1. #1
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    Die Ballade von der verliebten Forelle

    Bin ein armes Fischweib,
    schwimme arglos vor mich hin,
    tausend Schuppen schmücken meinen Leib,
    Forelle nennt man mich, ich bin
    die farbigste von allen hier im Weiher,
    selbst Hechten klappt das Kinn
    vor Staunen runter - und am Ufer lauert ein Reiher.

    Bangen muss ich immerzu
    vor des Fischers Netz und Rute,
    schnell vorbei ists mit der Ruh
    und mir ists ganz blümerant zumute;
    will nicht als Forelle blau bei der Weihnachtsfeier
    enden, den Gourmets ein Gaumenschmaus
    morgen sein - und näher schreitet der Reiher..

    Ein Fischerknabe liebte mich,
    er saß sehr oft und sang
    die schönsten Lieder mir zur Leier.
    Er sang so schön, wie Glockenton es klang
    und machte meine Kiemen freier.
    Ich tauchte auf, mir war kein bisschen bang
    und schon fraß mich der lauernde Reiher.
    Geändert von Festival (22.01.2019 um 19:37 Uhr)

  2. #2
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    Lieber Heinz,

    eine fast märchenhafte Ballade,
    die Du in gewohnt geschliffener Manier minne-sängerisch vorträgst:
    Ein plätschern ist zu hören, die Sonne reflektiert in den Wellen, die silbergrauen Schuppen schlängeln sich durch den See.

    Einzig überlege ich, ob man die letzte Zeile nicht doch in der Vergangenheit belässt oder den Zeitpunkt des gefressen-werdens auf später verschiebt (dann kommt der Reiher erst angeflogen, der Ausgang bliebe offen).

    Unterm Strich aber: Sehr schön und in fast klassizistischer Wortwahl in Verse gefasst!

    Liebe Grüße von Georg (und auch von mir nachträglich: Alles Gute für's neue Jahr!)
    Geändert von Georg C. Peter (22.01.2019 um 17:26 Uhr)
    Bei AMAZON + Infoverlag erhältlich:
    KAISER BARBAROSSA RIEF AUF EINMAL "HOSSA"
    Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

  3. #3
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    Hey Heinz,

    ich habe dein Gedicht schon mehrfach gelesen und es gefällt mir insgesamt.
    Was mir einzig negativ auffällt, ist die Zeitform des Schlussverses, wie Georg es auch anmerkte.
    mach doch aus dem "schon" ein "jetzt" und für das "und" überlege dir etwas anderes.
    Du benötigst vielleicht einen Einzelsatz am Ende?

    Liebe Grüße

  4. #4
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    Oh, Festival, diese Forelle wolltest du anders enden lassen als dem Franz Schubert die seine. Aber (fast?) formvollendet. Denn meiner einer stolperte an einer einzigen Stelle: dem schreitenden Reiher. Ich finde auch, dass er schreiten sollte und nicht kommen oder sonst was banales. Aber da schreitet der zwei unbetonte Silben hintereinander bedeutet, wird der ansonsten schön regelmäßige Takt hier mMn unterbrochen. Ich lass mich aber gern eines besseren belehren. Mit der Verslehre habe ich mich ja immer noch nicht so befasst (Bequemlichkeit).

    Lieben Gruß
    Richy

  5. #5
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    Für die, die einen Rhythmus besprechen wollen, hier meine Auffassung zum Rhythmus von Heinz's Gedicht:

    Bin ein armes Fischweib,
    XxXxXx
    schwimme arglos vor mich hin,
    XxXxXxX
    tausend Schuppen schmücken meinen Leib,
    XxXxXxXxX
    Forelle nennt man mich, ich bin
    xXxXxXxX
    die farbigste von allen hier im Weiher,
    xXxXxXxXxXx
    selbst Hechten klappt das Kinn
    xXxXxX
    vor Staunen runter - und am Ufer lauert still ein Reiher.
    xXxXxXxXxXxXxXx

    Bangen muss ich immerzu
    XxXxXxX
    vor des Fischers Netz und Rute,
    XxXxXxXx
    schnell vorbei ists mit der Ruh
    XxXxXxX
    und mir ists ganz blümerant zumute;
    XxXxXxXxXx
    will nicht als Forelle blau bei der Weihnachtsfeier
    XxXxXxXXxXxXx
    enden, den Gourmets ein Gaumenschmaus
    XxXxXxXxX
    morgen sein - und näher schreitet der Reiher..
    XxXxXxXxxXx

    Ein Fischerknabe liebte mich,
    xXxXxXxX
    er saß sehr oft und sang
    xXxXxX
    die schönsten Lieder mir zur Leier.
    xXxXxXxXx
    Er sang so schön, wie Glockenton es klang
    xXxXxXxXxX
    und machte meine Kiemen freier.
    xXxXxXxXx
    Ich tauchte auf, mir war kein bisschen bang
    xXxXxXxXxX
    und schon frisst mich der Reiher.
    xXxXxXx

  6. #6
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    Lieber Georg C.Peter,
    vorab: Mit dem letzten Vers hast Fu Recht und ich habe ihn flugs geändert.
    Dass ich Dir für dieses Jahr (auch für die kommenden Jahre) alles Gute wünsche, will ich gleich beweisen:
    Alles Liebe, alles Gute und beste Gesundheit und Schaffenskraft für Dich!
    Für Deinen Kommentar könnte ich, hießest Du Georgia C. Petra, Dich küssen. Vielen Dank!
    Liebe Grüße,
    Heinz

    Lieber MiauKuh,
    gleich zweimal hast Du Dich an meine "Ballade" ran gemacht. Die Zeitform des letzten Verses war ein schon von Georg beanstander Ausrutscher.
    Den Vers "will nicht als Forelle blau bei der Weihnachtsfeier" kann man (muss man nicht) beim Rezitieren auch anders betonen, z.B. so:
    will nicht als Forelle blau bei der Weihnachtsfeier
    die Regelmäßigkeit ist raus, aber manchmal können solche Verse das Leiern verhindern.
    Der zweite Vers, in dem ich die Regelmäßigkeit des Metrums gewechselt habe, ist mit voller Absicht so geschrieben:
    morgen sein - und her schreitet der Reiher.
    Hier nehme ich Kritik entgegen und berufe mich auf die dichterische Freiheit.
    Dass es (das Gedicht) Dir insgesamt gefällt - große Freude herrscht unter meinem Dach.
    Auch Dir ein gutes, neues Jahr!
    Liebe Grüße,
    Heinz

    Liebe Richmodis,
    eines Bessern will ich Dich gewiss nicht belehren. Ganz klar: An der genannten Stelle ist ein Bruch im Takt und (leider) beabsichtigt. Ich wollte auch die anderen Strophen so enden lassen, aber die ersten Lösungen, die mir einfielen, habe ich gerade "eingebaut".
    Was das Ende der Ballade angeht - bei Schubart steht geschrieben: "So zuckte seine Rute, das Fischlein, das Fischlein zappelt dran" - was danach passiert, überlässt Sch. der Fantasie der Leser/innen.
    Liebe Grüße,
    Heinz

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