Thema: Aus Glas

  1. #1
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    Aus Glas

    Hallo! Mein erstes Gedicht in diesen Forum. Ich freue mich über ehrliche Kritik.

    Aus Glas

    Barfuß steh ich auf der großen Wiese,
    kaum zehn Minuten von meinem Elternhaus,
    sacht durchstreift sie eine milde Brise,
    die wilden Blumen sehen herrlich aus.

    Viele Vögel kommen angeflogen,
    sie haben ihr Nest im alten Pappelbaum,
    seine Blätter sind wie Meereswogen,
    die flüstern vom Leben wie von einem Traum.

    Leise zirpt die Grille ihre Weisen,
    gleich einem ruhigen Bach scheint mir ihr Gesang
    stetig zu fließen, und hoch zu preisen
    die ferne Quelle, aus der sie einst entsprang.

    Und so steh ich, wurzel in der Erde,
    bis hin zum Herzen reicht mir das schlanke Gras,
    leise weht ein Wind zu dem ich werde,
    und wie der Himmel bestehe ich aus Glas.
    Geändert von Iska (09.02.2019 um 11:39 Uhr)

  2. #2
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    Eigentlich die Art von Gedicht die immer alles ist ausser Nichtliebesgedicht. Von daher erzeugen die Bilder Gefühlswellen auf denen ich das Echo des Windes hören kann als wäre mein Leben wirklich der Traum von dem wir sagen er wäre das was uns am Leben erhält. Vielleicht auch nur ein Beweis hierfür:

    https://www.gedichte.com/showthread....BCck-der-Natur

    Liebe Grüsse!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    In der Tat viele Worte, die sich leicht mit Kindheits- und Paradiesvorstellungen verbinden lassen: Wiese, Elternhaus, Vögel, Grillenzirpen, Bach usw. Und insofern bin ich ganz und gar einverstanden, Weil einfach mitgerissen

    Aber den Himmel als Glas, als gläsern zu bezeichnen, diese Versuchung ist mir in meinen fast 85 Jahren noch nie gekommen. Glas ist mir zu starr, zu unveränderlich, zu zerbrechlich.

    Aber was und wie Himmel ist, darüber gehen die Erfahrungen sicher weit auseinander
    Ein ernster Mensch, der gerne lacht

  4. #4
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    Grüß dich Iska,
    für ein Erstlingswerk hier finde ich das nicht schlecht. Was mir beim Durchlesen gleich gefallen hat ist der Wortfluss. Der Text läuft gut, ohne unangenehme Rhythmusbrüche, passt zu den inhaltlichen Bildern „Bach“ und „Weise/Gesang“.
    Die Zeilen beginnen im Wechsel betont/unbetont, die Zeilenlängen damit meist 10 / 11 Silben.

    Zum Inhalt:
    Barfuß steh ich auf der großen Wiese.
    Ist ein guter Einstieg, einfaches und nachfühlbares Bild.

    kaum zehn Minuten von meinem Elternhaus,
    sagt mir als Leser jetzt nicht viel, wie weit die Wiese wo weg liegt, scheint mir nicht entscheidend.

    sacht durchstreift sie eine milde Briese,
    Brise bitte nicht mit „ie“. Inhaltlich ist hier sehr gedoppelt. Brise ist nach allgemeinem Sprachgebrauch ein „mildes Lüftchen“ wozu es dann noch mit müden Worten wie „sacht“ und „mild“ be-/überfrachten?

    die wilden Blumen sehen herrlich aus.
    Da du die Szene als „Wiese“ eingeführt hast, erwarte ich als Leser keine ordentlichen Beete mit akkurat gepflanzten Zierblumen. Das „wilde“ ist überflüssig für mich.Die Aussage ist darüber hinaus „platt“. „Herrlich“ gibt den Blumen nichts. . „die Gänseblümchen sehen fröhlich aus“ würde mir besser gefallen, als die“ wilden Blumen“ die „herrlich aussehen“

    Viele Vögel kommen angeflogen
    sie haben ihr Nest im alten Pappelbaum,
    es sind doch wohl eher“ Nester“.
    Sie nisten hier im alten Pappelbaum
    wäre eine aktivere Beschreibung für die Vögel

    die flüstern vom Leben wie von einem Traum.
    Finde ich als Satz „langatmig“ und der Vergleich „wie von einem“ klingt nicht.

    S 4 mit dem Ausblenden des LI, das so durchsichtig wie Glas wird, ist für mich das Highlight, gefällt mir am besten.

    Insgesamt und vor allem für ein "Einstandsgedicht" gelungen, finde ich
    lG

    Mp
    Geändert von MimusPolyglotos (06.02.2019 um 20:25 Uhr)

  5. #5
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    @Iska

    Grüße

    Die Überschrift, (aus Glas) harmoniert nicht richtig mit dem Inhalt des Gedichtes.
    Wobei „Glas“, spröde, zerbrechlich, schon eine Richtung wäre, den Inhalt sensibler rüber zubringen.
    Bei den Reimpaaren denke ich bald, sie waren vor dem Gedicht schon vorhanden.

    Naja, mein Versuch den letzten Vers zu kreieren, aber momentan fehlt die Inspiration.

    So stehe ich, verwurzelt in der Erde,
    und fast verdeckt vom schlanken Gras,
    in weiter Ferne wiehern Pferde,
    die Welt zerbrechlich, so wie ich, wie Glas.


    Aber trotzdem, weitermachen, den Anfang ist ok.

  6. #6
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    Hallo Iska,

    ein im wahrsten Sinne des Wortes blumiger Text - ein schönes Stimmungsbild. Du hast vieles...wenn auch nicht alles richtig gemacht.

    die wilden Blumen sehen herrlich aus.
    an solchen Stellen gerne etwas mehr Mut zur Poesie - und nicht selten ist das das Naheliegende

    die wilden Blumen blühen weit hinaus


    Viele Vögel kommen angeflogen,
    sie haben ihr Nest im alten Pappelbaum,
    Wohl tausend Vögel kommen geflogen,
    bauen ihre Nester in den Pappelbaum


    statt "bauen" könntest Du z.B. auch "weben" schreiben - wäre poetischer und vom Bild her gar nicht mal so falsch


    seine Blätter sind wie Meereswogen,
    die flüstern vom Leben wie von einem Traum
    .

    auch hier: statt der nüchternen Ankündigung lieber ein Adjektiv

    die Blätter, schäumende Meereswogen,
    ein flüsterndes Rauschen von Leben und Traum


    Leise zirpt die Grille ihre Weisen,
    gleich einem ruhigen Bach scheint mir ihr Gesang
    stetig zu fließen, und hoch zu preisen
    die ferne Quelle, aus der sie einst entsprang
    sehr gut - und im Prinzip makellos - Optimierungspotenzial bietet "ihre"...welches Du durch ein Adjektiv (alte/traute/liebsten/...usw) ersetzen könntest.



    Und so steh ich, wurzel in der Erde,
    bis hin zum Herzen reicht mir das schlanke Gras,
    leise weht ein Wind zu dem ich werde,
    und wie der Himmel bestehe ich aus Glas.
    Und so steh ich wurzelnd in der Erde
    oder auch
    So stehe ich jetzt wurzelnd in der Erde

    Z2 ist ein gutes Beispiel dafür...dass die Form nachrangig behandelt werden kann...wenn sie ansonsten zur "Last" wird.
    "mir" ist überflüssig - stört den Rhythmus. Also lieber 10 miteinander harmonierende Silben...als auf Teufel komm raus eine elfte einzubauen.
    Begünstigt inhaltlich auch Z4

    "schlank" würde ich nicht nehmen...da sich das auf den einzelnen Halm..und nicht allgemein aufs Gras bezieht...zudem ist schlank relativ.
    Eine Möglichkeit wäre "satte"

    nicht ein ....sondern der Wind...da ganz konkret der Wind...zu dem das LY-I wird. Nach Wind dann ein Komma.

    und wie der Himmel
    bestehe ich
    aus Glas
    und wie der Himmel bin auch ich aus Glas

    da der Prozess bereits abgeschlossen und es so nicht nach einer wissenschaftliche Abhandlung klingt


    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  7. #7
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    Hallo ihr Lieben!
    Jetzt erst sehe ich die vielen und ausführlichen Zuschriften - vielen vielen Dank dafür! Besonders für die Analysen der einzelnen Strophen, welche mich wirklich dazu inspirieren, dass Gedicht noch einmal vorzunehmen.
    Die Kritik am "gläsernen Himmel" oder dem "Glas" kann ich gut nachvollziehen - auch ich habe hin und her überlegt, aus besagten Gründen. Vielleicht wird das "Glas" auch noch weichen müssen, aber als das Gedicht entstanden ist - in einer melancholischen Stimmung, mit Heimweh nach der Kindheit, in Erinnerungen schwelgend die zerbrechlich sind - da schien es mir doch sehr passend.
    Liebe Grüße!
    Iska

    PS: "Briese - Brise" wird natürlich sofort geändert. Ähem.

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