1. #1
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    Aut prodesse aut delectare

    Aut prodesse volunt aut delectare poetae, so hat Quintus Horatius Flaccus (65 -8 v. Chr) in einem Hexameter behauptet. Entweder nützen wollen sie oder erfreuen, die Dichter – anders ausgedrückt, aufklären, neue Lösungen bieten, mit gutem Beispiel vorangehen oder Zeit vertreiben, unterhalten, spielen.

    Und nun meine Doppelfrage an die in diesem Forum reichlich vorhandene Dichtermeute – wobei ich weiß. dass diese Knöchlein schon vielfacht benagt ist:

    Gilt das Ideal des Horaz immer noch? Oder was will ein Dichter heutzutage eigentlich?
    Ein ernster Mensch, der gerne lacht

  2. #2
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    Seine eigene Bedeutungslosigkeit verleugnen.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Mir andern worten: Sich (mehr) Bedeutung geben Aber da gibt es ja spektakulärere Optionen. Die Poesie ist doch ohnehin nur ein Restposten aus der Antike, vielleicht noch aus der deutshcen englischen Klassik. Nix, um sich selbst zu schmücken und sich sich mehr Glanz zu geben.

    Wie viel Dichter gibt es in diesem Forum? Sind die schon mal gezählt worden. Warum dichten die alle?
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  4. #4
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    Und warum fällt Mitteilungsbedürfnis flach?
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  5. #5
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    Unsere Sprache ist für mich eine der höchsten und tiefsten Offenbarungen des Geistes. In sich schon ein Kunstwerk. Aber dieses noch weiter zu vervollkomnen, macht mich zu einem Schöpfer, also gottgleich.
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  6. #6
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    Gilt das Ideal des Horaz immer noch? Oder was will ein Dichter heutzutage eigentlich?
    Wie viel Dichter gibt es in diesem Forum? Sind die schon mal gezählt worden. Warum dichten die alle?
    Das Ideal wird grob betrachtet sicher noch gelten.
    Für mich stellt sich eher die Frage.. ab wann gilt man denn heutzutage als "Dichter"?

    Ich würde z.B. behaupten, dass Verfasser von "modernen" Prosagedichten eher unbekümmert ihren eigenen Gefühlen und Gedanken Ausdruck verleihen, und eine bestimmte Aussage oder ihr Gefühl hinter den Zeilen über alle "Regeln" stellen. Sprich.. dort würde ich "aufklären", "neue Lösungen bieten" und "spielen" (mit ihren Aussagen/Gefühlen) im Vordergrund sehen. Daher denke ich, dass eine Mehrzahl dieser Sorte von Dichtern, vielleicht eher "nützen", als "unterhalten" möchte.. und vielleicht in den Jahrhunderten neben "nützen" oder "unterhalten" noch eine Art "Suche" hinzukam. Die Suche nach dem Verstanden werden.

    Bei Verfassern von Lyrik und Poesie hingegen.. würde ich vielleicht sagen, dass natürlich auch Gefühlen (gerade bei der Poesie) und Gedanken Ausdruck verliehen werden soll, aber dass in dem Fall die Liebe zur Sprache größer ist, als der Drang, bestimmte Aussagen kundzugeben. Zudem nehmen es die Schreiber der Lyrik wohl sehr genau mit den Regeln. Es macht den Anschein, als würde man als Verfasser von Prosagedichten auch gar nicht als "Dichter" anerkannt werden. Ein weiterer Eindruck ist, dass Lyriker in Prosagedichten eher Regelbrüche erkennen, als die Aussagen diverser Zeilen. Bei Lyrik würde ich "spielen" (mit Worten, Sprache und Regeln) im Vordergrund sehen. Bei Poesie käme zu diesen Dingen vielleicht noch ein größerer Anteil Gefühl hinzu. Zusammengefasst denke ich, dass Dichter dieser Kategorien eher "unterhalten" als "nützen" wollen.

    (davon ist nichts verallgemeinernd oder "böse" gemeint)

    Die Aussage von Horaz scheint nach Vers2 aber zu sein, dass Dichter in einem Werk entweder nützen oder unterhalten oder BEIDES wollen.
    Also nicht nur nützen ODER unterhalten. Er sagt also, es gibt die Sorte Dichter, die nützen will, die Sorte, die unterhalten will.. und die Sorte, die beides will. Wie gesagt.. für mich würde in der heutigen Zeit noch die Suche nach Verständnis hinzukommen.. und es gibt wohl in jeder Kategorie jede Art der genannten "Dichter". Also die Sorte, die unterhalten will.. die Sorte, die nützen will... und die Sorte, die Verständnis sucht.. vielleicht auch noch die Sorte, die Anerkennung sucht.. und die Sorte, die alles kombiniert. Was meiner Meinung nach in welcher Kategorie überwiegt, steht ja bereits in den vorherigen Zeilen ^^

    LG, Lightning
    Geändert von Lightning (18.01.2019 um 10:11 Uhr) Grund: was hinzugefügt.. die anerkennung ^^
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  7. #7
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    Hallo Lightning, so viel kannst du schreiben, und dazu auch noch vernünftiges Zeug. Meine Bewunderung! Allein das würde mir schwer fallen, denn ich brauche dazu ein Vergösserungsglas.

    Deswegen nur ein Punkt: Ganz sicher hat sich di Lyrik seit Horaz weiter eintwickelt. Es wäre ebenso erstaunlich wie furchtbar, wenn nicht neue oder Zwischenformen dazu gkommen wären. Meine Frage - und ich drücke es jetzt einmal so aus: Gibt es einen Mehrwert der Lyrik im Vergleich zur Prosa? Und worin besteht der?
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  8. #8
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    Hallo silesio!

    Vergrößerungsglas ist kein Problem.. "strg" festhalten und am Mausrad drehen.
    Mit "strg+0" hast du dann wieder Normalgröße

    Naja.. "Mehrwert".. da musst du die "Lyriker" fragen. Ich kannte bevor ich hier ins Forum kam noch keine "Regeln", was Metrik betrifft.
    Für mich ist es - wie an einigen anderen Stellen bereits erwähnt - reine Geschmackssache.

    Der Mehrwert von Lyrik wäre für mich, dass bei eingehaltener Metrik/Metrum ein bestimmter, gleichmäßiger und runder Takt beim Lesen entsteht.. und dass auch die Reimstruktur diversen Normen entspricht. Wenn dann die Wortwahl noch stimmt, entstehen vielleicht auch ähnliche Gefühle wie beim Lesen der Gedichte alter "Meister". Für mich ist es auch ein Versuch, durch diverse Regeln, die Schönheit alter Dichtkunst mehr oder weniger beizubehalten.. aber für mich ist es zum Teil auch eine Art von Kopie. Man hat sozusagen vorgegebene Taktfrequenzen.. und kann - wenn man sich diesen fügt - fast nichts falsch machen, wenn es rein um ein flüssiges Lesegefühl geht. Lyrik/Poesie ist für mich häufig auch etwas wortgewandter, als Prosa.

    Der Mehrwert von Prosagedichten (freie Struktur) ist für mich die Freiheit. Man kann schreiben wie man denkt und fühlt, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob die Zeilen diversen Normen entsprechen. Frei gehaltene Zeilen zeigen meiner Meinung nach auch mehr vom Charakter der Schreiberlinge.. weil beim Anpassen an Regeln.. eigene Gedanken sicher auch in andere Strukturen gepresst werden, und somit nicht mehr den eigentlichen freien Gedanken entsprechen, die man spontan im Kopf hatte. Diese freie Gedanken nachträglich in Lyrik oder Poesie zu verpacken, kann natürlich auch Spass machen.

    Einfaches Beispiel.. wenn ich einen Kreuzreim schreibe, und ich fände es in 1-2 Zeilen für mich persönlich schöner, auf den Reim zu verzichten.. wäre es lyrisch betrachtet wohl wieder ein Formfehler, wenn es nicht als gewollt erkannt wird. Würde ich dann auf Biegen und Brechen einen Reim für diese 1-2 Zeilen suchen, würde ich vielleicht etwas anderes schreiben, als ich eigentlich dachte.. oder sogar die Aussage ändern.

    Oder wenn ich in vereinzelten Strophen oder Versen den Takt ändere, weil es für mich vielleicht einem Gefühl mehr Ausdruck verleiht.. könnte es sein, dass auch hier wieder ein Formfehler bezüglich Metrik vorhanden wäre. Also müsste ich, um handwerklich im Rahmen zu bleiben, auch diese Zeilen wieder anders verpacken.. was dann wieder zu einem komplett anderem Gefühl führen könnte. So stellt man dann vielleicht den ein oder anderen, der das Handwerk betrachtet zufrieden.. aber selbst mochte man die Zeilen anders vielleicht lieber. Verwirrend ^^

    Allgemein ist es rein handwerklich betrachtet natürlich schwieriger, genau das, was man eigentlich sagen möchte, in diverse Strukturen zu pressen, ohne dabei das Gefühl, das man vielleicht in einem vorher frei gestaltetem Text hatte, zu verlieren. Aber wie gesagt, kann es auch Spass machen, sich den Regeln zu fügen. Geschmackssache eben

    LG, Lightning
    Geändert von Lightning (18.01.2019 um 13:11 Uhr) Grund: war noch nicht zufrieden ^^
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  9. #9
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    Gut gebrüllt, Lightning. Ich bin ja getrocknet, nach meinem Empfinden ziemlich weit unten auf der sicher immer Wieder durchdachten Stufenleiter. Auf diesem Niveau kann ich aa wohl weder so richtig verstehen noch erst recht nicht etwas Kluges zur Diskussion beitragen. Aber...

    Da fiel mir aber ein, bei dir nachzuschauen, und da steht auch getrocknet - was mich überaus verwundert. Denn du scheinst viel trockener zu sein als ich.

    Danke, dass du mir trotzdem einiges klar gemacht hast.

    Aber dieses beschäftigt mich auch: Zwingt mich nicht die Suche nach einem zweiten Reim womöglich, den beabsichtigten Sinn zu ändern?
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  10. #10
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    Naja, vielleicht habe ich mich nur etwas schneller getrocknet
    Ist ja auch nur eine Einstufung anhand der Anzahl der Beiträge.

    Gezwungen bist du nur, wenn du dich Regeln bezüglich Metrik/Metrum fügen willst.
    Also wenn es dann wirklich Lyrik statt Prosa sein soll.

    Je mehr Übung man diesbezüglich hat, desto einfacher wird es sicher auch werden, durch verschiedene Reime den beabsichtigten Sinn nicht zu ändern.. weil der Wortschatz logischerweise durch Übung erweitert wird. In Lyrik/Poesie werden ja häufig auch Worte gewählt, die man im Alltag eher nicht verwenden würde. Daher würde ich sagen.. es ist vergleichbar mit Vokabeln lernen.

    Wenn du alle Wörter im Duden lernst.. und mit der Grammatik spielst.. wirst du dich bei der Reimfindung sicher einfacher tun, als wenn du dich nur über deine eigene Alltagssprache ausdrückst und daran nie etwas änderst. Trotzdem würdest du dich durch die "Regeln" wohl anders ausdrücken, als wenn du jemanden auf der Straße ansprechen würdest.. und gerade diese Alltags-/Umgangssprache finde ich oft gut. Da ist nichts verstelltes dran.

    Ein doofes Beispiel wäre wohl: "Deine Mudda glaubt an Buddha".
    Auch wenn ein gutes Gedicht folgen könnte.. würde diese Wortwahl wohl etwas vom "Charakter" zeigen.. und in Lyrik/Poesie wohl eher weniger Verwendung finden *g*

    So.. jetzt dürfen sich aber andere einbringen. Gibt ja sicher auch andere Meinungen dazu
    Bin erstmal weg.

    LG, Lighting
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