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  1. #1
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    Der Geheimagent (Verschlusssache)

    Unter den Kosakenmützen
    sieht man Russenaugen blitzen.
    Iwan knallt mit der Nagaika
    und zum Klang der Balaleika
    tanzt Kasatschock das rote Pack.

    Höchst besorgt ist die Nation,
    hinter streng verschlossnen Türen
    tagt ein Team im Pentagon,
    keine Zeit will es verlieren
    bei der Planung der Mission,
    die der Abwehr roter Horden
    dienen soll - und das ist draus geworden:

    Mission braucht Kommission!
    Rund ein Dutzend blitzgescheiter Leute
    suchen emsig die Person,
    die sich abhebt von der Meute
    der Bewerber für den Posten
    eines wahren Supermanns.
    Vater Staat lässt sichs was kosten,
    Hauptsache der Mann der kanns.

    Was er nicht kann, soll er lernen,
    üben wird er bei der CIA,
    an geheimen Orten in Kasernen:
    Arschloch höher, dran und drauf - hurrä!

    Rasch zu töten mit Revolver oder Messer,
    boxen wie der Maxe Schmeling und noch besser
    Auto fahren als Andretti,
    mit der linken Hand Spaghetti
    essen, wie ein Ninjakrieger die Shuriken
    werfen, Hälse würgen bis die Gegner quieken -
    alles lernt er und noch andre Sachen,
    die zum Supertopspion ihn machen.

    Ein Sprachkurs in Russisch ist erste Pflicht,
    ohne die Sprache kann er ja nicht
    parlieren ohne aufzufallen.
    Nach erstem Stottern und hilflosem Lallen
    beherrscht er selbst im Traum perfekt
    die Sprache der Russen und selbst ein Dialekt
    aus Kasachstan ist ihm nicht Barriere,
    der Knabe, so scheint es, macht flott Karriere!

    Es folgte das Training der Umgangsformen,
    denn Russen haben da ganz andre Normen.
    Sto gramm wodka und das mehrere Male
    mit kislyye ogurtsy aus gläserner Schale
    lernte er ohne Mühe zu trinken, zu kauen
    und Trinksprüche toasten vor allem auf Frauen.
    Standhaft zu bleiben beim Saufen und Essen,
    Komplimente zu drechseln und andre Finessen
    lernte er auch und mit Bruderkusse
    war er fürwahr ein Vorzeigerusse.

    Sie nannten ihn Igor, den glänzenden Gotte der Wanen,
    sein Einsatz begann kurz nach Ostern und keiner konnt ahnen,
    dass Igor sich zwei Tage später in der Lubjanka befand,
    einem Zuchthaus, gefürchtet im russischen Land.

    Die Kommission der Amis tagte
    zwei Stunden später und man fragte:
    Wie, mein Gott, konnte solches geschehen?
    Wie konnte unser Plan so schnell in die Hose gehen?
    Die Antwort war blamabel und äußerst banal:
    Der Sohn eines Migranten aus dem Senegal
    war wohl nicht unsre glücklichste Wahl.
    Geändert von Festival (22.01.2019 um 20:02 Uhr)

  2. #2
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    So stellt man sich was vor was in bester Vorstellungskraft unvorstellbar wäre. Du siedelst das wo an wo man Bond gewöhnt ist und man bekommt auch viel von diesen Weisheiten um die Ohren gehauen. aber Russen und amis handeln nach Image und da kann der Senegal in der Tat wohl nicht ins Bild passen obwohl er bessere Qualifikationen hat als die Einheimischen. So bleibt die Frage danach wie viel Geheimnis man aus sich selber zu machen bereit ist.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Lieber Terrorist,
    ich bin mir nicht ganz sicher, ob Du den Klopper richtig erkannt hast. Die senegalesische Herkunft des Superagenten ist ein zarter Hinweis auf dessen Hautfarbe, die in Amerika, sagen wir mal, weniger Aufsehen erregt als in Russland.
    Liebe Grüße,
    Festival
    Geändert von Festival (24.01.2019 um 15:58 Uhr)

  4. #4
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    Lieber Festival,

    da muss ich mich durch ein für dich typisch opulentes Dingens schlagen, bis ich am Schluss endlich lachen darf. Naja, auch solch kleine Freuden muss man sich erst mal verdienen. Nix is ümmesüns. Und eine Pointe braucht ja auch eine gewisse Vorbereitung.
    Ein Senegalese mit dem Namen Igor ...

    Meine Meinung zum Text: Liest sich flüssig. Bis auf hier


    Rasch zu töten mit Revolver oder Messer,
    boxen wie Ali und besser
    Auto fahren als James Hunt,
    mit der linken Hand


    holterdiepolter. Passt irgendwie nicht zum Rest. Klingt fast wie Rap. Und für Reime wie Hand/Hunt bin ich nich so zu haben.

    LG, einen guten Morgen und erfolgreichen Tag wünscht
    Rich

  5. #5
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    Nee echt do, ich dachte es geht mal seit langem wieder um Rassismus. Dann ist dir diese Überraschung aber dermassen geglückt, dass die klare offensichtliche anhand äusserer Merrkmale erkennbare und strikt nachweisbare Nationalitätseinteilung von Geheimagenten sofort per Memo rumzugehen hat. Bevor einer nie einttarnt wird und dein Gedicht widerlegt.
    Der Roman: "Verballistik"
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  6. #6
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    Liebe Richmodis,
    ich kann machen was ich will: Schreibe ich kurz, zieht man mich an den Ohren und vermisst Opulenz, schreibe ich mehr als drei Strophen, krieg ich was zwischen die Hörner. Aber wenn das in so netter Weise wie bei Dir geschieht, freut sich das Herz des Schreiberlings.
    Stimmt, die Einführung ist holprig (und keineswegs so gewollt). Muss mal sehen, ob es sich bei dem Ding lohnt, nochmal Hand anzulegen.
    Danke für Deinen Kommi und liebe Grüße,
    Festival

    Lieber Terrorist,
    so, damit ist das geklärt. Mit Rassismus hat das Ding nichts zu tun.
    Liebe Grüße,
    Festival
    Geändert von Festival (22.01.2019 um 15:45 Uhr)

  7. #7
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    Dann braucht der dich widerlegende Geheimagent auch nicht extra vorbeikommen.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  8. #8
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    Liebe Richmodis,
    stimmt, die Strophe holpert. Ich werde mir Mühe geben, Deinem Gespür für Rhythmus mit einer Änderung entgegen zu kommen.

    Hier meine metrisch überarbeitete Lösung:

    Rasch zu töten mit Revolver oder Messer,
    boxen wie der Maxe Schmeling und noch besser
    Auto fahren als Andretti,
    mit der linken Hand Spaghetti
    essen, wie ein Ninjakrieger die Shuriken
    werfen, Hälse würgen bis die Gegner quieken -
    alles lernt er und noch andre Sachen,
    die zum Supertopspion ihn machen.

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    Einverstanden?

    Liebe Grüße,
    Festival
    Geändert von Festival (22.01.2019 um 19:06 Uhr)

  9. #9
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    Lb. Heinz,

    Du bezeichnest die Russen als Pack und Horden und die Amerikaner als besorgtes Team. Hierin sehe ich Propaganda, die parteiisch gegen Russland hetzt. Indirekt haben wir Russland unser Wirtschaftswunder zu verdanken, weil es nicht zuletzt auch bis zur Wiedervereinigung als Konkurrenz zur DDR bestand. USA führte die meisten illegalen Kriege und begeht die meisten Kriegsverbrechen. Deutschland steht unter dem Einfluss und der Kontrolle der USA und wird durch die Stationierung von Atomraketen gefärdet. Wir sollten uns deshalb bewußt sein, dass eine parteinehmende Propaganda nicht unterstützt werden sollte.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  10. #10
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    Bitte nicht, dann verliert das ganze Stück seinen festivalen Charakter und ist als Leitpapier für den internen Gebrauch nicht mehr zu gebrauchen.
    Wer soll denn dann noch sagen können es wäre nicht mal mehr im Geheimen gemauschelt worden? So offensichtlich muss es doch gerade bei einer verdeckten Ermittlung nicht enden.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  11. #11
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    Lieber Hans,
    Missverständnisse sind dazu da, dass man sie aufklärt.
    Die erste Strophe ist Propaganda, aber keine von mir vertretene, sondern ein Abklatsch der allgemeinen Russenmanie. Wenn Du ein paar Gedichte von mir kennst, z.B. "Warum?", "Pjotr, du verdammt-geliebter Hund", "Das Tor von Kiew", "Die Pianistin", solltest Du wissen, dass ich noch nie gegen Russen gehetzt habe, sondern dass sie einen großen Platz in meinem Herzen einnehmen.
    Die Amerikaner (aber auch bei denen unterlasse ich das Pauschalisieren und weiß ihren Anteil am Sieg gegen die Nazis zu schätzen) kommen in dem Gedicht viel schlechter weg. Nicht die Amerikaner, sondern die Superschlauen ihres Geheimdienstes, die einem Agenten mit aller denkbaren Raffinesse ausbilden, um ihn gegen die Russen einzusetzen, aber schlicht übersehen, dass ein Kind von Senegalesen (Senegal: afrikanischer Staat an der Westküste Afrikas) naturgemäß so schwarz ist, dass es im Keller Schatten wirft, im großen russischen Reich natürlich sofort auffällt.
    Also - nix mit gehässiger Propaganda gegen Russen. Du bist auf der falschen Fährte.
    Die "meisten Kriegsverbrechen"? Ich denke, da haben wir Deutschen den Amerikanern den Rang längst abgekauft.
    Gruß,
    Festival
    Geändert von Festival (22.01.2019 um 19:54 Uhr)

  12. #12
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    Lb. Heinz,

    Die "meisten Kriegsverbrechen"? Ich denke, da haben wir Deutschen den Amerikanern den Rang längst abgekauft.
    Sicher beziehst Du Dich damit auf den zweiten Weltkrieg. Doch dies war nur ein relativ kurze Zeit, danach sind wir ganz sicher weit überholt worden. Zu bedenken ist dabei, mit wieviel Ländern danach USA Krieg geführt hat.

    Weiß nicht, was Du als Kriegsverbrechen siehst. Die beiden Atombomben auf Städte haben doch fast alles getoppt.

    LG Hans
    Geändert von Hans Plonka (22.01.2019 um 21:05 Uhr)
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  13. #13
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    Hans,
    Deine Feststellung "Doch dies war nur ein relativ kurze Zeit" hat eine schreckliche Ähnlichkeit mit dem "Vogelschiss" eines Herrn Gauland.
    In dieser "relativ kurzen Zeit" sind ja auch nur relativ wenig Menschen umgekommen, wenn man bedenkt, dass es bisher ca. 110 Milliarden jemals geborene Menschen gab.Hiroshima und Nagasaki, nach Deiner Definition "nur" ca. 150 000 Tote.
    Was ich als Kriegsverbrechen sehe? Kriegsverbrechen sind - so einfach ist das - Verbrechen, die im Krieg geschehen.
    Deine Argumentation ist geeignet, an Deinem Verstand zu zweifeln.
    Festival

  14. #14
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    Lb. Heinz,

    es liegt in der Natur der Menschen, dass bei Konflikten bzw. Kriegen immer die Sieger das meiste Unrecht begehen, sowohl wärend der Kriege wie auch in der Folge (Bevormundung, Ausbeutung). Auch wenn es immer anders dargestellt wird, so ist es doch nicht anders logisch erklärbar. Jede Teilnahme an einem Krieg ist ein Verbrechen, besonders wenn die Kriege aus niederen Motiven (Wirtschafts- und Machtinteressen) mit geächteten Waffen (Uranmunition, Giftgas) geführt werden.
    Auf Einzelheiten möchte ich nicht eingehen, das würde zu weit führen.

    LG Hans
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  15. #15
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    Wenn man nur was schreibt um den Begriff offtopic zu umgehen heisst das nicht damit ontopic zu sein. Gerade was hier am Kriegsverbrechen wieder für eine Miltärübung stattfindet hätte man ruhig in ein paar Gefangenenaustäusche investieren können. als kämen wir uns auf der bridge of spies entgegen.
    Der Roman: "Verballistik"
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