1. #1
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Nahe der Ostseeküste
    Beiträge
    816

    Was die Liebe so alles vermag

    Sie wünschte, dass es Liebe wär,
    das war ihr allergrößter Wunsch.
    Sie sagte: "Karl, ich lieb dich sehr!"
    doch er, er griff zum Punsch
    und trank zwei Schluck,
    gab sich nen Ruck
    und sah ihr ins Gesicht:
    "Ach Franzi, Schatz,
    ich kenn den Satz,
    so isses aber nicht!"

    Sie wünschte sich, so wär es doch
    und schenkte einmal, zehnmal noch
    den Punsch ins Becherglas
    und Karl hat restlos ausgetrunken,
    ist tief in Franzis Schoß versunken
    und lallte: "Weischte waaas?
    Isch glaub, isch libbe disch."
    “Dann zeig mir wie!”,
    “Isch tscheigs dir wie”
    und kotzte auf den Tisch.

  2. #2
    Registriert seit
    Nov 2009
    Ort
    Neu Paris, Exberlin, Virtualondon
    Beiträge
    10.909
    Man fragt sich ja was das positive dran ist ohne eine zu offensichtliche Verneinung anführen zu müssen oder das Erbrochene in möglichst irgendwas zu übersetzen das dann Franzi nicht so einfach wegwischen kann wie Kotze die zufällig wahrscheinlich auch nicht sofort versteinerte weil ja sonst wirklich ein Kunstwerk aus Karls Mund gekommen wäre das man dann stolz hätte vorzeigen können. aber als Diskussionseröffnung finde ich den Text sehr gelungen.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Nahe der Ostseeküste
    Beiträge
    816
    Es ist die erzwungene Liebe und Franzi liebt den Karl wohl auch nicht wirklich. Er sie schon mal gar nicht, höchstens den Moment in ihrem Schoß. Schnaps macht gefügig ...

    Danke für deinen Kommentar, Terrorist.

    Liebe Grüße

  4. #4
    Registriert seit
    Nov 2009
    Ort
    Neu Paris, Exberlin, Virtualondon
    Beiträge
    10.909
    So klingt es auf gofeminin auch immer. Da ist der Zwang aber meistens freiwillig bedingt und wie hier will es ja wohl das Zeichen zu viel sein was keiner mehr vor Blindheit zu erkennen vermag. Mit irgendwas als Liebe zu bezeichnen ist ein sehr gefährliches Spiel mit dem Feuer weil es an den Grundlagen des Gemeinsamen zündelt.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
    Registriert seit
    Jan 2017
    Ort
    "Schäl Sick"
    Beiträge
    2.421
    Lieber MiauKuh,

    es erinnert mich doch stark an dein "Der Tänzer", was das überraschende Ende angeht. Allerdings ist dies hier eine ernste und hoffnungslose Angelegenheit. Formal ist es eine absolut runde Sache mit (trotz?) seinen vielen Wechseln zwischen längeren und kürzeren Versen, weibl. und männl. Kadenzen an den Versenden sowie den knackigen Perspektivwechseln ( "Dann zeig mir wie" - "Ich zeig dir wie"). Ich finde es sehr gelungen und hab so gar nix zu meckern dran.

    Lieben Gruß
    Richmodis

  6. #6
    Registriert seit
    Aug 2009
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    3.103
    Lieber Werner,

    das ist so richtig ein Gedicht zum Spammen! Alles bestens und eine Pointe vom Feinsten, genau da, wo sie hingehört, und keine Sekunde zu früh. Auch die unterschiedlichen Verslängen, die hier klar erkennbar nicht von Faulheit, sondern von bewusster Gestaltung zeugen, und das abwechslungsreiche Reimschema lassen keine Langeweile aufkommen. Hast mich prima unterhalten!

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  7. #7
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Nahe der Ostseeküste
    Beiträge
    816
    Hey Richmodis,

    ja!! Ich erinnerte mich selber beim Lesen heute morgen wieder an den Tänzer und ich freue mich, dass du ihn nicht vergessen hast. Es liegt ja nur an dem Erbrechen am Ende, allerdings aus völligst verschiedenen Gründen. Bei den Dialogzeilen am Schluss war ich mir nicht sicher, ob das überhaupt so geht und Leser damit zurecht kommen, da ja kein "sagte er," "sagte sie," folgt ... ich mag aber so Kurz-zeit-Wechsel und Moment-Aufnahmen-Beschreibungen sehr gern und manchmal klappt es

    Liebe Claudi,

    ich freue mich, wenn du bei mir in die Fäden reinguckst, hab aber auch immer ein verdächtiges Bauchgefühl, ich weiß ja nie, was gefährliches kommen könnte (verstechnisch) ...

    Nein! Ich bin keinesfalls Faul, sondern neige zur Übertreibung in der Länge und lerne noch, wie Pointen richtig sitzen, genauso wie ich endlich begriffen habe, dass (kein Artikel "das") das (ein Artikel "das") nicht immer ein Artikel ist ... die liebe gugol hats mir verraten .

    Mich freut, wenn es dir gefällt und ich verbleibe mit lieben Grüßen
    an euch beide!

    Lob spornt an , keine Sorge, ich ruhe mich nicht darauf aus.

    - Werner

  8. #8
    Dabschi Guest
    Lieber Werner,

    mir gefällt Dein Gedicht sehr gut und hier stören mich auch nicht die unterschiedlichen Verslängen und Reimschemen – es liest sich trotzdem flüssig.

    Einen kleinen Vorschlag hätte ich aber dennoch:

    Sie wünschte, dass es Liebe wär,
    das war ihr allergrößter Wunsch.
    Einmal wünschen, einmal Wunsch …

    Der Wunsch muss ja als Reimwort für den Punsch stehen bleiben.

    Aber was hältst Du hiervon?

    Sie hoffte, dass es Liebe wär,
    das war ihr größter Wunsch.

    “Isch tscheigs dir wie”
    und kotzte auf den Tisch.
    Wenn Karl schon so tief in Franzis Schoß versunken war, dann hat sie echt Glück gehabt, dass er „nur“ auf den Tisch gekotzt hat.

    Liebe Grüße
    Dabschi

  9. #9
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Nahe der Ostseeküste
    Beiträge
    816
    Hey Dabschi,

    danke für deine ausführliche Antwort! Jap, Franzi kann froh sein. Er hats ja angekündigt: er zeigt, wie sehr .. und tada ... ...!

    Was deinen Vorschlag angeht: Klar, der ginge genauso. Ich habe generell selten ein Problem mit Wortwiederholungen, hier bestätigt das doppelte Wünschen nochmal die Nachdringlichkeit. Für mich war es, wie selber reden: Ich wünsche mir dies und das, das ist mein allergrößter Wunsch. Genauso rede ich Trotzdem geht deines genauso gut, ich mag aber auch das vierfache "w" in den Versen. Nicht, dass es Absicht war, aber so siehts doch schick aus, für mich ...

    Mich wundert grade, dass mehrfach die unterschiedlichen Verslängen aufgegriffen wurden, ist sowas untypisch? Mich stört das nicht im Geringsten und es ist ja dem geschuldet, was nun mal geschah: der Geschichte.

    Für mich untypisch ist dagegen der umarmende Reim, den ich hier tatsächlich eingebaut habe. In meinen Gedichten kommt sowas wirklich sehr, sehr sehr selten vor. Hier war es aber einfach von alleine da

    Liebe Grüße,
    Werner.

  10. #10
    Registriert seit
    Mar 2017
    Ort
    Karlsruhe
    Beiträge
    499
    Zitat Zitat von MiauKuh Beitrag anzeigen
    Sie wünschte, dass es Liebe wär,
    das war ihr allergrößter Wunsch.
    Sie sagte: "Karl, ich lieb dich sehr!"
    doch er, er griff zum Punsch
    und trank zwei Schluck,
    gab sich nen Ruck
    und sah ihr ins Gesicht:
    "Ach Franzi, Schatz,
    ich kenn den Satz,
    so isses aber nicht!"

    Sie wünschte sich, so wär es doch
    und schenkte einmal, zehnmal noch
    den Punsch ins Becherglas
    und Karl hat restlos ausgetrunken,
    ist tief in Franzis Schoß versunken
    und lallte: "Weischte waaas?
    Isch glaub, isch libbe disch."
    “Dann zeig mir wie!”,
    “Isch tscheigs dir wie”
    und kotzte auf den Tisch.
    Hallo Werner,

    mir gefällt die Zweideutigkeit am Ende:
    Übergibt er sich wegen des Punschs oder bei der Vorstellung des Austauschs von Zärtlichkeiten?

    Wie auch immer: Ich empfehle Trennung oder gemeinsamen Psychotherapie...

    Viele Grüße von Georg
    Bei AMAZON + Infoverlag erhältlich:
    KAISER BARBAROSSA RIEF AUF EINMAL "HOSSA"
    Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

  11. #11
    Registriert seit
    Apr 2017
    Ort
    Hattersheim am Main
    Beiträge
    536
    Servus Werner,

    Punsch scheint kein wirksamer Liebestrank zu sein - oder lag's an der Dosis?
    Der Schlusspointe übergibt sich so lapidar wie überraschend. Sehr gelungen!

    Liebe Grüße,
    Stefan
    Komische Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  12. #12
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Nahe der Ostseeküste
    Beiträge
    816
    Hi Georg,

    mich freut, wenn es dich freut und damit bin ich nun erfreut. Ha Und ja, Trennung wäre wohl das Beste!

    Lieber Stefan,
    mehr außer Danke kann ich kaum sagen!
    Lapidar wie überraschend. Erfreulich!

    Liebe Grüße euch beiden,
    Werner

  13. #13
    Registriert seit
    Mar 2017
    Ort
    Karlsruhe
    Beiträge
    499
    ...und FANTA 4 kommt auch noch vor (es könnt' alles so einfach sein. ISSES ABER NICH!)

    Nur in Deinem Fall ist es nicht Fanta 4, sondern Punsch 10 (was die ganze Angelegenheit noch zusätzlich erschwert).

    Was kommt als nächstes? STROH- Rum 80? Wird gemördert? Bin gespannt...

    Liebe Grüße und schönen Abend,
    Georg
    Bei AMAZON + Infoverlag erhältlich:
    KAISER BARBAROSSA RIEF AUF EINMAL "HOSSA"
    Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Was ein Bürgerkrieg vermag
    Von almebo im Forum Gesellschaft
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 18.02.2015, 12:42
  2. Die Liebe ist alles
    Von Zeroblade im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 04.06.2005, 18:26
  3. was Liebe wohl zu bewegen vermag?
    Von sphinx im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 16.05.2004, 21:44
  4. Was nur ein Gott vermag zu vollbringen
    Von Catlin im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 14.11.2003, 21:36
  5. Alles aus Liebe
    Von Sommer im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 21.06.2003, 22:05

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden