Thema: Am Boden

  1. #1
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    Am Boden

    Tief im Herzen begraben,
    nagt die Depression.
    Ich versuche, zu entrinnen,
    doch häufig werde ich besiegt.
    Mir stellt sich die Frage,
    wie oft ich aufstehen kann,
    bevor ich überlege,
    für immer am Boden
    zu bleiben.

    Lightning
    Geändert von Lightning (26.01.2019 um 18:46 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  2. #2
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    Hallo Lightning,

    hier frage ich mich, warum Du die Du-Ansprache gewählt hast. Die finde ich bei diesem Text ungünstig, und ich möchte kurz erklären, warum.

    Der Sprecher ist offensichtlich ein Betroffener oder ein Allwissender. Der Angesprochene kann nur ein (ebenfalls) Depressiver sein, der Leser ist also nicht gemeint, zumindest sofern er nicht Betroffener ist. Würde man aber einem Betroffenen dessen eigene Wahrnehmung schildern? Nein. Der Text, der sich an einen Depressiven richtet, würde eher trösten, beruhigen, Mut machen oder evtl., falls das Lyrische Ich im Vordergrund stehen soll, eine Ich-Botschaft zum Kranken senden.

    Wenn ich es richtig verstehe, möchtest Du den (unwissenden) Leser an der Befindlichkeit des Depressiven teilhaben lassen? Dann würde ich entweder aus der Ich-Perspektive schreiben, oder aber einen Protagonisten in der dritten Person beschreiben (vielleicht auch der Person einen Namen geben).

    Bei Liebesgedichten funktioniert das Du ganz gut. Da weiß der Leser, dass der Text nicht an ihn gerichtet ist. In Deinem Gedicht wirkt das Du aber ziemlich vereinnahmend, so als solle man mit aller Macht gezwungen werden, sich in den Kranken hineinzuversetzen. Das würde ich vermeiden.

    Dies soll erstmal reichen. Ich bleibe aber gerne dran.

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (26.01.2019 um 07:41 Uhr)
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  3. #3
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    Hallo Claudi!

    Danke, für den Tipp. Ich habe es geändert. Eigentlich war es auch in "ich" Form geschrieben.
    Keine Ahnung, warum ich es hier in "du" geändert hatte.

    Wahrscheinlich, weil ich wirklich denke, dass es jedem mit Depression so ergeht.
    Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem die Gedanken darum Kreisen,
    wie oft man die Kraft aufbringen kann, sich wieder aufzuraffen.
    Zumindest, wenn man immer wieder aufs Neue Rückschläge erlebt.
    Man überlegt sicher auch, welchen Sinn es macht.
    Und wenn es ganz schlimm kommt.. ist der Punkt erreicht,
    an dem man einfach liegen bleiben möchte.. oder liegen bleibt.
    Das wird dann oft zum Teufelskreis.

    Allwissend wäre es wohl, wenn ich mir angemaßt hätte, darüber zu schreiben, welche Gedanken man genau hat.
    Das kann keiner wissen, weil diese bei jedem individuell sind.
    Aber ich denke.. ein grobes Muster verbindet alle Betroffenen.

    Und ja.. ich bin Betroffener, sonst würde ich über dieses Thema sicher nicht schreiben..
    davor habe ich genug Respekt, um mir nichts dazu zu erfinden,
    nur weil ich etwas schreiben möchte

    Wenn man sich beim Lesen allerdings dazu gezwungen fühlt, sich in einen Betroffenen hineinzuversetzen..
    sollte ich vielleicht doch die "du" Form beibehalten? Ich fände es jedenfalls ganz gut, wenn sich andere mal in diese Lage versetzen,
    und somit evtl. mehr Verständnis gegenüber Betroffenen zeigen. Wenn man sich also kurz betroffen fühlt, statt sich zu denken,
    "ohje, wieder einer, der jammert".. wäre das Ziel der Zeilen eher erreicht.

    Beste Grüße,
    Lightning

    P.S.: Mit V5 "Mir stellt sich die Frage".. bin ich allerdings nicht ganz zufrieden.
    "Ich stelle mir die Frage" .. war mir zu viel "ich".. wobei es mir trotzdem intensiver vorkommt, als jetzt.
    "Dann stellt sich die Frage".. war mir zu flüssig.. das hat irgendwie das Gefühl zerstört.
    "Es stellt sich die Frage".. zu allgemein.
    Hatte deswegen auch schon komplett umgebaut.. aber ich kam immer wieder zu diesen Zeilen zurück.
    Geändert von Lightning (26.01.2019 um 18:53 Uhr)
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  4. #4
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    Kollateralschaden unserer Gesellschaftsart nennst du grobes Muster. Irgendwie nicht sehr stimulierend in der Depression etwas losgelöstes zu sehen dass durch Anspracheformen mal mehr mal weniger Wirkung entfaltet. Man könnte auch überlegen nie wieder hinzufallen wenn man von der Schicksalsartigkeit gewisser Krankheit mal abgeht und Ursache und Wirkung logisch betrachtet anstatt das wo die Existenz beginnt in den Ereignishorizont zu wechseln.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    Hallo Lightning,

    ja, so erreichst Du mich! Jetzt kommt der Text für mich authentisch und glaubwürdig rüber. Da ist ein Ich, das mir seine Erfahrungen mitteilt, und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass mir (oder jemand anderem) etwas übergestülpt werden soll. Im ersten Teil verwendest Du ein Bild. Da kann ich mich besonders gut einfühlen. In den zweiten Teil letztlich auch, brauche da aber den Umweg über die Verstandesebene.

    Da Du Dich als Betroffener outest, mag ich nun aber nicht noch mehr formale Mäkeleien auf den Tisch legen. Ich bewundere Deine Offenheit und hoffe, Du weißt Dich zu schützen. Zu offen zu sein, macht auch verletzlich, weißt Du ja sicherlich. Pass gut auf Dein Herz auf!

    LG Claudi
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  6. #6
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    Kollateralschaden unserer Gesellschaftsart nennst du grobes Muster. Irgendwie nicht sehr stimulierend in der Depression etwas losgelöstes zu sehen dass durch Anspracheformen mal mehr mal weniger Wirkung entfaltet.
    Naja @Terrorist.. was ich grobes Muster nenne.. ist das, was meiner Meinung nach die Menschen mit diesem Problem verbindet. Ich leide auch unter Schizophrenie und denke, dass es auch dort ein verbindendes Muster gibt. Das heisst noch lange nicht, dass ich deshalb distanziert wäre, oder diese Dinge als geringes Problem betrachten würde. Im Gegenteil.. ich suche Muster, um genau diese zu durchbrechen. Mein Ziel ist.. spätestens in 3 Jahren alle negativen "Muster" durchbrochen zu haben.. und ich arbeite seit 9 Jahren täglich daran.

    Wenn ich eine textanalysierende Kritik bekomme, gehe ich natürlich auch textanalysierend auf diese ein. Natürlich mache ich mir auch Gedanken darüber, wie und bei wem solche Zeilen vielleicht ankommen, wenn ich diese öffentlich mache. Wenn Claudi also die Zeilen in "du" Form als aufgezwungen empfindet.. mache ich mir logischerweise Gedanken darüber. Die Aussage hinter den Zeilen ändert sich nicht, durch Claudis Vorschlag.. also, nehme ich diesen gerne an.

    Und ja, irgendwo sehe ich es bei einer "Textanalyse" auch losgelöst.. weil ich mir dann auch vorstellen muss, wie die Zeilen von Menschen ohne Depression vielleicht wahrgenommen werden. Wenn wir schon bei "losgelöst" sind, denke ich auch, dass man als Betroffener hier und da Abstand gewinnen und sich loslösen muss, sonst befindet man sich wahrscheinlich schon im erwähnten Teufelskreis, und leidet dann evtl. an zumindest gefühlt dauerhaften, und häufig sehr schweren Depressionen, die auch in Selbstmordgedanken und der Umsetzung dieser enden könnten. Ein Großteil der Betroffenen ist zum Glück nicht jede Sekunde depressiv.. das bin ich auch nicht.. oder nicht mehr.

    Du nennst es also "Schicksalsartigkeit" und "Kollateralschaden". Dazu sage ich.. dass sich das schon sehr endgültig anhört. Ich denke.. jeder ist seines Schicksals eigener Schmied.. und Depressionen sollte man sicher nicht kampflos als vom Schicksal gegeben betrachten, wenn man einen Ausweg finden möchte. Wer das macht, hat sich meiner Meinung nach schon aufgegeben, und bräuchte evtl. Hilfe von außen. Dazu könnte ich als kleinen Tipp erwähnen, dass es oft schon helfen kann, wenn man sich Gedanken über eine schöne Zukunft macht.. und darüber, wie diese zu erreichen ist.. statt sich in Vergangenheit und Gegenwart im Kreis zu drehen, oder sich dauerhaft mit nicht veränderbaren Gegebenheiten abzumühen. Dass dies leichter gesagt ist, als getan.. weiss ich selbst.

    Da Du Dich als Betroffener outest, mag ich nun aber nicht noch mehr formale Mäkeleien auf den Tisch legen. Ich bewundere Deine Offenheit und hoffe, Du weißt Dich zu schützen. Zu offen zu sein, macht auch verletzlich, weißt Du ja sicherlich. Pass gut auf Dein Herz auf! ♥
    Danke für die netten Zeilen @Claudi. Ja.. Offenheit wird leider zu selten belohnt.
    Langsam aber sicher, werde ich meine offene und direkte Art daher auch nochmal überdenken.. wobei ich gerne mehr Offenheit auf dieser Welt sehen würde.. daher macht es wenig Sinn, diese wieder abzulegen, nur, um nicht verletzlich zu sein. Wenn ich Offenheit erwarte, muss ich auch offen sein.

    Und falls du doch noch formale Mäkeleien loswerden möchtest, kannst du mir diese auch gerne per PN schicken

    Na denn.. bleibt positiv

    Lightning
    Geändert von Lightning (28.01.2019 um 23:24 Uhr)
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