Gegenwelt

Sie saß mit Freundinnen zusammen,
Während die eigenen Kinder darben
Und diskutierte Lebensrahmen,
Klamotten, Schminke und Haarfarben.

So glaubte sie sich gut vernetzt,
Glücklich in ihren Kumpaneien,
Von diesen dann auch sehr geschätzt
Mit ihren schrägen Kindereien.

Der Ehemann brachte das Geld,
Wusch Wäsche, kochte, spülte ab.
Da liegt ihr doch die Luxuswelt,
Die Macht, die Sinn und Freude gab!

Arbeit war ihr ein hässlich' Wort,
Sie stand dazu mit Gleichgesinnten
Und trieb so ihre Liebe fort:
Alles war besser, als das Schinden!

Man lebte in den Tag hinein –
Frausein war gut, Mannsein nur schlecht:
Sie wollte frei und führend sein,
Erst dann schien ihr das Leben echt.

So sann sie weiterhin auf Rache,
Für das, was man ihr angetan.
Verführen konnte sie der Drache:
Das Frühkindliche, das war ihr Wahn!

Alles, was später dann schief lief,
War nur der Kinderzeit geschuldet.
Weil auf der Schuldfrage sie schlief,
Hatte nur alles SIE erduldet!

Dabei konnte sie ja nichts sagen,
Denn ihre Kindheit, die war gut.
Wer Defiziten muss nachjagen,
Für den ist nichts und niemand gut.

Davon kam sie auch niemals los,
Sie konnte keine Zartheit fühlen.
Enttäuschungen sah sie nicht groß,
Liebe konnte sie nicht verführen,

So dass am Ende niemand blieb,
Kinder und Mann waren verschwunden,
Denn sie hatte nur selbst sich lieb –
Und damit riss sie Lebenswunden.

Die Nächsten hatten das verstanden
Und distanzierten sich von ihr,
Denn fremd blieb sie allen Verwandten,
Es gab für sie kein Dich und Dir.


©Hans Hartmut Karg
2019

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