1. #1
    Dabschi Guest

    Zwischen Hoffen und Bangen

    Zwischen Hoffen und Bangen

    Sie steht am Bett und streichelt ihre Hände.
    Ob sie es fühlt, hätt sie so gern gewusst.
    Das Mutterherz zerbricht in ihrer Brust
    und schweigend starrt sie auf die kahlen Wände.

    Im Koma spürt die Tochter keine Schmerzen.
    Ein schwacher Trost, der nach Erlösung schreit.
    Zum Abschied ist die Mutter nicht bereit,
    im Hoffnungsschimmer brennen tausend Kerzen.

    Nur ein Gerät, das sie am Leben hält,
    die Frage, die sich hoffentlich nie stellt.
    Die Mutter lässt ihr Kind nicht wehrlos gehen.

    Ihr Glaube: „Wunder gibt es immer wieder.
    Ein Engel lässt sich auf der Erde nieder
    und hilft die Krankheit bald zu überstehen.“

  2. #2
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    148
    Hallo liebe Dabschi!

    Ein sehr schönes Sonett.
    Die Hoffnung sollte nie sterben und wenn sie im "Danach" weiterlebt.

    Sehr gern und gerührt gelesen.

    vlg

    Eisenvorhang

  3. #3
    Dabschi Guest
    Zitat Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
    Hallo liebe Dabschi!

    Ein sehr schönes Sonett.
    Die Hoffnung sollte nie sterben und wenn sie im "Danach" weiterlebt.

    Sehr gern und gerührt gelesen.

    vlg

    Eisenvorhang
    Danke, lieber Eisenvorhang. Gibt es so etwas, wie Gedankenübertragung? Gerade war ich mit meiner PN an Dich fertig, da lese ich Deinen Kommentar.

    Ja, die Hoffnung sollte nie sterben, da gebe ich Dir vollkommen Recht. Und Kinder sollten ihre Eltern überleben. Aber manchmal spielt das Schicksal nicht mit.

    Einen schönen Abend und liebe Grüße
    Dabschi

  4. #4
    Registriert seit
    Feb 2013
    Ort
    Im schönen Land zwischen den Meeren.
    Beiträge
    364
    Liebe Dabschi,
    wie sehr wünsche ich mir, das es nicht autobiografisch ist.
    Du hast das Gefühl zwischen Hoffnung und Bangen und dem Wunsch zu kämpfen sehr fein und eindringlich beschrieben.

    Auch ich habe diesen Kampf bestehen müssen und habe ihn mit dem Schreiben verarbeitet. Gerne möchte ich es dir als Erweiterung und Trost hier vortragen. Solltest du es anmaßend finden, werde ich es wieder löschen.

    Einen ganz lieben Gruß von Curd

    ****
    Ich will an meinen Glauben halten

    Nichts kann den Schmerz in meinem Herzen lindern,
    es ist allein, in Trauer, gramerfüllt;
    mein einzig Kind mit Leinentuch verhüllt
    nahm sich der Tod, ich konnte ihn nicht hindern.

    Doch will ich mich an meinen Glauben halten,
    treu hoffen, dass ihm Gnade wird gewährt,
    und wenn mein Kind zum Himmel dann auffährt,
    will zum Gebet ich still die Hände falten.

    Ich werde mich vor meinem Gott verneigen,
    voll Liebe ihn in tiefer Demut loben,
    ihm meinen Dank für seine Güte zeigen.

    Auch wenn um mich des Lebens Stürme toben,
    spür ich doch sein verheißungsvolles Schweigen,
    weiß so mein Kind geborgen bei ihm droben.
    Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

  5. #5
    Dabschi Guest
    Lieber Curd,

    obwohl ich in meinem Alter von 60 Jahren inzwischen schon viele Menschen, die mir nahestanden, verabschieden musste (Eltern, Schwiegereltern, Freunde, Kollegen, ehemalige Schulkameraden …) war der Tod meines geliebten Enkelsohnes, der schwerkrank geboren und nur knapp drei Jahre alt wurde, der schwerste Verlust und Schmerz, als er vor einigen Jahren starb.

    Dieses Gedicht hier entstand, weil mich eine Mutter aus meinem Bekanntenkreis damit konfrontierte. Ihre Tochter liegt seit Ende August 2018 teils im Koma, teils im Wachzustand, je nach Entscheidung der Ärzte, um Schmerzen in gewissen Situationen zu lindern. Der Zustand ihrer Tochter ist so schlimm, so dass sie sich davor fürchtet, eines Tages entscheiden zu müssen, ob die Geräte abgeschaltet werden sollen oder nicht. Sie ist der Vormund ihrer Tochter. Und sie fragte mich, wie ich mich entscheiden würde …

    Dein Gedicht in Sonettform geht unter die Haut und ich danke Dir dafür.

    Liebe Gutenachtgrüße
    Dabschi

  6. #6
    Registriert seit
    Jun 2009
    Beiträge
    2.377
    Hallo Dabschi,

    im Vergleich taugen dein Gedicht und das von Curd für ein Fallbeispiel:

    Bei deinem Gedicht spürt man sofort, dass Erzähler und LY-I nicht die selbe Person sind. Bei Curd ist genau das Gegenteil der Fall. Ein ganz zentraler Punkt...wenn es um (gute) Lyrik...oder ganz allgemein um das "Schauspiel" geht. So wie ein guter Schauspieler eins mit seiner Rolle wird...wirst auch Du als Erzähler zum Ly-I, sodass der/die LeserIN nicht das GEWfühl hat er bekommt "nur" etwas berichtet. Dein Gedicht ist im übertragenen Sinne eine Doku...aber kein Film...wo der/die ZuschauerIn mit den Protagonisten leidet...weil er/sie das Gefühl vermittelt bekommt er/sie wäre selbst mitten drin im Geschehen.

    Was müsstest Du als an deinem Text ändern? Ich habe jetzt nicht vor deinen ganzen Text umzuschreiben...aber den ein oder anderen Hinweis gebe ich dir gerne:

    Dein Anfang

    Sie steht am Bett und streichelt ihre Hände.
    Curds Anfang

    Nichts kann den Schmerz in meinem Herzen lindern,
    da liegen Welten dazwischen!!!

    Bei Curd bist Du als LeserIN sofort emotional dabei und mitten in der Geschichte...auch wenn noch gar nicht klar ist was da folgt...

    Bei dir müssen sich die LeserInen erst mal orientieren..sortieren - sie/sie (wer steht am Bett, wer streichelt wessen Hände?)...streichelt der Erwachsene das Kind?...das Kind den Erwachsenen? ...der Erwachsene den/die Alte?...ist er sie krank?...liegt im Sterben?...im Kreissaal?................

    Um es auf den Punkt zu bringen: bei Curd ist das den Lesern egal...denn das Gefühl steht sofort im Mittelpunkt


    So könnte ich jetzt Zeile für zeile deinen Text beackern und müsste dir stets das gleiche oder ähnliches berichten. Ich denke das muss nicht sein - Du verstehst sicherlich auch so worum es geht. Dein Text wirkt nicht wie aus einem Guss geschaffen...das sind aneinander gereihte Fragmente...die sich teilweise gegenseitig wieder abstoßen.

    Bei Curd ist das nichts so...und der Grund...warum sein Gedicht so authentisch wirkt...ein sehr trauriger. Das wünscht man niemandem...dass er so etwas erleben und durchleiden muss.

    So wie der Schauspieler in seine Rolle schlüpft...solltest auch Du als Lyrikerin in eine Rolle schlüpfen können. Das macht dann den Unterschied aus zwischen dem/der DichterIN und einem/einer der/die dichtet.

    Gruß, A.D.

    *** Nachtrag

    handwerkliche "Fehler" wie...

    Sie steht am Bett und streichelt ihre Hände.
    Ob sie es fühlt, hätt sie so gern gewusst
    ....habe ich bei meiner Betrachtung erst gar nicht berücksichtigt
    Geändert von AndereDimension (23.01.2019 um 19:46 Uhr)
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  7. #7
    Dabschi Guest
    @ Lieber Curd,

    sorry, dass ich mich gestern in meiner Rückantwort ein bisschen kurzfasste. Ich wollte zwar gerne noch auf Deinen Kommentar eingehen, aber es war schon spät (bzw. früh). Da mein Wecker um 06:30 Uhr klingelt, musste ich schnell in die Heia.

    Wie schon erwähnt, Dein Sonett geht unter die Haut. Es ist herzzerreißend und aus jeder Zeile spricht unendlich viel Liebe und Dankbarkeit, auch über den Tod hinaus.

    Es gibt nichts Schlimmeres im Leben, als sein Kind zu verlieren und mich berührt es sehr, dass es Dir widerfuhr. Der Glaube an eine höhere Macht und dass es seinem Kind dort in diesem warmen, friedlichen Raum gut geht, kann tröstend und sehr hilfreich sein, besonders während der Trauerarbeit.

    Als mein Enkelsohn im September 2011 starb, hielten wir auch an dem Glauben fest, dass es ihm dort, wo er hinreiste, gut geht. Das Sternenkinderlied von Nico Bizer „Dein Licht“ (auch auf Youtube zu finden) war sehr tröstend und immer, wenn es uns besonders schlecht ging, hörten wir es.

    Gerne möchte ich es dir als Erweiterung und Trost hier vortragen. Solltest du es anmaßend finden, werde ich es wieder löschen.
    Aber nein. Ich danke Dir dafür. Es schlummerte in den Tiefen von Gedichte.com und sicher wäre es mir sonst entgangen.

    Liebe Grüße
    Dabschi

    @ Lieber A.D.,

    mit Curd kann ich leider noch nicht mithalten. Aber ich arbeite daran. Wenn ich richtig recherchierte, ist Curd selbständiger Künstler und befasst sich schon länger mit der Lyrik. In meiner knapp bemessenen Freizeit befasse ich mich auch gern mit der Lyrik und bin sehr wissbegierig. Aber wie gesagt, die liebe Zeit … Morgens verlasse ich um 07:30 Uhr das Haus, düse zur Arbeit und bin bestenfalls um 17:30 Uhr wieder zu Hause und am WE ist mindestens an einem Tag Omatag …
    Naja, wenn ich Rentner bin, habe ich mehr Zeit und dann haue ich richtig rein.

    Aber nun zu Deiner Kritik. Ich bin inzwischen durchaus in der Lage als LI zu schreiben, habe auch schon einige Gedichte so geschrieben und ich hatte auch dieses Gedicht hier so begonnen:

    „Ich steh am Bett und streichle Deine Hände.
    Ob Du es fühlst, hätt ich so gern gewusst ...“

    Aber dann war es mir doch zu makaber und ich entschied mich anders, weil inhaltlich dieses Gedicht von mir nicht frei erfunden wurde, sondern auf Tatsachen beruhte, die ich aus meinem Bekanntenkreis erfuhr. Da tue ich mich schwer mit der Schauspielerei und dokumentiere lieber …

    Ich weiß aber, dass Deine Hinweise gut gemeint waren und bedanke mich dafür.

    Liebe Grüße
    Dabschi

  8. #8
    Registriert seit
    Jun 2009
    Beiträge
    2.377
    Hallo Dabschi,

    da kam wohl meine Kritik ein wenig missverständlich rüber...

    Das war kein Vergleich zwischen Dir und Curd...es ging rein um eure beiden Texte. Das könnte morgen schon genau anders herum sein. Musst sich also weder rechtfertigen...noch kleiner machen als Du bist. Ich hatte nur zu erklären versucht warum eure beiden Texte so unterschiedlich ankommen - dir aber nicht abgesprochen, dass Du das auch kannst. Und warum Du hier eine anderen Herangehensweise favorisiert hast, das hast du ja soeben selbst erklärt.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Bangen
    Von Dr. Karg im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 06.08.2016, 10:41
  2. Bangen
    Von Dr. Karg im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 18.02.2013, 10:57
  3. Bangen und Hoffen
    Von erwin im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 08.12.2012, 08:53
  4. Hoffen und Bangen
    Von cratonia im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 25.03.2005, 21:48
  5. Hoffen und Bangen
    Von Hexchen im Forum Archiv
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 24.11.2001, 19:36

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden