der Arbeit helfen können. Sie waren zum Schluss gekommen, dass es sich bei der Täterin tatsächlich um eine Frau gehandelt hatte. Einige Fussspuren, die zuvor ausgesehen hatten, also würden sie von einem Gehstock herrühren, hatten sich als Spuren von Damenschuhen mit hohem Absatz entpuppt. Nun ging es bei den Ermittlungen darum, festzustellen, woher die Munition möglicherweise gekommen war. Allerdings brachte es in diesem Zusammenhang nur wenig, dass die Ermittelnden nun annahmen, dass der Täter gar kein Täter war, sondern eine Täterin.
    "Heutzutage..." Sagte Knolle laut und schaute sich auf dem Posten um. Ungefähr die Hälfte der Mitarbeitenden waren Frauen. Und mit der Pistole waren die Frauen ebenso geschickt wie die Männern, meistens noch schneller, treffsicherer und eleganter. Frauen hatten ebenso einen Zugang zu Feuerwaffen wie Männer. Also konnte es sehr wohl sein, dass diese Täterin, nach welcher Knolle nun zu suchen hatte, sich die Munition selbst beschafft hatte und dazu keinen männlichen Komplizen gebraucht hatte. Knolle nahm zwei liegengebliebene Patronenhülsen, die er bei der Spurensicherung aufgelesen hatte, und legte sie seiner Sekretärin Eva Rölli auf das Pult. "Schicke diese Patronen zur Ballistik." Sagte er mit freundlichem Ton.
    Die Sekretärin nickte und deutete mit ihrem Kinn zum Büro von Knolle. "Du hast einen Gast."
    "Wer ist es?" Fragte Knolle.
    "Hans Kammermann heisst er." Die Sekretärin lächelte.
    "Und was will er?" Fragte Knolle.
    "Das, was alle glücklichen Menschen wollen: Arbeiten." Die Sekretärin lächelte noch immer.
    "Und was tut er hier?" Fragte Knolle, geduldig wie meistens.
    "Ich will kein Geheimnis daraus machen... Du hast ja sicher davon gehört, dass die Anthroposophische Partei es durchsetzen konnte, dass Arbeitslose ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten. Vielleicht erinnerst du dich auch noch an den Herzinfarkt, den damals der SVP-Mann Walter Wegener erhielt. Wie auch immer. Dieser Hans Kammermann will hier arbeiten." Die Sekretärin hatte mit dem Lächeln aufgehört. Vermutlich wollte sie ihre Gesichtsmuskeln nicht zu sehr beanspruchen.
    Knolle sagte: "Da musst du mir auf die Sprünge helfen. Wieso kommt der hierher, wenn er doch ein bedingungsloses Grundeinkommen hat?"
    Sie lächelte wieder: "Um zu arbeiten. Es gehört zum politischen Programm, dass all jene, die ein bedingungsloses Grundeinkommen haben, auch die Möglichkeit haben, sich nach Arbeit umzuschauen, und dieser Hans will Polizist werden."
    Knolle blickte argwöhnisch in sein Büro. Eva, seine Sekretärin, erläuterte die Situation weiter: "Ich habe es Hans erlaubt, schon einmal Platz zu nehmen. Er hat auch ein Tagebuch dabei und wie ich sehe, schreibt er gerade etwas auf." Sie deutete mit dem Kinn in Richtung Büro.
    Knolle rieb sich die Hände. Er hatte am liebsten langweilige und eintönige Tage, aber das Leben war eben ein Abenteuer. Daran konnte niemand etwas ändern.

    Kapitel 3

    Müller sass zu Hause vor dem Fernseher und dachte über das Massaker dieses Tages nach. Im Fernseher lief eine politische Sendung. War der Mord an diesen Tieren vielleicht politisch motiviert gewesen? Waren es der Sausage Lord oder die Meat Queen, die der Gesellschaft eine Nachricht senden wollten? Müller hatte vor, sich eingehend mit der Tat im Wald zu beschäftigen, aber erst musste sie mehr Distanz zur Angelegenheit gewinnen. Sie nahm einen Schluck Milch und fühlte sich etwas schuldig dabei. Die Vegane Partei wollte nicht nur das Fleisch verbieten, sondern auch Milch- und Eierprodukte. So weit war es zwar bisher noch nicht gekommen, aber es war auch nicht auszuschliessen. Müller nahm noch einen Schluck Milch und liess die Milch in ihrem Mund umherwandern. Wieso das Massaker? Warum in einem Wald, relativ weit entfernt von den Standorten der Presse? Sie wendete sich dem Fernseher zu, wo gerade ein Attentat auf eine Niederlassung des Sausage Lords besprochen wurde.
    "Acht Menschen sind tot und warum? Damit einige Tiere länger leben können! Fleisch muss wieder erlaubt werden!" Der SVP-Mann Toni Berger schrie der Präsidentin der Veganen Partei ins Gesicht: "Menschen sind mehr wert als Tiere, verdammt nochmal!"
    "Morde geschehen sowieso. Es liegt in der Natur des Menschen, zu morden. Wenn die Menschen nicht wegen dem Vegetarismus umgekommen wären, dann wohl aus einem anderen Grund! Das Morden mag falsch sein, aber es ändert nichts daran, dass auch der Fleischkonsum falsch ist!" Die vegane Präsidentin Manuela Bocksfuss schrie zurück.
    "Ein Mensch ist mehr wert als ein Tier!" Behauptete Berger. Die SVP war stolz darauf, dass sie den Menschen hervorheben konnte. Und sie war auch stolz darauf, dass sie die einzige Partei war, die schon länger als fünfzig Jahre existierte. Mit etwas spöttischem Unterton sagte Berger: "Was meint denn die PAPS dazu oder die APS? Und welche von beiden ist schon wieder welche? Ich verwechsle die beiden ständig." Das Lager im Rücken von Berger grölte. "SVP!" Schrie einer der Anwesenden spontan.
    Auch einige Mitglieder der PAPS und der APS fanden den Witz gut und grinsten. Bocksfuss aber fand die Sache wenig amüsant: "Ablenkung, alles nur Ablenkung! Die SVP hat keine Argumente und lenkt deshalb ab. Warum sollte ein Mensch mehr wert sein als ein Tier, eine Katze zum Beispiel? Na, jetzt ist die Euphorie plötzlich verschwunden, was? Liegt das daran, dass Ihr SVP-Fritzen keine Argumente habt, oder weil ihr nicht wisst, was Euphorie bedeutet?" Da lachten einige Veganer und Veganerinnen.
    Müller nahm einen letzten Schluck Milch und dachte immer noch über das Massaker nach. Die Presse war an diesem Tag zu spät gekommen. Die ganze Umgebung war schon abgesichert gewesen, als das Schweizer Fernsehen eingetroffen war. Entsprechend wurde das Massaker in der Presse nicht thematisiert. Wenn also das Massaker aus politischen Gründen verübt worden war, so waren die Attentäter gescheitert. Eine grosse Story entstand da nämlich nicht.

    Kapitel 4

    Hans sass gemütlich bei sich zu Hause und schaute fern. Es lief auf SRF1 gerade die Anthroposophen-Talkshow. Verhandelt wurde ein Attentat auf eine Niederlassung des Sausage Lords. Die beiden Anwesenden Robert Schaller und Sarah Hunkeler hatten verschiedene Auffassungen darüber, ob das Attentat berechtigt war. Wie so oft gerieten sich die Anthroposophen gegenseitig in die Haare. Der Talkmaster, der das Gespräch leitete, war selber kein Anthroposoph, sondern Mitglied der Pazifistisch-Anarchistischen Partei der Schweiz, der PAPS. Sein Name war Leonard Kunz.
    Als Hans auf den Kanal wechselte, war Kunz gerade am Reden: "... existieren ja von Steiner verschiedene schriftliche Werke und Vorträge. Was sagt er denn nun genau darüber: Ist ein Mensch mehr wert als ein Tier?"
    Schaller antwortete so schnell, dass er Kunz beinahe ins Wort fiel: "Aber sicher doch! Der Mensch hat nämlich ein Ich und das Tier eben nicht!"
    "Papperlappapp!" Meinte Hunkeler. "Wir wissen, dass jedes Leben auf der Welt stets fortschreitet. Auch die heutigen Menschen waren früher auf einer Stufe, die mit demjenigen des Tieres verglichen werden kann! Tierseelen werden einst Menschenseelen sein!" Sie sprach sehr ruhig und faltete dabei ihre Hände.
    Schaller dagegen behauptete: "Ja, und auch die heutigen anorganischen Wesen wie Sandkörner und Steine werden einst Menschen sein. Das ändert nichts an der Tatsache, dass sie es heute nicht bemerken, wenn wir mit ihnen tun, was immer wir mit ihnen tun!"
    Hunkeler behielt ihre Ruhe und meinte: "Und genau so, wie über uns andere Geister wachen, wachen auch Geister über diese Wesenheiten und empfinden Mitleid mit diesen Wesenheiten! Muss auf diese Wächter der Tiere, Pflanzen und Steine nicht auch Rücksicht genommen werden?"
    Darauf Schaller (Hans wurde die Sache langsam zu doof und er hoffte, dass Kunz mal wieder eingreifen würde): "Ja, da kann man Steiner tatsächlich so auslegen. Er selber empfahl ja seinen Schülern auch, Vegetarier zu werden. Aber ich selber sehe diese Sache anders: Irgendwann muss unsere Welt angefangen haben. Und damals gab es noch keine Wesenheiten, die so hoch entwickelt waren wie wir das heute sind, denke ich. Wer wachte also über den ersten Stein, die erste Pflanze, das erste Tier und den ersten Menschen? Niemand!"
    Nun geriet Hunkeler aus dem Häuschen: "Willst du, Entschuldigung, wollen Sie damit etwa sagen, dass Steiners Aussage nicht stimmt und also nicht alle Wesen von schützenden Kräften umgeben sind?"
    "Genau das will ich sagen! Steiner hatte ein ausreichend grosses Pietätsgefühl, so dass er nicht an allen Säulen rüttelte, welche die Welt tragen. Wenn man aber konsequent durchdenkt, was Steiner alles behauptet hat, so kann man zu keinem anderen Schluss kommen! Es muss höchste Wesen geben, die selber nicht beschützt werden." Schaller nickte überzeugt.
    Nun schaltete sich tatsächlich Kunz wieder ein und meinte: "Dass Steiner so und so ausgelegt werden kann, das wissen wir schon lange. Aber ist der Mensch denn nicht mehr wert als ein Tier, ganz unabhängig davon ob das Tier dereinst ein Mensch sein wird und möglicherweise auch Schutzengel hat? Man muss die Lage doch einfach nüchtern betrachten. Wenn Tiere tatsächlich so stark berücksichtigt werden müssen, wie das die Vegane Partei verlangt, dann bricht unser ganzes System zusammen. Man kann auch keine Kartoffeln ernten, ohne Würmer zu verletzen." Kunz schaute von Hunkeler zu Schaller hin und her.
    "Genau das wollte ich doch sagen," meinte Schaller. "Der Mensch hat ein Ich und ist dadurch viel sensibler als ein Tier. Und unter den Tieren gibt es wiederum Abstufungen..."
    Kunz warf ein: "Dann ist der Mensch ein höheres Tier?"
    "Das nicht," meinte Schaller: "Aber so wie es unter den Menschen sensiblere und unsensiblere gibt, so gibt es auch unter den Tieren sensiblere und unsensiblere. Man muss einfach von dieser Schwarz-Weiss-Malerei wegkommen. Wer die Dinge nüchtern betrachtet, der kann gar nicht zum Schluss kommen, dass Tiere so viel wert sind wie Menschen. Es wird einfach wegen den luziferischen Einflüssen zu viel in die Dinge hineininterpretiert."
    Luziferische Einflüsse? Dachte Hans und schaltete den Kanal um.





    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  3. #3
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!





    Kapitel 5

    Hans sass neben Kommissar Knolle im Auto und es lief gerade Patent Ochsner. Gemütlich fuhren die beiden in Obersee umher und schauten für Recht und Ordnung.
    "Ich muss als Kommissar zwar nicht mehr Streife fahren, aber ich finde es recht entspannend. Momentan bin ich an diesem Fall, den wir das Tiermassaker nennen. Vier tote Rehe. Brr." Kommissar Knolle schaute zu Hans auf dem Beifahrersitz. "Und Sie wollen Polizist werden?"
    "Nun, ich war zwar nie wirklich begeistert von der Vorstellung, selber ein Polizist zu werden, aber ich hatte stets einen guten Eindruck von der Polizei und finde das, was die Polizisten tun, sehr wichtig für unsere Gesellschaft." Hans schaute durch die Frontscheibe auf die Strasse und beobachtete die vorbeiziehenden Schemen.
    "Haben Sie sich denn auch andere Möglichkeiten überlegt? Vielleicht könnten Sie auch Koch werden oder Schriftsteller." Kommissar Knolle war in seinem Inneren noch immer mit dem Massaker beschäftigt, wunderte sich aber darüber, dass dieser Hans Kammermann ausgerechnet Polizist werden wollte, was nicht so zu seinem Äusseren passte. Hans hatte Dreadlocks und trug eine Brille mit runden blauen Gläsern.
    "Ich möchte momentan noch etwas Erfahrung sammeln, bevor ich mich wirklich für eine Stelle entscheide. Polizisten müssen wohl einiges an Erfahrungen sammeln und also macht es für mich Sinn, selber Polizist zu werden, wenn auch nur für kurze Zeit." Hans schaute aus dem Fenster und sah eine alte Frau, die ihn misstrauisch anstarrte. Vielleicht hielt sie ihn für einen Festgenommenen.
    Knolle meinte: "Gut, gut, aber Sie müssen auch talentiert sein. Sie müssen durch die Masken der Menschen schauen können. Nicht jeder, der lächelt, ist fröhlich und nicht jedem, der weint, geht es schlecht. Sie müssen akzeptieren, dass jeder Mensch eine gewisse Freiheit besitzt, zu tun und zu lassen, was er will, und dass diese Freiheit nicht von aussen durchschaubar ist. Ansonsten wären die Menschen ja vorprogrammierte Zahnräder. Vieles Schlechte ist den Menschen möglich, wenn die Menschen schlecht sind. Und vieles Gute ist ihnen möglich, wenn sie gut sind. Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, so wäre ich kein Polizist. Würde man nämlich davon ausgehen, dass der Mensch nicht selber entscheidet, Verbrechen zu begehen, so wäre es auch nicht richtig, jemanden zu bestrafen. Wären die Menschen nicht frei, so wäre die Polizei nichts weiter als eine Instanz, die Angst verbreitet, damit wir Menschen keine Dummheiten begehen. Und dann wollte ich kein Polizist sein." Knolle nickte Hans zu. Dieser nickte ebenfalls. Also fuhr Knolle weiter: "Und Sie? Denken Sie, dass Sie ein Verbrechen aufdecken können, das Ihnen nicht unmittelbar verständlich ist?"
    "Ehrlich gesagt kenne ich mich hier nicht aus. Würde ich mir diese Fähigkeit zuschreiben, dann hätte ich einen Grund weniger, Polizist zu werden. Ich will etwas dazulernen, zum Beispiel wie man Fälle aufdeckt." Hans beobachtete verschiedene Passanten und versuchte zu erraten, was in ihnen vorging.
    "Was halten Sie von Detektiv-Filmen?" Fragte Knolle, der schon den Plan hatte, Hans von dem Rehmassaker ausführlich zu erzählen, in der Hoffnung, Hans hätte einen schlauen Einfall.
    "Oh, die meisten sind unplausibel. Ich denke nicht, dass man da etwas fürs echte Leben lernen kann." Hans blickte fragend zu Knolle hinüber.
    "Die meisten? Nicht alle?" Knolle hatte noch nie einen plausiblen Detektiv-Film gesehen.
    "Mir fällt gerade keiner ein. Aber es gibt zumindest Filme, wo Polizisten einigermassen realistisch dargestellt sind, soweit ich das beurteilen kann. Zum Beispiel Heat 3 oder Miami Vice 7. Es gibt im Übrigen auch gar keine realistische Detektiv-Literatur, so wie ich das sehe. Aber ich bin ja selber kein Polizist. Wie sehen denn Sie das?" Hans schaute wiederum fragend zu Knolle.
    "Ich sehe das genauso. Als Polizist muss man eine eigene Phantasie haben und nicht einfach das nachleben, was man in Buch und Film sieht. Man muss sich logisches Denken zu eigen machen und versuchen, objektiv zu sein." Knolle nickte, konzentrierte sich aber auf die Strasse.
    "Logisches Denken? Das sagt mir nichts. Denken nicht alle Menschen immer logisch?" Hans glaubte das zwar selber nicht, aber es fiel ihm nichts Besseres ein.
    "Die Logik gehört meines Wissens zur Philosophie. Es geht dabei darum, zu analysieren, welche Gedankengänge zulässig sind und welche nicht. Was halten Sie von Folgendem? Alle Katzen sind sterblich. Sokrates ist sterblich. Also ist Sokrates eine Katze." Knolle wollte zwar lieber das Tiermassaker noch weiter diskutieren, aber Hans schien sich für die Angelegenheit zu interessieren und also war Knolle gewillt, sich noch länger dabei aufzuhalten.
    "Also ich hoffe, dass die Polizisten etwas logischer denken. Was immer das heissen mag." Hans war halb belustigt und halb neugierig, was Knolle nun zu sagen gedachte.
    Knolle erklärte ihm: "Es handelt sich dabei um einen ungültigen Schluss. Aus den beiden Annahmen kann nicht mit Sicherheit auf die Folgerung geschlossen werden. Wenn man in den Medien schaut, dann kommen zwar nicht solche offenbar falschen Folgerungen vor, aber den Machern dieser Krimi-Filme und dieser Krimi-Literatur liegt zum Teil auch nicht viel daran, gültige Folgerungen zu liefern. Den Menschen wird gezeigt, was sie sehen wollen. Ob ein Spektakel logisch mit einem anderen Spektakel zusammenhängt, ist egal. Hauptsache, es gibt ein Spektakel. Und wir Polizisten müssen in solchen Situationen einen kühlen Kopf behalten. Nicht vorschnell schliessen, nur weil wir mit einer Folgerung sympathisieren." Knolle nickte vielbedeutend.
    "Ein interessantes Thema, finde ich. Ich hoffe, ich werde noch einiges von Ihnen lernen in diesen drei Wochen, in denen ich mindestens hier bin." Hans nickte ebenfalls vielbedeutend.
    "Also, wir können gleich einmal schauen, ob Sie als Polizist geeignet sind oder nicht... Gestern Abend gab es in der Hasenwarte ein Massaker. Einige Rehe wurden mit grosskalibrigen Waffen in kleine Stücke geschossen. Was halten Sie davon?" Knolle schaute fragend zu seinem Beifahrer.
    "Scheint mir ein politisches Verbrechen zu sein. Jeder weiss, dass die Vegane Partei sich für Tiere einsetzt und gewisse andere Parteien, vor allem die SVP, sich für den Fleischkonsum aussprechen. Vielleicht war es die SVP?" Hans glaubte das zwar selber nicht, aber nun hatte er es ausgesprochen.
    "Die SVP? Was für ein vorschneller Einfall!" Knolle war belustigt: "Warum nicht gerade die PALS?" Knolle schien wirklich belustigt zu sein. Aber er hatte ja gerade eben selber gesagt, dass nicht jeder, der lacht, auch glücklich ist. Knolle sinnierte: "Nein, es muss eine extremere Gruppierung gewesen sein. Die SVP ist da zu bedacht."
    Hans war beleidigt: "Ja ich habe ja auch nicht gerade viele Informationen erhalten. Was soll ich denn sonst aus diesen paar Informationsstücken folgern?"
    "Da haben Sie auch wieder recht. Wenn Sie wollen, können wir heute noch schnell bei der Hasenwarte vorbeifahren. Dort kann ich Ihnen in aller Ruhe die ganze Umgebung zeigen. So lange Sie versprechen, kein Durcheinander zu machen, natürlich." Das war vermutlich ein Witz, denn Knolle grinste. Er fuhr fort: "Ich befürchte allerdings, dass es weitere Anschläge geben könnte. Wenn das Massaker wirklich politisch motiviert war, so ist es gescheitert, denn wir waren vor der Presse vor Ort. Wer immer das war, war zur Gewalt bereit. Und wenn diese Person gestern zur Gewalt bereit war, so ist sie es vermutlich auch Morgen. Vermutlich!"

    Kapitel 6

    Jasmin Müller stand vor dem Schreibtisch von Eva Rölli (Kurt Knolles Sekretärin) und sagte: "Hallo Eva. Ist Kurt vor Ort?"
    Eva antwortete: "Hallo Jasmin. Leider nein. Er ist auf Streife mit diesem neuen Freiwilligen."
    Müller: "Ein Freiwilliger? Dass ich nicht lache."
    Eva erläuterte: "Du weisst ja, wie das ist. Die Welt besteht aus Touristen und der Polizeiposten ist eine Feriendestination."
    Müller darauf: "Wenn Kurt wiederauftaucht, dann sag' ihm, ich hätte einen Verdacht, wer das Tiermassaker auf dem Gewissen hat."
    Eva willigte ein: "Ok, ich werde ihn benachrichtigen. Soll er dich anrufen oder wie siehst du das?"
    Müller überlegte kurz und sagte dann: "Vergiss die Angelegenheit. Ich schreibe ihm eine Mail. Aber danke so oder so. Und wenn Kurt dir auf die Nerven geht, dann weisst du ja, an wen du dich wenden kannst." Müller schaute Eva Rölli vielsagend an.
    Eva lächelte und sagte: "Klar weiss ich das. An Frau Polizeihauptkommissarin Mirjeta Besic."
    Müller nickte genervt und verschwand.

    Kapitel 7

    Hugo Rensing war Mitglied der PALS, der Partei der Alten Leute Schweiz. Die meisten Schweizer wechselten mit ihrer Pensionierung zur PALS. Hugo hatte sich schon mit 67 für die PALS entschieden. Eine seniorenfreundliche Umwelt, das war das Ziel der PALS. Die PALS setzte sich ein für Zeitungen mit grossformatigen Buchstaben und für Fernsehsendungen, in denen nicht alle fünf Sekunden die Kamera wechselte. Gemütlich sollte die Welt sein!
    Hugo war mittlerweile schon 74 Jahre alt, ein echter Senior, sein eigener Chef, mit anderen Worten: Pensioniert. Gemütlich spazierte Hugo am Polizeiposten Obersee vorbei. Gerade als er am Vorbeigehen war, kam eine zerknirschte blonde Polizistin aus dem Hauptausgang. Sie ging geradewegs zu einem blauen Auto, stieg ein und fuhr davon. Hugo blieb kurz stehen und als er so den Polizeiposten betrachtete, kam ihm etwas in den Sinn. Er war nämlich am Tag vorher im Wald spazieren gegangen in der Hasenwarte. Dort hatte er diese Frau schon gesehen. Die ganze Umgebung war zwar abgeriegelt gewesen, aber Hugo hatte doch mitbekommen, dass einige Polizisten darüber diskutiert hatten, welche Munition verwendet worden war. Hugo wusste zwar nicht, worum genau es ging, aber er hatte doch mitbekommen, dass es irgendeine Schiesserei oder etwas Derartiges gegeben haben musste. Und an diesem selbigen Tag bei diesem Waldspaziergang hatte er eine Patronenhülse am Boden liegen sehen. Er hatte sich nicht besonders viel dabei gedacht, aber jetzt stand er vor dem Polizeiposten und es kam ihm in den Sinn, dass es eigentlich sehr merkwürdig war, dass diese Patronenhülse dort am Boden gelegen hatte, vielleicht zwanzig Meter von dem Standpunkt entfernt, wo das eigentliche Verbrechen geschehen sein musste. Diese Patronenhülse musste mit Absicht auf den Spazierweg gestreut worden sein. Jemand wollte, dass die Öffentlichkeit auf dieses Verbrechen, was immer da geschehen war, aufmerksam wurde. Aber wer?
    Hugo Rensing betrachtete den Polizeiposten und dachte nach. Sollte er beim Polizeiposten vorbeigehen und seinen Verdacht berichten? Oder sollte er einfach weitergehen, als wäre nichts geschehen? Hugo Rensing hatte im Verlauf seines Lebens mehr und mehr bemerkt, dass in der Schweiz alles sehr geregelt war und dass auch alle sehr reich waren verglichen mit dem Ausland. Die Leute wurden alt in der Schweiz. Hugo hatte aber auch bemerkt, dass der Spass an der ganzen Sache, der Spass an diesem Leben irgendwie am Verlorengehen war. Die Leute hatten alles, aber sie wollten immer mehr. Und so fragte sich Hugo Rensing, als er den Polizeiposten betrachtete, was wohl mehr Spass machen würde: Weitergehen oder sich hier einmischen? Er stellte sich lebhaft vor, was wohl geschehen würde, wenn er den Polizeiposten beträte. Er dachte darüber nach, wie er seinen Verdacht der Polizei erklären müsste. Während er so dastand und nachdachte, kam er mehr und mehr zum Ergebnis, dass es mehr Spass machen würde, einfach weiterzugehen. Also ging er einfach weiter.






    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  4. #4
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!





    Kapitel 8

    Polizeihauptkommissarin Besic sass gemütlich in ihrem Lehnstuhl und paffte eine Zigarette. Sie hatte das Fenster offen und bliess den Rauch hinaus in die Umwelt. Sie nahm noch einen Schluck Red Bull. Es gab in der Schweiz ein spezielles Red Bull, eines ohne Taurin. Taurin war zwar nicht notwendigerweise ein tierischer Stoff, aber die Veganer hatten eine natürliche Abneigung gegen dieses Taurin und deshalb war in der Schweiz das Red Bull taurinfrei. Besic nahm noch einen Schluck Red Bull und schaute kurz aus dem Fenster. Sie sah einen älteren Herrn nachdenklich auf der anderen Strassenseite stehen. Sie hoffte, dass in den nächsten zehn Jahren ein Elixier erfunden würde, welches die Alterungssymptome abdämpfte. Sie wollte nämlich niemals alt werden. Sterben schon, aber alt werden nicht. Sie war selber keine Anthroposophin, aber sie glaubte an ein Leben nach dem Tod, ja an das ewige Leben. Die Frage war nur, wie dieses Leben aussah. Alt werden wollte sie nicht.
    Der ältere Herr ging weiter. Kurz kam Besic die Idee, sie könnte aus dem Gebäude hinausgehen, über die Strasse, und den älteren Herrn fragen, worüber er nachgedacht hatte. Aber sie tat es nicht und dachte nicht weiter darüber nach. Sie hatte anderes zu tun. Es hatten sich in der letzten Zeit immer mehr Terroranschläge ereignet und es waren Terroranschläge, die nicht religiös motiviert gewesen waren. Es war wegen diesem Fleischverbot, dass einige Separatisten sich entschlossen hatten, einen Privatkrieg zu führen. Wenn diese Terroristen irgendwelche Hindus oder Moslems oder Christen oder was auch immer gewesen wären, dann hätte Besic sich nicht zu sehr damit beschäftigt. Nun waren es aber diese ausgestossenen Fleischfresser, welche Angst verbreiteten. Und dass diese Fleischfresser nicht einfach ihr Fleisch fressen konnten, lag an dem Schweizer Gesetz. Es war ein Problem, das die Schweiz selber verursacht hatte, oder diese Vegane Partei, um genau zu sein.
    Besic paffte ihre Zigarette zu Ende und warf den Stummel in ihren Abfallkorb. Sie zerdrückte die Red Bull-Dose und warf diese ebenfalls in den Korb. Dann griff sie in ihre Schublade und zückte eine neue Zigarette und eine neue Red Bull-Dose. Sie zündete die Zigarette an und begann von neuem zu paffen, als das Telefon läutete.
    Besic nahm den Hörer ab und sprach: "Ja, was ist?"
    Eva Rölli antwortete: "Es ist eine gewisse Frau Koller. Würde wohl Kurt betreffen, der ist aber nicht hier."
    Besic fragte: "Worum geht es?"
    Eva meinte: "Sie will etwas gesehen haben. Könnte ein Hinweis auf einen neuen Anschlag sein. Wohnt im Bezirk H3, also Kurts Bereich, der ist aber nicht hier."
    Besic sagte: "Durchstellen, bitte."
    Und schon hatte sie diese Frau Koller am Apparat. Besic sagte freundlich: "Hier Besic."
    Darauf Koller: "Eh, hm, ja Frau Besic. Ich habe etwas Verdächtiges gesehen."
    Besic sagte: "Bitte sprechen Sie."
    Darauf Koller: "Also wenn ich einkaufen fahre, durchquere ich, da ich etwas im Abseits wohne, das Industriegebiet. Und ich habe schon mehrere Male beobachtet, wie junge Leute mit Hamburgern in der Hand in dieser Gegend herumlungern. Könnte es sein, dass da der Sausage Lord oder die Meat Queen wieder öffentlich Burger verkaufen?"
    Besic hatte schon genug Ärger mit diesen Terroranschlägen. Öffentliche Fleischfresserei fehlte ihr gerade noch. Aber glücklicherweise wusste sie, dass die Firma Meatless im Oberseer Industriegebiet ihre veganen Burger verkaufte. Also gelang es ihr, die Anruferin zu beruhigen, und die Sache war erledigt.

    Kapitel 9

    Von: Jasmin.mueller@lukp.ch
    An: Kurt.knolle@lukp.ch
    Betreff: Tiermassaker
    Nachricht:
    Lieber Kurt
    Folgendes habe ich mir zum Tiermassaker überlegt. Wir haben also festgestellt, dass der Täter vermutlich kein Täter war, sondern eine Täterin. Dies aus dem Grund, dass von ihr Schuhe mit hohen Absätzen getragen wurden. Meine Frage ist nun: Wer trägt schon solche Schuhe in der Waldumgebung? Eigentlich niemand, es sei denn er oder sie hat eine konkrete Absicht. Ich behaupte: Wer immer das war, wollte, dass die Presse bemerkt, dass der Täter eine Frau war. Die Meat Queen, vermutlich. Die Meat Queen will Angst und Schrecken verbreiten. Vielleicht, um die Gegner des Fleischgesetzes abzuschrecken. Das Geschäft der Meat Queen muss ziemlich gut laufen, denke ich. Gleichzeitig wendet sie auch im Kampf gegen den Sausage Lord immer mehr Gewalt an. Die Urheberin des Massakers ist die Meat Queen. Es kann sein, dass sie nicht persönlich die Rehe hinrichtete, aber zumindest hat sie mit diesen Fussspuren eine Nachricht gesendet.
    Viele Grüsse
    Jasmin

    Kapitel 10

    Besic war schon immer begeistert gewesen vom Veganismus. Zwar war sie selber keine Veganerin, aber sie mochte es, dass eigentlich jedes Lebensmittel auch vegan hergestellt werden konnte, im Prinzip zumindest. Vegane Würste, vegane Burger, vegane Süssigkeiten, vegane Tortellini, veganer Käse usw. Besic packte einige Dosen taurinfreies Red Bull in ihren Einkaufswagen und ging dann weiter in die Gefrierabteilung, wo sie Süsskartoffelpommes aus dem Kühlschrank nahm.
    Gerade neben ihr griff ein Hippie nach gefrorener veganer Lasagne. Er hatte Dreadlocks und trug eine Brille mit runden blauen Gläsern. Vermutlich handelte es sich bei ihm um einen John Lennon-Fan. Dann erkannte ihn Besic. Das war doch dieser neue Polizist, wenn man ihn überhaupt als Polizisten bezeichnen konnte. Sie hatte ihn zwar noch nie persönlich gesehen, hatte aber doch kurz seinen Lebenslauf studiert und ein Foto von ihm betrachtet.
    "Herr Kammermann, nehme ich an." Sagte sie zu ihm.
    "Hm, ja, und Sie?"
    "Besic, Mirjeta Besic. Ich bin die Chefin Ihres Chefs und also auch Ihre Chefin." Besic studierte das Gesicht des Zweiundzwanzigjährigen. Er sah nicht aus wie ein Polizist, was ihn möglicherweise nützlich machte.
    Kammermann nickte ihr zu und meinte: "Gut, dass wir uns kennenlernen. Ich habe schon viel von Kommissar Knolle gelernt und ich hoffe, auch von Ihnen etwas lernen zu können."
    Besic freute sich über diese höfliche Aussage und sagte: "Das wird schon klappen. Schon nur wenn Sie von Knolle etwas lernen, lernen Sie etwas von mir, denn Knolle hat viel von mir gelernt."
    "Das mag sein." Sagte Kammermann.
    Besic warf einen Blick auf die Einkäufe Kammermanns: Vegane zuckerlose Süssigkeiten. Besic erinnerte sich an Zeiten, wo es schon schwer war, an qualitativ gute, vegane Süssigkeiten zu kommen, geschweige denn an zuckerlose, vegane Süssigkeiten. Die Menschheit macht immer Fortschritte, jeden Tag, dachte Besic. Auch aus den schlimmsten Verbrechen kann man etwas lernen. "Nun gut," sagte sie. "Dann werden wir uns wohl wiedermal über den Weg laufen, vermutlich, sehr vermutlich, sehr wahrscheinlich, ziemlich sicher. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine gute Zeit."
    Kammermann nickte von neuem und sagte: "Ich hoffe es."







    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  5. #5
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!





    Kapitel 11

    An diesem Abend ging Hans im Oberseer Antiquariat vorbei. Als er den Laden betrat, sah er gerade, wie der Verkäufer, Edward, unter der Hand eine Packung mit unbekanntem Inhalt verkaufte. Es war nicht das erste Mal, dass Hans so einen Vorgang beobachtete. Er war sich zuerst unschlüssig gewesen, ob hier Drogen oder Fleisch verkauft wurden, hatte aber mehrmals verschiedene Gerüche bemerkt, so dass er zum Schluss gekommen war, dass Fleisch als auch Drogen verkauft wurden. Edward hatte sich nie die Mühe gemacht, etwas vor ihm zu verbergen. Hans sah ja selber wie ein Kiffer aus.
    "Oh, du hast einige neue Bücher im Sortiment?" Sagte Hans, als er eine Ausgabe der zweiten Auflage von Steiners Philosophie der Freiheit bemerkte. Sie war gut erhalten. Aus dem Jahr 1918. "Wie teuer ist es?" Richtete Hans die Frage an Edward.
    "50 Franken. Ein Schnäppchen." Antwortete Edward.
    Hans konnte nicht anders als das Buch kaufen. Er sammelte verschiedene Gegenstände und dieses Buch hier gefiel ihm ganz besonders. Die Anthroposophische Partei war im Kommen. Das Buch konnte nur an Wert gewinnen. Er kaufte es.


    Kapitel 12

    Am nächsten Tag wurde Hans gleich in Knolles Büro zitiert, als er auf dem Polizeiposten angekommen war. Gemütlich sass Knolle hinter seinem Tisch und wünschte Hans einen guten Morgen. Die beiden hatten vereinbart, sich zu duzen und so sagte Kommissar Knolle: "Ich hoffe, du bist bereit für einen weiteren Tag voller Abenteuer."
    "Aber immer." Meinte Hans optimistisch.
    "Ich will dir jetzt einmal etwas zeigen, hier, an der Wand. Ich habe hier wegen der Meat Queen wie auch dem Sausage Lord einige Recherchen durchgeführt. Wir wissen nicht, wie die Queen oder auch der Lord aussehen, aber wir kennen die Gesichter einiger Handlanger dieser beiden verbrecherischen Geister. Diesen hier, Isak Arnold, halten wir für einen direkt der Queen untergebenen Operierenden. Er ist der Kopf der Geschäfte mit England, vermuten wir. Es konnte ihm zwar bisher nichts nachgewiesen werden, aber ein Lastwagenfahrer, den wir mit einer Lieferung Gänsefleisch erwischten, hatte seine Nummer auf dem Handy gespeichert und auch ansonsten tritt sein Name immer wieder auf, wenn etwas mit Fleisch und England und der Meat Queen zu tun hat."
    Hans staunte nicht schlecht, denn diesem Isak war er auch schon begegnet. Bei Edward. "Moment mal, den kenne ich doch." Platzte er heraus. Er erzählte Knolle, dass er schon mehrmals diesen Isak bei Edward gesehen hatte. Die beiden hatten irgendwelche Angelegenheiten besprochen, ohne dass Hans hätte sagen können, worum es sich genau gehandelt hatte. Aber er war sich sicher, dass es dieser Isak war, den er dort gesehen hatte.
    Knolle freute sich ausserordentlich über diesen Zufall und sagte: "Dann haben wir jetzt einen verdeckten Ermittler!"


    Kapitel 13

    Hugo Rensing, von dem schon im Kapitel 7 die Rede war, beschloss, selber Ermittlungen anzustellen. (1) Er machte sich auf zur Hasenwarte, wo der Schauplatz des Verbrechens noch immer abgeriegelt war. Hugo war klar, dass es illegal war, sich Zugang zu diesem Schauplatz zu verschaffen, und er war zu alt für jegliche Aufregungen. Deshalb schaute er sich in der ihm zugänglichen Umgebung um. Bald fielen ihm einige Fussspuren auf, die von Damenschuhen mit Absätzen stammen mussten. Die Schuhabdrücke verliefen regelmässig und waren im Matsch des Waldes gut sichtbar. Rensing verfolgte die Spur und bemerkte, dass von einem bestimmten Zeitpunkt an nicht mehr die Spuren zweier Schuhe nebeneinander sichtbar waren. Vielmehr hörte die Spur des einen Schuhs irgendwann auf. Von diesem Zeitpunkt an war es nur noch eine Spur, vergleichbar mit den regelmässigen Abdrücken eines Gehstockes. Rensing betrachtete genauer, wo die Spur des einen Absatzes aufhörte, grübelte in der Erde und fand den Absatz eines Schuhes.
    Es war ihm klar, dass die Polizei nicht den gesamten Wald abriegeln konnte und es mehr oder minder verständlich war, dass sie halt nicht alles bemerkte. Dennoch war Hugo Rensing zu diesem Zeitpunkt stolz. Er wiegte den Schuhabsatz in der Hand und überlegte sich, ob er wohl zur Polizei gehen sollte damit. Er entschied sich dagegen und beschloss, weiterhin auf eigene Faust zu ermitteln.

    (1) Hier wird im vorliegenden Text zum ersten Mal auf eine bereits vergangene Stelle im Text verwiesen, wobei dieser Verweis durch den Erzähler geschieht. Später im Text werden auch handelnde Figuren sich auf den vorliegenden Text beziehen.


    Kapitel 14

    Müller klopfte an Knolles Bürotür und ging hinein, ohne eine Antwort abzuwarten. "Hast du meine Nachricht erhalten?" Fragte sie.
    "Ja, habe ich. Setz dich doch..." Knolle nickte ihr zu.
    "Was hältst du davon?" Müller sass aufrecht auf dem weichen Sessel. Für sie war das eine Yoga-Übung.
    "Es ist schon möglich, dass du recht hast und es sich beim Tiermassaker tatsächlich um ein politisch motiviertes Verbrechen handelt. Solltest du recht haben, so werden wohl noch weitere Tiermassaker folgen. Mit Hinweisen auf die Meat Queen. Die Frage ist hierbei, ob wir über die Mittel verfügen, etwas gegen solche Anschläge zu unternehmen. Unser Budget ist dazu einfach zu klein. Seit es die PP gibt, haben wir zwar mehr Geld und ein grösseres Ansehen in der Öffentlichkeit, aber wenn wir wirklich weitere Anschläge verhindern wollten, müssten wir jeden Tierpark und jeden Zoo überwachen, und das können wir nicht." Knolle wirkte zufrieden mit seinen Folgerungen und fuhr weiter: "Dass die Meat Queen die Gegner des Fleischgesetzes abschrecken will, wie du so schön sagst, leuchtet mir wenig ein. Dass die Meat Queen vom Fleischgesetz profitiert, das scheint mir plausibel. Schliesslich hat sie dank diesem Fleischverbot viel weniger Konkurrenz. Was aber genau die Meat Queen mit diesem Anschlag anrichten wollte, das bleibt mir etwas schleierhaft. Es könnte sein, dass sie dem Sausage Lord zeigen will, dass sie vor Gewalt nicht zurückschreckt. Eine bessere Erklärung habe ich für dieses Massaker nicht." Fragend schaute Knolle Müller an.
    Müller meinte: "Denken wir doch das Szenario einmal etwas weiter. Was wäre geschehen, wenn die Presse vor uns das Massaker entdeckt hätte? Sie hätte möglicherweise die weiblichen Fussspuren entdeckt. Vielleicht hätte sie sogar selber einen Bezug zur Meat Queen hergestellt. Jeder Schweizer, der die Nachrichten mitverfolgt, hätte also von der Meat Queen von neuem gehört. Eigentlich Gratiswerbung für die Queen, könnte man meinen. Jeder Schweizer, der die Idee hat, das Fleischgesetz abzuschaffen, wäre dadurch eingeschüchtert worden. Wer will schon die gewaltbereite Meat Queen zur Konkurrenz haben? Also habe ich eben doch Recht: Die Meat Queen will potentielle Konkurrenten abschrecken." Müller nickte, um ihre Aussage zu unterstreichen.
    Knolle antwortete: "Da magst du Recht haben. Ja, sehr wohl, könnte sein, hm. Und was heisst das für uns?" Wieder schaute Knolle fragend zu Müller.
    "Ich beantrage eine Sondereinheit zur Ermittlung gegen die Täterschaft des Tiermassakers. Ich will, dass der Tatort noch einmal sauber abgesucht wird. Ich will, dass alle Anwohner befragt werden, ob sie in der Tatnacht irgendetwas bemerkt haben. Ich will, dass sämtliche Waldspaziergänger befragt werden." Die Blondine schaute energisch ins Gesicht des bereits ergrauten Kommissars. Sie fuhr fort: "Ich will, dass ein Schuhexperte beurteilt, was für Schuhe die Täterin getragen hat, und dann will ich jemanden, der mir sagen kann, von welcher Statur die Täterin war. Und wenn dir die Tiere zu wenig wichtig sind, die das Opfer des Massakers wurden, so denke doch zumindest an unser Ansehen! Wollen wir denn nicht verhindern, dass in der Presse Berichte über solche Massaker auftauchen, während wir die Ratlosen sind?"
    "Nein," sagte Knolle: "Dreimal nein! Und zwar zu deinem Antrag. Wir haben den Tatort untersucht und haben nichts gefunden. Lassen wir es dabei, sage ich. Solltest du Recht behalten und es gibt wirklich weitere solche Massaker, so stimme ich dir zu. Beauftragen wir eine Spezialeinheit, in Ordnung. Aber erst dann! Dann haben wir doppelt so viele Tatorte, nämlich zwei, und eine Spezialeinheit hat wirklich etwas zu tun! Bis dahin: Nein, nein und nochmals nein!"
    Müller wirkte zerknirscht und sagte: "Dann gib mir wenigstens die Erlaubnis, auf eigene Faust zu ermitteln und meine jetzigen Fälle an andere Polizisten abzugeben."
    Knolle wirkte beinahe aggressiv, als er den Kopf schüttelte: "Nein, die Antwort ist nein!"
    Müller kehrte ihm den Rücken zu, ging aus dem Büro und schloss die Türe hinter sich sorgfältig. Sie ging die Treppe hinauf ins Büro von Besic, klopfte und trat ein, nachdem Besics Stimme ertönte: "Herein!"
    Müller platzte heraus: "Das Tiermassaker scheint Kurt egal zu sein!"
    Besic wiegte den Kopf hin und her und fragte: "Willst du dich wegen Kurt beschweren?"
    Müller antwortete etwas beschämt: "Nein, das nicht, aber ich kann mich mit seiner Entscheidung nicht abfinden."
    Besic sagte kühl: "Du weisst: Wenn du unzufrieden bist mit den Entscheidungen deines Vorgesetzten, kannst du dich entweder beschweren oder dich damit abfinden. Nicht ich gebe dir deine Befehle, sondern Kurt. Deshalb muss ich kategorisch sagen: Tue das, was dir Kurt sagt."
    Müller starrte zu Boden und Besic sagte mit sanfter Stimme: "Mir ist es klar, dass es manchmal schwerfällt, von einem laufenden Fall wegzuschauen, weil andere Fälle winken. Aber ich denke doch, dass du eine gute Polizistin bist. Du wirst dich schon daran gewöhnen. Betrachte das Ganze als eine Meditation. Konzentriere dich auf deine eigenen Fälle und ignoriere das Tiermassaker."
    Müller nickte und verliess das Büro von Besic. Sie freute sich schon auf das Wochenende.








    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  6. #6
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!




    Kapitel 15

    Koller, die uns schon aus dem Kapitel 8 bekannt ist, hatte wegen einigen Burgeressern die Polizei informiert und war dann von dieser darüber unterrichtet worden, dass es auch vegane Burger gab. Aber damit war Koller nicht zufrieden. So einfach liess sie sich nicht abwimmeln. Also ging sie bei der Firma Meatless vorbei und kaufte sich für neun Franken einen Burger. Der Verkäufer nahm einen Burger vom Grill, packe ihn ins Brot, versah ihn mit Ketchup und Mayo und einer Essiggurkenscheibe. Er händigte den Burger Frau Koller aus. Frau Koller war schon etwas älter und sie erinnerte sich noch an die Zeit, als Fleisch noch legal war. Und dieser Burger schmeckte genauso, wie ein Fleischburger geschmeckt hatte.
    Nie und nimmer ist dieser Burger vegan! Dachte Koller und nahm noch einen herzhaften Biss. Dass ich nicht lache! So einfach lasse ich mich nicht kleinkriegen! Ich kenne Leute! Ja, so ist es, auch ich kenne Leute! Sie dachte dabei an ihren Enkel Hans, der als Hobby Chemiker war. Alles, was sie zu tun hatte, war, ihm einen Burger vorbeizubringen und er würde schon herausfinden, ob das Fleisch war oder nicht! So war das, und nicht anders!


    Kapitel 16

    "Ist ein veganer Lebensstil gesund? Mehr dazu gleich nach der Werbung." Sagte der Moderator der Sendung Gesundheit Heute. Kammermann lag gemütlich auf dem Sofa und verfolgte die Werbungen mit. Seit einiger Zeit waren die Werbungen im Fernsehen miteinander verknüpft. Das sei gut für die Konzentration des Zuschauers, sagte man.
    Werbung 1: Eine alte Frau steht am Strassenrand und sagt: "Früher hätte mir ein Pfadfinder über die Strasse geholfen." Daraufhin kommt ein Polizist und sagt: "Heute tut es die Polizei!" Auf dem Fernseher erscheint gut sichtbar das Logo der Polizeipartei.
    Werbung 2: Ein Radfahrer mit einem modernen Helm fährt die Strasse entlang. Vor ihm stehen die alte Frau und der Polizist. Der Radfahrer hält an und lässt die beiden über die Strasse. Er sagt: "Hier in der 30er Zone haben die Radfahrer den Vortritt. Aber trotzdem war es eine gute Idee, den beiden Passanten den Vortritt zu gewähren." Eine Frauenstimme sagt: "Und es war auch eine gute Idee, einen Helm zu tragen von der Marke Safety First!"
    Werbung 3: Der Radfahrer steigt vom Fahrrad und geht in den Supermarkt. Er steht vor einem Regal mit zwei verschiedenen Fleischersatzprodukten. Beim einen Produkt ist ein Schild sichtbar, auf dem "vegan" geschrieben steht. Beim anderen Produkt heisst es auf einem Schild "vegetarisch". Der Radfahrer nimmt das vegane Produkt mit den Worten: "Im Zweifelsfall lieber vegan als vegetarisch!" Es erscheint das Logo der Veganen Partei. (1)
    Der Moderator der Sendung Gesundheit Heute (Richard Zöller) erschien wieder auf dem Bildschirm: "Wie angekündigt befassen wir uns heute einmal mehr mit dem veganen Lebensstil. Der Anlass dazu sind neue Ergebnisse der ETH Zürich. Diese hat herausgefunden, dass vegane Produkte besser verdaulich sind als tierische Produkte. Zur Durchführung der Studie war es den Versuchspersonen sogar erlaubt, wieder einmal Fleisch zu essen. Ich gebe das Wort weiter an Elsa Plötzli."
    Die Moderatorin Elsa Plötzli erschien auf dem Bildschirm. "Ja, es ist wahr. Fleisch Essen ist wieder angesagt. Aber nur zu wissenschaftlichen Zwecken. Es wurden drei verschiedene Frauen ein Jahr lang festgehalten, wenn auch gut bezahlt. Den dreien wurde nicht gesagt, worum es eigentlich ging bei diesem Experiment. Es ging dabei wie schon bemerkt um die Verdauung. Alle drei Frauen waren zu Beginn des Experiments etwa gleich gross und schwer und auch von ähnlichem Wohlbefinden. Zu Mittag wurde den drei Frauen jeweils ein Burger serviert. Bei der ersten Frau handelte es sich bei dem Burger um ein veganes Gericht. Bei der zweiten Frau war der Burger zwar vegetarisch, enthielt aber Milch und Ei. Bei der dritten Frau war der Burger aus echtem Fleisch. Aus Rücksicht auf ältere und empfindlichere Zuschauer und Zuschauerinnen verraten wir nicht, wie die Wissenschaftler zu ihren Ergebnissen gekommen sind, sondern teilen nur die Ergebnisse mit: Am besten verdaulich war der vegane Burger, am zweitbesten der Burger aus echtem Fleisch, und an letzter Stelle folgte der Burger mit Ei und Milch. Es wird nun heftig debattiert, ob dieses Forschungsergebnis zu einem Ei- und Milchverbot führen wird oder ob stattdessen wieder Fleisch legalisiert werden soll." Plötzli wendete sich an den Moderator im Studio (Richard Zöller).
    Richard Zöller sagte: "Danke für diese Information. Es wird im Folgenden nun diskutiert, wie es mit der sonstigen Gesundheit von Veganern und Vegetariern steht. Im Studio haben wir die Anthroposophin Sarah Hunkeler sowie den Vizepräsidenten der Veganen Partei, Paul Rötheli. Sarah Hunkeler, ich übergebe Ihnen das erste Wort. Und zwar möchte ich von Ihnen wissen, ob Ihre Behauptung, die Sie letzte Woche in einem Interview mit dem Blick gemacht haben, immer noch aktuell ist. Glauben Sie wirklich, dass Veganer bleicher sind als Vegetarier?"
    "Ja, also," sagte Sarah Hunkeler, und es war offensichtlich, dass ihr die Sache etwas unangenehm war: "Also der Blick hat diese Behauptung völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Was ich gesagt habe war ja, dass ich kürzlich einem Veganer begegnet bin, der so bleich war, als hätte er gerade ein Gespenst gesehen. Der Interviewer hat mich dann gefragt, ob ich auch ansonsten die Veganer für bleich halte und ich sagte ihm: 'Nein, grundsätzlich nicht, aber ich bin schon einigen bleichen Veganern begegnet.'"
    Zöller schaltete sich wieder ein: "Dann stimmt es aber schon, dass Sie Veganer für bleich halten?" (Im Hintergrund schien sich Rötheli über dieses Gespräch zu amüsieren.)
    Nun kam Hunkeler langsam in Fahrt: "Ja, also ich bin ja keine Wissenschaftlerin, die gezielt nach Daten sucht. Ich kann nur von dem berichten, was ich im Alltag so feststelle. Das Problem dabei ist, dass ich bei den Passanten, denen ich so über den Weg laufe, nicht weiss, wer jetzt genau Veganer ist und wer nicht. Hinzu kommt noch, dass wegen luziferischen Einflüssen es mir vielleicht so vorkommt, als ob manche Veganer bleich wären, weil ich zuvor wegen ahrimanischen Einflüssen die Theorie aufgestellt habe, Veganer wären bleich." (2) Hunkeler schien zufrieden zu sein mit dieser Aussage. Vielleicht, weil sie nun den Interviewer verwirrt hatte. Kammermann überlegte indessen, ob er eine andere Sendung schauen sollte.
    Zöller aber hakte nach: "Sie sagen, dass Sie einem Menschen nicht ansehen, ob er Veganer ist oder nicht. Aber gibt es denn unter den Anthroposophen nicht viele Hellseher?"
    Hunkeler sagte: "Es gibt viele, die gerne Hellseher wären, das ist wahr. Wenn man allerdings Rudolf Steiners Aussagen glaubt, so sieht der Hellseher eher, was für Gedanken ein Mensch so im Allgemeinen hegt. Was ein Mensch isst, ist dem Hellseher so gesehen nicht notwendigerweise bekannt." (3) Hunkeler schien dies zu bedauern.
    Nun richtete Zöller das Wort an Rötheli: "Was meinen Sie dazu: Haben Veganer ähnliche Gedanken wie Vegetarier?"
    Rötheli freute sich, zu Wort zu kommen: "Nein, auf keinen Fall! Veganer tendieren dazu, mitfühlend zu denken. Sie nehmen Rücksicht und sind selbstkritisch."
    "Hier muss man etwas aufpassen, denke ich," schaltete sich Hunkeler ein: "Es kann sehr wohl sein, dass jemand aus egoistischen Gründen Veganer ist. Zum Beispiel, damit die anderen Menschen ihn für rücksichtsvoll halten! Indirekte Reziprozität nennt man das!"
    "Also ich bin da etwas optimistisch," warf Rötheli ein: "Ich denke, dass es vielleicht auch Egoisten unter den Veganern gibt, dass aber die Mehrheit aufrichtig ist."
    Zöller schaltete sich wieder ein: "Und wie beeinflusst das Veganersein den Menschen gemäss der Anthroposophie?"
    Hunkeler wusste da Bescheid: "Steiner sagte, dass der Mensch beim Verdauungsvorgang mehr eigene Leistung erbringen muss, wenn er sich vegan ernährt. Isst der Mensch tierische Produkte, so erbringen die Tiere eine Leistung für den Menschen, indem sie pflanzliche Nahrung umwandeln. So gesehen ist der Veganer ein Sportler. Die Verdauung rein pflanzlicher Nahrung ist eine nicht zu unterschätzende Leistung."
    Das hörte Rötheli gerne und er freute sich sichtlich über diese Aussage Hunkelers.
    "Dann ist es also gut für die Gesundheit, sich vegan zu ernähren, vom anthroposophischen Standpunkt her gesehen?" Fragte Zöller in die Runde.
    "Also von der Menschengeschichte her gesehen ernährt sich der Mensch ja noch nicht so lange von Milch und Eiern. Dazu musste erst die Tierhaltung sich durchsetzen. Deshalb ist auch die menschliche Verdauung nicht auf derartige tierische Nahrung eingestellt." Gab Rötheli zu bedenken, ohne auf eine Antwort von Hunkeler zu warten.
    Hunkeler nickte nur, als wüsste sie das schon. Sie warf dann ein: "Ich frage mich auch, wie wichtig die Gesundheit überhaupt ist. Anthroposophisch gesehen lebt der Mensch ja eigentlich ewig. Deshalb stellt sich schon die Frage: Soll ich mich gesund verhalten und 100 Jahre leben oder mich ungesund verhalten und nur 50 Jahre leben? Nach dem Tod geht es ja dennoch weiter. Warum also das jetzige Leben so hoch halten, wo doch das Jenseits noch so viel mehr bietet?"
    Zöller kommentierte: "Was für eine gute Frage zum Abschluss der Talkshow!" Und er fügte hinzu: "Bis in einer Woche! Es geht dann um die Frage: Ist Sport gut für den Menschen? Betrachtet werden die Sportler selber als auch die Zuschauer von Sportanlässen. Bis dann!"
    Kammermann schaltete den Fernseher aus.

    (1) Die aufgeführten Werbungen sind im Präsens geschrieben, was ihnen eine gewisse Unmittelbarkeit verleiht.
    (2) Hier ist in diesem Text zum ersten Mal die Rede von Luzifer und Ahriman, die in Steiners Anthroposophie eine wichtige Rolle spielen. Allerdings ist es fraglich, ob Sarah Hunkeler hier diese Begriffe richtig gebraucht. Steiner selber kann hier nicht um Rat gefragt werden, denn dieser ist schon vor bald hundert Jahren verstorben.
    (3) Diese Aussage Hunkelers ist etwas ungenau, da Steiner auch beschreibt, wie der Hellseher Gedanken wahrnehmen kann, welche eine bestimmte Person in einem bestimmten Moment hat (vgl. Theosophie: Kapitel "Von den Gedankenformen und der menschlichen Aura").


    Kapitel 17

    Hans besuchte einmal mehr Edwards Antiquariat. Diesmal, um herauszufinden, was genau Edward verkaufte ausser Büchern. Sein Plan war, Edward einfach einmal zu fragen, ob er ihm etwas Marihuana verkaufen könnte. Aber das konnte er nicht, weil zwei Frauen im Geschäft waren, die sich lautstark unterhielten. Also entschied sich Hans, zunächst einmal abzuwarten, bis die Frauen wieder gehen würden, und währenddessen durch die Regale zu stöbern.
    "Das ist ein guter Kauf," meinte die eine Frau und hielt der anderen ein Buch unter die Nase: "Schau es dir nur genau an. Gut erhalten. Ausser der Unterschrift keine Entstellungen. Ein guter Kauf."
    Die andere, die ihr sehr ähnlich sah, hielt dagegen: "300 Franken für ein Buch! Ich dachte, wir wollten etwas sparsamer mit unserem Geld umgehen. Es sind noch 13 Tage bis Ende Monat!"
    "Ein solches Angebot gibt es nicht jeden Tag!" Behauptete die erste Frau: "Wie viele Bücher hat Steiner wohl selber signiert? Eine Rarität!"
    Hans stellte fest, dass das Buch, welches die eine Frau in der Hand hielt, tatsächlich neu geliefert worden war. Jedenfalls hatte er es bisher nicht bemerkt. Es handelte sich dabei um die Erstausgabe des Steinerschen Werkes Theosophie. Scheinbar mit Steiners eigener Unterschrift versehen. Auf den ersten Blick sah es nach einem gut erhaltenen Exemplar aus, wenn man bedachte, dass es im Jahr 1904 erschienen war.
    Hans liess die beiden Frauen weiter streiten und schaute, was für interessante Bücher Edward sonst noch im Angebot hatte. Unter anderem bemerkte er eine Ausgabe von Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften. In Frakturschrift. Allerdings ein Nachdruck. Nichts Besonderes. Währenddessen diskutierten die beiden Frauen weiter.
    Diejenige, die das Buch kaufen wollte, schlug vor, für den Rest des Monats nur noch günstige Nahrung zu konsumieren: "Dann kaufen wir nichts, was teurer ist als ein Franken pro 100 Gramm! Überleg einmal: Einen halben Monat günstig essen und dafür dieses Buch im Regal! Ein guter Tausch!"
    Das schien die andere Frau zu überzeugen und sie kauften das Buch und verliessen Edwards Antiquariat. Nun wendete sich Hans Edward zu. "Sag einmal, könntest du mir etwas Gras verkaufen? Mein sonstiger Händler ist gerade in den Ferien." In dem Moment, als Hans dies sagte, bereute er es, darauf eingewilligt zu haben, gegen Edward zu ermitteln. Vielleicht würde er Knolle einfach weissmachen, dass Edward nichts mit der Sache zu tun hatte und dieser Isak Arnold gar kein Kunde von Edward war.
    "Dir verkaufe ich sicher nichts!" Sagte Edward und grinste. "Scherz beiseite: Willst du vom Starken? Oder willst du von diesem Gras, das gar kein THC enthält? Oder stehst du auf Haschisch?"
    "Gib mir vom Starken." Hans hatte sowieso nicht vor, das Gras selber zu rauchen, aber es schien ihm mehr Sinn zu machen, vom Starken zu kaufen.
    "Wie viele Gramm? Ein Gramm kostet dich 10 Franken." Sagte Edward.
    "10 Gramm scheint mir die richtige Wahl zu sein." Antwortete Hans. Knolle hatte ihm eingebläut, nicht nach Isak Arnold zu fragen, sondern einfach mal das Vertrauen von Edward zu gewinnen. Vielleicht ergäbe sich eine gute Möglichkeit, mehr über die Sache herauszufinden. Gerade heraus nach Arnold zu fragen, wäre aber sicherlich zu auffällig gewesen.
    Hans nahm das Gras entgegen, bezahlte, und verliess den Laden.


    Kapitel 18

    Wieder zu Hause angekommen, schaltete Hans den Fernseher ein. Es lief gerade die Polizeisendung. Einmal in der Woche eine Stunde lang lief dieses Programm mit dem Titel Die Polizei, Ihr Freund und Helfer. Ab und zu wurde auch der General interviewt, der Leiter der Schweizer Polizei. Heute war ein solcher Tag. Die Sendung hatte das Thema "Verhalten im Falle eines Krieges".
    Der Moderator Mike Wechsler war gerade am Reden: "Als das Militär abgeschafft wurde, waren einige Leute skeptisch. Was tun im Falle eines Krieges? Fragte man sich. Trotzdem wurde die Armee abgeschafft. Wie allgemein bekannt ist, ist es nun die Aufgabe der Polizei, im Fall eines Krieges die Verteidigung des Landes zu übernehmen. Was muss man sich dabei vorstellen?"
    General Wyss nickte und begann bedächtig zu sprechen: "Als es die Armee noch gab, hatte diese eine bestimmte Strategie. Die Landesgrenzen wurden bewacht, so dass kein Feind eindringen konnte. Die Polizei geht da anders vor. Es wird nicht das Land als Ganzes bewacht, sondern lediglich die einzelnen Dörfer und Städte. Jedes Dorf und jede Stadt verteidigt sich selber, und zwar mit Hilfe der Polizei."
    "Wie muss man sich das vorstellen?" Fragte Wechsler.
    "Nun, die Polizei ist gut bewaffnet. Sollte es zum Krieg kommen, können in jeder Stadt und jedem Dorf Leute ausgebildet werden. Es wird den Zivilisten das Schiessen beigebracht. So ist es für einen gegnerischen Staat ein Albtraum, die Schweiz anzugreifen. Jede einzelne Stadt müsste separat angegriffen werden." Wyss schaute Wechsler ruhig an.
    "Hat denn diese Strategie nicht auch Nachteile? Ich meine, würden die Angreifer nicht einfach jede Stadt bombardieren, bevor sie sie einnehmen?" Fragte Wechsler.
    "Da haben Sie recht. Die Strategie ist natürlich nicht perfekt. Es ist ein Risiko, das wir hier eingehen. Schweizer Zivilisten wären sehr gefährdet. Im Kriegsfall wären wir natürlich besser dran mit einer Armee. Die Frage dabei ist einfach: Gibt es jemals wieder Krieg? Da dies eher unwahrscheinlich ist, sind wir mit unserer Strategie im Vorteil. Was die Armee konnte, das kann die Polizei grundsätzlich auch." Wyss machte eine kurze Pause. Dann sagte er: "Bei Überschwemmungen sind wir vor Ort; bei Waldbränden ebenfalls. Es gibt in der Schweiz so viele Polizisten pro Einwohner wie in keinem anderen Land. Wir haben sogar Zeit, alten Damen über die Strasse zu helfen und Katzen von Bäumen runterzuholen."
    Wechsler sagte dazu: "Und trotzdem gibt es noch Verbrecher."
    Wyss antwortete: "Ja. Ich persönlich glaube, dass das an unseren Gesetzen liegt. Besonders das Fleischverbot passt einem grossen Anteil der Bevölkerung nicht. Aber wir von der Polizei entscheiden nicht, welche Gesetze es gibt. Wir passen nur auf, dass die Gesetze eingehalten werden. Reden Sie also dazu lieber mit dem Bundesrat oder sonst einer gesetzgebenden Instanz."
    "Danke für das Interview. Als nächstes zeigen wir, wie die Ausbildung von Leuten von Statten gehen würde, sollte die Schweiz jemals wieder in einen Krieg verwickelt werden. Ich übergebe das Wort an Nadia Zurfluh." Wechsler verabschiedete sich.
    "Ja, hallo, wir sind hier gerade auf dem Polizeiposten in der Gemeinde Dornach, wo auch das Goetheanum steht, das Zentrum der Anthroposophen. Wir sprechen mit der Polizeihauptkommissarin der Dornacher Polizei, Petra Graf. Guten Tag, Frau Graf." Sagte Zurfluh.
    "Ja ebenfalls guten Tag, Frau Zurfluh." Erwiderte Polizeihauptkommissarin Graf.
    "In unserer Sendung geht es um die Verteidigung des Landes in einem Kriegsfall. Frau Graf, wie würden Sie auf einen Krieg reagieren?" Fragte Zurfluh.
    "Also hier in Dornach haben wir ungefähr 80 Polizisten und Polizistinnen. Ausgerüstet sind wir aber für 800." Sagte Graf.
    "800? Das ist eine ganze Menge. Könnten Sie uns vielleicht diese Ausrüstung zeigen?" Wollte Zurfluh wissen.
    "Sicher doch. Kommen Sie mit. Kamerafrau ebenfalls, kommen Sie. Also hier haben wir unser Waffenarsenal für Zivilisten. 400 Sturmgewehre, 400 Schrotflinten und 800 Pistolen. Munition haben wir ebenfalls sowie auch Schutzwesten." Sagte Graf.
    "Und nehmen wir jetzt einmal an, es bräche ein Krieg aus. Wie wählen Sie die Zivilisten aus?" Fragte Zurfluh.
    "Selbstverständlich würden wir Zivilisten von einem bestimmten Alter auswählen. Nicht zu jung und nicht zu alt." Führte Graf aus.
    "Und was ist mit dem Geschlecht? Eher Frauen oder eher Männer?" Erkundigte sich Zurfluh.
    "Wenn es nach mir ginge, eher Frauen." Lachte Graf und ergänzte: "Scherz beiseite. Mit Waffen durch die Gegend schiessen kann jeder. Da braucht es nicht besonders viel Kraft. Es braucht Präzision und ein gesundes Urteilsvermögen. Das haben Frauen wie auch Männer. Junge Leute nehmen wir nicht, weil sie zu wenig Urteilsvermögen haben, und zu alte nehmen wir nicht, weil ihre Hände zittern. Die sollen lieber etwas Anderes tun."
    Zurfluh wirkte etwas skeptisch: "Ist das Ihr Ernst? Alte Leute zittern mit den Händen? Was wäre, wenn ich jetzt einen anderen Polizeihauptkommissar oder eine andere Polizeihauptkommissarin fragte? Erhielte ich dieselbe Antwort?"
    Graf schüttelte den Kopf: "Nein, vermutlich nicht. Aber das ist nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen. Wenn jede Stadt ihre Verteidigung anders organisiert, ist es für einen Angreifer schwieriger, die Lage einzuschätzen. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil."
    "Danke für das Interview." Sagte Zurfluh und schüttelte Grafs Hand.
    Hans schaltete den Fernseher aus.




    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  7. #7
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!




    Kapitel 19

    Von Hugo Rensing hörtet ihr zuletzt im Kapitel 13. Er hatte zu diesem Zeitpunkt einen Schuhabsatz im Wald gefunden. Dieser gehörte möglichweise der Person, die das Tiermassaker veranstaltet hatte. Rensing hatte sich allerdings entschieden, mit diesem Schuhabsatz nicht zur Polizei zu gehen, sondern auf eigene Faust zu ermitteln. Hört jetzt, wie die Geschichte weiterging.
    Rensing sah vor allem zwei Optionen: Entweder er konnte herausfinden, zu welchem Schuh der Absatz gehörte. Wenn es sich dabei nicht um einen sehr seltenen Schuh handelte, war die Sache aussichtslos. War der Schuh aber selten, so konnte er möglicherweise ermitteln, wer einen solchen Schuh besass. Option 2: Er konnte herausfinden, ob irgendjemand in der Gegend einen Schuh flicken gelassen hatte, weil ein Absatz fehlte. Er entschied sich, verschiedene Schuhgeschäfte in der Gegend abzuklappern, um mehr herauszufinden.
    Im dritten Geschäft stand ein Schuhverkäufer am Tresen und Rensing sprach ihn an: "Guten Tag. Meine Frau hat leider kürzlich bei ihrem einen Schuh den Absatz demoliert. Hier ist der Absatz." Rensing händigte den Absatz aus. "Können Sie mir verraten, wo wir einen neuen Absatz für den Schuh finden, damit wir ihn wieder anleimen können? Dieser hier ist leider schon etwas mitgenommen."
    Der Verkäufer sah ihn verwundert an und fragte: "Wieso haben Sie nicht den Schuh mitgebracht? Dann wäre es einfacher, herauszufinden, was für einen Absatz genau Sie brauchen." Ohne eine Antwort abzuwarten fuhr der Verkäufer fort: "Aber glücklicherweise weiss ich, von welchem Schuh die Rede ist. Es ist das Modell X72 der Marke Lulilatsch. Ein sehr beliebtes Modell, seit Anna Blume auf dem roten Teppich damit zu sehen war." (1)
    "Anna Blume?" Fragte Rensing verwundert.
    "Ja, die Sängerin, die sich für den Veganismus einsetzt und verlangt, dass die Strafe für Fleischessen vergrössert wird. Vielleicht kennen Sie ihren Hitsong Nie mehr Fleisch." Der Verkäufer schien sich äusserst wichtig vorzukommen und lächelte breit.
    "Ach so. Anna Blume also. Hm. Und Sie sagen, dass der Schuh sehr beliebt ist? Ich hatte gedacht, meine Frau hätte irgendeinen beliebigen Schuh ausgewählt. Da kann ich ihr ja einfach neue Schuhe kaufen. Vielleicht ist das noch günstiger als eine Reparatur." Rensing wusste nicht recht, was er mit dieser neuen Information anfangen sollte. Er verliess den Laden. Auf dem Nachhauseweg nahm er absichtlich einen Umweg in Kauf und ging am Polizeiposten vorbei. Sollte er jetzt doch noch die Polizei alarmieren? Er schaute den Polizeiposten an und erblickte in einem Fenster eine ältere Polizistin, die auf die Strasse herunterschaute und eine Zigarette paffte. Rensing beschloss, zunächst einmal abzuwarten und zu schauen, ob im Fernsehen etwas bekannt gegeben wurde, das ebenfalls darauf hindeutete, dass vielleicht Anna Blume die Täterin war. Ansonsten war seine Theorie, dass Anna Blume nicht nur eine Sängerin war, sondern auch mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung war, etwas weit hergeholt. Gemütlich ging Rensing nach Hause.

    (1) Dieser Name wurde Kurt Schwitters Gedicht An Anna Blume entnommen.


    Kapitel 20

    Koller klingelte bei Kammermann; dieser öffnete ihr die Tür. In jeder Hand hatte Koller eine Tüte mit Burgern der Firma Meatless. Sie streckte Hans die eine Tüte entgegen. "Probier einmal!" Sagte sie: "Diese Burger schmecken wie echtes Fleisch!"
    Hans nahm eine Tüte entgegen und nahm einen Biss. "Sehr gut!" Sagte er. "Schmeckt wie Fleisch." Er nahm noch einen Biss: "Geht aber etwas besser den Gaumen runter."
    Koller fragte: "Dann glaubst du also nicht, dass dies Fleisch ist?"
    "Wohl kaum ist das Fleisch." Meinte Kammermann. "Was hast du denn dafür bezahlt und wo hast du's her?"
    Koller antwortete ihm.
    "Kein Mensch kann Burger aus echtem Fleisch zu diesem Preis verkaufen. Wenn der Verkäufer vegane Burger als Fleisch verkaufen würde, dann würde ich das verstehen. Wenn aber jemand Fleisch verkaufte und behauptete, es sei keines, dann wäre das etwas sonderbar." Hans schaute fragend seine Grossmutter an.
    "Kannst du herausfinden, ob es sich hierbei um Fleisch handelt?" Fragte Koller.
    "Sicher. Ich kann chemische Tests durchführen. Ich kann bestimmen, ob es sich um tierisches oder pflanzliches Fett handelt in diesem Burger. Soll ich?" Fragte Hans.
    "Das würde mich sehr interessieren." Sagte Koller.
    Also führte Hans einige Tests durch und kam zum Schluss, dass es wirklich vegane Burger waren. Die beiden assen noch einige Burger und dann verabschiedete sich Koller und ging wieder nach Hause. Kammermann dachte indessen über den Fall Isak Arnold nach und hoffte, dass die ganze Sache sich wieder beruhigen würde. Arnolds Angestellter Edward war zwar kein Freund von Kammermann, aber Kammermann kannte ihn doch persönlich und sympathisierte mit ihm.


    Kapitel 21

    Am nächsten Tag unterhielten sich Kammermann und Knolle in einem Restaurant. Kammermann fragte Knolle: "Und, was hältst du eigentlich von der Anthroposophie?"
    "Ich persönlich glaube nicht daran." Antwortete Knolle.
    "Die Anthroposophen haben in den letzten Jahren einiges erreicht." Gab Kammermann zu bedenken.
    "Ja, es ist verblüffend, dass eine so weltfremde Lehre wie die Anthroposophie irgendeinen Einfluss auf die Politik haben kann." Knolle nickte.
    "So verblüffend ist das meiner Meinung nach nicht. Bei vielen Lehren kann man sich fragen, was genau der Zusammenhang mit dem praktischen Leben ist. Bei der Anthroposophie muss diese Frage nicht gestellt werden." Kammermann nahm einen Löffel Tomatensuppe.
    "Wie meinst du das?" Fragte Knolle.
    Kammermann hatte sich mittlerweile auch etwas mit Philosophie befasst, um mit Knolle mithalten zu können, und antwortete: "Na ja, nehmen wir zum Beispiel die Erkenntnistheorie. Hier gibt es verschiedene Antworten auf verschiedene Fragen. Zum Beispiel kann gefragt werden, was genau Wissen heisst. Was bedeutet es, wenn jemand etwas weiss? Wie kann Wissen definiert werden? Nun gibt es verschiedene Denker, die darüber streiten, was Wissen heisst. Aber nehmen wir nur einmal an, ein solcher Denker findet wirklich heraus, was Wissen heisst. Was wären die Konsequenzen einer solchen Entdeckung? Ich selber denke, dass eine solche Errungenschaft keinen Einfluss auf das Leben hat. Ob ich weiss, was Wissen heisst, ist eigentlich egal." Kammermann nahm noch einen Löffel Suppe.
    "Und bei der Anthroposophie ist es anders?" Fragte Knolle.
    "Ja, tatsächlich. Die Anthroposophen glauben ja an die Reinkarnation und an das Karma. Es hat sehr wohl einen Einfluss auf das Leben, ob man an solche Dinge glaubt oder nicht. Wer an das Karma glaubt und annimmt, dass jede falsche Tat wieder gut gemacht werden muss, der wird weniger falsche Taten begehen." Kammermann nickte und fuhr fort: "Ausserdem wird jemand, der das glaubt, auch nicht sich selber für seine Fehler bestrafen. Seine Umwelt übernimmt das für ihn. Im Verlauf seiner Inkarnationen wird das Karmagesetz dafür sorgen, dass er für seine falschen Taten bezahlt. Und da das Leben ewig ist, gibt es kein Entkommen."
    "Das würde dann heissen, dass es keinen Sinn macht, wenn beispielsweise die Polizei Verbrecher bestraft. Alle Strafen müssten abgeschafft werden. Ich glaube, das wären recht chaotische Verhältnisse." Knolle schien von Kammermanns Argumentation wenig überzeugt. Knolle fuhr fort: "Ich sehe schon, dass du da gewissermassen recht hast. Und vielleicht, wenn die Anthroposophie sich durchsetzt, wird es eines Tages nicht mehr nötig sein, Verbrecher zu bestrafen. Aber heute ist die Sache anders. Heute braucht es die Polizei. Unser heutiges System, nach welchem die Gesellschaft funktioniert, ist innerhalb einer langen Zeit entstanden. Es geht mindestens bis zu den alten Griechen zurück. Wenn nun irgendein Anthroposoph kommt und alles umstürzen will, so habe ich wenig Verständnis dafür. Ich finde es respektlos der Vergangenheit gegenüber, wenn irgendwelche alternativ denkende Anarchisten glauben, dass sie alles besser wissen."
    Kammermann wartete und Knolle sprach weiter: "Um unsere Gesellschaft zu verbessern, muss erst einmal nachvollzogen werden, wie die Gesellschaft entstanden ist und wo sie heute steht. Ein Individuum muss vorerst alles mitmachen und so Teil des Systems werden. Erst dann kann aus dem System heraus dieses verbessert werden. Wer von aussen das System verbessern will, beweist lediglich, dass er das System nicht verstanden hat. Wer zum Beispiel behauptet, Besitz sei Diebstahl, der hält sich vielleicht für besonders klug. Er bedenkt dabei aber nicht, dass er nicht der erste ist, der so etwas behauptet. Meiner Meinung nach gab es schon immer Leute, die das System von aussen her verbessern wollten. So kam es auch zum Kommunismus. Und ist der Kommunismus besser als der Kapitalismus? Wohl kaum!" Knolle geriet mehr und mehr in Fahrt: "Das System ist gut, so wie es ist. Das Traurige ist nicht, dass das System schlecht ist, sondern dass einige Leute nicht erkennen, wie gut es ist. Wer nichts Besseres zu tun hat, als herumzunörgeln, der weiss einfach nicht, was er an unserem System hat."
    Kammermann sagte: "Vielleicht hast du da recht. Vielleicht sind diese Nörgler einfach ungeduldig. Und vielleicht wird es erst in der fernen Zukunft keine Polizei mehr brauchen."


    Kapitel 22

    Hans stöberte wieder einmal in Edwards Laden, als Isak Arnold auftauchte. Edward begrüsste ihn freundlich und die beiden diskutierten miteinander. Hans verstand nicht alles, sondern musste sich mit einigen Fetzen zufriedengeben. Die Rede war von Edwards Schwester, vom Wetter und von den Fussball-Resultaten. Hans vermutete, dass es sich dabei um eine Gaunersprache handelte, die der typische Durchschnittsbürger nicht verstand. Schliesslich förderte Edward einen Briefumschlag zu Tage und überreichte ihn Arnold. Arnold verliess den Laden.
    Hans betrachtete noch einen Moment lang die Bücher und wendete sich dann an Edward. "Wann erhältst du eigentlich neue Lieferungen von Büchern?"
    "Die Lieferungen erfolgen sehr unregelmässig." Sagte Edward: "Du musst also immer damit rechnen, dass neue Angebote im Laden stehen."
    "Gut, dann komme ich nächstens mal wieder." Sagte Hans und sie verabschiedeten sich. Hans nahm sein Handy und telefonierte mit dem Polizeiposten Obersee. Er wurde mit Knolle verbunden und erzählte ihm von dem Ereignis. Dieser sagte: "Ein Briefumschlag? Vermutlich Geld. So kommen wir nicht weiter. Interessanter wäre es, ein solches Gespräch aufzuzeichnen. Wir haben einige Leute in der Polizei, die solche Gaunersprachen entschlüsseln können. Nimm also für nächstes Mal ein Aufnahmegerät mit."
    Die beiden diskutierten noch kurz und wünschten sich dann ein schönes Wochenende, denn es war Freitag.


    Kapitel 23

    Am Samstag besuchte Kammermann das Goetheanum. Es fand an diesem Wochenende eine Tagung statt über Steiners Zeitgenossen. Es gab Vorträge über Edmund Husserl, Arthur Conan Doyle, Iwan Petrowitsch Pawlow und Thomas Alva Edison. Dem Thema entsprechend wurde im Kino am Goetheanum Der Hund von Baskerville gezeigt. Kammermann hatte vor, den Einleitungsvortrag von Frieda Meyer zu besuchen.
    Kammermann war schon öfters hier gewesen. Er kannte das Goetheanum, das Speisehaus am Goetheanum, die Jugendsektion am Goetheanum. Es war viel Volk vor Ort. Seit der Entstehung der Anthroposophischen Partei hatte Steiners Lehre an Interesse gewonnen. Es gab solche, die daran glaubten, und solche, die sich dafür interessierten. Kammermann mochte die Atmosphäre am Goetheanum. Er fühlte sich frei hier, unbeobachtet, entspannt. Die kurze Einleitungsrede fand im Grossen Saal statt und war gut besucht.
    Die Rede wird hier auszugsweise wiedergegeben. Frieda Meyer sprach: "Meine lieben Anwesenden. Es ist mir eine Freude, heute die Anfangsrede zu unserer Tagung zu halten. Manch einer und manch eine mag sich jetzt fragen: Wieso wird eine Veranstaltung zu Rudolf Steiners Zeitgenossen durchgeführt? Was haben diese Zeitgenossen mit Steiner überhaupt zu tun? Die Antwort kann hier gegeben werden: Sie alle waren in einer ähnlichen Situation, verarbeiteten das Gegebene aber auf verschiedene Weise. Sie stellten sich ihrer Umwelt auf verschiedene Weise entgegen. Und genau das war es, was Steiner an den Leuten interessierte: Wie sie sich auf ihre Umwelt einliessen. Rudolf Steiner redete oftmals vom Denken und bezeichnete dieses als eine der Tätigkeiten der Menschenseele neben dem Fühlen und dem Wollen. Das Denken ist es, das die Lösungen sucht zu den Rätseln, die uns von unserer Umwelt gestellt werden. Die Individualität des Menschen liegt darin, dass seine Lösungen sich unterscheiden von den Lösungen anderer. Und so ist es auch mit den Persönlichkeiten, über die an diesem Wochenende Vorträge gehalten werden. Edison und Husserl, Pawlow und Doyle, sie alle waren der Welt um 1900 herum ausgesetzt, doch nicht alle sahen die gleichen Probleme und nicht alle lösten die Probleme auf gleiche Weise. Edison war Physiker, Husserl Philosoph, Pawlow war Psychologe und Doyle schrieb Detektiv-Geschichten. Sie alle sahen etwas Anderes, was es zu tun gab in dieser Zeit."
    Meyer fuhr fort: "Die Zeit um 1900 wird von Steiner oftmals als die Zeit bezeichnet, in welcher der Materialismus vorherrschte. Entsprechend gab es auch Gegenbewegungen zu diesem Materialismus. Die Religionen mussten sich neu definieren und in der Theosophie fanden diese Religionen eine mehr oder weniger wissenschaftliche Form, die Steiner in seiner Anthroposophie noch perfektionierte. Aber nicht alle gewichteten diesen Kampf der Religion gegen den Materialismus so stark wie Steiner das tat. Nicht alle sahen in dieser Zeit die gleichen Probleme und wenn auch einige dieser Personen Probleme sahen, die einander ähnelten, so kann dennoch nicht gesagt werden, dass sie diese Probleme gleich lösten."
    Meyer redete weiter: "Als Rudolf Steiner kurz nach 1900 der Theosophischen Gesellschaft beitrat, machte er damit deutlich, wie er sich selber stellte in diese materialistische Zeit. Er hatte schon in seiner Philosophie der Freiheit nach dem reinen Geist gesucht. Jetzt konnte er für diesen Geist auch öffentlich eintreten. 'Nichts steht höher als die Wahrheit.' Das war der Leitspruch der Theosophischen Gesellschaft. (1) Und auch Steiner selber bezeichnete sich als jemand, der es mit der Wahrheit zu tun hat. Mit seiner Lehre wollte er es auch anderen Menschen ermöglichen, von dieser Wahrheit zu erfahren. Steiner hatte sein Leben lang diese Vision, dass der Mensch sein Verhältnis zu Welt und somit auch die Wahrheit erkennen kann. Er war eben ein Optimist, der echte Erkenntnis für möglich hielt."
    Und noch weiter: "Steiner knüpfte dabei bei Johann Wolfgang Goethe an. Goethe hatte den Wortschatz der deutschen Sprache nachhaltig geprägt und beispielsweise vom Sinnlich-Übersinnlichen geredet. Auch Steiner suchte nach einem solchen Übersinnlichen, das er für die Antwort hielt auf die Fragen seiner Zeit. Er wollte den Weg zu diesem Übersinnlichen beschreiten und gleichzeitig auch wissenschaftlich begründen. Stets legte er vor sich selbst und vor Goethe Rechenschaft ab. Angeborene Fähigkeiten waren ihm praktisch, aber er wollte letztlich alles sich selber zu verdanken haben und so war sein Weg ein steiniger."
    Meyer nahm einen Schluck Wasser und sprach: "Ich könnte jetzt schon einiges vorwegnehmen dazu, inwiefern zum Beispiel Husserl ähnliche Probleme sah wie Steiner oder inwiefern Pawlow wie auch Doyle gewissermassen das Verhalten der Menschen studierten. Das tue ich aber nicht. Die anderen Vorträge, zu denen Sie herzlich eingeladen sind, werden diese Themen zweifellos aufnehmen. Stattdessen möchte ich allen Anwesenden noch einmal herzlich begrüssen. Ich hoffe, es wird eine aufschlussreiche und recht befriedigende Tagung."
    Meyer verbeugte sich kurz und verliess dann das Rednerpult. Kammermann verliess den Grossen Saal. Er spazierte noch eine Zeit lang durch die Gegend und fuhr dann wieder nach Hause.

    (1) Hier ist Frieda Meyers Aussage ungenau, denn die Devise der Theosophischen Gesellschaft mit Hauptsitz in Adyar war 'Keine Religion ist höher als die Wahrheit'.




    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  8. #8
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!



    Kapitel 24

    Hans Kammermann war kein Fan von Anna Blume. Sie war ihm zu direkt, zu indiskret irgendwie. Sie hatte eine grosse Klappe. Entsprechend schaute er auch nur einen Teil des nachfolgenden Interviews mit ihr. Elsa Plötzli führte das Gespräch mit der Schweizer Sängerin.
    Elsa Plötzli: "In Ihrem neuen Hitsong Nie mehr Fleisch besingen Sie den veganen Lebensstil und fordern härtere Strafen für Übertretung des Fleischgesetzes. Sie singen (ich zitiere): 'Hätte ich auch ein Kilo Fleisch, meine Meinung bliebe gleich: Nie mehr Fleisch, nie mehr Fleisch!' Einige Ihrer Kritiker meinen nun, das habe nichts mehr mit Kunst zu tun, das sei Politik. Was sagen Sie dazu?"
    Anna: "Nun, ich bin nicht nur eine Künstlerin. Ich bin auch ein Mensch. Ich habe Meinungen und Ideen. Ich sehe nicht ein, wieso ich das ausblenden sollte in meiner Kunst."
    Elsa: "Ja Sie könnten diese beiden Bereiche einfach trennen. Wenn Sie singen, singen Sie von dem, was die Leute hören wollen, also zum Beispiel von der Liebe. Und wenn Sie zu einer Talkshow eingeladen werden, geben Sie auch Ihre politischen Ideen bekannt."
    Anna: "Sehen Sie, das könnte ich schon tun. Nur warum sollte ich? Es sind meine Lieder und es ist meine Entscheidung. Ich bin am Drücker, ich habe die Macht. Wieso sollte ich auf die Stimmen dieser Neinsager und Kritiker hören? Meine Fans sind mir treu!"
    Elsa: "Es könnte Ihrem Image schaden, wenn Sie so vorgehen."
    Anna: "Meine Fans werden mir treu bleiben und selbst wenn ich eines Tages als Sängerin nicht mehr ankomme, so kann ich auch anders mein Geld verdienen oder von meinen Ersparnissen leben. Ich sehe das Problem nicht. Wieso sollte ich nicht das tun, was mir gefällt?"
    Elsa: "Na ja, die Leute sind eben von Ihnen abhängig. Wenn Sie so lautstark Ihre Meinung kundgeben, regen sich einige Leute darüber auf. Bedeutet Ihnen das denn nichts?"
    Anna: "Wissen Sie, was mir etwas bedeutet? Dass es noch immer Leute gibt, die Fleisch essen, und zwar nicht nur im Ausland. Und die Eier und die Milch, die in der Schweiz gewonnen werden, gehen auf Kosten von Tieren, die schlecht gehalten werden. Das sind die wirklichen Probleme! Die Menschen, die sich darüber aufregen, wenn sie eine Meinung hören, die ihnen nicht passt, sind alle Simulanten. Das ist doch kein Problem, sich eine andere Meinung anzuhören. Unsere Tiere haben viel grössere Schwierigkeiten. Deshalb sage ich: Alles muss vegan werden!"
    Elsa: "Hm, okay. Danke für das Interview."
    Anna: "Ich danke Ihnen!"



    Kapitel 25

    Am Wochenende ging Müller zur Hasenwarte, wo das Tiermassaker stattgefunden hatte. Sie befragte verschiedene Passanten, ob ihnen irgendetwas aufgefallen sei. Allerdings sagte sie niemandem, worum es genau ging. Sie wollte nicht, dass die Presse von der Sache erfuhr. Die Presse machte nur immer alles schlimmer. Sie zeigte also verschiedenen Passanten ihren Ausweis und stellte die Frage: "Ist Ihnen in den letzten zwei Wochen irgendetwas aufgefallen, was verdächtig auf Sie wirkte?" Hier sind einige der Antworten, die Müller erhielt. Gegenfragen beantwortete Müller mit nichtssagenden Sätzen.
    Antwort 1: "Verdächtig? Mir fällt auf, dass in letzter Zeit weniger Abfall am Boden zu finden ist. Warum, was ist denn Ihnen aufgefallen?"
    Antwort 2: "Auf mich wirkt so einiges verdächtig. Gerade kürzlich sah ich einen Mann, der offenbar zwei Frauen hatte. An jeder Hand eine. Das ist überaus verdächtig."
    Antwort 3: "Ich habe kürzlich, gerade hier, wo wir stehen, den Manager von Anna Blume gesehen. Ich kannte ihn vom Fernsehen her und fragte ihn, ob er ein Autogramm von Anna Blume dabeihabe. Er aber sagte, er habe nichts mit ihr zu tun. Also das nenne ich verdächtig!"
    Nach dieser Antwort befragte Müller noch einige Personen, konnte aber ihre Gedanken nicht mehr von Anna Blume lösen. Anna Blume. Dieser Popstar, der ständig für den Veganismus kämpfte, als hinge sein Leben davon ab. Diese Sängerin, die nur Meinungsmacherei betrieb und nichts von Kunst verstand. Was hätte sie schon davon, wenn tatsächlich auch Milch und Eier verboten würden? Ging es ihr wirklich um die Tiere, oder hatte sie noch eine verborgene Absicht? War Anna Blume vielleicht die Meat Queen?
    Darüber nachsinnend ging Müller nach Hause und verliess ihre Wohnung bis am Montag nicht.



    Kapitel 26

    Einmal mehr besuchte Hans Kammermann Edwards Antiquariat. "Ist eine neue Lieferung gekommen?" Fragte er den Verkäufer.
    Dieser antwortete: "Ja. Darunter ist eine preiswerte Erstauflage von den Kernpunkten der Sozialen Frage. Ich verkaufe sie für 30 Franken, aber dir gebe ich sie für 25."
    Hans blätterte in diesem Band aus dem Jahr 1920. Damals war Steiner noch am Leben, dachte er bei sich. Eigentlich wollte er die Ausgabe nicht unbedingt kaufen, denn 25 Franken schienen ihm doch etwas teuer. Er wusste nicht, wie viele Exemplare die Erstauflage umfasste und deshalb konnte er nicht beurteilen, ob 25 Franken wirklich ein guter Preis war. Schliesslich feilschte er noch mit Edward und kaufte den Band für 18 Franken. Auch dies war möglicherweise ein zu hoher Preis, aber da er stets nach neuen Angeboten gefragt hatte, schien es ihm nur konsequent zu sein, auch etwas einzukaufen. Vielleicht konnte er das Geld von der Polizei zurückfordern, denn schliesslich war er unterwegs in geheimer Mission. Dies geschah am Samstag.



    Kapitel 27

    Am Montag assen Knolle und Kammermann in einer Pizzeria zu Mittag. Das Gesprächsthema war zunächst das weitere Vorgehen bei den Ermittlungen.
    Knolle sagte: "Mir ist klar, dass du nun öfters bei Edward vorbeigehen musst, wenn wir wirklich etwas über Isak Arnold erfahren wollen. Du musst einfach unauffällig wirken."
    Darauf erzählte Hans, was geschehen war. Wie er Edward gefragt hatte, wie oft neue Lieferungen kommen, und dass er diese Erstausgabe der Kernpunkte der Sozialen Frage gekauft hatte.
    "Ja, das war ein guter Schachzug. Und natürlich wird die Polizei dir das Geld zurückerstatten. Allerdings darfst du den Band nicht behalten, denn dieser ist jetzt Beweismaterial. Der Band hat zwar keinen direkten Zusammenhang mit den Ermittlungen, aber was die Polizei kauft, das gehört der Polizei." Knolle nickte, um die Aussage zu unterstreichen. Knolle fuhr fort: "Ich hoffe, dass wir den Fall vorantreiben können, denn Müller macht mächtig Druck auf mich. Sie glaubt, dass die Meat Queen das Tiermassaker veranstaltet hat und nun will Müller den Kopf unserer viel geliebten Königin."
    "Was wird geschehen, wenn der Täter oder die Täterin festgenommen wird?" Fragte Hans.
    "Dann wird er oder sie wegen Tierbeschädigung hinter Gitter wandern. Dort kann er oder sie etwa zehn Jahre darüber nachdenken, was er oder sie angerichtet hat." Sagte Knolle und es schien ihm diese aufwändige Redensweise gar nichts auszumachen.
    "Und wie steht es mit dieser Gaunersprache? Was tun wir, wenn es uns gelingt, ein Gespräch zwischen Arnold und Edward aufzuzeichnen?" Fragte Hans weiter.
    "Dann werden wir einige Übersetzer brauchen. Nicht jeder Gauner hat dieselbe Sprache, aber das Prinzip ist eigentlich immer dasselbe. Du hast ja im Kapitel 22 gesagt, die Rede sei gewesen von Edwards Schwester, vom Wetter und von den Fussball-Resultaten. (1) Edwards Schwester könnte eine andere Person oder eine Sache sein, die einfach als Edwards Schwester bezeichnet wird. Das Wetter könnte irgendein Ereignis sein, ein spezifisches Ereignis wie eine Warenübergabe oder auch ein andauerndes Ereignis. Das Wetter könnte sich also darauf beziehen, wie das Geschäft generell läuft. Die Fussball-Resultate könnten irgendeinen Zahlencode enthalten. Es ist für mich allerdings schwierig, dir das zu erklären, denn ich bin kein Profi der Gaunersprache und was du mir mitgeteilt hast ist nur das Fragment eines Gesprächs." Knolle wiegte den Kopf hin und her.

    (1) Hier nimmt zum ersten Mal eine Figur in der Geschichte Bezug auf ein vorheriges Kapitel. Die Figur, hier Kommissar Knolle, scheint somit diese Erzählung von aussen her zu betrachten und nicht mehr nur als Figur in der Geschichte. Es handelt sich hierbei um einen Verfremdungseffekt (Begriff geprägt von Bertolt Brecht) – der Leser wird sich bewusst darüber, dass es sich beim vorliegenden Text nicht um die Wirklichkeit handelt, sondern um eine Fiktion.



    Kapitel 28

    Müller nahm die Treppe zu Besics Büro und klopfte an die Tür. Knolle war zwar Müllers direkter Vorgesetzter, aber für Überwachungen war Besic zuständig und also wendete sich Müller an Besic. Besic paffte gerade eine Zigarette, als sie Müllers Klopfen hörte. Ohne sich vom Fenster umzudrehen sagte sie: "Herein."
    Besic stand mit dem Rücken zu Müller und fragte: "Was ist?"
    Müller machte mit ihren Händen Fäuste und sprach: "Es geht um Anna Blume. Ich möchte die Genehmigung, Anna Blume zu überwachen."
    "Wieso?" Fragte Besic, ohne sich umzudrehen. Noch immer paffte sie genüsslich ihre Zigarette.
    "Mir ist etwas wieder in den Sinn gekommen. Wegen dem Tiermassaker. Als ich und Kurt nach der Tatnacht vor Ort waren, befragten wir noch einige Passanten und einer sagte, er habe Blumes Manager in der Hasenwarte gesehen." Diese Geschichte war nur halb gelogen. So oder so realisierte Müller langsam, dass sie damit wohl kaum weiterkam.
    Besic hustete, paffte dann aber weiter und sagte: "Was schliesst du daraus?"
    Müller erklärte ihre Theorie: "Also wir wissen, dass es weibliche Fussabdrücke am Tatort hatte. Weiter wissen wir, dass Blume für das Fleischgesetz ist. Somit gibt es für Blume ein Motiv wie auch ein Indiz gegen sie."
    Besic: "Ich sehe schon. Wenn das Verbrechen an die Öffentlichkeit geraten wäre, dann hätte das die Gegner des Fleischgesetzes ins schlechte Licht gerückt. Und genau das will Blume. Trotzdem muss ich deinen Antrag ablehnen. Blume wird nicht überwacht."
    Müller wurde etwas lauter: "Ich weiss, dass ich hier richtigliege. Gib mir die Chance, es zu beweisen."
    Besic antwortete: "Ich wäre nicht in meiner Position, wenn ich irgendwelchen dunklen Ahnungen gefolgt wäre. Und ich werde auch deiner Ahnung nicht folgen. Vergiss die Sache."
    Wütend verliess Müller Besics Büro. Besic paffte indessen weiter und schaute auf die Strasse hinunter.



    Kapitel 29

    An diesem Abend ging Müller wiederum zur Hasenwarte und setzte sich dort auf eine Bank. Sie ging in Gedanken die ganze Sache noch einmal durch. Sie war nach wie vor überzeugt, dass Anna Blume etwas mit dem Ganzen zu tun hatte.
    Da setzte sich neben sie ein älterer Herr, den Müller nicht kannte, der dem Leser und der Leserin aber bekannt ist als Hugo Rensing. "Haben Sie das auch mitbekommen," fragte Rensing: "Dass hier eine Zeit lang eine Stelle abgeriegelt wurde, vermutlich von der Polizei?" (Rensing erinnerte sich zwar daran, dass er Müller schon einmal gesehen hatte, und er wusste, dass sie Polizistin war, aber er liess sich nichts anmerken.)
    "Ja," sagte Müller: "Zufälligerweise war ich auch vor Ort und habe das Geschehen mitverfolgt."
    "Eine Schande," sagte Rensing: "Dass die Leute nichts Besseres zu tun haben, als sinnlos Tiere zu töten."
    Müller antwortete: "So ist es. Vielleicht ist es ein Reiz für diese Leute, weil es verboten ist. Wenn man den Leuten etwas verbietet, dann tendieren sie dazu, gerade das zu tun."
    "Nun, ich hoffe, dass die Täterschaft nicht entkommt." Meinte Rensing.
    "Das hoffe ich ebenfalls," sagte Müller.





    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  9. #9
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!



    Kapitel 30

    Müller hatte am Abend vorher erfahren, dass ein weiteres Tiermassaker geschehen war, und zwar in Zürich!
    An diesem Morgen stürmte sie wütend in Knolles Büro und sagte: "Hättest du mir doch erlaubt, in diesem Fall weiter zu ermitteln. Dann hätte es kein weiteres Massaker gegeben und die Presse hätte nie davon erfahren. Möglicherweise müssen wir jetzt sogar zugeben, dass es schon ein solches Massaker gegeben hat."
    Knolle blieb ruhig: "Das müssen wir nicht. Die Öffentlichkeit braucht nichts davon zu erfahren, dass dies nicht das erste Massaker ist. Wir nehmen jetzt mit der Zürcher Polizei Kontakt auf und bringen in Erfahrung, ob noch weitere Indizien aufgetaucht sind, die uns bei unseren Ermittlungen helfen. Wir informieren die Zürcher Polizei darüber, dass die Täterschaft möglicherweise aus politischen Gründen gehandelt hat. Um eine öffentliche Unruhe zu vermeiden, empfehlen wir der Zürcher Polizei, den Medien möglichst wenig Informationen zu geben."
    An diesem Abend schaute Müller die Tagesschau. Die Moderatorin Fränzi Wicky kommentierte das Tiermassaker: "Wir sind hier vor Ort in Zürich Oerlikon, wo ein grausiges Massaker stattgefunden hat. Ein Hirsch und drei weitere Rehe wurden heute Morgen tot aufgefunden. Die Polizei weiss noch nicht mit Sicherheit, wer das Massaker verursacht hat. Ich spreche jetzt mit der Polizeihauptkommissarin der Oerlikoner Polizei, Trudi Meierhans. Frau Meierhans, was wissen wir über dieses Massaker?" Fragte Wicky.
    Darauf Meierhans: "Es ist völlig unklar, wer das Massaker angerichtet hat und wieso. Es könnte ein Verbrechen sein, das aus purem Hass auf Tiere durchgeführt wurde, oder es könnte irgendein anderer Grund für die Tat existieren."
    Wicky: "Haben Sie Hinweise auf die Täterschaft?"
    Meierhans: "Leider nein. Wir wissen bisher nur, dass die Waffe, die verwendet wurde, eine grosskalibrige war. So wie sie früher vom Militär verwendet wurden."
    Wicky: "Danke für das Interview. Als nächstes sprechen wir mit einem Anwohner, der eine der ersten Personen vor Ort war. Herr Huber, was meinen Sie zu diesem Massaker?"
    Huber wirkte etwas mitgenommen: "Also ich als Anwohner schäme mich dafür, an diesem Ort zu wohnen, wo ein solches Verbrechen geschehen ist. Ich hoffe, dass die Täterin bald erwischt wird."
    Wicky schien verwundert: "Sie sagen 'die Täterin'?"
    Nun wirkte Huber eher stolz als beschämt: "Ja sehen Sie es denn nicht? Es hat hier einige Spuren von Schuhen mit hohen Absätzen, die zu dem Ort führen, wo vermutlich die Täterin stand, als sie die Schüsse abgegeben hat. Und ich bin schon seit heute Morgen um 6 Uhr hier, noch bevor die Polizei aufgetaucht ist. Ich habe alles mitverfolgt, wie erst die Presse und dann die Polizei hier angekommen sind. Und niemand trug Schuhe mit hohen Absätzen. Diese Spuren müssen schon vorher verursacht worden sein. Vielleicht von der Täterin!"
    Wicky war etwas verblüfft, sprach aber sachlich weiter: "Danke Herr Huber für diese interessante Ausführung. Dann hoffen wir, dass die Täterin bald gefunden wird." Wicky lächelte und sagte: "Ich gebe das Wort zurück ins Studio, wo Frau Toggenburg Ihnen weitere Nachrichten präsentiert."
    Toggenburg übernahm das Wort: "Danke, Frau Wicky. Wir fahren jetzt weiter mit den Nachrichten. Und zwar besprechen wir als nächstes eine neue Initiative der SVP. Wie fast jeden Monat trumpft die SVP mit einer neuen Initiative auf. Diesmal soll ein Gesetz eingeführt werden, welches besagt, dass die Schweiz selber genug Nahrung produzieren soll, so dass eine Selbstversorgung im Falle eines Krieges möglich ist. Unser Mitarbeiter Christian Vogel diskutiert mit der Parteipräsidentin der SVP, Judith Hamacher. Ich übergebe das Wort."
    "Danke ins Studio," sagte Vogel. "Frau Hamacher. Wie, denken Sie, kann eine solche Selbstversorgung des Landes ermöglicht werden? Wir haben in der Schweiz doch eine relativ hohe Bevölkerungsdichte bei relativ geringer Furchtbarkeit der Landschaft und also wird die Sache sicher nicht einfach."
    "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Antwortete Hamacher: "Wir müssen unseren Platz einfach besser nutzen. Alle jene Hausdächer, auf denen es noch keine Solarzellen hat, müssen mit Nahrung bepflanzt werden. Wälder müssen gerodet und durch Weizenfelder ersetzt werden. Unsere Gebirge müssen bewirtschaftet werden, sei das mit Pflanzen oder auch mit Tieren wie zum Beispiel Vogelarten, die viele Eier legen."
    "Eine gewagte Initiative, würde ich sagen." Meinte Vogel. "Und wie soll das Ganze finanziert werden?"
    "Nicht durch den Staat." Erklärte Hamacher: "Wir führen einfach ein neues Gesetz ein, das von Grundbesitzern verlangt, dass diese Nahrung anbauen. So wird nicht nur der Staat zum Selbstversorger, sondern auch die Einzelmenschen versorgen sich selber."
    "Und warum das Ganze?" Fragte Vogel: "Rechnen Sie denn mit einem Krieg?"
    "Man muss immer mit dem Schlimmsten rechnen, dann wird man nie überrascht." Postulierte Hamacher.
    "Was für ein schönes Wort. Danke für das Interview. Nun zurück ins Studio." Sagte Vogel. Als Toggenburg ankündigte, dass als nächstes das Wetter durchgegeben würde, schaltete Müller den Fernseher aus.


    Kapitel 31

    Für diesen Tag war ein grosses Interview mit Anna Blume angekündigt. Verschiedene Moderatoren verschiedener Sendungen und Kanäle sollten vor Ort sein. Müller kannte eine der Moderatorinnen und erzählte dieser die ganze Sache mit Anna Blume und den Tiermassakern. Müller machte dieser Moderatorin mit dem Namen Ritsch folgenden Vorschlag: "Wenn du eine Frage stellen kannst, so frage doch, was Anna Blume vom Massaker in Obersee hält. Vielleicht verplappert sie sich."
    Ritsch sagte lächelnd: "Scheint riskant zu sein, könnte mich meinen Job kosten... Aber wir Journalisten sind eben Adrenalinjunkies!"
    Als an diesem Tag das Interview stattfand, war Anna Blume umringt von Moderatoren und Moderatorinnen bzw. Pressefachleuten. Es wurden verschiedene Fragen gestellt. Es gab Fragen an Anna Blume wie "Ist ein veganer Lebensstil tatsächlich gesund?" Oder: "Seit wann sind Sie schon Veganerin?" Irgendwann gab es eine kurze Pause und der Moment für Ritsch war gekommen. Sie fragte: "Was halten Sie denn vom Tiermassaker in Obersee?"
    Darauf sagte Anna Blume: "Was für eine Schande! Man sieht daran, wie primitiv diese Fleischfresser sind. Veganismus für immer!"
    Eine andere Moderatorin schaltete sich ein: "Aber es gab doch gar kein Massaker in Obersee! Das Massaker war in Zürich Oerlikon."
    Für einen Moment starrte Anna Blume verwirrt in die Kamera. Sie räusperte sich und sagte: "Hm, ja, ich meinte die Rede sei von dem Massaker in Oerlikon."
    Das Interview ging dann noch eine Zeit lang weiter. Müller aber, die das Interview geschaut hatte, war begeistert. Nun war es nur eine Frage der Zeit, bis Anna Blume hinter Gitter wanderte.


    Kapitel 32

    Jasmin Müller erhielt nun die Genehmigung, gegen Anna Blume vorzugehen. Anna Blume wurde an einen Lügendetektor angeschlossen. Ihr Haus wurde durchsucht. Letztlich stellte sich heraus, dass tatsächlich Anna Blume die beiden Massaker angerichtet hatte. Bei ihr zu Hause wurde auch verschiedenes anderes Beweismaterial gefunden. Indessen informierte Knolle Kammermann, dass die Ermittlungen gegen Edward für die nächste Zeit eingestellt werden sollten. Schliesslich war es gut möglich, dass durch die Verhaftung von Anna Blume auch Beweise gegen Isak Arnold und Edward Burton auftauchen würden, was Kammermanns Ermittlungen überflüssig machen würde. Hans Kammermann war darüber erleichtert. Er betrachtete Edward als Freund und wollte diesem keineswegs etwas antun.


    Kapitel 33

    Hans sass gemütlich bei sich zu Hause und schaute fern. Es ging um die Frage, ob Sport verboten werden sollte. Für ein Verbot plädierte Georg Stampfer, ein Soziologe. Gegen das Verbot argumentierte Tom Elmer, ein Arzt.
    "Bedenken Sie nur einmal, was für einen Schaden diese Extremsportler anrichten. Die Leute sind besessen davon, diese Sportler mitzuverfolgen. Es wird mehr Alkohol konsumiert und in den Haushalten gibt es Streit. Das sollte man verbieten!" Behauptete Stampfer.
    Elmer konterte: "Sport ist gut für die Gesundheit! Die Leute leben länger, haben eine höhere Lebensqualität!"
    "Nein, nein, nein!" Rief Stampfer: "Gesundheit heisst nicht Zufriedenheit. Wieso sollte man das Leben in die Länge ziehen, wenn es ja sowieso ewig ist!"
    "Ihr verdammten Anthroposophen!" Rief Elmer und wollte sich schon auf Stampfer stürzen, als einige Sicherheitsleute eingriffen.
    Auf dem Bildschirm erschien eine Moderatorin des Schweizer Fernsehens und sagte etwas leise: "Leider muss die Sendung abgebrochen werden. Stattdessen zeigen wir einige Werbesendungen."
    Werbung 1: Ein Mann geht durch ein Gebäude, an einer Reihe von Trainingsgeräten vorbei. Er sagt: "Trainieren Sie bei sich zu Hause. Und gewinnen Sie dadurch Strom. Unsere neuen Trainingsgeräte der Marke Trainit haben einen eingebauten Akku, so dass Sie nach oder während dem Trainieren Ihren Fernseher oder auch ihre anderen elektrischen Geräte daran anschliessen können."
    Werbung 2: Derselbe Mann geht weiter und kommt an einer Reihe von Fernsehern vorbei. Er spricht: "Zum Anschluss an Ihr Trainingsgerät empfehlen wir Geräte der Marke Wasteless. Diese haben eine Garantie von fünf Jahren und verbrauchen weniger Strom als die Konkurrenzprodukte."
    Werbung 3: Die Kamera zoomt auf einen der Fernseher. Darin läuft gerade eine Werbung von Anna Blume.
    Kammermann schaltete den Fernseher aus und war verwundert darüber, dass trotz der Verhaftung Anna Blumes noch immer Werbung für sie im Fernsehen lief. Bezahlt ist bezahlt, dachte er.


    Letztes Kapitel

    Am selben Tag trafen sich Müller und Rensing zufälligerweise von neuem. Sie beide sassen wieder auf einer Parkbank in der Hasenwarte.
    "Haben Sie von der Sache mit Anna Blume gehört?" Fragte Rensing.
    "Ja, habe ich. Eine Schande, dass es solche Leute gibt." Müller schüttelte den Kopf.
    "Wissen Sie, ich war gar nicht überrascht, als sich herausstellte, dass Anna Blume die Täterin war." Sprach Rensing mit leiser Stimme.
    "Warum denn?" Fragte Müller.
    "Ich habe selber Ermittlungen angestellt. Ich habe hier, auf diesem Platz da drüben, eine auffällige Spur entdeckt. Es war dort ein Schuhabsatz zu finden. Ich fand heraus, dass dieser Absatz von derselben Schuhmarke war, welche auch Anna Blume trägt. Deshalb habe ich halb vermutet, dass vielleicht Anna Blume etwas mit dem Massaker hier zu tun hatte." Führte Rensing aus.
    "Das hätten Sie der Polizei melden sollen. Vielleicht hätte man dann Blume vor dem zweiten Massaker verhaften können. Vier Tiere würden jetzt noch leben." Müller schaute nachdenklich in die Welt hinaus.
    "Ja, vielleicht." Antwortete Rensing: "Aber vielleicht hätte die Polizei mich nicht ernst genommen und ich hätte mich zum Narren gemacht."
    Müller schien dies das kleinere Übel zu sein, aber der alte Herr, der neben ihr sass, hatte das Recht, selber zu entscheiden, was für ihn das Beste war. Auch wenn er hier vielleicht falsch lag, war es doch seine Entscheidung und nun war die Sache vorüber.




    Intermezzo

    Kammermann besuchte Edwards Antiquariat und stöberte durch die Bücher, als eine junge Frau den Laden betrat.
    "Hallo Sandra," sagte Edward.
    "Das Übliche," sagte Sandra, ohne weiter auf ihn einzugehen.
    "Es tut mir sehr leid, aber es gibt ein Lieferantenproblem." Edward schien dies zu bedauern.
    "Dann auf wiedersehen." Sagte Sandra, drehte sich um und verliess den Laden.









    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  10. #10
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!





    Die Anschläge


    Kapitel 1

    Kammermann, erleichtert von dem guten Ausgang des ersten Teils dieser Erzählung, sass auf seinem Sofa und schaute fern. Es lief gerade die Tagesschau. Isabelle Toggenburg, die Moderatorin der Tagesschau, berichtete von der Inhaftierung Anna Blumes.
    Toggenburg sagte: "Anna Blume, die beliebte Popsängerin, ist nun hinter Gittern. Es wird im Allgemeinen angenommen und auch Sandro Felber, der Pressesprecher der Polizei, hat bestätigt, dass Anna Blume vermutlich die berüchtigte Meat Queen ist. Anna Blume soll absichtlich für das Fleischgesetz Initiative ergriffen haben, um so sicherzustellen, dass sie weiterhin auf dem Schwarzmarkt ihr Geld verdienen konnte. Ich führe jetzt live ein Interview mit Hilda Rogger, der Bundesrichterin. Frau Rogger, mit was für einer Strafe muss Anna Blume rechnen?"
    Rogger sagte darauf: "Das kommt darauf an, für welche Verbrechen sie schuldig gesprochen wird. Dieser Fall ist so schwerwiegend, dass wohl das Bundesgericht entscheiden wird. Auf Blumes Konto gehen mindestens Tierbeschädigung und Handel mit Fleisch. Es könnte aber noch anderes hinzu kommen wie Erpressung oder Anleitung zum Mord. Blume wird wohl 10 bis 30 Jahre im Gefängnis verbringen müssen."
    "Danke für diese Stellungnahme." Sagte Isabelle Toggenburg. "Unser nächster Bericht befasst sich mit der neuesten SVP-Initiative. Die SVP, die Schweizerische Volkspartei, müsste eigentlich ihren Namen ändern zu SIP. SIP steht für Schweizerische Initiativen-Partei." Toggenburg lächelte: "Ich diskutiere jetzt mit Judith Hamacher, der Präsidentin der SVP. Welche Initiative ist es diesen Monat?"
    Hamacher wirkte etwas verärgert. Sie sagte: "SIP, sehr komisch. Wir von der SVP starten so viele Initiativen, weil unser Land Veränderung braucht. Dass Sie von der Presse dies als Anlass zum Herumscherzen betrachten, ist eigentlich eine Schande. Sie sollten froh sein, dass ich Ihnen jetzt trotzdem von unserer neuesten Initiative berichte."
    Toggenburg wirkte etwas beschämt und sagte: "Tut mir leid. Uns wurde einfach gesagt, dass die Leute lieber Nachrichten mögen, in welchen ab und zu ein Witz gemacht wird. Nun aber zu Ihrer Initiative..."
    Hamacher nickte anerkennend und sagte: "Also wir von der SVP wollen uns für eine starke und unabhängige Schweiz einsetzen. Nun ist es aber so, dass die Schweiz ein sehr teures Land ist. Damit die Leute nicht einfach ins Ausland gehen und dort günstige Produkte kaufen, wollen wir die Zölle erhöhen. Schweizer sollen in der Schweiz einkaufen. Zudem wollen wir, dass pensionierte Mitmenschen ihr Geld in der Schweiz ausgeben müssen. So bleibt das Geld in der Schweiz. Wir wollen eine Schweiz, die ein System hat, das auch ohne das Ausland funktioniert. Wenn die verschiedenen Unternehmen in der Schweiz nur noch miteinander handeln, so führt das zu einer grossen Unabhängigkeit der Schweiz."
    Toggenburg warf ein: "Es ist ein sehr interessantes Ziel, das Sie da haben. Allerdings scheint Ihre Massnahme etwas drastisch zu sein. Es ist nun einmal so, dass wegen der Arbeitsteilung die einzelnen Menschen sich auf ein Fachgebiet spezialisieren. Und so ist es auch mit den verschiedenen Staaten. Wenn jeder Staat das tun kann, was es gut kann, profitieren die verschiedenen Staaten von den Stärken der anderen Staaten. Ich weiss nicht, ob eine unabhängige Schweiz möglich ist. Ich weiss nicht einmal, ob eine solche Schweiz erstrebenswert ist."
    Hamacher antwortete: "Verspüren Sie denn keinen Drang nach Unabhängigkeit? Ist es nicht ein menschliches Bedürfnis, für sich selber sorgen zu können? Wählen Sie die SVP, wenn Sie auch unabhängig sein wollen!"
    "Ok, danke für das Interview." Sagte Toggenburg und Hans schaltete den Fernseher aus.


    Kapitel 2

    Am nächsten Tag wurde Hans Kammermann von Polizeikommissar Knolle gebeten, sich mit ihm in einem Restaurant zu treffen. Knolle sagte: "Hans, ich weiss, dass deine drei Wochen vorbei sind und dein Einsatz bei der Polizei abgeschlossen. Dennoch würde ich mich freuen, wenn du uns oder besser gesagt mir noch einmal behilflich sein könntest. Es geht um die Meat Queen. Aber bevor ich dir mehr sage, muss ich dich darauf hinweisen, dass diese Informationen sehr vertraulich sind."
    Hans meinte: "Gut, einverstanden."
    Darauf Knolle: "Also, ich hatte ja damit gerechnet, dass mit der Verhaftung der Meat Queen auch die ganze Organisation der Queen zusammenbricht. Da hatte ich mir zu viel erhofft. So wie es aussieht, hat die Queen dichtgehalten und niemanden verpfiffen. Noch schlimmer: Sie scheint ihre Organisation nun vom Gefängnis aus zu leiten. Die Anschläge, die wir der Meat Queen zuschreiben, haben sich nicht eingestellt. Nach wie vor werden Niederlassungen des Sausage Lords angegriffen. Interessanterweise hat dieser bisher darauf verzichtet, zurückzuschlagen. Wie auch immer: Ich möchte, dass du wieder gegen Arnold ermittelst. Und nimm diesmal ein Aufnahmegerät mit."
    Kammermann war an dieser Mission interessiert. Er sagte: "Das kann ich gerne tun. Aber wie sieht es mit der Versicherung aus und dem Lohn? Bin ich jetzt Polizist?"
    "So ist es," sagte Knolle. "Du bist für weitere drei Wochen bei uns angestellt. Soviel ich weiss, hast du jetzt also vorübergehend ein Grundeinkommen plus den Mindestlohn eines Polizisten. Vielleicht können wir deine Anstellung auch noch verlängern."
    "Dann ist die Meat Queen also zurück... Unsere ganze Arbeit war für nichts." Sagte Hans, das Thema wechselnd: "Vielleicht hätte man das Fleischgesetz gar nie einführen dürfen. Dann hätten wir jetzt nicht solche Schwierigkeiten."
    "Also ich bin da optimistisch. Nach der Prohibitionszeit in den USA wurde das Alkoholverbot auch wieder aufgehoben. Es war zwar eine mühsame Angelegenheit, aber man war um eine Erfahrung reicher." Sagte Knolle gelassen.


    Kapitel 3

    Müller hatte einen freien Tag und nutzte ihn, um ihre Cousine Rebekka Rot zu besuchen. Diese sass zufälligerweise im selben Gefängnis wie Anna Blume, die Meat Queen. Müller arrangierte ein Treffen mit Rebekka und fragte sie: "Gefällt es dir im Gefängnis? Gibt es irgendetwas, was ich für dich tun kann?"
    Rebekka dachte kurz nach und sagte: "Ich könnte einen neuen Computer gebrauchen. Mein alter gibt langsam den Geist auf."
    "Du sollst einen neuen Computer haben." Sagte Müller. "Aber ich will eine Gegenleistung."
    "Und die wäre?" Fragte Rebekka.
    "Anna Blume sitzt ebenfalls in diesem Gefängnis. Bringe etwas in Erfahrung über sie, was ich gegen sie verwenden kann. Dann kriegst du auch noch einen neuen Fernseher." Versprach Müller.
    "Das scheint mir etwas riskant zu sein." Sagte Rebekka. Und sie fügte hinzu: "Aber hier drinnen ist es so langweilig, dass mir jede Abwechslung lieb ist."
    "Hier sind noch einige Informationen, die dir nützlich sein könnten: Anna Blume scheint ihre Organisation von dem Gefängnis aus zu leiten. Es muss also irgendwelche Kontaktpersonen geben. Vielleicht selber inhaftierte, vielleicht aber auch solche, die hier vorbeikommen und persönlich mit ihr sprechen. Da aber alle Leute, welche Anna Blume besuchen, aufgezeichnet werden, wird es wohl Kontaktpersonen innerhalb des Gefängnisses geben, die für sie arbeiten. Finde heraus, wer das ist. Dann kriegst du auch noch ein neues Handy." Müller schwieg.
    Rebekka sagte: "Ich bin einverstanden. Und wenn etwas dabei herauskommt, kannst du ja noch meine Strafe etwas mildern und mich hier rauslassen."
    "Das wäre durchaus möglich. Aber dann müssen deine Meldungen zu einigen Verhaftungen geführt haben. Ansonsten bleibst du hier drin bis in fünf Jahren. Du hättest halt kein Fleisch schmuggeln dürfen. Das hast du jetzt davon." Müller schaute sie an und schüttelte den Kopf.
    Rebekka meinte genervt: "Ja, schon klar. Immer dasselbe. Weisst du, wie oft ich mir das schon anhören musste? Du willst es gar nicht wissen!" Damit war das Gespräch zu Ende.
    Müller spielte mit dem Gedanken, den Gefängnisleiter darum zu bitten, sie jeweils zu informieren, wenn jemand Anna Blume besuchte. Aber das Gefängnis war im Kanton Zug. Die Zuger Polizei war dafür verantwortlich, also war die Sache aussichtslos. Müller hoffte nun auf eine Nachricht von ihrer Cousine Rebekka.


    Kapitel 4

    An diesem Abend wurde im Fernsehen das erste Video zu einem neuen Hit von Anna Blume gezeigt. Mir macht gar nichts etwas aus war der Titel. Das Video wurde im Gefängnis in Zug gedreht, wo Anna Blume festsass.
    Anschliessend gab es eine Diskussion dazu, was nun mit Anna Blume geschehen sollte. Anwesend waren Alfred Grether, Martina Johann und Judith Hamacher. Somit waren drei Präsidenten und Präsidentinnen grosser schweizerischer Parteien versammelt. Judith Hamacher, die Präsidentin der SVP, ist im ersten Teil dieser Geschichte schon vorgekommen. Neu eingeführt werden nun Alfred Grether, Präsident der PAPS (Pazifistisch-Anarchistische Partei der Schweiz), und Martina Johann, Präsidentin der APS (Anthroposophische Partei der Schweiz).
    Judith Hamacher hatte das erste Wort: "Also dass Anna Blume bzw. die Meat Queen einige Tiere auf dem Gewissen hat, darüber sollte man hinwegschauen. Die Frage ist eher, ob sie auch Menschenblut an ihren Händen hat."
    Darauf sagte Grether: "Eigentlich sollte man auch über ihre anderen Missetaten hinwegsehen. Ich sage: Freisprechen und wieder auf die Welt loslassen. Früher oder später wird sie dann mit ihrem Gewissen zu kämpfen haben. Sie muss selber einsehen, dass das, was sie getan hat, falsch war."
    Johann wiederum meinte: "Vermutlich wird sich Anna Blume in ihrem nächsten Leben als Tellerwäscherin inkarnieren und so ihre Taten wiedergutmachen. Ich sehe das ähnlich wie Herr Grether. Wieso eingreifen?"
    Judith Hamacher kam sich vor, als hätte der gesunde Menschenverstand die Welt endgültig verlassen. Sie sagte: "Hallo, hallo, ist jemand zu Hause in den Köpfen von euch? Wieso erziehen wir nicht gleich unsere Kinder zu Verbrechern, indem wir ihnen alles erlauben und sie nie kritisieren?"
    "Das wäre ein interessantes Experiment." Sagte Grether.
    Nun schaltete sich Fränzi Wicky ein, die Moderatorin, die ebenfalls anwesend war. "Mir fällt gerade auf, dass niemand Anna Blume für ihre Tierbeschädigung verurteilen will. Dies würde jedenfalls von der Veganen Partei verlangt werden."
    "Oh, die Tiere!" Rief Grether aus. "An ihnen sollte man sich ein Beispiel nehmen! Ohne nachzudenken tun sie, was ihnen gefällt. Sie haben keine Sorgen und leben in den Tag hinein! Vermutlich merken sie gar nicht, was mit ihnen passiert! Ob aber Tiere verletzt werden dürfen oder nicht, das muss jeder für sich selber entscheiden. Auch Anna Blume muss selber merken, was für sie das Richtige ist. Es ist nicht unsere Aufgabe, alles jedem zu erklären."
    Darauf sagte Martina Johann: "Richtig. Anna Blume scheint allerdings sehr rücksichtslos zu sein. Vermutlich hat sie sich noch nicht so oft inkarniert und weiss deshalb nicht so Bescheid, was richtig ist und was falsch. Wir können schon auf sie einreden, aber die Sache einsehen muss letztlich Anna Blume selber."
    Judith Hamacher schien langsam die Nerven zu verlieren: "Oh Gott! Wie tief sind wir gesunken! Ich wünsche mir die Grünen und die SP zurück! Sie lagen zwar vermutlich ebenfalls daneben, aber wenigstens konnte man ihre Gedankengänge nachvollziehen. Das jedenfalls hat mir mein Grossvater berichtet. Das müssen noch Zeiten gewesen sein!"
    Fränzi Wicky übernahm wieder das Wort: "Also von den Anwesenden scheint nur eine Person dafür zu sein, dass Anna Blume für ihre Tierbeschädigungen verurteilt wird, wenn überhaupt. Ich frage hierbei aber: Was ist, wenn sie auch Menschen auf dem Gewissen hat? Wir alle wissen, wie rücksichtslos Anna Blume vorgegangen ist und dass es in letzter Zeit verschiedene Anschläge gegeben hat, die wohl auf das Konto von Anna Blume gegangen sind. Glauben zum Beispiel Sie, Frau Hamacher, dass Anna Blume wirklich verantwortlich ist für diese Taten?"
    Judith Hamacher sagte: "Ich kann mir vorstellen, dass Anna Blume nicht von jedem Anschlag selber gewusst hat, aber letztlich arbeiteten die Attentäter für Anna Blume, soweit mir bekannt ist. Ich denke schon, dass Anna Blume für diese Taten verantwortlich ist, ja. Und sie sollte auch dafür bestraft werden. Eine Todesstrafe haben wir hier in der Schweiz nicht, aber Anna Blume wird wohl einige Jahre im Gefängnis verbringen müssen."
    Wicky sagte darauf: "Danke für dieses abschliessende Wort."


    Kapitel 5

    Die Grossmutter von Hans, Irma Koller, wollte sich wieder einmal einen Burger der Marke Meatless genehmigen. Sie ging also ins Industriegebiet von Obersee und bestellte einen solchen Burger. Sie setzte sich auf eine Bank in der Nähe des Foodtrucks, von welchem aus die Burger verkauft wurden. Sie war gerade fertig mit ihrem Burger, als einige gepflegt erscheinende Männer in Mänteln erschienen. Koller war nahe genug, um die Diskussion mitverfolgen zu können.
    Der eine Mann, der vor den anderen stand, sagte: "Wir haben gehört, dass Ihre veganen Burger wie echte Burger schmecken. Das macht Sie zu unserer Konkurrenz."
    Der angesprochene Verkäufer im Foodtruck wurde bleich und sagte: "Ich bin nichts als ein Verkäufer. Der Manager ist nicht hier. Nur wir beide." Er deutete auf eine Frau, die ebenfalls im Foodtruck arbeitete und gerade einige Burger grillierte.
    "Dann mach einmal deine Kasse auf." Verlangte der Mann im Mantel: "Gib uns 3000 Franken. Und in zwei Wochen kommen wir wieder. Sag das deinem Manager. Entweder er bezahlt uns oder er grillt nur noch Burger, die nach Gemüse schmecken. Er hat die Wahl!"
    Der Verkäufer war etwas eingeschüchtert, denn die Herren in ihren Anzügen sahen nicht so aus, als wäre mit ihnen zu spassen. Er händigte das Geld aus. Scheinbar lief das Geschäft sehr gut.
    Die schwarz gekleideten Männer verliessen die Szene und gingen an Irma Koller vorbei. Diese starrte vor sich auf den Boden, bis die Männer vorüber waren. Sie wollte sich nicht selber in Gefahr bringen, aber etwas unternehmen musste sie. Zum Glück hatte ihr Enkel Kontakte bei der Polizei.








    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  11. #11
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!









    Kapitel 6

    Hans und Knolle diskutierten in einem Restaurant miteinander. Hans war mittlerweile ein fester Angestellter bei der Polizei. Dies passte ihm gut, denn ein bedingungsloses Grundeinkommen zu haben, hatte ihn nicht so richtig befriedigt. Er wollte etwas tun. Auf Streife gehen konnten die beiden nicht mehr, da niemand wissen durfte, dass Hans jetzt Polizist war.
    Hans fragte: "Wie siehst du das mit dem Sausage Lord? Warum unternimmt er nichts?"
    Knolle antwortete: "Ich weiss es beim besten Willen nicht. Vielleicht gibt es ihn gar nicht. Vielleicht haben einfach einige Fleischverkäufer beschlossen, zu behaupten, sie arbeiteten für den Sausage Lord. Vielleicht, um der Konkurrenz vorzulügen, sie seien mit dem organisieren Verbrechen verbunden, so dass diese Konkurrenz etwas vorsichtiger mit ihnen umgeht."
    Darauf antwortete Hans: "Wir werden ja sehen, wie das Ganze weitergeht. Vielleicht meldet sich ja der Sausage Lord irgendwann zurück. Vielleicht macht er einen Anschlag auf Anna Blume, von der man ja weiss, dass sie die Meat Queen ist. Sie wäre ein relativ einfaches Ziel, denke ich."
    Kommissar Knolle sagte dazu: "Es ist sicher einfacher, jemand umzubringen, von dem man weiss, wer es ist. Allerdings denke ich, dass Anna Blume ziemlich sicher ist im Gefängnis. Und auch wenn der Sausage Lord einen Anschlag auf sie verüben würde, könnte es sein, dass einfach jemand anderes an ihre Stelle tritt. Im Übrigen scheint es, als hätte Anna Blume nicht besonders viel Angst vor dem Sausage Lord oder sonst irgendjemandem. Manchmal denke ich, dass sie gar nicht realisiert, in was für einer Welt wir leben. Dann wieder schaue ich unsere Parteien an und höre den Anthroposophen zu und denke, dass die Welt wirklich absurd geworden ist. Die Leute haben zu wenig Angst vor dem Tod, würde ich sagen." Knolle dachte nach und fügte hinzu: "Andererseits gab es Menschen, die gerade wegen ihrem Mangel an Angst vor dem Tod Grosses vollbrachten. Sokrates oder Seneca fallen mir da ein."
    "Gibt es denn kein Netzwerk von Personen, die für den Sausage Lord arbeiten?" Fragte Hans.
    Darauf sagte Knolle: "Es gibt einzelne Personen, von welchen wir wissen, dass sie mit Fleisch handeln und dass sie von dem selben Verteiler beliefert werden. Das sind einzelne kleine Fische und wir haben uns bisher nicht die Mühe gemacht, gegen sie vorzugehen. Der Hauptgrund, warum wir überhaupt wissen oder zumindest vermuten, dass es einen Sausage Lord gibt, ist die Tatsache, dass bei verschiedenen verhafteten Leuten, die Fleisch auf sich trugen, dieses Fleisch in Papier eingewickelt war mit der Aufschrift "Sausage Lord". Nach und nach wurde es selbstverständlich, von einem Sausage Lord zu sprechen. Das hat sich einfach so ergeben. Wie laufen deine Ermittlungen?"
    "Ich trage jetzt ein Aufnahmegerät mit mir herum. Arnold ist bisher allerdings nicht mehr erschienen." Sagte Hans.
    "Gut. Also melde dich einfach, wenn du mehr darüber weisst. Und auch wenn du ein Zivilpolizist bist, kannst du stets den Menschen helfen, wenn sie deine Hilfe wollen. Einfach immer unauffällig." Teilte Knolle mit und rief: "Rechnung, bitte!"
    Die beiden bezahlten für ihr Essen.


    Kapitel 7

    Wie meistens schaute Hans auch an diesem Abend die Tagesschau. Einen Beitrag fand Hans besonders spannend. Es ging dabei um die Frage, wie die Gesellschaft auf die Anschläge der Meat Queen reagieren sollte. Isabelle Toggenburg hatte das Wort: "Die Meat Queen ist hinter Gittern. Und trotzdem geht der Terror weiter. Wer Fleisch kauft, der muss damit rechnen, zum Opfer des Krieges zwischen der Meat Queen und dem Sausage Lord zu werden. Wer kein Fleisch kauft, kann trotzdem ins Kreuzfeuer geraten. Es wurden der Presse einige Fälle berichtet, in welchen auch Verkäufer angegriffen wurden, die nur fleischähnliche Produkte verkauften. Wir reden jetzt mit dem Pressesprecher der Polizei, Sandro Felber. Herr Felber, was raten Sie der Bevölkerung?"
    Felber sagte: "Also die erste Devise ist natürlich: Ruhe bewahren! Es gab zwar in letzter Zeit einige Anschläge. Diese sind aber nur deshalb zu einem so grossen Thema geworden, weil sich die Leute so sehr dafür interessierten. Noch immer sterben statistisch gesehen mehr Leute im Strassenverkehr und an Simulantitis als wegen Anschlägen der Meat Queen."
    Toggenburg fragte: "Sie reden von der Meat Queen. Kann aber überhaupt noch von der Meat Queen gesprochen werden? Sie sitzt ja hinter Gittern. Gehen die Anschläge trotzdem noch auf ihr Konto?"
    "Wir können zu dieser Frage momentan keine Aussagen machen." Sagte Felber nüchtern.
    "Danke, Herr Felber." Sagte Toggenburg.
    "Warten Sie noch einen Moment." Sagte Felber: "Es gibt noch etwas Wichtiges, was ich zu sagen habe. Dies geht an die ganze Bevölkerung. Bleiben Sie ruhig. Doch wenn Sie irgendetwas Verdächtiges beobachten im Zusammenhang mit der Meat Queen, melden Sie sich bei Ihrem nächsten Polizeiposten! Die Meat Queen ist unser Gegner. Vergessen Sie den Sausage Lord! Gegen die Meat Queen muss vorgegangen werden! Wenn nötig mit Gewalt! Merken Sie sich das!"
    "Hm, also ja, danke nochmals, Herr Felber." Wiederholte sich Toggenburg.
    "Gerne." Sagte Felber.


    Kapitel 8

    Am selben Abend erhielt Hans einen Anruf von seiner Grossmutter Irma Koller.
    Hans: "Hallo Irma."
    Irma: "Hallo Hans. Ich habe gestern wieder einmal einen Burger im Industriegebiet gekauft. Und du wirst nicht glauben, was mir da passiert ist!"
    Hans: "Nun sag schon!"
    Irma: "Es sind einige Mafiosi aufgetaucht und haben Schutzgeld verlangt."
    Hans: "Nein, so etwas. Und was ist passiert?"
    Irma: "Der freundliche Verkäufer hat ihnen das Geld ausgehändigt und sie haben gesagt, sie kommen in zwei Wochen wieder."
    Hans: "Das werde ich melden. Ich arbeite jetzt ja selber bei der Polizei. Gehe du lieber nicht mehr dort einkaufen, bis sich die Sache beruhigt hat. Ich melde mich wieder bei dir, sobald ich mehr weiss."
    Irma: "Ok, guten Abend!"
    Hans: "Guten Abend!"


    Kapitel 9

    Müller wollte wieder einmal mit Knolle sprechen, anwesend war aber nur Eva Rölli, seine Sekretärin. "Hallo Eva." Sagte Müller.
    "Hallo Jasmin, was kann ich für dich tun?" Fragte Eva.
    "Eigentlich bin ich nur auf der Suche nach Kurt. Er ist nicht hier, wie ich sehe." Antwortete Jasmin.
    "Ja, er ist auf Streife." Verkündete Eva und hakte nach: "Soll ich ihm etwas ausrichten?"
    "Nein, ich glaube, ich schreibe ihm eine Mail. Es geht um diesen Sausage Lord. Was hältst denn du davon, dass er die Meat Queen schalten und walten lässt, ohne zurückzuschlagen?" Fragte nun Jasmin.
    "Vielleicht geht es ihm um sein Image. Vielleicht will er nicht als Brutalo gelten. Keine Ahnung. Wieso, was meinst du?" Fragte Eva zurück.
    "Also ich weiss nicht, irgendetwas ist da faul. Denkst du denn nicht, dass es schlecht für das Geschäft des Lords ist, wenn die Leute, die bei ihm einkaufen, mit einem Attentat rechnen müssen?" Jasmin Müller war etwas ratlos.
    "Vielleicht ist es auch gut für das Geschäft, weil die Leute, die bei ihm einkaufen, nur Tierblut an ihren Händen haben und kein Menschenblut. Es gibt vermutlich viele Fleischianer, denen es gegen den Strich geht, wenn Menschen sterben, denen aber die Tiere relativ egal sind. Für solche Leute hat der Lord ein gutes Image, denke ich." Sagte Eva.
    "Das könnte durchaus sein." Sagte Jasmin: "Danke für die Unterhaltung. Ich werde also Kurt per Mail kontaktieren."
    "Ich bin stets zu Diensten." Bemerkte Eva.


    Kapitel 10

    Von: Jasmin.mueller@lukp.ch
    An: Kurt.knolle@lukp.ch
    Betreff: Sausage Lord
    Nachricht:
    Lieber Kurt
    Ich bin am Überlegen, warum der Sausage Lord nicht zurückschlägt, und habe verschiedene Gründe gefunden, die aus der Perspektive vom Sausage Lord dafür- oder dagegensprechen, gegen die Meat Queen vorzugehen. Ich selber vermute, dass es einen persönlichen Grund gibt, warum der Sausage Lord sich so verhält. Dieser Verzicht auf ein Zurückschlagen bringt ihm vom Geschäft her gesehen vermutlich Vor- und Nachteile. Allerdings nimmt der Sausage Lord offenbar in Kauf, dass die Meat Queen ihn sozusagen zu Hackfleisch verarbeitet und also muss es irgendeinen triftigen Grund geben, warum er sich so verhält. Ich denke, dass es etwas bringen würde, noch einmal genauer zu untersuchen, wer dieser Sausage Lord sein könnte. Ich denke, ich könnte ihn finden.
    Viele Grüsse
    Jasmin


    Kapitel 11

    Kammermann und Knolle sassen einmal mehr in einem Restaurant. Kammermann musste zugeben, dass er bei der Ermittlung gegen Edward nicht weitergekommen war. Eine Zeit lang hatte es ihm widerstrebt, gegen Edward zu ermitteln, der ein guter Bekannter von ihm war. Aber so wie es jetzt aussah, war Hans ein Polizist. Und er konnte entweder seine Arbeit tun und sein Geld verdienen oder seine Arbeit nicht tun und sein Geld geschenkt bekommen. Also war er bereit, seine Ermittlungen fortzusetzen. An diesem Mittag berichtete Hans auch von der Diskussion mit seiner Grossmutter.
    Hans sagte: "Du kennst ja wohl die Firma Meatless, die im Industriegebiet Burger verkauft?"
    "Sicherlich." Antwortete Knolle.
    "Mir wurde aus einer zuverlässigen Quelle berichtet, dass einige Gangster dort vorbeigeschaut haben, um Schutzgeld zu erpressen." Erklärte Hans.
    "Ja, uns wurden verschiedene solche Vorfälle berichtet. Nicht nur hier in Obersee, auch in anderen Städten und in anderen Kantonen gab es solche Vorfälle." Sagte Knolle.
    "Und, gehen wir dagegen vor?" Fragte Hans und ergänzte: "Scheinbar wird am übernächsten Donnerstag diese Truppe wieder bei Meatless vorbeischauen."
    "Ich werde jemanden darauf ansetzen." Versprach Knolle.


    Kapitel 12

    An diesem Abend in der Tagesschau trat wiederum Felber auf, der Pressesprecher der Polizei. Er war zwar wegen seinem Appell in der gestrigen Tagesschau aufgefallen, und das nicht nur positiv, aber als Pressesprecher der Polizei wurde stets auf ihn gehört.
    Hier ist die Rede Felbers: "Boykottieren Sie die Meat Queen! Wenn sie kein Geld mehr hat, so kann sie auch keine Anschläge mehr finanzieren. Kaufen Sie nicht mehr bei der Meat Queen ein! Dies ist die beste Strategie gegen den Terror, der von ihr verbreitet wird. Wenn die Meat Queen keine Ressourcen mehr hat, so bricht ihre ganze Organisation zusammen!"
    "Eine klare Aussage von Sandro Felber." Kommentierte Archibald Doller: "Und eine bemerkenswerte, denn was genau will eigentlich Felber erreichen, wenn er Personen anspricht, die mutwillig das Gesetz brechen? Will er sie zum Veganismus überreden oder will er einfach, dass sie an einem anderen Ort ihr Fleisch einkaufen? Zum Beispiel im Ausland? Wie auch immer. Wir fahren weiter mit einem Bericht über die Entschmutzung der Ozeane. Vielleicht können sich einige noch an die Zeit erinnern, als die Ozeane mehr und mehr von Plastikabfällen durchsetzt waren. Bis ein Schlaumeier damit angefangen hat, nicht nach Fischen, sondern nach Plastik zu fischen. Mittlerweile wurde aller Plastik wieder aus den Ozeanen herausgefischt oder besser gesagt herausgeplastikt. Wir sprechen mit Professorin Erni von der ETH Zürich. Das Interview wird geführt von Christian Vogel."
    "Ja, danke Herr Doller. Frau Erni, Sie haben mitgeholfen, Plastikmagnete zu entwickeln, an denen der Plastik hängenbleibt und mit denen deshalb bequem nach Plastik gefischt werden kann. Sind Sie stolz auf Ihren Erfolg?" Fragte Vogel.
    "Ich habe zwar guten Grund dafür, stolz zu sein, aber hier an der ETH geht die Arbeit immer weiter und deshalb habe ich schlicht und einfach keine Zeit dafür." Erklärte Erni.
    "Woran arbeiten Sie denn gerade?" Wollte Vogel wissen.
    "Wir arbeiten an besseren Solarzellen. Die heutigen Solarzellen reflektieren einen Teil des Lichts. Wir wollen spezielle Solarzellen mit doppelten Spiegeln herstellen, so dass das Licht von den Spiegeln sozusagen gefangengenommen wird, indem es von jeweils zwei Spiegeln immer hin und her gespiegelt wird. Können Sie mir folgen?" Fragte Erni.
    "Ja, so wie im Spiegellabyrinth? Nur sind nicht die Menschen gefangen darin, sondern das Licht!" Mutmasste Vogel.
    "Sie haben es erfasst! Die ETH Zürich ist die führende Institution, wenn es um innovative Ideen zum Umweltschutz geht. Und wir arbeiten Tag und Nacht!" Behauptete Erni.
    "Und kein bisschen stolz?" Fragte Vogel von neuem.
    "Ja, vielleicht ein bisschen." Antwortete Erni, ohne stolz zu wirken.
    "Danke für das Interview. Nun zurück ins Studio." Sagte Vogel und verabschiedete sich.
    Als es in der Tagesschau ums Wetter ging, schaltete Kammermann den Fernseher aus.












    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  12. #12
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!




    Kapitel 13

    Müller besuchte an einem Abend wieder einmal ihre Cousine Rebekka im Gefängnis. Die beiden wurden in einen Gesprächsraum geführt und Müller fragte nach neuen Ergebnissen zum Fall Blume.
    "Tut mir leid, Jasmin, aber ich bin in einem anderen Zellenblock als Anna Blume. Doch danke für den neuen Computer." Sagte Rebekka.
    "Dann muss ich mal schauen, ob ich dich versetzen lassen kann." Antwortete Müller. "Sonst noch etwas?"
    Rebekka antwortete: "Wenn ich wirklich Anna Blume ausspionieren will, so muss ich ihre Sympathie für mich wecken. Kannst du mir vielleicht ein Poster von Anna Blume und einige CDs oder einen mp3-Player besorgen? Eine Playstation 35 wäre auch nützlich."
    "Das werde ich. Warum aber die Playstation?" Sagte darauf Müller.
    "Für mich selber. Es ist sehr langweilig im Gefängnis." Antwortete Rebekka.
    "Ok, aber ich erwarte Resultate von dir!" Gab Müller zu bedenken.
    "Sicher doch." Meinte Rebekka.


    Kapitel 14

    Am nächsten Tag zitierte Knolle seine neueste Mitarbeiterin in sein Büro. Astrid Grün war ihr Name. Er sagte: "Frau Grün. Ich hoffe, Sie sind einverstanden, wenn wir einander duzen."
    Astrid nickte.
    Knolle fuhr fort: "Dir ist sicher klar, dass unser Hauptproblem momentan die Anschläge des organisierten Verbrechens sind."
    Astrid nickte.
    Knolle erklärte: "Wir haben verschiedene Fälle, die alle mit diesem Hauptproblem zusammenhängen. Unter anderem scheint es seit neuem in Obersee Leute zu geben, die Schutzgeld von Verkäufern verlangen, die Konkurrenzprodukte zum Fleisch verkaufen. Vielleicht kennst du den Burgerhändler Meatless, der in unserem Industriegebiet vegane Burger verkauft."
    Astrid sagte: "Ich komme leider selber nicht von Obersee. Diesen Händler kenne ich nicht."
    Knolle führte aus: "Ich habe von einer zuverlässigen Quelle erfahren, dass vermutlich am übernächsten Donnerstag von neuem Erpresser auftauchen werden bei diesem Händler. Ich möchte, dass du an diesem besagten Donnerstag diesen Händler überwachst und möglichst viel über die Erpresser in Erfahrung bringst. Du wirst schon herausfinden, wo seine Niederlassung ist. Eigentlich ist Hauptkommissarin Besic für Überwachungen zuständig, aber in kleineren Fällen kann auch ich Überwachungen anordnen. Du hast also am besagten Donnerstag keinerlei Verpflichtungen als eben diese Überwachung. Mache Fotos von den Erpressern und folge ihnen, sobald sie sich wieder verziehen."
    Astrid nickte und sagte: "Werde ich tun."
    "Bis dann kannst du wieder an den dir zugeteilten Fällen arbeiten. Danke." Sagte Knolle und Astrid verliess sein Büro.


    Kapitel 15

    Kurze Zeit später tauchte Müller im Büro von Knolle auf.
    "Hast du meine E-Mail erhalten?" Fragte sie sofort.
    "Ja, habe ich. Und ich mache nicht denselben Fehler wie letztes Mal, als du auf jemanden angesetzt werden wolltest. Finde heraus, wer der Sausage Lord ist, ich bitte dich darum!" Sagte Knolle freundlich.
    "Das freut mich sehr." Sagte Müller, die zugegebenermassen etwas überrascht war. "Da ist noch etwas." Sagte sie.
    "Was ist es?" Fragte Knolle.
    "Ich habe eine Kontaktperson im selben Gefängnis, in welchem auch Anna Blume festsitzt. Ich möchte, dass sie in den selben Gefangenentrakt wie Blume versetzt wird, damit sie uns mehr Informationen über Blume verschaffen kann. Ihr Name ist Rebekka Rot und sie ist meine Cousine." Erläuterte Müller.
    "Das klingt vielversprechend. Ich werde sehen, was ich tun kann." Versprach Knolle. "Ich wünsche dir viel Glück bei der Suche nach dem Sausage Lord." Fügte er hinzu.
    "Besten Dank." Sagte Müller und zufrieden verliess sie Knolles Büro.


    Kapitel 16

    In letzter Zeit schaute Hans oftmals die Tagesschau. Seit Anna Blumes Verhaftung schienen sich die Ereignisse zum Teil geradezu zu überschlagen. Heute war es ein bestimmter Bericht, der Hans Kammermann besonders relevant erschien.
    Christian Vogel berichtete über die Entlassung von Sandro Felber, dem Pressesprecher der Polizei: "Wie es aussieht braucht die Polizei einen neuen Pressesprecher. Der alte wurde von General Wyss gefeuert. Angeblich wegen seinen polemischen Aussagen gegen die Meat Queen. Wir schalten live zu Vreni Gut, die gerade mit Helen Rodler spricht. Helen Rodler ist momentan die Pressesprecherin der Polizei. Jedenfalls so lange, bis ein neuer Pressesprecher oder eine neue Pressesprecherin durch General Wyss bestimmt wird."
    Vreni Gut übernahm das Wort: "Danke ins Studio an Christian Vogel. Es ist die Wahrheit: Sandro Felber wurde gefeuert. Könnten Sie Näheres über die Ursache für diese Entlassung berichten?" Vreni Gut hielt Helen Rodler das Mikrofon entgegen.
    Rodler antwortete: "Ja, es ist tatsächlich die Wahrheit. Ich kann Ihnen zu den Gründen nur so viel sagen, dass der Pressesprecher sich normalerweise mit General Wyss darüber abspricht, was er der Presse mitteilt. Natürlich hat unser Pressesprecher auch gewisse Freiheiten, aber was Sandro Felber getan hat, ist eine klare Grenzüberschreitung. Wir von der Polizei sagen den Menschen grundsätzlich nicht, was sie zu tun haben. Das tut das Gesetz. Wir kontrollieren lediglich, was die Menschen tun. Es kann schon sein, dass wir Ratschläge erteilen, aber es ist nicht die Hauptaufgabe unseres Pressesprechers, den Leuten zu sagen, was sie tun sollen. Er berichtet in erster Linie, inwiefern die Polizei ihre eigene Aufgabe erfüllt. Und das hat Felber missachtet. Zudem waren Felbers Aussagen nicht sachlich und nüchtern, sondern polemisch und politisch. Die Polizei muss sich deshalb von ihm distanzieren."
    Die Tagesschau befasste sich dann auch noch mit anderen Belangen, die uns aber nicht weiter zu interessieren brauchen.


    Kapitel 17

    An einem dieser Tage ging Hans wieder einmal bei Edward vorbei, das laufende Aufnahmegerät in seiner Tasche. Er förderte ein Buch zu Tage, das vermutlich neu geliefert worden war. Es war Jakob Jägers Steiner-Biographie, die erste Auflage aus dem Jahr 2023. Schon vor Jakob Jägers Werk gab es zwei verschiedene Lager. Die einen Biographen feierten Steiner als grossen Helden, die anderen Biographen kritisierten ihn. Jägers Werk aber war nicht einfach nur kritisch Steiner gegenüber, es zerriss ihn. Steiner wurde von Jäger als drogensüchtiger, sexbesessener Lügner dargestellt. Als jemand, dem jedes Mittel recht war, Macht auf seine Mitmenschen auszuüben, und der sogar über Leichen ging. Menschen, auf die er nicht mehr angewiesen war, liess Steiner links liegen. Steiner war gemäss Jäger ein Grossmaul, das mit Begriffen um sich warf und so andere Leute ins Verderben stürzte. Kammermann hatte in seiner Sammlung viele Steiner-Bücher und nur wenige davon hatte er selber gelesen. Jägers Biographie aber kannte er. Er hatte sie verschlungen wie einen Kriminalroman. Kammermann schaute gerade, welchen Preis Edward angeschrieben hatte, als Isak Arnold das Antiquariat betrat. Kammermann betrachtete noch einige Bücher, Jägers Steiner-Biographie noch immer in der Hand.
    "Hallo Edward." Sagte Isak.
    "Hallo Isak." Sagte Edward.
    "Und, wie war das Wetter in den letzten zwei Wochen?" Fragte Isak.
    "Sehr regnerisch. Mein Garten könnte wieder einmal etwas Sonne vertragen." Antwortete Edward.
    "Da hast du Glück. Der Wetterbericht sagt sonniges Wetter voraus." Erklärte Isak.
    "Sehr schön. Und wie läuft es im Fussball? Ist deine Lieblingsmannschaft noch immer erfolgreich?" Erkundigte sich Edward.
    "Ja, sicher. Ich wette, dass sie im nächsten Spiel etwa 12 zu 7 gewinnt. Darauf setze ich jedenfalls im Wettbüro." Isak lächelte.
    "Ja, es wurde auch wieder einmal Zeit für ein etwas torreiches Spiel!" Meinte Edward. "Und mit der Verwandtschaft ist noch immer alles in Ordnung?"
    "Ja, es geht allen den Umständen entsprechend gut. In kurzer Zeit werden sich alle von diesem Verlust erholt haben." Isak nickte, um seine Aussage zu bestätigen.
    "Na dann ist ja alles in Ordnung. Hier hast du noch das Büchlein, das du kürzlich bestellt hast und das in deiner Sammlung noch gefehlt hat." Sagte Edward und händigte Isak einen Briefumschlag aus. "Ich hoffe, du besuchst bald wieder einmal meinen Laden." Fügte Edward hinzu, als Isak Anstalten machte, den Laden zu verlassen.
    "Aber sicher doch. Frage doch noch bei einigen anderen Antiquariaten, ob sich irgendwo eine Reclam-Ausgabe von Steiners Lebensgang finden lässt. Ich werde wohl auf Reisen gehen und eine solche Ausgabe wäre praktisch für die Lektüre unterwegs." Sagte Isak und sie verabschiedeten sich.
    Hans freute sich darüber, dass er jetzt ein ganzes Gespräch aufgezeichnet hatte. Mit der Jägerschen Steiner-Biographie in der Hand wendete sich Hans an Edward. Edward verkaufte ihm den Band für 12 Franken. Ein guter Kauf, sagte sich Hans. Diesen melde ich nicht bei der Polizei, sondern behalte das Buch für meine private Sammlung.


    Kapitel 18

    Es kam immer wieder vor, dass die Luzerner Polizei Fleischverkäufer aufspürte und aus dem Verkehr zog. Auch in Obersee waren allein in den letzten drei Jahren zwei verschiedene solche Verkaufsstellen von der Polizei hopsgenommen werden. Verschiedenes Beweismaterial wurde konfisziert und im Polizeiposten gelagert. Einmal war die Polizei auch gegen einen Verkäufer vorgegangen, der erwiesenermassen für den Sausage Lord gearbeitet hatte. Das Beweismaterial dieses Einsatzes war in einem bestimmten Regal im Keller des Oberseer Polizeipostens versorgt worden.
    Müller hatte Knolles Genehmigung, dieses Material noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Sie ging also die Treppe runter ins Lager und traf dort auf Karin Oehen, die für das Lager verantwortlich war. "Hallo Jasmin." Sagte Oehen.
    "Hallo Karin." Antwortete Müller und kramte Knolles Genehmigung hervor: "Hier, ich möchte das Beweismaterial im Regal C34 noch einmal genauer durchsuchen."
    Oehen nahm die Genehmigung entgegen und nickte: "Noch einmal die Treppe runter, dann links. Die Regale sind angeschrieben."
    "Danke." Sagte Müller und machte sich auf den Weg. Sie war etwas betrübt darüber, dass das Material doch schon zwei Jahre hier gelegen hatte. Möglicherweise war es nicht mehr aktuell. Aber den Versuch war es allemal wert.
    Müller fand zwei Stapel mit Papierblättern. Sie trugen die Aufschrift Sausage Lord. In dieses Papier hatte der Sausage Lord jeweils das Fleisch eingewickelt. Müller fand auch einige Ordner, in welchen Einnahmen und Ausgaben notiert worden waren. Allerdings wusste Müller, dass diese Ordner schon genau untersucht worden waren und dass nichts dabei herausgekommen war. Weiter erblickte Müller verschiedene Gegenstände, wie sie von Metzgern verwendet worden waren, als das Fleischgesetz noch nicht in Kraft gewesen war. Müller wiegte ein scharfes Messer in der Hand und legte es dann ins Regal zurück. Nahrungsmittel waren selbstverständlich keine gelagert worden, denn diese wären mittlerweile verrottet. Was es aber noch im Regal hatte, waren einige leere Packungen von Reismehl. Vermutlich war das Mehl für die Zubereitung von Gerichten verwendet worden. Der Sausage Lord bot angeblich verschiedene Nahrungsmittel an, auch selbstgemachte, beispielsweise Ravioli mit Rindfleisch. Müller inspizierte die Mehlpackungen und stellte fest, dass es mit einem Gütesiegel ausgezeichnet worden war. Fairtrade stand da in schwarzen Lettern. Also verwendet der Sausage Lord Fairtrade-Mehl. Beruhigend zu wissen, dachte Müller. Ihr kam eine Initiative in den Sinn, welche die Anthroposophische Partei kürzlich lanciert hatte. Die APS wollte nur noch den Handel mit Fairtrade-Produkten erlauben. Die Initiative war aber nicht durchgekommen. Müller suchte weiter. Sie fand einen Briefumschlag mit Geld. Sie nahm das Geld aus dem Umschlag und fand darin noch einige Visitenkarten. Sie legte das Geld zurück in den Umschlag und betrachtete die Visitenkarten genauer. Es stand darauf: Sausage Lord. Und auf der Rückseite: Nieder mit dem Fleischgesetz! Diese Aussage liess Müller an die PAPS denken, die Pazifistisch-Anarchistische Partei der Schweiz. Diese wollte auch stets Gesetze abschaffen in der Meinung, das Mensch würde von sich aus Rücksicht auf andere nehmen. Müller hielt das für einen Trugschluss. Müller fand auch einige Gegenstände, die wohl vom Sausage Lord nebst dem Fleisch selber verkauft worden waren: Originalverpackte Messer, Gabeln und Bretter, auf denen das Fleisch geschnitten werden konnte. Sie fand auch Brutkästen, die scheinbar von den Arbeitern des Sausage Lords selber gebaut worden waren mit verschiedenen energiesparenden Glühbirnen. Und sie fand auch Schusswaffen, die wohl zur Jagd auf kleine Tiere gedacht waren wie Vögel oder vielleicht Hasen. Vorerst begnügte sich Müller damit, eine der gefundenen Visitenkarten mit zu nehmen. Sie schickte diese Karte ins Zentrallabor in Zürich. Sie wollte alles wissen, was es über diese Visitenkarte zu wissen gab.


    Kapitel 19

    Einmal mehr reiste Hans mit der SBB nach Dornach. Am Goetheanum in Dornach war immer etwas los. Das Goetheanum war eine Art kleine Universität, in der alles gelernt werden konnte, was es über Steiner und Goethe zu wissen gab, und auch einiges, was mit den beiden gar nichts zu tun hatte. Hans besuchte einen Vortrag von Robert Schaller über Goethes Lebensweg. Einige der wichtigsten Aussagen Schallers werden hier kurz wiedergegeben:
    "So manch ein Suchender nach Antworten wird irgendwann einmal bei Johann Wolfgang Goethe landen. Goethe, der stets aus einem tiefen und weltnahen Gemüt sprach, hatte eine Ruhe und ein Verständnis für alles Seiende, was sich auch auf den Leser auswirken kann. Aber diese Ruhe und dieses Verständnis musste Goethe erst einmal finden.
    In der Zeit, als er noch jung war und gerade den Götz von Berlichingen verfasst hatte, waren seine Ausführungen meines Erachtens noch etwas unüberlegt. Das Genie, das sich in Goethe äusserte, vollbrachte Taten, deren Sinn und Zweck wohl Goethe selber noch nicht ganz klar waren. Goethe sprach aus der Tiefe eines Herzens heraus, das erst noch lernen musste, sich mit der Welt, wie sie ist, anzufreunden. Goethes Werther verursachte nicht nur aus reinem Zufall einige Selbsttötungen von Lesern. Goethe hatte Mühe, sich in der Welt zurechtzufinden und diese Mühe empfanden auch seine Leser. Nur war Goethe gross genug, einen sinnvollen Ausweg zu finden aus dem Dilemma, in welchem er sich fand. Einige seiner Leser aber sahen nur das Dilemma und keinen Ausweg als den Tod.
    Man muss einmal versuchen, sich hineinzufinden in den Zustand von Goethes Seele, wie er damals gewesen sein musste. Goethe war noch jung und hatte doch schon einigen seiner Zeitgenossen grossen Schaden gebracht. Dass Goethe aber sich selber Schaden zufügte, so weit kam es nicht. Goethe erkannte seinen eigenen Wert. Er war nur ein Einzelner, ein Individuum, und dennoch ging er nicht unter in dieser Welt, die durchaus manchmal feindlich wirken kann. Ein schwächerer Geist hätte sich nicht damit abfinden können, dass wegen ihm andere Leute den Tod gesucht hatten. Goethe aber liess es darauf ankommen. Er setzte darauf, dass er ein Einzelmensch war und dass die Welt aus Einzelmenschen besteht. Wenn er als Einzelmensch sich etwas angetan hätte, so wäre das eine Niederlage nicht nur von ihm selber gewesen, sondern auch von der Idee des Einzelmenschen. Und diese Idee hat bei Goethe überlebt.
    Goethe machte das Beste aus dem, was ihm gegeben war. Er hatte sich in eine missliche Lage gebracht, aber er hatte auch den Willen, aus seinen eigenen Erfahrungen heraus die Kraft zu schöpfen, wieder auf den rechten Weg zu gelangen. Und Goethe hat in seinem langen Leben vieles erreicht. Sein Faust gilt wohl zurecht als grösstes deutschsprachiges Werk, das bisher geschrieben worden ist.
    Etwas vom Tragischen an Goethes Leben ist vielleicht, dass er als Naturwissenschaftler nicht ernst genommen wurde, obwohl er zahlreiche Stunden damit verbracht hatte, eine eigene Auffassung davon zu schaffen, wie sich der Mensch der Naturwissenschaft gegenüberstellen muss. Rudolf Steiner ist einer der bedeutenden Geister, die sich mit Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften befasst haben. Dies war eine Zeit lang aber eher ein Nachteil für Goethe, da verschiedene Wissenschaftler wenig von Steiner hielten und Goethes Naturwissenschaftliche Schriften mit Steiner in Verbindung brachten und beides in denselben Topf warfen. Heute ist es uns natürlich klar, dass Steiner ein grosser Denker war. Spätestens seit der Gründung der Anthroposophischen Partei hat sich auch das Misstrauen Steiner gegenüber etwas gelegt.
    Ergänzend kann hier auch noch Goethes Dichtung und Wahrheit erwähnt werden. Dieses Werk war schon populär, bevor sich die Gesellschaft eingehend mit den Naturwissenschaftlichen Schriften Goethes auseinandergesetzt hatte. Hier hat uns Goethe auch schon die Skizze einer deutschen Literaturgeschichte gegeben. Man kann also sagen: Auch wenn Goethe als Naturwissenschaftler für lange Zeit wenig Anerkennung fand, war er doch als Literaturwissenschaftler schon bald eine Grösse, an der man nicht so einfach vorbei kam.
    Johann Wolfgang Goethe glaubte selber an die Reinkarnation, so wie auch wir Anthroposophen. Und wir können nur hoffen, dass er bald wieder auf die Erde kommt. Sein letztes Wort war bekannter Weise 'Mehr Licht'. Wir haben inzwischen eine Technologie, die uns erlaubt, wann immer erwünscht, die Welt zu erhellen. Also würde es Goethe vielleicht hier gefallen!"
    Hans war etwas belustigt über diese Ausführung Schallers. Überrascht von diesem Humor war er allerdings nicht. Schon Steiner war bekannt dafür gewesen, dass er ab und zu Anekdoten zum Besten gab. Und die Anthroposophen eiferten Steiner in dieser Hinsicht stets nach. Das Goetheanum, die Hochburg er Anthroposophie, blickte vom Dornacher Hügel ins Tal hinab. Inzwischen machte sich Hans auf den Heimweg nach Obersee.









    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  13. #13
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!






    Kapitel 20

    Müller sass an ihrem Bürotisch. Vor ihr lag eine der Visitenkarten des Sausage Lords. Müller hatte eine solche Karte ins Labor geschickt, für sich dann aber noch eine weitere Karte aus dem Beweismittellager geholt. Nieder mit dem Fleischgesetz, dachte Müller. Anna Blume war für das Fleischgesetz, da dieses erst ihre guten Geschäfte ermöglichte. Der Sausage Lord jedoch war gegen das Fleischgesetz. Vermutlich ass er gerne Fleisch. Oder war da eine Ideologie dahinter? Warum schlug der Sausage Lord nicht zurück als Antwort auf die Angriffe der Meat Queen Anna Blume? Und warum setzte er auf Fairtrade-Produkte? Müller drehte die Visitenkarte um. "Sausage Lord" war darauf geschrieben.
    Kommissar Knolle hatte seiner Chefin Besic gemeldet, dass Müller gegen den Sausage Lord ermittelte. Besic rätselte selber darüber, wer wohl der Sausage Lord war, und also betrat sie, nachdem sie kurz geklopft hatte, das Büro von Müller und fragte diese: "Wie läuft es mit der Untersuchung zum Sausage Lord?"
    "Es handelt sich bei ihm oder vielleicht auch bei ihr um einen Idealisten oder eine Idealistin." Antwortete Müller und fügte hinzu: "Ansonsten ist geradezu gar nichts zu ihm bekannt. Wenn er überhaupt ein Er ist, versteht sich."
    "Die Visitenkarte ist von ihm?" Fragte Besic.
    "Ja, ich habe sie im Beweismittellager gefunden. Ich habe auch eine weitere Karte ins Labor geschickt und hoffe, dass ich so mehr herausfinde." Antwortete Müller.
    "Wenn es den Sausage Lord überhaupt gibt, werden wir ihn sicher früher oder später schnappen." Sagte Mirjeta Besic.
    "Soviel ich weiss, gibt es ihn tatsächlich. Bei verschiedenen Razzien wurden bei Fleischverkäufern dasselbe Packpapier und dieselben Visitenkarten verwendet, wie ich herausgefunden habe. Es gibt also zumindest eine Verbindung verschiedener Fleischverkäufer. Es ist nicht auszuschliessen, dass diese Fleischverkäufer den Sausage Lord erfunden haben. Allerdings habe ich einen Kollegen in der Westschweiz kontaktiert und dieser hat bestätigt, dass auch dort die Leute des Lords Fairtrade-Produkte verwendeten. Es scheint mir plausibel, dass es einen Leiter dieser Operationen gibt, der von seinen Mitarbeitern verlangt, solche Fairtrade-Produkte zu verwenden. Hätte die Organisation des Sausage Lords tatsächlich mehrere Köpfe, so wären diese sich wohl uneinig darüber, ob man Produkte aus fairem Handel verwenden sollte oder nicht."
    Besic nickte und wollte wohl gerade noch eine weitere Frage stellen, als Müller eine E-Mail erhielt. Vom Labor. "Eine Nachricht vom Labor." Sagte Müller laut. Sie starrte kurz auf den Bildschirm und gab dann bekannt: "Die Karte besteht offenbar aus chlorfrei gebleichtem Recycling-Papier!"


    Kapitel 21

    Hans sass gemütlich bei sich zu Hause auf dem Sofa. Einmal mehr schaute er die Nachrichten. Vreni Gut moderierte an diesem Abend die Tagesschau. Vor allem zwei Berichte erweckten Kammermanns Interesse. Zunächst gab es einen Bericht über Anna Blume, die nun im Gefängnis sass.
    Vreni Gut sagte: "Wir übergeben das Wort nun Archibald Doller, der sich momentan in Zug befindet und heute versucht hat, ein Interview mit Anna Blume zu führen. Archibald Doller, wie ist es gelaufen?"
    Doller antwortete: "Leider hat die Gefängnisleitung angeordnet, dass Anna Blume keinen Kontakt zur Öffentlichkeit mehr haben darf. So wurde auch das Interview nicht genehmigt. Die Gefängnisleitung erhofft sich auf diese Weise, dass die Anschläge, die in letzter Zeit oft auftraten, vermindert werden können. Die Strategie der Gefängnisleitung ist also, Anna Blume sozusagen einzugraben und totzuschweigen." Doller fuhr fort: "Die Strategie scheint allerdings nicht zu funktionieren, denn die Attentate haben nicht abgenommen. Die Meat Queen ist scheinbar die Herrscherin über eine grosse Gruppe von gut organisierten Verbrechern. Vermutlich hat sie mittlerweile einige Insassinnen des Gefängnisses für ihre Sache gewinnen können, denn mit anderen Insassen hat Anna Blume, die Meat Queen, noch immer Kontakt. Es ist momentan noch nicht absehbar, wie das Ganze ausgehen wird."
    "Danke für den Bericht." Sagte Vreni Gut: "Nun zu einer besonders verstörenden Angelegenheit: Sandro Felber, der Pressesprecher der Polizei, wurde heute Vormittag auf offener Strasse erschossen. Es ist unklar, wer den Anschlag ausgeführt hat, aber viele vermuten, es könnte das Werk der Meat Queen gewesen sein, gegen welche sich Felber offen ausgesprochen hat. Erst kürzlich war Sandro Felber schon in den Nachrichten, weil die Polizei ihn entlassen hatte. Nun ist aus einer kleinen Tragödie eine grosse Tragödie geworden, wie es scheint. Es folgt eine Stellungnahme von Helen Rodler, der provisorischen Pressesprecherin der Polizei."
    Auf dem Bildschirm erschien Helen Rodler. Sie sagte: "Falls die Attentäter sich erhofft haben, dass die Polizei nicht drastisch gegen sie vorgehen wird, haben sie sich getäuscht. Es wurde zwar vor vier Tagen berichtet, dass Sandro Felber entlassen worden ist. Da aber die Kündigungsfrist in seinem Fall zwei Monate dauerte, war er gesetzlich gesehen immer noch ein Polizist, als das Attentat geschah. Und die Polizei geht jeweils besonders hart vor, wenn ein Polizist oder eine Polizistin das Opfer eines Verbrechens wird. Wer immer dieses Attentat ausgeführt hat, wird mit Konsequenzen rechnen müssen. Die Ermittlungen im Fall Felber haben schon begonnen. Da das Attentat in Luzern stattgefunden hat, ist es in erster Linie nun die Angelegenheit der Luzerner Kantonspolizei, dieses Verbrechen aufzudecken und die Attentäter festzunehmen."
    "Vielen Dank für den Beitrag, Helen Rodler." Meinte Gut. "Wir zeigen nun einige Bilder von Leuten, die heute Nachmittag in Luzern für die Wiedereinführung der Todesstrafe demonstrierten. Diese Leute haben offenbar die Absicht, die Meat Queen noch stärker zu bestrafen!"
    Auf dem Bildschirm erschienen Demonstrierende mit Schildern. Es erfolgte die Nahaufnahme eines Schildes, auf dem stand: "Abgesetzte Königinnen wurden schon immer geköpft!"
    Vreni Gut kommentierte: "Die Demonstrierenden wollen den Kopf der Königin! Wir können nur hoffen, dass sich die Sache wieder entspannt."
    Als der Wetterbericht folgte, schaltete Kammermann den Fernseher aus.


    Kapitel 22

    Knolle und Kammermann sassen zusammen am Tisch. Sie befanden sich in einer konspirativen Wohnung. Es war also eine Wohnung, die der Polizei gehörte, die aber nur dann verwendet wurde, wenn ein Fall am Laufen war, in welchem verdeckt ermittelt wurde. In solchen Wohnungen konnten sich die Ermittler treffen und ihre Ergebnisse austauschen. Hans Kammermann durfte nicht mit der Polizei in Verbindung gebracht werden, so lange er am Fall Arnold arbeitete. Deshalb traf er sich mit Knolle nicht im Polizeiposten.
    Hans nahm sein Aufnahmegerät zur Hand und spielte das Gespräch ab, das sich im Kapitel 17 ereignet hatte:
    Isak: "Hallo Edward."
    Edward: "Hallo Isak."
    Isak: "Und, wie war das Wetter in den letzten zwei Wochen?"
    Edward: "Sehr regnerisch. Mein Garten könnte wieder einmal etwas Sonne vertragen."
    Isak: "Da hast du Glück. Der Wetterbericht sagt sonniges Wetter voraus."
    Edward: "Sehr schön. Und wie läuft es im Fussball? Ist deine Lieblingsmannschaft noch immer erfolgreich?"
    Isak: "Ja, sicher. Ich wette, dass sie im nächsten Spiel etwa 12 zu 7 gewinnt. Darauf setze ich jedenfalls im Wettbüro."
    Edward: "Ja, es wurde auch wieder einmal Zeit für ein etwas torreiches Spiel! Und mit der Verwandtschaft ist noch immer alles in Ordnung?"
    Isak: "Ja, es geht allen den Umständen entsprechend gut. In kurzer Zeit werden sich alle von diesem Verlust erholt haben."
    Edward: "Na dann ist ja alles in Ordnung. Hier hast du noch das Büchlein, das du kürzlich bestellt hast und das in deiner Sammlung noch gefehlt hat. Ich hoffe, du besuchst bald wieder einmal meinen Laden."
    Isak: "Aber sicher doch. Frage doch noch bei einigen anderen Antiquariaten, ob sich irgendwo eine Reclamausgabe von Steiners Lebensgang finden lässt. Ich werde wohl auf Reisen gehen und eine solche Ausgabe wäre praktisch für die Lektüre unterwegs."

    Knolle sagte zu Kammermann: "Sehr gute Leistung. Ich bin leider kein Experte, wie schon gesagt. Wir haben aber eine Spezialistin in Willisau, die dieses Gespräch entschlüsseln kann. Ich werde sie sofort benachrichtigen und ihr das Gespräch per Mail zusenden."
    "Ok." Sagte Kammermann: "Kontaktiere mich, sobald sich die Spezialistin gemeldet hat."
    Die beiden schüttelten die Hand und verschwanden aus der Wohnung.


    Kapitel 23

    Es war vor etwa zwei Monaten, als im Schweizer Fernsehen in der Sendung Gesundheit Heute Tom Elmer und Georg Stampfer miteinander diskutiert hatten, ob Sport gesund sei oder nicht. Die Diskussion hatte beinahe in einer Schlägerei zwischen den beiden geendet (vgl. Tiermassaker: Kapitel 33). Die beiden hatten sich in der Zwischenzeit aber wieder versöhnt und wollten die Diskussion nun noch einmal aufnehmen. Anwesend war auch Elsa Plötzli, die zwischen den beiden sass und das Gespräch leitete, so dass nicht wieder das Chaos die Überhand gewann.
    Elsa Plötzli hatte das erste Wort: "Sport! Eines der wichtigsten Themen in der heutigen Zeit. Sei die Rede nun vom Sport, welcher von Privatpersonen zur Erhaltung der Gesundheit getrieben wird, oder vom Extremsport, bei welchem Privatpersonen nur Zuschauer sind, eines steht fest: Ohne Sport wäre die Welt eine andere. Aber wäre die Welt schlechter oder besser ohne Sport? Das ist die Fragte, die nun im Raum steht! Ich übergebe das Wort zunächst an Tom Elmer, einen Arzt."
    Tom Elmer sagte: "Wie so oft im Leben müssen hier Kompromisse gesucht werden. Wieso nicht den Extremsport abschaffen und den Privatsport beibehalten?"
    Der Soziologe Georg Stampfer schien damit nicht einverstanden zu sein und sagte: "Ich denke nicht, dass sich diese beiden trennen lassen. Auch beim privaten Sport geht es ums Gewinnen. Es ist Teil des Spiels, zu schauen, wer am besten ist. Und wenn sich die Privatpersonen aneinander messen, so gibt es mit der Zeit auch Profis. Diese sind darauf spezialisiert, im Sport zu gewinnen, was die Privatpersonen sehr interessant finden. Man sieht also, dass Privatsport und Extremsport miteinander verknüpft sind. Man kann nicht einfach den Extremsport verbieten, ohne auch den Privatsport einzuschränken. Die Grenzen sind hier fliessend."
    Elmer stimmte zu: "Auch gesundheitlich gesehen sind die Grenzen zwischen Extremsport und Privatsport fliessend. Es ist bekannt, dass zu viel Sport ungesund ist. Wer zu viel Sport treibt, der hat mit der Zeit ein sogenanntes Sportlerherz, das abhängig davon ist, dass Sport getrieben wird, weil es sich daran gewöhnt hat. Extremsport ist ungesund. Allerdings denke ich nicht, dass man deswegen auch den Privatsport verbieten sollte. Man muss irgendwo eine Grenze ziehen, wo es vernünftig scheint. Und man könnte auch einfach gewisse Sportarten verbieten oder anordnen, dass nur Einzelpersonen Sport treiben dürfen und nicht ganze Gruppen. So könnte man verhindern, dass es dabei ums Gewinnen geht."
    Stampfer glaubte nicht, dass dies möglich war: "Das wäre natürlich eine mögliche Strategie. Allerdings ist es fraglich, ob es einen Sport geben kann, in dem es nicht ums Gewinnen geht. Man müsste so Sport treiben, dass es nicht um ein Gegeneinander, sondern um ein Miteinander geht. Es sollte vermieden werden, dass es überhaupt im Sport Gewinner und Verlierer gibt. Dann wäre Sport für den Zuschauer auch nicht so fesselnd, dass er nahezu süchtig macht. Sport wäre dann wahrhaftig gesund. Man könnte also versuchen, neue Sportarten zu erfinden, in denen niemand gewinnen kann."
    Elmer sagte mit fachmännischem Blick: "Das könnte man tatsächlich versuchen. Nur frage ich mich, wer so etwas tun könnte."
    Stampfer sagte, ohne zu zögern: "Ich denke, dass die Anthroposophen uns da weiterhelfen könnten. Diese haben ja ihre Eurythmie, eine Art von Sport, bei der es keine Gewinner und Verlierer gibt. Entsprechend handelt es sich dabei mehr um eine Kunst- als um eine Sportart. Vielleicht käme man weiter, wenn man sich da an den Anthroposophen orientieren würde."
    Elmer, der eine natürliche Abneigung gegen die Anthroposophie hatte, schaute etwas zornig. Er wollte gerade etwas sagen, eine Beleidigung vielleicht, als sich Elsa Plötzli wieder einschaltete. Plötzli wollte vermeiden, dass von den Sicherheitsleuten wieder eine Schlägerei zwischen Elmer und Stampfer verhindert werden musste und sagte: "So viel zum Thema Sport und Gesundheit. Nächste Woche geht es um die Frage, welche Nebenwirkungen Kaffee haben kann. Auf Wiedersehen!"


    Kapitel 24

    Der Moderator der Anthroposophen-Talkshow Leonard Kunz interviewte in der neuesten Ausgabe der Talkshow Gaby Kuster, die Vizepräsidentin der APS.
    Leonard Kunz: "Die Lage in der Schweiz wird immer chaotischer. Attentate von Seiten der Meat Queen gehören mittlerweile zum Alltag. Nun will auch die Polizei stärkere Massnahmen ergreifen. Kleinere Fleischgeschäfte liess man früher einfach schalten und walten, da man auf der Suche nach den grossen Fischen war. Jetzt hat aber die Polizei angekündigt, dass auch kleine Fische sofort aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Es sind chaotische Zustände in unserem kleinen und ansonsten ordentlichen Land. Gaby Kuster, könnten Sie als Anthroposophin vielleicht eine Aussage darüber machen, wie die ganze Lage zu verstehen ist?"
    Gaby Kuster: "Das Karma des schweizerischen Volksgeistes ist, wie es aussieht, ein eher schlechtes. Es hat viele Menschen, die keine guten Ideen haben. Vermutlich haben sich zudem verschiedene Seelen in der Schweiz inkarniert, die in ihrer Vergangenheit schlechte Taten begangen haben. Nun leben sie zwar in einem schönen und reichen Land, sind aber gezwungen in Angst zu leben, weil ihr Hab und Gut nicht mehr sicher ist. Jederzeit kann es neue Anschläge geben und es bleibt nur zu hoffen, dass die Sache nicht eskaliert."
    Leonard Kunz: "Dann ist also das Karma verantwortlich für unsere schlimme Lage? Dies scheint mir eine etwas zu einfache Antwort auf das Problem zu sein."
    Gaby Kuster: "Diese Antwort ist überhaupt nicht einfach. Im Gegenteil. Was das Karma genau ist und wie es wirkt, gehört zu den grössten Geheimnissen, welche die Menschheit zu ergründen hat."
    Kunz: "Könnten Sie das etwas genauer erläutern?"
    Kuster: "Ich kann Ihnen nur berichten, wie ich das sehe. Zum einen ist es schon so, dass jeder Mensch in seinem Leben in eine gewisse Lage gerät, die er sich selber zuzuschreiben hat. Jeder Mensch ist also für sein Schicksal selber verantwortlich. Das Karma hingegen wirkt auf eine andere Weise. Es kann meines Erachtens nicht einfach als Schicksal übersetzt werden. Das Karma hat vor allem damit zu tun, welche Menschen aufeinandertreffen. Und so wie ich das sehe, hat es in der Schweiz viele Menschen, die zu sehr an ihrem Hab und Gut festhalten. Es ist das Karma eines jeden Schweizers, dass er mit anderen zusammentrifft, die ähnlich sind wie er und die eigentlich mit ihrer Situation ein Stück weit überfordert sind. Zum einen haben also wir Schweizer in der Vergangenheit schlechte Taten begangen und sind jetzt in einer misslichen Lage, zum anderen können wir mit dieser Lage nicht umgehen, weil keine Seelen auftreten, die Lösungen für unsere Probleme haben."
    Kunz: "Und was können wir tun, um unserem schlechten Karma zu entkommen?"
    Kuster: "Wir können eigentlich gar nichts tun. Wir müssen einfach nach neuen Lösungen suchen. Wir sind in eine Lage geraten, in welcher wir für unsere vergangenen Taten bestraft werden. Wie wir aber die Strafe entgegennehmen und wie lange die Strafe dauert, das liegt an uns. Wir müssen mutig sein und nach guten Ideen suchen, wie wir dieser Strafe entrinnen können. Es wäre ein gutes Karma, wenn Menschen auftreten würden, die Antworten parat haben. Das hat dann nichts mehr mit unseren vergangenen Fehlern zu tun, sondern befreit uns von unserer Vergangenheit. Unser Schicksal haben wir uns selber zuzuschreiben. Mit dem Karma ist es anders: Es hängt davon ab, welchen Menschen wir begegnen und wir Menschen sind grundsätzlich frei. Wenn wir einem Menschen mit guten Ideen begegnen, ist das gut für uns. Aber weil wir Menschen frei sind, kann nicht bestimmt werden, wann und ob wir irgendwelchen sozusagen guten Menschen begegnen. Es liegt also ein Stück weit auch an uns, dass wir wieder aus einer misslichen Lage uns befreien können."
    "Danke für das Interview, Frau Kuster!" Sagte Leonard Kunz.
    "Warten Sie noch kurz, ich habe noch etwas Wichtiges zu sagen!" Warf Gaby Kuster, Vizepräsidentin der APS, ein.
    "Ja, bitte." Sagte Kunz.
    "Ich habe hier noch eine Meldung an die ganze Bevölkerung." Sagte Kuster: "Halten Sie die Augen offen! Es liegt im Interesse unseres ganzen Landes, dass Sie sich bei der Polizei melden, wenn Sie den Verdacht haben, dass die Meat Queen einen Anschlag verübt. Die Meat Queen ist eine Krankheit, die an unserem Staat zehrt. Unsere Gegnerin ist die Organisation der Meat Queen. Der Sausage Lord ist zwar ein Verbrecher, aber im Vergleich zur Queen ist er eigentlich ein Durchschnittsbürger. Wir müssen gegen die Meat Queen vorgehen! Auch mit Gewalt! Das ist sehr wichtig!"
    "Danke für dieses Statement zum Abschluss unserer Sendung." Sagte Kunz.


    Kapitel 25

    Müller betrat Knolles Büro, nachdem sie höflich geklopft und er sie hereingebeten hatte. Müller sagte: "Der Sausage Lord, sollte es ihn wirklich geben, scheint mir ein eher friedlicher Zeitgenosse zu sein, wenn man einmal von seinem Fleischhandel absieht. Er verwendet Fairtrade-Produkte und chlorfrei gebleichtes Recycling-Papier. Zudem scheint er nicht gegen die Anschläge der Meat Queen vorzugehen. Ein Pazifist."
    "Da hast du wohl recht." Sagte Knolle und wartete ab, was Müller sonst noch zu sagen hatte.
    "Und trotzdem ist der Sausage Lord in der Presse!" Sagte Müller.
    "Ja, schon, aber worauf willst du hinaus?" Fragte Knolle.
    Müller sagte: "Ich rede von Sandro Felber, dem Pressesprecher der Polizei. In seinem Interview mit dem Fernsehen im Kapitel 7 hat er sich klar gegen die Meat Queen und somit auch für den Sausage Lord ausgesprochen. Und auch im Kapitel 12 dieses Teils der Geschichte ist er über die Meat Queen hergezogen. Dann wurde er ermordet, was wir vermutlich der Meat Queen zuzuschreiben haben. Nun hat sich in der gestrigen Ausgabe der Tagesschau, die im vorigen Kapitel (Kapitel 24) beschrieben wurde, Gaby Kuster ebenfalls gegen die Meat Queen ausgesprochen. Gaby Kuster, die Vizepräsidentin der AP, hat eigentlich die Aussage von Felber aus dem Kapitel 7 noch einmal wiederholt. Es könnte doch sein, dass der Sausage Lord auf diese Art und Weise Werbung macht. Er bezahlt einfach prominente Schweizer und Schweizerinnen dafür, dass diese über die Meat Queen herziehen."
    Das schien Knolle einigermassen Sinn zu machen. Er sagte: "Da Felber erschossen worden ist, ist die Luzerner Polizei nun am Ermitteln. Kontaktiere doch den Polizeihauptposten in Luzern und frage bei denen nach, was sie zum Tod von Sandro Felber herausgefunden haben."
    "Das habe ich schon getan." Sagte Müller. "Scheinbar wurde der Luzerner Polizei von Agnes Felber erlaubt, das Haus nach Hinweisen zu durchsuchen. Agnes Felber ist die Ehefrau von Sandro Felber. Bei der Durchsuchung fand die Polizei einige Briefumschläge mit Geld. Es handelte sich dabei um 100'000 Schweizer Franken, ein kleines Vermögen. Allerdings ist Felber nun tot und also lässt sich nicht ermitteln, woher das Geld kam. Ich habe aber den Verdacht, dass das Geld vom Sausage Lord stammt. Und ich vermute, dass auch Gaby Kuster Geld vom Sausage Lord entgegengenommen hat. Ich fände eine Hausdurchsuchung bei Kuster für angebracht."
    "Ich denke nicht, dass sich das machen lässt. Dafür gibt es zu wenig Grund. Aber wenn du bei Kuster vorbeischaust, dann kannst du sie vielleicht überzeugen, dir mitzuteilen, woher sie das Geld hat, sollte sie auch Geld entgegen genommen haben..." Meinte Knolle dazu. Und er fragte: "Wo wohnt Kuster?"
    "In Bern." Antwortete Müller.
    "Dann kontaktiere die Berner Kantonspolizei und informiere sie über dein Vorhaben." Befahl Knolle.
    "Werde ich tun." Sagte Müller und neigte ihren Kopf ein wenig.


    Kapitel 26

    An diesem Abend moderierte Isabelle Toggenburg die Tagesschau. Gleich zu Beginn wurde über den schlimmsten Vorfall dieses Tages berichtet.
    Toggenburg sprach: "Wie wir alle wissen, hat die Polizei bekannt gegeben, dass sie von nun an härter gegen die Meat Queen vorgehen wird. Die Meat Queen oder zumindest die Organisation der Meat Queen hat heute zurückgeschlagen. Zwei Polizisten, die in einem kleinen Dorf namens Aebisrieden im Kanton Aargau gegen die Queen ermittelten, wurden auf offener Strasse von einem vorbeifahrenden Auto aus erschossen."
    Es wurden Portrait-Fotos der beiden Polizisten eingeblendet.
    Toggenburg fuhr fort: "Helen Rodler, die momentan noch immer die Pressesprecherin der Polizei ist, nimmt jetzt zu diesem Vorfall Stellung. Frau Rodler, was für Konsequenzen hat dieser Anschlag auf die Polizisten?"
    "Dieser Anschlag wird schwerwiegende Konsequenzen haben. Mord ist ein schlimmes Verbrechen und bei einem Polizistenmord geht die Polizei noch viel schneller und stärker vor als bei einem sonstigen Mord. Wenn das Leben von Polizisten nicht mehr respektiert wird, so hat es die Polizei doppelt so schwer bei der Fahndung irgendwelcher Verbrecher. Die Polizei muss respektiert werden, damit sie ihre Arbeit tun kann. General Wyss, das Haupt der Schweizer Bundes- wie auch Kantonspolizei ruft deshalb die zivile Bevölkerung dazu auf, jeden Hinweis auf Fleischhandel sofort der Polizei zu melden. Er hat auch angetönt, dass die Bevölkerung selber ermitteln kann und soll, so lange sie nicht irgendwelche Gesetze bricht. Kurz gesagt: Wyss hat der Meat Queen den Krieg erklärt." Sagte Rodler.
    "Ein Krieg gegen die Königin, sozusagen." Ergänzte Toggenburg.
    "So ist es." Antwortete Rodler: "Ein Krieg der Polizei wie auch der unschuldigen Zivilbevölkerung gegen die Fleischkönigin." Rodler wirkte etwas angewidert.
    Müller sass zu Hause auf ihrem Schaukelstuhl, trank einen Schluck Milch spürte, dass die Zeit langsam knapp wurde. Wenn sie Gaby Kuster nicht bald kontaktieren konnte, war es vielleicht zu spät. Kusters Leben war in Gefahr, wenn das so weiterging. Sie beschloss, der Berner Kantonspolizei am nächsten Tag anzurufen und nicht mehr auf eine E-Mail-Antwort zu warten.







    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  14. #14
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!








    Kapitel 27

    Kammermann und Knolle trafen sich in der konspirativen Wohnung. Knolle hatte die Übersetzung der Gaunersprachenspezialisten mitgebracht. Diese hatten das Gespräch, das sich in Kapitel 17 ereignet hatte und das in Kapitel 22 überflüssigerweise noch einmal vollständig wiedergegeben wurde, in der Zwischenzeit übersetzt. (1) Das Gespräch wird hier in Kursivschrift noch einmal wiedergegeben:
    Isak: "Hallo Edward."
    Edward: "Hallo Isak."
    Isak: "Und, wie war das Wetter in den letzten zwei Wochen?"
    Edward: "Sehr regnerisch. Mein Garten könnte wieder einmal etwas Sonne vertragen."
    Isak: "Da hast du Glück. Der Wetterbericht sagt sonniges Wetter voraus."
    Edward: "Sehr schön. Und wie läuft es im Fussball? Ist deine Lieblingsmannschaft noch immer erfolgreich?"
    Isak: "Ja, sicher. Ich wette, dass sie im nächsten Spiel etwa 12 zu 7 gewinnt. Darauf setze ich jedenfalls im Wettbüro."
    Edward: "Ja, es wurde auch wieder einmal Zeit für ein etwas torreiches Spiel! Und mit der Verwandtschaft ist noch immer alles in Ordnung?"
    Isak: "Ja, es geht allen den Umständen entsprechend gut. In kurzer Zeit werden sich alle von diesem Verlust erholt haben."
    Edward: "Na dann ist ja alles in Ordnung. Hier hast du noch das Büchlein, das du kürzlich bestellt hast und das in deiner Sammlung noch gefehlt hat. Ich hoffe, du besuchst bald wieder einmal meinen Laden."
    Isak: "Aber sicher doch. Frage doch noch bei einigen anderen Antiquariaten, ob sich irgendwo eine Reclamausgabe von Steiners Lebensgang finden lässt. Ich werde wohl auf Reisen gehen und eine solche Ausgabe wäre praktisch für die Lektüre unterwegs."

    Knolle las die Übersetzung, die er erhalten hatte, laut vor: "Die Begrüssung kann nicht übersetzt werden. Es handelt sich dabei um eine gewöhnliche Begrüssung. Mit dem Wetter, welches die beiden besprechen, ist vermutlich das Geschäft gemeint. Mit Regen sind die Verkäufe gemeint, mit der Sonne die Lieferung neuer Verkaufsgüter. Dass der Wetterbericht sonniges Wetter voraussagt, bedeutet also, dass neue Güter geliefert werden. Die Frage nach dem Fussballresultat betrifft vermutlich das genaue Datum, wann die Güter in die Schweiz geliefert werden. Das Fussballresultat 12 zu 7 bedeutet somit, dass die Güter am 12. Juli geliefert werden. Mit der Verwandtschaft sind sehr wahrscheinlich die Mitarbeiter der Meat Queen gemeint. Das Geschäft scheint gut zu laufen, was eine schlechte Nachricht für uns ist. Bei dem Büchlein, das Edward Burton Isak Arnold überreicht hat, handelt es sich vermutlich um Bargeld."
    Knolle schaute Kammermann etwas skeptisch an, so als hätte er diese Übersetzung auch selber zu Stande gebracht. Dann sagte er: "Die haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, das ganze Gespräch zu übersetzen! Wie auch immer: Wenigstens haben wir jetzt ein Datum, wann die nächste Lieferung über die Grenze geht. Das ist schon einmal etwas. Allerdings wirst du in Zukunft nicht mehr Edward nachspionieren müssen. Wir haben Anweisung aus Luzern erhalten, Edward zu beschatten und ihn und Arnold festzunehmen, sobald Arnold wieder einmal bei Edward auftaucht. Der General will, dass nichts mehr toleriert wird. Alle Kräfte sind jetzt gegen die Meat Queen gerichtet. Kleine wie auch grosse Fische werden festgenommen. Toleriert wird nichts mehr."
    "Dann wird also in einer Woche eine Lieferung für die Luzerner Mitarbeiter der Meat Queen eintreffen?" Fragte Hans Kammermann, sich wiederum auf das entschlüsselte Gespräch beziehend.
    "So ist es." Antwortete Knolle. "Wir brauchen aber noch mehr Informationen."

    (1) Hier kritisiert sich der Autor selber, indem er in Frage stellt, wie viel Sinn es macht, das Gespräch zwischen Isak und Edward zu wiederholen. Gleichzeitig aber relativiert der Autor diese Selbstkritik, indem er das Gespräch ein drittes Mal aufführt.


    Kapitel 28

    Glücklicherweise war es Müllers Cousine, Rebekka Rot, gelungen, das Vertrauen von Anna Blume zu gewinnen. Als also Müller ihre Cousine besuchte, konnte diese ihr mitteilen, dass die nächste Lieferung der Meat Queen für den Kanton Luzern wohl über die Baseler Zollstelle in die Schweiz kam. Rebekka Rot verlangte dafür eine elektrische Zahnbürste nebst den Belohnungen, die sie schon mit Müller ausgehandelt hatte.
    Müller ging mit dieser Information zu Knolle, der ihr wiederum das Datum der nächsten Lieferung mitteilen konnte. Somit wurde die Chance grösser, dass die Lieferung der Meat Queen abgefangen werden konnte.


    Kapitel 29

    Archibald Doller moderierte an diesem Abend die Tagesschau. Das schockierende Ereignis des Tages war ein Anschlag auf ein Restaurant gewesen, das berühmt dafür war, Gerichte anzubieten, die wie Fleisch schmeckten. Dieses hatte jemand, vermutlich im Auftrag der Meat Queen, in die Luft gesprengt.
    Christian Vogel, ein Redaktor der Tagesschau, interviewte General Wyss.
    Vogel: "Ein neuer Anschlag der Meat Queen... Die Meat Queen scheint unbeeindruckt von dem harten Vorgehen der Polizei zu sein. Was kann die Polizei jetzt unternehmen?"
    Wyss: "Ich habe Kontakt mit dem Zuger Gefängnis aufgenommen, so dass die Meat Queen jetzt nur noch in Einzelhaft festgehalten wird, wie es auch angebracht ist. Es wird sich zeigen, ob die Organisation der Meat Queen auch dann noch so effizient vorgehen kann."
    Vogel: "Und was, wenn auch diese Strategie nicht funktioniert?"
    Wyss: "Dann werde ich mit dem Bundesrat Kontakt aufnehmen müssen und ihn überzeugen, eine Initiative zu starten, um das Fleischgesetz ein für alle Mal abzuschaffen. Wir haben nichts als Ärger mit diesem Gesetz und auch das Ausland schüttelt nur den Kopf. Es muss hier etwas unternommen werden, so dass das organisierte Verbrechen den Boden unter den Füssen verliert und niemals mehr Fuss fassen kann."
    Vogel: "Allerdings gibt es auch einige Extremisten, die das Fleischgesetz noch verstärken und auf alle Tierprodukte ausdehnen will. Was ist davon zu halten?"
    Wyss: "Das sind Wirrköpfe und Tagträumer, die so etwas verlangen. Solche Leute haben ganz klar den Sinn für die Realität verloren. Man kann nichts tun, als sie ignorieren."
    Vogel: "Wir von der Tagesschau hoffen, dass sich die Angelegenheit bald beruhigen wird."
    Wyss fiel ihm ins Wort: "Tun Sie das?"
    Vogel schien etwas auf dem falschen Fuss erwischt, sagte dann aber: "Danke für das Interview!"
    Kammermann sass auf seinem Sofa und er fragte sich, wie sicher das Leben in der Schweiz noch war im Angesicht dieser ganzen Angelegenheit. Zum Glück bin ich nicht in der Tourismusbranche tätig, sagte er sich.


    Kapitel 30

    Müller hatte die Berner Kantonspolizei kontaktiert und die Genehmigung erhalten, bei Gaby Kuster vorbeizuschauen. Polizeihauptmeisterin Jasmin Müller klingelte bei Gaby Kuster, der Vizepräsidentin der Anthroposophischen Partei der Schweiz. Kuster war glücklicherweise zu Hause.
    "Guten Tag Frau Kuster." Sagte Müller und fuhr fort, bevor Kuster etwas erwidern konnte: "Ich bin von der Polizei. Sie haben ja im Kapitel 24 dieses Teils der Geschichte zu einem Widerstand gegen die Meat Queen aufgerufen, wenn Sie sich noch daran erinnern können."
    "Das habe ich." Antwortete Kuster: "Was wollen Sie hier?"
    "Ich möchte Sie warnen! Sie erinnern sich vielleicht an Sandro Felber? Dessen Entlassung wurde im Kapitel 16 bekannt gegeben. Im Kapitel 21 hiess es dann schon, dass er ermordet worden war. Diese Ermordung geschah möglicherweise, weil er sich negativ über die Meat Queen geäussert hatte, und zwar im Kapitel 7 als auch im Kapitel 12. Nun haben Sie leider ebenfalls zum Aufstand gegen die Meat Queen aufgerufen. Ich fürchte, Ihr Leben ist in Gefahr." Erklärte Müller. (1)
    "Oh, wirklich." Kuster wirkte etwas verdutzt. Sie sagte: "Dass Felber schlecht über die Meat Queen geredet hat, ist mir leider entgangen. Und Sie glauben, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen den Äusserungen Felbers und seiner Ermordung?"
    "Ja, ich gehe davon aus." Antwortete Müller: "Ich bin sogar froh, dass Sie überhaupt noch am Leben sind. Wenn Sie wollen, können Sie von der Berner Kantonspolizei Polizeischutz beantragen. Das wurde mir von Seiten der Polizeihauptkommissarin Maria Sutter zugesichert. Wollen Sie gleich mitkommen? Dann regeln wir das auf dem nächsten Polizeiposten."
    "Ja, gut, ich schliesse nur noch schnell die Tür ab." Meinte Kuster.
    "Darf ich Sie noch etwas Wichtiges fragen?" Sagte Müller.
    "Ich denke schon." Antwortete Kuster.
    "Wurden Sie für Ihre Aussage über die Meat Queen bezahlt?" Sagte wiederum Müller.
    Kuster zögerte kurz und gab dann zu, 50'000 Franken erhalten zu haben für ihre eine Aussage im Fernsehen. Sie sagte dazu: "Es kommt von Zeit zu Zeit vor, dass wir Politiker von verschiedenen Firmen angefragt werden, für sie zu werben. Das ist zwar nur halblegal, aber es ist nun einmal so."
    "Und von wem haben Sie das Geld erhalten?" Fragte Müller.
    "Von der Konkurrenz. Alfred Grether persönlich hat mich um diese Werbung gebeten und mir das Versprechen abgenommen, es niemandem zu erzählen. Ich sage Ihnen das, weil ich Sie nicht anlügen will." Kuster wirkte etwas traurig, als sie das zugab.
    "Alfred Grether, der Präsident der PAPS?" Müller war etwas überrascht. Die prominente Sängerin Anna Blume hatte sich als Meat Queen herausgestellt. Konnte es sein, dass auch der Sausage Lord jemand Prominentes war?
    "Genau der, ja." Antwortete Kuster.

    (1) In diesem Abschnitt tritt der Verfremdungseffekt stark hervor.


    Kapitel 31

    Astrid Grün, die darauf angesetzt worden war, herauszufinden, wer die Erpresser waren, welche der Firma Meatless das Leben schwermachten, kaufte sich gerade einen veganen Burger bei dieser Firma, als drei Männer in Mänteln auftauchten. Ihr war gesagt worden, dass am Donnerstag diese Erpresser auftauchen würden. Also hatte sie am Tag zuvor in der Nähe des Burgerstandes eine Kamera installiert mit Blick auf den Burgerstand. Diesen Mittag war sie hungrig gewesen und hatte Lust auf einen Burger verspürt. Also war sie persönlich zum Stand gegangen und hatte einen Burger bestellt, als, wie gesagt, diese Männer auftauchten.
    Es war ein klassisches Erpressungsszenario. "Her mit der Kohle." Sagte einer der Männer, worauf ihm die 3000 Franken ausgehändigt wurden. Astrid nahm einen Biss von ihrem Burger. Er schmeckte sehr gut, was sie noch mehr motivierte, gegen diese gemeinen Hunde vorzugehen. Sie schaute zu, wie die drei verschwanden und folgte ihnen unauffällig.
    Die drei Männer stiegen in ein Auto und fuhren nach Luzern. Dort parkierten sie ihr Auto auf einem Parkplatz für Mitarbeiter der Firma Solarstar. Polizeimeisterin Astrid Grün fuhr, ohne von den dreien gesehen zu werden, weiter und kehrte nach Obersee zurück.
    In Obersee angekommen ging sie an Eva vorbei und klopfte an die Türe von Kommissar Knolle.
    "Herein!" Rief Knolle.
    Grün erzählte die ganze Angelegenheit Knolle und gab auch ihre Schlussfolgerung zum Besten: "Die Firma Solarstar arbeitet in Wirklichkeit für die Meat Queen."
    "Das wäre vorzüglich. Es könnte durchaus sein, dass die Firma Solarstar das Fleisch für den Kanton Luzern in die Schweiz schmuggelt und verteilt." Sagte Knolle. Er liess Grün, Müller und Kammermann in eine konspirative Wohnung zitieren und sagte allen Anwesenden: "Wir haben jetzt genug Informationen gesammelt, um einen Schlag gegen die Meat Queen auszuführen. Dank dir, Hans, wissen wir, dass am 12. Juli eine Lieferung kommt. Dank dir, Jasmin, haben wir herausgefunden, dass die Lieferung vermutlich über den Baseler Zoll in die Schweiz gelangt. Und jetzt wissen wir dank Astrid hier auch noch, wonach wir die Augen offenhalten müssen. Gemeint ist die Firma Solarstar. Wenn es uns gelingt, diese Lieferung abzufangen, dann haben wir wirklich etwas in unserer Hand gegen die Meat Queen. Ich werde den Baseler Zoll benachrichtigen und dann werden wir ja sehen, ob unsere Puzzlestücke wirklich zusammenpassen. Bis dahin heisst es: An anderen Fällen weiterarbeiten. Geht wieder an die Arbeit!" Knolle war vor Aufregung der Kopf etwas rot geworden.


    Kapitel 32

    An diesem Abend wurde in der Tageschau ein Video gezeigt, das Wyss offenbar ins Internet gestellt hatte. Zu sehen war er, der grosse General Wyss. Er hatte eine Nachricht an das Schweizer Volk.
    Wyss' Nachricht: "Diese Nachricht geht an alle Fleischesser, aber auch an den Rest unserer Nation. Die Polizei wird in Zukunft nicht mehr gegen Fleischesser und -händler vorgehen. Jeder Bürger und jede Bürgerin hat also die Möglichkeit, in aller Öffentlichkeit Fleisch zu essen. Dies heisst aber nicht, dass die Meat Queen einfach so davonkommt. Nein, die anderen begangenen Verbrechen müssen gesühnt werden. Die Meat Queen und alle, die für sie arbeiten, werden bezahlen müssen für das, was sie getan haben. Wir erwarten vom Bundesrat, dass er eine Gesetzesänderung zu Stande bringt. Fleisch soll wieder legal werden. Aber auch wenn der Bundesrat diesem Wunsch nicht nachkommt, ändert das nichts an der Haltung der Polizei. Seid euch sicher, ihr Fleischverzehrer und Fischliebhaber, es wird euch nichts geschehen. Der Kampf gilt nicht mehr dem Fleischkonsum, sondern dem organisierten Verbrechen, das durch das Fleischgesetz erst möglich geworden ist. Fleisch soll wieder legal sein. Jetzt und auch in der Zukunft!"


    Letztes Kapitel

    Zum Abschluss des zweiten Teils dieser Erzählung gibt es hier noch zwei Hinweise:
    1) Dank den Ermittlungen der Oberseer Polizei wurde es möglich, am Baseler Zoll eine Fleischlieferung abzufangen. Die Polizei beschlagnahmte das Fleisch zwar nicht, aber die Lieferanten wurden doch verhört und es wurden 11 Mitarbeiter der Firma Solarstar verhaftet.
    2) Polizeihauptmeisterin Jasmin Müller hatte Recht mit ihrem Verdacht, dass Alfred Grether, der Präsident der PAPS, zugleich auch der Sausage Lord war. Da aber Wyss angekündigt hatte, dass der Handel und der Verzehr von Fleisch sozusagen wieder legal waren, ging niemand mehr gegen ihn vor. Müller sah sich deshalb auch nicht veranlasst, jemanden darüber zu informieren. Sie war eine der wenigen, vielleicht sogar die einzige, die wussten oder die zumindest die starke Vermutung hatten, dass Grether der Sausage Lord war.
    Wer aber jetzt glaubt, dass die Lage sich entschärft hatte, der irrt sich hier. Diese ganze Angelegenheit spitzte sich später noch um einiges zu.






    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

  15. #15
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    378
    $




    ES HANDELT SICH HIERBEI UM EINE FORTSETZUNGSGESCHICHTE! BITTE NICHT IN DIESEM FADEN KOMMENTIEREN, SONDERN IM KOMMENTARFADEN!!!!











    Das Ende der Schweiz


    Kapitel 1

    Einmal mehr stellte die SVP eine neue Initiative vor. Einmal mehr geschah das in der Tagesschau. Vreni Gut moderierte an diesem Abend die Tagesschau und einen Moment lang kam es Hans Kammermann so vor, als wäre die Welt noch normal. Er sass auf seinem Sofa und kaute etwas Trockenfleisch. Da Wyss bekannt gegeben hatte, dass von der Polizei gegen Fleischesserei nicht mehr vorgegangen wurde, konnte man immer mehr beobachten, dass gewöhnliche Zivilisten auf offener Strasse Fleisch verzehrten. Es gehörte sogar zum guten Ton, dass auch die Polizisten selber Fleisch assen, um zu zeigen, dass sie hinter ihrem General standen. Kammermann fand es nicht richtig, dass die Polizei sich selber nicht mehr an das Gesetz hielt, aber er war einem Fleischverkäufer begegnet, der relativ günstig Fleisch angeboten hatte, und also hatte er sich etwas Fleisch geleistet.
    Die Nationalrätin der SVP Hanna Keller stellte die neue Initiative vor. Sie begann mit den Worten: "Es ist uns von der SVP klar, dass wir gerade in turbulenten Zeiten leben. Das darf aber nicht heissen, dass wir die Lage der Schweiz nicht ständig verbessern. Um nun die Lebensqualität in der Schweiz zu verbessern, haben wir uns eine neue Initiative ausgedacht."
    Vreni Gut fragte: "Was für eine denn?"
    "Es geht darum, dass in der Schweiz mehr und mehr konkurrenzfähige Grossunternehmen entstehen. Um das sicherzustellen, wollen wir ein Gesetz einführen, das vom Vater Staat verlangt, dass er selber alle zwei Wochen eine neue Firma eröffnet. Womit die Firma handelt, kann anhand einer Abstimmung vom Volk entschieden werden. Jede der fünf grossen Parteien der Schweiz hat die Verpflichtung, pro Abstimmung mindestens zwei Vorschläge zu machen, womit die Firma handeln soll. So haben die Abstimmenden jeweils die Auswahl zwischen mindestens zehn Optionen." Hanna Keller wirkte zufrieden.
    Gut meinte dazu: "Da kommt mir gerade eine Idee. Wieso nicht eine Firma gründen, die mit Fleisch handelt? Jetzt wo die Polizei gesagt hat, sie gehe nicht mehr gegen Fleischesserei und -handel vor!"
    Keller antwortete: "Wir von der SVP wollen nichts mit diesen Machenschaften der Polizei zu tun haben. Wir ergreifen weder für noch gegen die Polizei Initiative. Wir sind neutral und souverän! Vielleicht können Sie ja eine andere Partei davon überzeugen, den Vorschlag zu machen, dass der Staat sich am Fleischhandel beteiligen sollte. Wir von der SVP haben aber bessere Ideen."
    "Und die wären?" Fragte Gut.
    "Die Schweiz sticht dadurch hervor, dass sie alles, was sie tut, sehr gut tut. Schweizer Produkte sind von hoher Qualität. Und wo ist hohe Qualität gefragt? Im Fernsehen! Deshalb wäre ein möglicher Vorschlag der SVP, dass der Schweizer Staatsapparat damit beginnt, Filme und Serien fürs Fernsehen zu drehen. Das ist natürlich nicht unser einziger Vorschlag, aber wir wollen nicht schon jetzt alles verraten. Damit alle unsere Ideen verraten werden, muss unsere neue Initiative angenommen werden! Wer also unsere Ideen hören will, der muss auch für uns stimmen!" Gab Keller bekannt.
    Gut bedankte sich für das Interview. Im nächsten Beitrag ging es darum, welche der fünf grossen Parteien hinter der Polizei standen und welche nicht. Die Polizeipartei stand selbstverständlich hinter der Polizei. Die SVP war weder für noch gegen die Polizei. Die drei anderen grossen Parteien, die APS, die PAPS und die VP waren gegen das gesetzlose Vorgehen der Polizei. Das kann ja heiter werden! Dachte Hans und schaltete den Fernseher aus.


    Kapitel 2

    Am nächsten Tag besuchte Hans Kammermann seine Grossmutter Irma. Diese hatte ihn kontaktiert und gefragt, wie sie sich nun zu verhalten habe, im Angesicht der gegebenen Situation.
    Kammermann sagte: "Die Gefahr geht momentan in erster Linie von der Polizei aus. Allerdings ist es nicht die zivile Bevölkerung, die gefährdet ist, sondern die Firma der Meat Queen. Die Polizei geht zwar nicht mehr gegen den Handel und Verzehr von Fleisch vor, aber die Leute, die Fleisch konsumieren und verkaufen, sind im Verdacht, etwas mit der Meat Queen zu tun zu haben. Wenn du also der Aufregung aus dem Weg gehen willst, so gehe dem Fleisch aus dem Weg. Wenn es dir aber egal ist, von der Polizei verhört zu werden, so sollte es auch kein Problem sein, Fleisch einzukaufen. Angeblich gibt es bei Meatless jetzt auch wieder Burger aus Fleisch. Dort könntest du zum Beispiel Fleisch einkaufen."
    Irma Koller antwortete: "Wie lange wird die Situation wohl noch so sein? Wird es noch lange dauern, bis die Organisation der Meat Queen vollständig vernichtet ist?"
    "Das weiss ich leider selber nicht." Musste Kammermann zugeben: "Aber ich bin optimistisch. Ich denke, dass Wyss ein kompetenter Mann mit kühlem Kopf ist. Er wird die Sache schon meistern. Das hoffe ich zumindest. Wenn irgendetwas ist, so lass es mich wissen."
    "Das werde ich." Sagte Koller.


    Kapitel 3

    In der Tagesschau wurde ein Video des Generals gezeigt. Dieser hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, auf der Internetseite der Schweizer Polizei neue Ankündigungen per Video zu veröffentlichen.
    Wyss sagte: "Schon nur diese Woche haben wir 2000 Leute festgenommen. Die Schweizer Gefängnisse haben wir zwar zur Zusammenarbeit überreden können, aber leider haben wir trotzdem zu wenig Platz. Um mit diesem Problem langfristig fertigzuwerden, haben wir deshalb den Bau von neuen Gefängnissen geplant. Bis aber diese Gefängnisse gebaut werden können, funktionieren wir einige Gebäude zu Gefängnissen um. Verlassene Lagerhäuser und Liegenschaften der Meat Queen werden von der Polizei beschlagnahmt und als Gefängnisse verwendet. Wer also glaubt, er oder sie entkomme uns, weil wir kein Platz in unseren Gefängnissen haben, der irrt sich. Wir haben genug Leute und die nötige Infrastruktur, um mit jedem Hindernis fertig zu werden. Wir stehen ein für eine sichere Schweiz und es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass wir dieses Ziel nicht erreichen."
    Archibald Doller, der an diesem Abend die Sendung moderierte, meinte: "Was sich da die Polizei erlaubt, grenzt meiner Meinung nach stark an eine Diktatur. Die Polizei ist drauf und dran, die Gewaltentrennung aufzuheben. Nur Gott weiss, wohin das führen wird. Die Polizei und ihre Partei müssten sich schämen. Erst kürzlich hat Wyss beschrieben, wie das Ausland den Kopf schüttelt über die Schweiz (vgl. Anschläge: Kapitel 29). Was jetzt? Jetzt schüttelt das Ausland nicht nur den Kopf, sondern beginnt sich ernsthaft zu fragen, was mit der Schweiz los ist. Und das alles, weil die Polizei sich auf das Niveau der Meat Queen und ähnlichen Verbrechern heruntergelassen hat. Wir wollen keinen regellosen Krieg zwischen dem Verbrechen und der Polizei; die Polizei soll sich ans Gesetz halten. Ich spreche im Namen aller Mitarbeiter der Tagesschau des SRF, wenn ich sage: Liebe Polizeipartei und liebe Polizei, wir sind auf euch angewiesen! Lasst und nicht im Stich!"
    Dies war das Schlusswort der Tagesschau. Müller sass da und schämte sich, zur Polizei zu gehören. Sie hatte an diesem Abend keine Lust auf Milch, sondern knabberte an einem Stück Sojafleisch.


    Kapitel 4

    Als am nächsten Abend Müller die Tagesschau schauen wollte, erschien nur der neue Pressesprecher der Polizei, Hermann Hold. Er hatte folgende Mitteilung: "Liebe Schweizerinnen und Schweizer. Leider kann heute Abend keine Tagesschau gezeigt werden. Wegen Hinderung der Polizei wurden verschiedene Mitarbeiter der Tagesschau-Redaktion wie auch andere Mitarbeiter des SRF vorübergehend festgenommen. Bitte bewahren Sie Ruhe. Es folgt eine Nachricht von General Wyss."
    Auf dem Bildschirm erschien das Bild des Generals. Müller war so angewidert, dass sie sofort den Kanal umschaltete. Sie schaute jetzt stattdessen die Tagesschau des Deutschen Rundfunks. Dort war die Situation in der Schweiz das Hauptthema des Abends. Auf dem Bildschirm erschien Lara Schmidt, die Moderatorin der Deutschen Tagesschau.
    Lara Schmidt sagte: "Von neuem schlechte Nachrichten aus der Schweiz. Offenbar hat General Wyss, der momentan in der Schweiz an der Macht ist, das Hauptgebäude des Schweizer Radios und Fernsehens eingenommen. Es ist fraglich, was für Fernseh- und Radioprogramme in Zukunft in der Schweiz noch laufen werden. Indessen sind die Strassen in der Schweiz nicht mehr sicher. Zum einen zieht sich der Kleinkrieg der Polizei gegen die Organisation der Meat Queen in die Länge, zum anderen gibt es auch verschiedene Parteien, die sich gegen das Vorgehen Wyss' und der Polizeipartei ausgesprochen haben. Es ist sich in der Schweiz eine neue Partei am Bilden. Zwar gab es noch keine offizielle Bildung der Partei, aber es wurde eine Internetseite aufgeschaltet von dieser neuen Partei, für welche sich verschiedene Köpfe anderer Parteien ausgesprochen haben. Es handelt sich dabei um die SAPP, die Schweizerische Anti-Polizeipartei. Die SAPP hat sich dafür ausgesprochen, dass, wenn sich die Polizei nur noch dann ans Gesetz hält, wann sie will, das Gesetz den Polizisten gegenüber auch nicht mehr gilt. Die Polizisten sind somit in der Schweiz, wenn es nach der SAPP geht, vogelfrei. Jeder kann Anschläge auf Polizisten verüben, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Das ist jedenfalls das Ziel der SAPP. Sie will auf diese Weise den General Wyss und seine Leute in die Knie zwingen. Wie sich die Sache weiterentwickeln wird, kann momentan leider noch nicht eingeschätzt werden. Es ist mit dem Schlimmsten zu rechnen – einem Bürgerkrieg in der Schweiz."
    Müller war etwas mulmig zu Mute, als sie diese Nachricht gehört hatte. Trotzdem ass sie eine Portion veganes Erdbeereis.


    Kapitel 5

    Hans Kammermann, der von Zeit zu Zeit das Goetheanum in Dornach besuchte, das Hauptgebäude der Anthroposophen, war im Internet und betrachtete die Homepage des Goetheanums. Er wollte nachschauen, was für interessante Veranstaltungen in der nächsten Zeit stattfinden würden am Goetheanum. Als der die Homepage geladen hatte, wurde eine Meldung sichtbar. Diese Meldung wird hier wiedergegeben:
    Liebe Anthroposophen und Anthroposophinnen
    Es war in der letzten Zeit schwer, in der Schweiz zu wohnen. Dafür haben die
    Meat Queen wie auch die Polizei gesorgt. Die Polizei hat nun nicht nur das Gesetz geändert, sondern auch die Medien mundtot gemacht, womit das SRF gemeint ist. Ein solches Verhalten kann nicht mehr länger toleriert werden. Widerstand ist angebracht. Ein symbolischer erster Schritt zu eben diesem Widerstand ist getan: Die Gründung der SAPP wurde angekündigt. Zusätzlich zu dieser geplanten Gründung haben wir, die APS, uns zusammengetan mit der PAPS. Eine jede Meldung und eine jede Handlung, die in der nächsten Zeit von einer unserer Parteien vollführt wird, kann auch der anderen Partei zugerechnet werden. Es handelt sich dabei um eine Allianz zwischen diesen beiden Parteien gegen die Polizeipartei, die solange anhalten wird, wie es dauert, bis die PP wieder zur Vernunft kommt und damit aufhört, die Schweizer Bürger und Bürgerinnen sowie alle anderen Menschen in der Schweiz zu plagen. Die Taten der Meat Queen mögen übertrieben gewesen sein, aber sie rechtfertigen kein solches Verhalten von Seiten der Polizei und der Polizeipartei. Diese Worte wurden hier niedergeschrieben, und auf Worte werden Taten folgen!
    Ihre PAPS/APS


    Kapitel 6

    Als Hans am nächsten Tag wieder einmal das Goetheanum besuchte, fiel ihm auf, dass einige Besucher und Anwohner offenbar bewaffnet waren. Wie immer waren sehr verschiedene Menschen anwesend. Hippies, aber auch Menschen in Anzügen. Unauffällig gekleidete Leute, aber auch herausgeputzte oder sonstwie auffallende Menschen. Bei den Waffen handelte es sich vor allem um einhändig führbare Pistolen, vereinzelt sah Hans auch Maschinengewehre und Schrotflinten. Hans war aber nicht hergekommen, um die Leute zu beobachten, sondern um einen Vortrag zu hören. Einen Vortrag über Franz von Assisi, den Heiligen aus Italien. Allerdings befürchtete Hans, der Vortrag könnte schon ausverkauft sein, denn es hatte viel Volk um das Goetheanum. Mehr als sonst. Es schien, als wären einige Menschen nach Dornach gepilgert, um der chaotischen politischen Lage zu entkommen. Schon während der beiden Weltkriege war das Goetheanum ein Ort der Ruhe gewesen, wo sich Menschen verschiedener Nationen trafen. Jetzt war es noch mehr als das. Das Goetheanum war zum Ort des Widerstands gegen einen Polizeistaat geworden. Hans erblickte sogar einige Zelte, die auf der Wiese um das Goetheanum aufgeschlagen worden waren.
    Hans selber war unbewaffnet. Er war Polizist, ja, aber er hatte es bisher abgelehnt, ebenfalls eine Waffe zu tragen und dieser Wunsch war von der Polizei respektiert worden. Allerdings war es nur eine Frage der Zeit, bis die Polizei ihre Mitarbeiter dazu zwingen würde, Waffen zu tragen. Um effizient gegen gegnerische Gruppierungen vorzugehen, machte es Sinn, dass die Polizei bewaffnet war. Und General Wyss war in letzter Zeit als jemand aufgetreten, der nur wenig Andersartigkeit tolerierte.
    Wie sich herausstellte, war der Vortrag über Franz von Assisi tatsächlich schon ausverkauft. Hans war etwas enttäuscht, denn er interessierte sich für Franz von Assisi und er wusste auch, dass die Anthroposophen eine eigene Vorstellung davon hatten, wer Franz von Assisi war. Franz von Assisi war dafür bekannt, dass er als erster Nacheiferer Christi selber auch die Wundmale von Jesus Christus erhalten hatte. Rudolf Steiner hatte indessen auch eine eigene Theorie aufgestellt, wie man zu solchen Wundmalen gelangen kann. Darüber hinaus hatte Steiner behauptet, Franz von Assisi sei ein Schüler des Buddha gewesen und habe sich vor allem durch seine grosse Liebe zu den Mitmenschen ausgezeichnet. Hans hätte gerne mehr darüber erfahren, und er war etwas enttäuscht, dass der Vortrag ausverkauft war. Die Verkäuferin schien das zu bemerken und sie empfahl ihm, in der Buchhandlung am Goetheanum das Büchlein Vor dem Tore der Theosophie zu kaufen. "Darin hat Steiner geschildert, wie genau man zu diesen Wundmalen kommen kann." Erklärte sie Hans. Dieser wusste aber nicht genau, ob er das Büchlein nicht schon in seiner Sammlung hatte, und kaufte es deshalb nicht.


    Kapitel 7

    Als Hans wieder zu Hause ankam, hatte die Anthroposophische Gesellschaft wieder eine neue Nachricht auf der Homepage des Goetheanums aufgeschaltet. Es hiess dort:
    Genug ist genug! Die Polizei stellte sich über das Gesetz. Jetzt geht sie sogar gegen Andersdenkende vor. Die Situation ähnelt dem Nationalsozialismus im Dritten Reich. Wie lange dauert es noch, bis die Polizei jeden aus dem Weg räumt, der ihr nur etwas unbequem vorkommt? General Wyss, der einstmals von der Bevölkerung gewählt worden ist, spielt jetzt Gott und lässt sich nicht mehr absetzen. Er beruft sich dabei darauf, dass alle anderen Polizisten und Polizistinnen ihm unterstellt sind. Es wäre natürlich von der Bevölkerung möglich, ihn wieder abzuwählen. Dazu müssten aber erst der National- und der Ständerat eine Wahl beschliessen und ihren Beschluss der Bevölkerung mitteilen. Dies kann einige Wochen dauern und bis dann ist es vielleicht schon zu spät. Wir von der APS und der PAPS rufen deshalb zum aktiven Kampf gegen die Polizei auf. Das werden wir so lange tun, bis General Wyss seinen Irrtum einsieht und die Polizei ihre Waffen niederlegt. Die Polizei wird behaupten, es ginge ihr ums Gesetz. Uns aber geht es um die Gerechtigkeit. Die Polizei mag behaupten, man müsse gegen die Kriminellen vorgehen. Dabei besteht die Polizei aus Kriminellen. Sehr geehrter Herr Wyss! Legen Sie die Waffen nieder und kommen Sie zur Vernunft!
    Hans Kammermann war etwas betrübt, als er den Text gelesen hatte. Dabei hatte er einst geglaubt, Wyss trete für das Interesse der Allgemeinheit ein. So wie es jetzt aussah, war es Wyss zu viel geworden, dass die Meat Queen ständig Anschläge auf seine Leute verübt hatte. Nun war er eine noch grössere Gefahr, als es die Meat Queen jemals gewesen war.









    Fortsetzung folgt jeweils Sonntags!

Seite 1 von 2 12 Letzte

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Liebe(r) nicht Gedicht (Bitte kommentiert)
    Von mauna im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 16.12.2018, 23:01
  2. Vegan
    Von charisma65 im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 18.12.2016, 21:54
  3. Margotts Monolog in der Vegan WG
    Von Anjulaenga im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 27.06.2015, 15:02
  4. Krimi
    Von Medusa im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 06.04.2008, 20:50
  5. Was fühle ich (bitte kommentiert das)
    Von Irini im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 09.04.2004, 22:49

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden